
Die zweite Enzyklika von Papst Benedikt XVI. trägt den Titel "Spe salvi".
Christliche Hoffnung
Die zweite Enzyklika
Vatikanstadt. Papst Benedikt XVI. veröffentlichte im November 2007 seine zweite Enzyklika. Darin stellt er die christliche Hoffnung weltlichen Zukunftsverheißungen und einer blinden Fortschrittsgläubigkeit gegenüber. Alle Versuche und Theorien, menschliche Vernunft und Freiheit ohne Gott zum Maßstab einer vollkommenen Weltordnung zu machen, hätten sich als unzureichend erwiesen, so der Papst.
In seinem 80-seitigen Lehrschreiben betont Benedikt XVI., letztlich sei Gott das Fundament der Hoffnung, und Hoffnung sei das Kennzeichen des Christentums: "Der Mensch braucht Gott, sonst ist er hoffnungslos." Das Dokument trägt den lateinischen Titel "Spe salvi" (Auf Hoffnung hin sind wir gerettet).
Jesus kein Freiheitskämpfer
Das Christentum sei keine sozialrevolutionäre Botschaft und Jesus kein Freiheitskämpfer. Vielmehr habe er die Begegnung mit Gott gebracht und damit die Begegnung mit einer Hoffnung, betont der Papst in seinem theologisch und philosophisch anspruchsvollen Schreiben. Die gegenwärtige Glaubenskrise ist für Benedikt XVI. vor allem eine Krise der christlichen Hoffnung.
Dabei setzt er sich mit den Ideen der Französischen Revolution wie auch mit Kant, Marx und Engels bis hin zu Adorno und Horkheimer auseinander. Wissenschaft und politische Theorien hätten sich als überfordert erwiesen, was die Erlösungserwartung des Menschen betrifft. Vernunft und Glauben brauchten einander. Notwendig sei eine "Selbstkritik der Neuzeit im Dialog mit dem Christentum und seiner Hoffnungsgestalt". Es verlange aber auch von der Kirche, dass sie sich nicht in eine Privatsphäre zurückziehe, sondern in der Welt neu positioniere.
Ausdrücklich wendet sich der Papst gegen eine unpersönliche Jenseits-Vorstellung. Der Himmel sei "nicht leer" und das Leben nicht nur bloßes Produkt der Gesetze und des Zufalls der Materie.
Christentum hat Radius seiner Hoffnung verengt
Jede Generation müsse neu um die rechten Ordnungen der menschlichen Dinge ringen, forderte der Papst. Gute Strukturen könnten zum Gutsein der Welt beitragen, aber sie allein reichten nicht aus, wiederholte er bereits früher geäußerte Vorbehalte. Denn der Mensch könne "nie einfach nur von außen her erlöst werden" - und keinesfalls durch die Wissenschaft. Diese könne zwar vieles zur Vermenschlichung der Welt beitragen, sie aber auch zerstören, wenn sie nicht von höheren Kräften geordnet würde.
Als Fehleinschätzung bezeichnete Benedikt XVI. die marxsche Theorie vom "Paradies auf Erden". Marx habe zwar die gesellschaftlichen Missstände der Ausbeutung präzise analysiert und den Weg zum Umsturz aufgezeigt. Aber er habe die menschliche Freiheit ignoriert, die "immer auch Freiheit zum Bösen bleibt"; zudem habe er nicht gesagt, wie es weitergehen könne - und damit trostlose Zerstörungen hinterlassen.
Aufforderung zur kirchlicher Selbstkritik
Der Papst forderte zugleich kirchliche Selbstkritik ein. Angesichts der Erfolge der Wissenschaft in Sachen Weltgestaltung habe sich das neuzeitliche Christentum weitgehend auf das Individuum und sein Heil zurückgezogen. Auch wenn es gute Bildungs- und Sozialarbeit leiste, habe es damit "den Radius seiner Hoffnung verengt und auch die Größe seines Auftrags nicht genügend erkannt", mahnte Benedikt XVI.
Als praktischen "Lern- und Übungsort der Hoffnung" bezeichnete der Papst das Gebet: Richtiges Beten sei stets eine innere Reinigung, "die uns gottfähig und so gerade auch menschenfähig macht". Auch gehöre dazu das Handeln: "Alles ernsthafte und rechte Tun des Menschen ist Hoffnung im Vollzug." Ohne Glauben drohe der Einsatz für die Zukunft in Fanatismus umzuschlagen. "Wenn wir nicht auf mehr hoffen dürfen als auf das jeweils gerade Erreichbare und auf das, was die herrschenden politischen und wirtschaftlichen Mächte zu hoffen geben, wird unser Leben bald hoffnungslos."
Himmel und Hölle als Hoffnungsbild
Auch im Leiden sieht Benedikt XVI. einen Lernort der Hoffnung. Innerweltliche Versuche, das Leid zu erklären, griffen zu kurz. Natürlich müsse man versuchen, das Leiden zu begrenzen und zu bekämpfen. Aber ganz aus der Welt schaffen könne man es nicht, "weil niemand von uns imstande ist, die Macht des Bösen, die Schuld aus der Welt zu schaffen". Das könne nur ein Gott, der Mensch geworden sei und gelitten habe. Mit dem Glauben, "dass diese Macht besteht, ist die Hoffnung auf die Heilung der Welt in der Geschichte hervorgetreten".
Als "entscheidendes Hoffnungsbild" bezeichnete der Papst die Lehre vom Letzten Gericht, von Himmel, Hölle und vom Fegefeuer. Mit dem Tod würden die Lebensentscheidungen endgültig, der Mensch müsse sich vor Gott verantworten. Dabei gebe es durchaus die Möglichkeit eines unwiderruflichen Scheiterns - und damit die Hölle, betonte er unter Hinweis auf Gestalten der Gegenwartsgeschichte.
Hölle
"Es kann Menschen geben, die in sich den Willen zur Wahrheit und die Bereitschaft zur Liebe völlig zerstört haben", betont Benedikt XVI. An solchen Menschen wäre nichts mehr zu heilen, die Zerstörung des Guten unwiderruflich: "Das ist es, was mit dem Wort Hölle bezeichnet wird." Das Fegefeuer beschrieb er dagegen als Ort der Reinigung nach dem Tod, die den Gläubigen "endlich gottfähig" machen solle.
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KNA Katholische Nachrichtenagentur GmbH | Foto: Bönte
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