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26.03.2017
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Anna Katharina Emmerick

Bischof em. Reinhard Lettmann bei der Dankmesse zur Seligsprechung Anna Katharina Emmericks im Petersdom.

Lettmann zu Anna Katharina Emmerick:

Was sie uns sagen kann

Bistum. Vor längerer Zeit wollte ein Künstler ein Kreuz schaffen aus alten Autowracks. Ausgeschlachtet, vom Rost zerfressen, zusammengeschlagen: So liegen die alten Autoreste auf den Schutthalden und interessieren nicht einmal mehr den Altwarenhändler.
Dieses wertlose Gerümpel schiendem Künstler das geeignete Material, um die Not und Erniedrigung vieler Menschen darzustellen: ausgebeutet, verbraucht und dann am Ende beiseite geworfen auf die Schutthalde der Gesellschaft. "Gekreuzigtes": So wollte der Künstler sein Werk nennen. Das Kreuz als Symbol für alle Not und Erniedrigung des Menschen; das Kreuz zugleich als Zeichen des Protestes.

"Gekreuzigtes"? Zerschlagene Autowracks können Zeichen für die Not und Ausbeutung des Menschen sein. Sie können Zeichen des Protestes sein und zugleich Impuls zur Befreiung des Menschen aus Unterdrückung, Erniedrigung und Not. Aber sie sind noch nicht Zeichen der christlichen Erlösung. Die Befreiung, zu der solche Bilder Anstoß geben können, setzt nicht tief genug an. Die unmenschlichen Kriege, die Rassenverfolgung, die Gräuel der Konzentrationslager, Unterdrückung, Ungerechtigkeit, Ausbeutung, Folter und Mord:In diese Sünde der Welt ist die persönliche Schuld des Menschen in vielfältiger Weise hinein verwoben. Der letzte Grund der Sünde aber liegt in der Abkehr des Menschen von Gott. Aus eigener Kraft kann sich der Mensch aus diesem Zustand der Gottesferne nicht befreien. Deshalb reichen alle Bemühungen der Menschen um eine bloß innerweltliche Befreiung nicht aus.

Sie verweist auf das Kreuz

Doch Gott selbst hat seinen eigenen Sohn in die Welt gesandt, um die Menschen mit sich zu versöhnen. Davon kündet das christliche Kreuz, auf das Anna Katharina Emmerick uns verweist. Sie schildert in ihren Visionen den Tod Jesu am Kreuz.Um ihn geht es, um den Gekreuzigten. Ohne ihn wäre das Kreuz sinnlos und leer und so wertlos wie die alten Autowracks. Ohne den Gekreuzigten bliebe auch der Protest ein hilfloser Aufschrei. Das Bild des gekreuzigten Herrn zeigt uns die ganze Tiefe menschlicher Not und Verlorenheit. Zugleich aber ist es für uns das Zeichen der Erlösung und des Heiles.

Das Leben Anna Katharina Emmericks ist gekennzeichnet von einer tiefen Christusverbundenheit. Sie liebte es, vor dem berühmten Coesfelder Kreuz zu beten. Häufig ging sie den großen Kreuzweg. Sie nahm persönlich so sehr teil am Leiden des Herrn, dass es nicht übertrieben ist zu sagen: Sie lebte, litt und starb mit Christus.

Ihr Leben kann uns auf diese tiefe grundlegende Dimension unseres christlichen Lebens hinweisen. Unsere Erlösung besteht in der Verähnlichung und Vereinigung mit Christus. Wir haben Gemeinschaft mit Christus im Leiden und Tod. Gerade in diesen Situationen des menschlichen Lebens sind wir Christus verbunden. In dieser Christusverbundenheit ist alles, was uns im Leben trifft – Mühsal, Not, Leiden, Tod – , alles das, was uns häufig so sinnlos zu sein scheint und unser Leben angreift und zu zerstören droht, letztlich entmachtet.

In der Verähnlichung und Vereinigung mit Christus wird es verwandelt zu unserem Heil. "Diese Verähnlichung mit dem erniedrigten und mit dem erhöhten Christus ist der unentbehrliche Schlüssel zum Verständnis des christlichen Daseins, umgetröstet in dieser Zeit zu leben und zugleich sehnlich der endgültigen Vollendung entgegenzugehen" (H. Volk).

Große Marienverehrerin

Anna Katharina Emmerick war eine große Marienverehrerin. Der Festtag Mariä Geburt ist auch ihr Geburtstag. Ein Wort aus einem Mariengebet weist uns auf einen weiteren Aspekt im Leben Anna Katharinas hin. In diesem Gebet heißt es: "O Gott, lass uns nach dem Vorbild des Glaubens und der Liebe Mariens dem Werk der Erlösung dienen." Dem Werk der Erlösung dienen: das wollte Anna Katharina Emmerick.

Der Apostel Paulus spricht im Brief an die Kolosser von zwei Weisen des Dienstes am Evangelium, des Dienstes an der Erlösung. Die eine Weise besteht in der aktiven Verkündung in Wort und Tat. Was aber, wenn das nicht mehr geht? Paulus, der sich offensichtlich in einer solchen Situation befindet, schreibt: "Jetzt freue ich mich in den Leiden, die ich für euch ertrage. Für den Leib Christi, die Kirche, ergänze ich in meinem irdischen Leben das, was an den Leiden Christi noch fehlt" (Kol 1,24).

Anna Katharina Emmerick hat ihr Leiden als einen Dienst an der Erlösung aufgefasst. Doktor Wesener, ihr Arzt, berichtet in seinem Tagebuch ihren Anspruch: "Ich habe es mir immer als eine besondere Gabe von Gott erbeten, dass ich für die leide und womöglich genugtue, die aus Irrtum oder Schwachheit auf dem Irrweg sind." Es wird berichtet, dass Anna Katharina Emmerick vielen ihrer Besucher Glaubenshilfe und Trost spendete. Ihr Wort hatte diese Kraft, weil sie ihr Leben und Leiden in den Dienst der Erlösung hineintrug. Durch Glauben und Liebe dem Werk der Erlösung dienen: Anna Katharina Emmerick kann uns darin ein Vorbild sein.

Dr. Wesener überliefert den Ausspruch Anna Katharina Emmericks: "Ich habe den Dienst an dem Nächsten immer für die höchste Tugend gehalten. In meiner frühesten Jugend schon habe ich Gott gebeten, dass er mir die Kraft verleihen wolle, meinen Mitmenschen zu dienen und nützlich zu sein. Und ich weiß jetzt, dass er meine Bitte erfüllt hat."Wie konnte sie, die jahrelang an das Bett gefesselt war, den Nächsten dienen?

Freundschaft mit Gott

Sie warf ihre Freundschaft mit Gott in die Waagschale in der Solidarität mit den Menschen. Wird hier nicht ein Anliegen für das christliche Leben unserer Tage deutlich? Der christliche Glaube erfasst nicht mehr alle. Die christliche Gemeinde steht stellvertretend in unserer Welt für die Menschen vor Gott. Wir müssen unsere Freundschaft mit Gott in die Waagschale werfen in der Solidarität mit den Menschen.

Anna Katharina Emmerick ist uns verbunden in der Gemeinschaft der Glaubenden. Diese Gemeinschaft endet nicht mit dem Tod. Wir glauben an die bleibende Gemeinschaft mit allen, die Gott zur Vollendung geführt hat. Wir sind mit ihnen über den Tod hinaus verbunden, und sie nehmen an unserem Leben teil. Wir können sie anrufen und sie um ihre Fürsprache bitten. Wir bitten die künftige Selige Anna Katharina Emmerick, dass sie ihre Freundschaft mit Gott in die Waagschale werfe in der Solidarität mit uns und mit allen Menschen.

Text: Bischof Dr. Reinhard Lettmann in "Kirche+Leben" | Foto: Michael Bönte
27.05.2004

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