Geistlicher Abend mit Kapuziner Paulus Terwitte
"Lebe deine Konflikte"
Bistum. Wenn jemand mit Vornamen Bernhard den Ordensnamen "Paulus" wählt, darf man Begeisterung für den Völkerapostel unterstellen. Dem Kapuzinerbruder Paulus Terwitte (49), gebürtig aus Stadtlohn, war diese Freude beim Geistlichen Abend zur Fastenzeit am Mittwoch (25.03.2009) im St.-Paulus-Dom in Münster anzumerken, wo er über den Galaterbrief predigte. Dies teilte die Bischöfliche Pressestelle am Donnerstag (26.03.2009) mit.
Markus Kopf, Oberspielleiter an den Städtischen Bühnen Münster, rezitierte mit großem Nachdruck Teile des Galaterbriefs. Darin setzt sich Paulus vehement mit Irrlehren auseinander. Etwa mit jener, dass sich getaufte Heiden wie die Judenchristen beschneiden lassen und das alttestamentliche Gesetz als heilsnotwendig anerkennen müssten. Paulus dagegen betont: Durch die Taufe gelange man vollgültig in die Kirche.
"Die von Gott gestiftete Attraktivität des Humanen, die in Jesus ein konkretes Gesicht bekommen hat, muss nun in uns Christen heute ein Gesicht bekommen", forderte Terwitte. Paulus' Botschaft sei "Lebe deine Konflikte." Wer als Mensch reifen wolle, müsse auch Streit bejahen, Konflikte in der Kirche ertragen: "Ich wünsche mir für unsere Kirche viel Feuer und weniger windschnittige Anpassung." Wer seine Schwachheit bejahe, Fehler einräume und Konflikte benenne, sei auf dem besten Weg, ein "einladender Mensch" zu werden.
"Mit Gott Grenzen überschreiten"
Der Kapuziner wies darauf hin, dass Saul ein "echter Jude" mit hellenistischem Denken gewesen sei, noch dazu "mit Stolz Römer". Im Damaskus-Erlebnis sei dem Völkerapostel buchstäblich ein Licht aufgegangen. "Auch wir sitzen heute doch gerne, wie er damals, stolz auf einem hohen Ross", meinte Terwitte. Paulus habe die Erfahrung gemacht, dass sich mit Gott Grenzen überschreiten ließen: "Mit Christus ist uns eine Hilfe gegeben, wirklich Mensch zu werden." Wahre Humanität lasse sich finden, wenn "wir Christus tiefer erkennen und ihn an uns binden, wenn wir uns von ihm heilen lassen. Gott kann sein Werk nur tun durch uns."
Stimmig ergänzte vor mehreren Hundert Zuhörern die Musik den Text. Domorganist Thomas Schmitz spielte Werke von César Franck, Olivier Messiaen und Johann Sebastian Bach. Messiaens "Les enfants de Dieu" ("Die Kinder Gottes") nahm unmittelbar Bezug auf den Galaterbrief.
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Text: pd, jjo
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