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23.04.2017
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Geburtshaus Anna Katharina Emmericks

Das Elternhaus der Anna Katharina Emmerick, ein ärmlicher Kotten in Flamschen bei Coesfeld.

Annäherungen an eine Selige (1)

Eine Frau voller Selbstbewusstsein

Anna Katharina Emmerick als stille Dulderin? Wohl kaum. Vielmehr eine Frau, die in Vielem ihrer Zeit voraus war, wie auch Schwester Elisabeth Siegbert erst nach näherer Beschäftigung mit ihr erkannte. Ihrem Beitrag ist der erste in der Serie "Annäherungen an eine Selige", die A. K. Emmerick aus neuen, ungewohnten Perspektiven vorstellt:

Gut neun Jahre habe ich in der Nähe des Geburtshauses von Anna Katharina Emmerick gelebt, aber mich eigentlich nie mit ihrer Person beschäftigt. Ich hatte früher schon von ihr gehört. Doch was ich hörte, schreckte mich eher als dass es mich reizte, mich mit dieser Frau zu beschäftigen. Und dann sprachen mich die beiden Pfarrer aus Dülmen und Coesfeld an, ob es mich nicht doch reizen würde, mich mit dieser Frau auseinander zu setzen. So habe ich zum ersten mal in meinem Leben intensiv über Anna Katharina Emmerick gelesen. Und ich muss gestehen, bei so manchem mir Unverständlichen, hat mich vieles fasziniert.

Drei Aspekte möchte ich hervorheben. Da ist die starke Frau, die selbstbewusst ihren Weg geht, der gar nicht der Zeit und ihrem Stand entsprach. Genauso selbstbewusst setzt sie sich mit dem Gottesbild ihrer Zeit auseinander und findet ihr eigenes. Und diese selbstbewusste Frau stellt sich ganz in den Dienst der Menschen, wieder auf ihre eigene Weise.

Die "stille Dulderin" wird Anna Katharina Emmerick gern genannt. Und eben dieses Bild hat mich auch immer dazu veranlasst, ihr aus dem Weg zu gehen. Doch was ich nun gefunden habe, entspricht gar nicht diesem Bild. Anna Katharina Emmerick verfolgte mutig, gradlinig und konsequent ihr Ziel, sich ganz in die Nachfolge Jesu zu stellen.

Nachfolge mit allen Konsequenzen

Der Weg für sie begann schon sehr früh. Obwohl sie nur wenige Monate die Schule besuchte, lernte sie genug lesen, um sich mit der Bibel und mit anderer religiöser Lektüre zu beschäftigen. Doch sie las nicht nur, sie stellte sich alles vor und verinnerlichte es. Vieles faszinierte sie so, dass sie davon tief ergriffen war. Oft stand sie vor dem Coesfelder Kreuz – wie viele Menschen ihrer Zeit – und ging den großen Kreuzweg. So wurde ihr früh klar: Sie wollte sich ganz in die Nachfolge Jesu stellen, ohne Wenn und Aber, mit allen Konsequenzen.

Aber als arme Kötterstochter in ein Kloster aufgenommen zu werden, war zu ihrer Zeit eigentlich unmöglich. Doch Anna Katharina Emmerick stieß auf viel mehr Widerstand. Der Gedanke an einen Klostereintritt führte zu Auseinandersetzungen vor allem mit ihren Eltern, die strikt dagegen waren. Bei allem Gehorsam den Eltern gegenüber, der damals selbstverständlich und wichtig war, fühlte sie sich aber dem als richtig Erkannten verpflichtet. Nichts konnte sie von ihrem Weg abbringen.

Auch nicht der Widerstand im Kloster. Keine Gemeinschaft wollte eine arme Frau, die nichts mit ins Kloster brachte. So sparte sie, wo sie nur konnte. Sie gab ihre verhältnismäßig gute und gewinnbringende Aufgabe als Wandernäherin auf, um Orgel spielen zu lernen. Denn sie wusste, dass bei den Klarissen in Münster eine Orgelspielerin gesucht wurde. Doch dieses Vorhaben scheiterte total. Die Familie des Organisten Söntgen, zu dem sie 25-jährig kam, war so verarmt und in Not, dass sie all ihre Arbeitskraft und ihre Ersparnisse brauchte, um das Nötigste für die Familie zu beschaffen. Ihr Ziel – der Eintritt ins Kloster – schien vor dem endgültigen Aus zu stehen.

Und doch verlor sie nie die Gewissheit, dass das ihr Weg sei. Die Tochter der Familie Söntgen fand Aufnahme im Agnetenkloster in Dülmen. Sie konnte Orgel spielen und war Lehrerin. Also war sie dort erwünscht. Ihre Eltern setzten durch, dass sie nur gemeinsam mit Anna Katharina Emmerick kommen würde. Jetzt schien das Ziel erreicht.

 

Unzeitgemäßes Verständnis von Gehorsam

Doch das Leben im Kloster war eine absolute Enttäuschung für Anna Katharina Emmerick. Die Schwestern lebten nicht das, was sie sich unter einem Klosterleben vorgestellt hatte. Sie wollte mehr Gebet, intensiveres Christsein. Für Einiges hatte die Oberin Verständnis, Anderes setzte Anna Katharina Emmerick einfach durch. Sie ging auch hier konsequent den Weg, den sie als richtig erkannte, auch unter dem Gespött der anderen.

Nicht nur im Kloster, auch in der Kirche war vieles nicht so, wie es einem christlichen Leben entsprechend sein sollte. Auch hier bildete sie sich ihr eigenes Urteil. Bei aller Verehrung für das Priestertum, wie es damals üblich war, konnte sie kritisch Stellung nehmen zu dem laschen Christsein vieler Priester. Da war sie nicht nur die große Dulderin, sondern konnte auch klare Worte sagen.

Ihr Verständnis von Gehorsam entsprach nicht der Zeit. Sie fügte sich nicht einfach der kirchlichen wie auch der weltlichen Obrigkeit. Gehorsam bedeutete für sie Hören: auf Gott, auf die Menschen, auf die Situationen und auf ihre innere Stimme. So konnte sie sich bei aller Liebe und Verpflichtung doch gegen den Willen der Eltern entscheiden und gegen oder ohne Wissen der Oberin handeln. Sie spürte, dass sie Gott und sich selbst treu bleiben musste.

Viele Menschen kamen an ihr Krankenbett. Offen und selbstbewusst ging sie um mit einfachen Menschen wie auch mit Adeligen und Hochgestellten in der Zeit ihrer Krankheit. Sie hatte sich gefunden, kannte ihre Lebensaufgabe, ging zielstrebig auf ihrem Weg voran. In diesem Bewusstsein brauchte sie sich weder bei einfachen Leuten als etwas Besonders darzustellen, noch musste sie sich vor Hochgestellten klein machen. Im Gegenteil: sie konnte all diesen Menschen eine Lebenshilfe sein. Das war in der damaligen Zeit schon außergewöhnlich.

Sie selbst bezeichnet sich als "hitzig und eigensinnig" und an anderer Stelle macht sie deutlich, dass sie mit ihrer "lebhaften, schnell aufwallenden Gemütsart" zu kämpfen hatte. Da ist wenig von der stillen Dulderin zu finden. Die Menschen mag angezogen haben, wie sie sich ihrer selbst sicher war, in sich ruhte und doch offen sein konnte für Gott und die Menschen. Anna Katharina Emmerick war eine selbstbewusste Frau, ihrer Zeit weit voraus.

Und so setzte sie sich auch mit dem Gottesbild ihrer Zeit auseinander. Sie erlebte ihrer Zeit und ihrem Stand entsprechend eine strenge Kindheit. Armut, Not und Krankheit prägten das Bild ihrer Zeit. Armut, Not und Krankheit wurden als Strafe Gottes für ein sündiges Leben angesehen, also mussten die Strafen ertragen werden. Mit viel Gebet, Buße und Frömmigkeitsübungen versuchte man, Gott zu besänftigen. Mit diesem Bild des strafenden Gottes ist Anna Katharina Emmerick groß geworden. Doch indem sie sich immer tiefer mit dem Leben Jesu beschäftigte, wandelte sich ihre Vorstellung von Gott. Das ist umso erstaunlicher, als es gar nicht der Überzeugung der Menschen und der Kirche in ihrer Zeit entsprach.

Im Dienst für den gütigen Gott

Ihre Erfahrungen haben ihre tiefe, persönliche Beziehung zu Gott geprägt. Auch hier war sie die selbstbewusste Frau, die sich unabhängig davon machte, was "man" glaubte, was "man" als Christ tat. Je tiefer sie in die Gottesbeziehung hineinwuchs, umso mehr wuchs das Bild des gütigen Gottes in ihr. Seine Last war ihr leicht, bei ihm ruhte sie sich aus.

So zeigte sie ihr Selbstbewusstsein im Dienen. Sie diente Gott mit allem, was sie besaß. Sie stellte all ihre Kraft in den Dienst des Klosters und auch ihrer Mitschwestern. Bei allem Gespött redete sie nicht schlecht von den anderen. Das ist bezeugt. Ebenso stand sie den Menschen außerhalb des Klosters bei und gab, wenn nötig auch ohne Wissen der Oberin.

In ihrer Krankheit fanden immer wieder die Menschen in Not zu ihr. Sie nahm diese Menschen auf, äußerlich und vor allem mit ihrem Herzen. Sie hörte ihnen zu, nahm ihre Not ernst, trug die Not vor Gott und unternahm alles, um auch konkret zu helfen. Bei allen Schmerzen nähte sie, so viel sie konnte für die Armen.

Dabei hatte sie gut im Blick, was die anderen brauchten. An ihrem Bett saßen ja auch Menschen, denen es materiell gut ging. Auch für sie war sie da. Und da scheint sie eine besondere Gabe gehabt zu haben, ihnen wirklich zu dienen. Es ging darum, dass jede Person ihren eigenen Weg des Glaubens findet. Dem Arzt, der ein schlechtes Gewissen wegen seiner Art zu leben hatte, machte sie deutlich: Jeder muss seine Art Christentum leben. Luise Hensel, die überlegte, ins Kloster zu gehen, riet sie davon ab. Es ging nicht darum, viel zu beten sondern die je eigenen Pflichten des Alltags zu erfüllen. Das Evangelium vom Gebot der Gottes- und Nächstenliebe war für sie so etwas wie eine Leitlinie für ihr Leben. Sie war jedoch ihrer Zeit weit voraus, wenn sie auch instinktiv spürte, dass dazu eine starke, selbstbewusste Persönlichkeit gehört. Nur wer sich selbst in rechter Weise lieben kann, so sagt uns die Psychologie heute, kann auch andere wirklich lieben.

Anna Katharina Emmerick liebte Gott aus ganzem Herzen und war sich seiner Liebe sicher. Weil Gott sie vorbehaltlos liebte, konnte sie sich selbst lieben so wie sie war. Von Gott geliebt, konnte sie sich ganz in den Dienst an anderen stellen.

Mir persönlich hat die Beschäftigung mit Anna Katharina Emmerick gut getan und viel Freude gemacht, aber mich auch innerlich in Bewegung gesetzt. Sie stellt mich vor die Frage: Was ist mein Lebensauftrag? Wie kann ich ihn heute leben in meinem Alltag? Ich muss nicht werden wie sie, zum Glück nicht, das wäre mir einige Nummern zu groß. Aber ich muss meinen Weg finden in Liebe zu mir, zu Gott und meinen Mitmenschen.

Text: Schwester Elisabeth Siegbert | Foto: Archiv
02.09.04

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