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Seite: Aktuelles  >  Weihnachtsbrief des Bischofs an die Missionare 2010
11.12.2018
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Weihnachtsbrief von Bischof Genn an die Missionare

Bistum. Die traditionelle Weihnachtspost des Bischofs ist unterwegs zu rund 800 Missionaren, Entwicklungshelfern und Auslandsfreiwilligen aus dem Bistum Münster in aller Welt. In einem achtseitigen Brief informiert Felix Genn über wesentliche Ereignisse aus dem Bistum und bekundet erneut seine Erschütterung angesichts der Fälle sexuellen Missbrauchs von Kindern in der katholischen Kirche. kirchensite.de dokumentiert diesen Brief.

Sehr verehrte, liebe Schwestern und Brüder in der Weltmission, gemeinsam mit Bischof Reinhard und allen Weihbischöfen sende ich Ihnen zu den bevorstehenden Festtagen einen frohen Gruß aus Ihrem Heimatbistum! Von Herzen wünschen wir Ihnen ein gnadenreiches Weihnachtsfest und Gottes Segen für das Neue Jahr!

Wenn ich mich am Ende dieses Jahres in der bewährten Weise an Sie alle wende und so mit Hochachtung und tiefer Dankbarkeit Ihres Lebensgeschenkes an den Herrn und Seine Kirche in allen Teilen der Welt inne werde, liebe Schwestern und Brüder, dann kann ich nicht anders beginnen als mit einigen Gedanken zu den abscheulichen Verfehlungen von Priestern und Ordensleuten, die in diesem Jahr in ihrer ganzen Hässlichkeit und mit enormer Wucht an den Tag getreten sind. Es ist nicht schön, diesen Brief so zu beginnen, aber es ist unausweichlich.

Ich bin nachhaltig erschüttert, welches Ausmaß von Verwüstung in den Herzen und Seelen von jungen Menschen, gerade durch Priester und Ordensleute, angerichtet worden ist. Das Leid der Opfer ist – noch nach Jahren und Jahrzehnten – unsäglich, ihre Wunden tief. Aber auch die Kirche, der geheimnisvolle Leib Christi, wurde durch diese schändlichen Vergehen schwer verletzt, ihr Antlitz entstellt, unser Zeugnis verdunkelt. Deshalb bewegt mich gerade angesichts der konkreten Fälle aus unserem Bistum immer wieder tiefe Beschämung und Schmerz über die schwerwiegenden Sünden Einzelner. Dabei geht es gar nicht um Quantität, sondern um die innere Qualität dessen, was hier geschehen ist: dass Diener des Heilswerkes Jesu Christi sich so versündigen konnten! Dass unsere Verkündigung vom Wert jedes einzelnen menschlichen Lebens so verletzt worden ist! Wenn man bedenkt, dass der heilige Kirchenlehrer Irenäus davon gesprochen hat, dass "die Ehre Gottes der lebendige Mensch ist", und wir zugleich sehen, wie diese Ehre Gottes mit Füßen getreten wurde, dann muss ich offen gestehen: Es ist für mich unfassbar und übersteigt meine Kraft.

Bei der Feier der Chrisammesse habe ich in Einheit mit dem Presbyterium alle Opfer dieser entsetzlichen Taten um Vergebung gebeten. Ich habe diese Vergebungsbitte wiederholt bei der großen Pressekonferenz im Rahmen des Informationstages für alle Seelsorger des Bistums in der Halle Münsterland im Juni. Und ich habe in diesem Geist der Demut die Begegnung und das Gespräch mit Opfern gesucht.

Freilich kann ich dies nicht stellvertretend für jene tun, die so schwere Schuld auf sich geladen haben. Ich kann und will auch nichts entschuldigen. Wir können letztlich allein an die Barmherzigkeit Gottes appellieren, ihn um Vergebung, Reinigung und Heilung bitten und alles in unseren Kräften Stehende tun, um den Opfern zu helfen und dafür Sorge zu tragen, dass solche Greuel in Zukunft nicht mehr geschehen.

Dass wir uns dem stellen, ist ein höchst schmerzlicher Prozess. Hier gilt es genau zuzusehen, damit wir nicht die vielen Elemente, die sich in die Debatte um den sexuellen Missbrauch mischen, durcheinander bringen und die Fähigkeit zur Unterscheidung verlieren, die gerade in solchen Krisenzeiten höchst notwendig ist.

Wir alle in der Kirche sind gefordert, wahrhaft Buße zu tun, in Sühne für all das, was geschehen ist, denn in dieser Stunde bewahrheitet sich, dass einer des anderen Last zu tragen hat. Beten wir deshalb um Heilung und innere Erneuerung in den Herzen aller Glaubenden.

All dies trug ich im Herzen und hatte es plötzlich vor Augen, als ich in der Osterzeit mit einer kleinen Gruppe zu einer Wallfahrt nach Turin aufbrechen und dort das Grabtuch des Herrn verehren durfte. Der Anblick dieser einzigartigen Ikone Christi hat mich zugleich erschüttert und getröstet. Einige Sätze aus der Betrachtung, die der Heilige Vater bei seinem Gebet vor der "Santa Sindone" gehalten hat, möchte ich in diesem Zusammenhang mit Ihnen teilen:

"Das Undenkbare ist geschehen: Die Liebe ist vorgedrungen in das 'Reich des Todes'. Auch in der extremsten Dunkelheit der absoluten menschlichen Einsamkeit können wir eine Stimme hören, die uns ruft, und eine Hand finden, die uns ergreift und uns nach draußen führt. Der Mensch lebt durch die Tatsache, dass er liebt und lieben kann (…)

Dies ist das Geheimnis des Karsamstags! Gerade von dort, aus dem Dunkel des Todes des Sohnes Gottes, ist das Licht einer neuen Hoffnung hervorgebrochen: das Licht der Auferstehung. Und mir scheint, dass wir etwas von diesem Licht wahrnehmen, wenn wir dieses heilige Leinentuch mit den Augen des Glaubens betrachten. Denn das Grabtuch war eingetaucht in jene tiefe Dunkelheit, aber zur gleichen Zeit leuchtet es. (…) Mitten im Tod pulsiert jetzt das Leben, weil ihm die Liebe innewohnt. Das ist die Macht des Grabtuchs: Das Antlitz des Schmerzensmannes, der das Leiden der Menschen aller Zeiten und aller Orte auf sich genommen hat, auch unser Leiden, unseren Schmerz, unsere Schwierigkeiten, unsere Sünden – 'Passio Christi, Passio hominis' –, dieses Antlitz strahlt eine feierliche Majestät aus, eine paradoxe Herrlichkeit. Das Antlitz, die Hände und Füße, die Seitenwunde, der ganze Leib spricht zu uns; er selbst ist ein Wort, das wir in der Stille hören können. Wie spricht das Grabtuch? Es spricht durch das Blut, und das Blut ist das Leben! Das Grabtuch ist eine Ikone, die mit Blut gemalt wurde, mit dem Blut eines gegeißelten, dornengekrönten und gekreuzigten Mannes, dessen rechte Seite verwundet wurde. Das dem Grabtuch eingeprägte Bild ist das eines Toten, aber das Blut spricht von seinem Leben. Alle Blutspuren sprechen von Liebe und Leben, besonders der große Fleck in der Rippengegend, der durch das Blut und Wasser entstand, die reichlich aus einer großen, von einem Lanzenstoß verursachten Wunde strömten. Dieses Blut und dieses Wasser sprechen vom Leben. Sie sind wie ein Quell, der in der Stille rauscht, und wir können ihn hören." (Benedikt XVI., 2. Mai 2010)

Auf dem Hintergrund dieses Leinentuchs, das uns den Gottmenschen vor Augen stellt, den wir durchbohrt haben (vgl. Sach 12, 10), durch dessen Wunden wir geheilt sind (vgl. Jes 53, 5), betrachte ich alle Ereignisse des vergangenen Kirchenjahres.

Im Folgenden möchte ich, wie in jedem Jahr, einige besondere Momentaufnahmen noch einmal mit Ihnen anschauen:

- In die Zeit des Advent fiel für die Kirche von Münster ein schwerer Abschied: Nach mehreren Jahren großer körperlicher Leiden ist unser verehrter Weihbischof und lieber Mitbruder Dr. Josef Voß am 16. Dezember heimgegangen zu Gott, unserem Vater.

"Deus caritas est" – Dieses Bekenntnis, unter das er seinen Bischöflichen Dienst gestellt hat, bringt die innere Haltung zum Ausdruck, die sein Wirken als Priester und Bischof inspiriert und sein Leben geprägt hat. Dieses Zeugnis der Caritas hat im Leben von Weihbischof Josef einen besonders segensreichen Ausdruck gefunden in den vierzehn Jahren seiner Tätigkeit als Vorsitzender des Diözesancaritasverbandes von 1974 bis zu seiner Ernennung zum Weihbischof im Jahr 1988. Auch sein Wirken als Regionalbischof für die Region Coesfeld/Recklinghausen war von der Zuwendung Gottes zu allen Menschen, besonders aber zu den Benachteiligten und Hilfsbedürftigen geleitet. Die ihm anvertrauten Gläubigen, aber auch alle, die ihn in seinen vielfältigen Aufgaben erlebt haben, werden ihn als bescheidenen und lebensnahen, vor allem aber auch von tiefer Glaubensfreude erfüllten Seelsorger in dankbarer Erinnerung behalten. Hohes Ansehen weit über die Grenzen des Bistums und der Deutschen Bischofskonferenz hinaus hat Weihbischof Voß dadurch genossen, dass er ein äußerst kompetenter, streitbarer und bis zuletzt gefragter Anwalt für die Migranten und Flüchtlinge war.

Sein Heimgang hat uns mit großer Trauer und mit Schmerz erfüllt – mehr noch aber mit tiefer Dankbarkeit. Ich fasse unsere Bitte für Bischof Josef in ein Bild, das mir in jenen Tagen nicht aus dem Sinn ging. Oft, wenn ich auf das Fenster seines Arbeitszimmers schaute, war noch spät abends Licht. Er kam auch am Ende langer Tage nicht zur Ruhe. Dieses Licht brennt nicht mehr. Wie sehr trifft dann die Gebetsbitte auf ihn zu: "Herr, gib ihm die ewige Ruhe, und das ewige Licht leuchte ihm. Herr, lass ihn ruhen in Frieden."

- Eine andere Verabschiedung machte uns das Herz ebenfalls schwer, bescherte uns jedoch zugleich die Freude über das Vertrauen des Heiligen Vaters in Weihbischof Dr. Franz-Josef Overbeck, den er der Kirche von Essen als Bischof geschenkt hatte: So wird es für Bischof Franz-Josef und für sein neues Bistum ein "doppelter Advent" gewesen sein, wahrhaft eine Zeit der Erwartung und des Aufbruchs.

Im Rahmen einer Pontifikalvesper zum Dritten Adventssonntag haben wir ihm hier für seinen großherzigen und kompetenten Dienst im Bistum Münster gedankt. Ein sichtbares Zeichen der bleibenden Verbundenheit mit seiner Heimatdiözese ist ein Reliquiar mit einer Reliquie des seligen Clemens August, das ich ihm überreicht habe. Am darauf folgenden Sonntag wurde Bischof Franz-Josef unter großer Beteiligung von Priestern und Gläubigen des Bistums Münster als vierter Bischof von Essen in sein Amt eingeführt. Der neue Ruhrbischof deutete diesen adventlichen Auftakt im Hinblick auf die großen Veränderungsprozesse im Bistum Essen und die damit verbundenen Herausforderungen als Besinnung auf "die Kräfte des Anfangens". Wir wünschen ihm von Herzen, dass sich ihm diese Kraft, die ihren Grund allein in Gott hat, stets erneuert. Der Herr begleite ihn und die ihm Anvertrauten mit seinem Segen!

- Zu Beginn des neuen Jahres durften wir einen hohen Gast begrüßen: Anlässlich des Neujahrsempfangs unseres Diözesankomitees sprach Oskar Kardinal Rodriguez Maradiaga, Erzbischof von Tegucigalpa in Honduras und Präsident von Caritas Internationalis, über "Ethische Herausforderungen der Globalisierung".

- Am 12. Januar erschütterte ein verheerendes Erdbeben Haiti. Von dieser neuerlichen Katastrophe im ärmsten Land Amerikas ist die Weltöffentlichkeit tief berührt. In meiner Eigenschaft als Präsident der Bischöflichen Kommission Adveniat, welche inzwischen dem neuen Bischof von Essen übertragen wurde, aber auch durch die Tatsache, dass zur Eröffnung der Adveniat-Aktion 2009 noch Gäste aus Haiti hier in Münster waren, empfinde ich eine besondere Nähe. Durch eine Soforthilfe von Seiten des Bistums wie durch die Errichtung eines eigenen Adveniat-Fonds, aber auch durch unseren Beistand im Gebet, sind wir den Menschen in Haiti zu Hilfe gekommen und wollen sie diesem hart geprüften Land auch in Zukunft nicht versagen.

- "Gottes Schöpfung bewahren – damit alle leben können" – unter diesem Wort wurde am ersten Fastensonntag in unserem Dom die bundesweite Misereor-Fastenaktion eröffnet. Gott ist es, der uns diese Welt gegeben hat. Gott ist es, der sie uns geschenkt hat. Wenn wir von Gott her denken und leben, dann haben wir auch den Nächsten und die ganze Schöpfung im Blick. Bereits am Vortag konnte ich jene Fußpilger empfangen, die sich, der eisigen Witterung zum Trotz, mit einem Hungertuch auf den Weg von Hessen nach Münster gemacht hatten, um die Misereor-Eröffnung durch ihr Gebet und Opfer geistlich vorzubereiten.

- Im Rahmen der Vesper am ersten Sonntag der Fastenzeit durfte ich 30 Erwachsene aus 21 Pfarreien offiziell als Taufbewerber annehmen, so dass sie am Osterfest die Sakramente der Christwerdung, die Taufe, die Firmung und die Eucharistie empfingen. – Da entdecken Menschen, wie lohnend und erfüllend es ist, sich Jesus zuzuwenden und seinem Ruf zu folgen! Wir danken ihnen für dieses Bekenntnis, das uns allen die Schönheit und Würde unserer eigenen Taufe vor Augen stellt und uns je neu in das Zeugnis für Christus ruft.

- "In mundum universum" – das durch seinen bischöflichen Wahlspruch so treffend charakterisierte bewegte Leben des emeritierten Bischofs von Hildesheim Dr. Josef Homeyer vollendete sich in den frühen Morgenstunden des 30. März im Alter von 80 Jahren. Wenn ich die Sendung dieses Sohnes unseres Bistums im Licht seines Wappenspruchs anschaue, dann tritt als besonderes Merkmal der unermüdliche Einsatz Bischof Josefs hervor, eben dieses Evangelium als Seele des erweiterten Europa zu verkünden, insbesondere als die Frohe Botschaft von Versöhnung und Frieden zwischen Polen und Deutschland, zwischen Ost und West – als Botschaft der Hoffnung.

Mit treffenden Worten würdigte ihn Erzbischof Robert Zollitsch von Freiburg beim Requiem: "Mit großer Energie, auf sympathische und kraftvolle Weise und mit geistlicher Tiefe hat er die Kirche in Deutschland gefördert und die Deutsche Bischofskonferenz geprägt. Sein unerwarteter Tod in der Heiligen Woche gibt in besonderer Weise zu erkennen, dass Josef Homeyer im Geheimnis von Tod und Auferstehung des Herrn seine Vollendung findet."

- In der Ostervigil wurde Prof. Erich Zenger in seinem 71. Lebensjahr plötzlich heimgerufen. Als weltweit anerkannter und hochgeschätzter akademischer Lehrer konnte er auf eine reiche Ernte zurückblicken. Erst im vergangenen Jahr war ihm, der sich um den jüdisch-christlichen Dialog und eine neue Beziehung zwischen Israel und Kirche so verdient gemacht hatte, die Buber-Rosenzweig-Medaille verliehen worden. Der Herr schenke ihm die ewige Ruhe.

- Nachdem meine Einführung als Bischof nun ein Jahr zurücklag – intensive Monate, die mich schon auf manchen Wegen zu unterschiedlichen Anlässen in die Weite unseres schönen Bistums führten – habe ich im Frühjahr meine erste Visitation begonnen und zwar am Niederrhein, im Dekanat Emmerich. Die Begegnung mit einer von der Geschichte des Christentums so durchtränkten Landschaft, mit vielen altehrwürdigen Pfarreien, mit wunderschönen Kirchen und mehr noch die Begegnung mit lebendigen Gemeinden, überzeugten Christen und engagierten Seelsorgern hat mich beeindruckt und gestärkt.

Zugleich stellt sich, besonders im Zusammenhang mit der Firmung, immer wieder die Frage: Wie halten wir dieses reiche und kostbare Erbe lebendig und tragen es in die nächste Generation, so dass auch morgen die Menschen dort noch glauben?

Nicht nur auf diesen Visitationsreisen, sondern auch bei vielen anderen Gelegenheiten, wie Firmungen und Jubiläen in den anderen Regionen, lerne ich die Diözese immer mehr kennen und lieben. Dabei denke ich auch an die zahlreichen Wallfahrtsorte die ich in diesem Jahr besuchen konnte. Als besondere Ereignisse möchte ich auch die Begegnung mit über 700 Ehrenamtlichen in der Halle Münsterland, im März diesen Jahres, wie an die Priesterwahllfahrt nach Xanten im September nennen.

Für die herzliche Aufnahme und das Wohlwollen, welche ich je neu erfahre, bin ich tief dankbar. Das hilft in den Auseinandersetzungen und Konfliktsituationen, die selbstverständlich auch nicht auf sich warten lassen.

- Dompropst Josef Alfers konnte im April sein 70. Lebensjahr vollenden. Seit nunmehr fünfzehn Jahren steht er mit großer Umsicht dem Hohen Domkapitel vor und ist dem Bischof in dieser Eigenschaft eine bedeutende Stütze – das durfte ich selbst bereits mehrfach dankbar erfahren. Auf viele weitere Jahre in Gesundheit und Frohsinn!

- Die sakralen Schätze des Oldenburger Landes vereinte die Ausstellung "Vasa sacra" zu einem eindrucksvollen Zeugnis des Glaubens wie der Ehrfurcht vor dem Heiligen. Einmal mehr standen mir bei meinem Besuch die Schönheit und Kraft des niedersächsischen Teils unserer Diözese vor Augen.

- Am Hochfest Christi Himmelfahrt hatte ich die große Freude, das neue Xantener Stiftsmuseum feierlich zu eröffnen. Nach aufwändigen Renovierungs- und Erweiterungsarbeiten finden hier Werke von herausragender, sogar europäischer Bedeutung einen würdigen Ort der Konservierung und Präsentation, der die Exponate im unmittelbaren Komplex des Xantener Doms vor allem in den geistlichen Zusammenhang stellt, aus dem sie hervorgegangen sind. – Dokumente der Glaubensüberlieferung und ihrer Geschichte befinden sich "ad Sanctos", bei den Gräbern der Heiligen, jener Märtyrer, also Zeugen, welche die eigentlichen Urkunden des Christentums sind.

- In diesem Jahr haben vier junge Männer den Weg zum Priestertum begonnen. Am dritten Sonntag der Osterzeit empfingen zehn Kandidaten die Diakonenweihe, zwei Diakone an Pfingsten und einer im Oktober das Sakrament der Priesterweihe. Ferner konnte ich am Christkönigsfest neun Ehemänner zu Diakonen weihen. Acht Frauen und Männer wurden Ende September als Pastoralreferenten beauftragt.

- Das Vollgeläut der Hohen Domkirche am 31. Mai beendete für das Bistum Münster eine lange Wartezeit: Im Dom, der sich binnen kurzer Zeit ganz gefüllt hatte, konnte ich nach dem Gebet des Angelus mit großer Freude und Dankbarkeit bekannt geben, dass der Heilige Vater drei neue Weihbischöfe für unser Bistum ernannt hatte: Domkapitular Dieter Geerlings (Region Coesfeld/Recklinghausen), Vorsitzender des Diözesancaritasverbandes, Domkapitular Dr. Christoph Hegge (Borken/Steinfurt), stellvertretender Generalvikar und Leiter der Fachstelle Orden, Säkularinstitute und Geistliche Gemeinschaften, und Propst Wilfried Theising (Niederrhein), Kreisdechant in Borken. Beim anschließenden Empfang im Bischöflichen Priesterseminar Borromaeum war Gelegenheit, das Glas zu erheben und den Erwählten die persönlichen Glückwünsche zu überbringen.

- Ende Juni haben wir Frau Margret Pernhorst als Vorsitzende des Diözesankomitees verabschiedet. Zwei Jahrzehnte hat sie in dieser Funktion Impulse gesetzt und sich mit großem persönlichen Einsatz für den Glauben engagiert. In der relativ kurzen Zeit, in der ich mit Frau Pernhorst zusammenarbeiten durfte, hat auch sie mir geholfen, in das Bistum hineinzufinden. Von Herzen danken wir ihr für alles, was sie beigetragen hat, um die Gemeinde aufzubauen, vor allem aber für das Zeugnis ihres Glaubens!

- Im Sommer begannen an der Mutterkirche des Bistums erhebliche Renovierungs- und Instandsetzungsmaßnahmen, die insgesamt einen Zeitraum von etwa drei Jahren in Anspruch nehmen werden. Dabei handelt es sich unter anderem um eine Dachsanierung, um moderne Brandschutzmaßnahmen, die Erneuerung des Heizungs- und Lüftungssystems, aber auch um ‚Schönheitsreparaturen‘ etwa am Salvatorgiebel wie im Inneren des Domes, bis hin zu einer neuen Beleuchtung.

- "Aus der wahren Quelle trinken" – inspiriert von diesem Wort machten sich im August rund 2.000 Messdiener aus dem Bistum Münster anlässlich der diesjährigen Internationalen Ministrantenwallfahrt auf den Weg in die Ewige Stadt. Begleitet wurden sie von Weihbischof Heinrich Timmerevers. Höhepunkt des Treffens für die insgesamt etwa 56.000 Jungen und Mädchen aus 18 Nationen war die Begegnung mit Papst Benedikt auf dem Petersplatz, der sich auch prompt an seine eigene Ministrantenzeit erinnert fühlte und die begeisterte Schar zur Quelle führte: "Tut großzügig euren Dienst an Jesus, der in der Eucharistie gegenwärtig ist! Das ist eine wichtige Aufgabe, die euch erlaubt, besonders nahe beim Herrn zu sein und in einer tiefen wirklichen Freundschaft mit ihm zu wachsen."

- Gemeinsam aus dieser Quelle schöpfen durfte ich mit den jungen Pilgern bei einem Jugendgebetsabend im Dom im Monat September, der die römischen Tage noch einmal aufleben ließ. Ich bin dankbar, dass so viele junge Christen in unseren Gemeinden aus der Quelle leben wollen und dazu helfen, dass sie auch in Zukunft sprudelt.

- Der 29. August war ein großer Tag für das Bistum Münster. An diesem Sonntag empfingen die erwählten Weihbischöfe Dieter Geerlings, Christoph Hegge und Wilfried Theising im Hohen Dom die Bischofsweihe. Zuletzt waren 1973 drei Priester des Bistums in einer Feier zu Bischöfen geweiht worden, nämlich Ludwig Averkamp, Reinhard Lettmann und Max Georg Freiherr von Twickel.

Gemeinsam mit mir spendeten nun Bischof Reinhard und Weihbischof Heinrich Janssen als Konkonsekratoren das Sakrament. Diese erhebende Liturgie führte zahlreiche Menschen von nah und fern zusammen, welche die Weihestunde nicht nur im übervollen Dom, sondern auch in der Überwasser- wie der Lambertikirche verfolgten. Mit den Leitworten, welche unsere drei Brüder für ihren Bischöflichen Dienst gewählt haben, spüren wir ihren eigenen Glauben: Sie gehen in diese Aufgabe und in diesen Dienst "auf sein Wort hin" (Lk 5,5), weil sie "der Liebe geglaubt haben" und glauben (vgl. 1 Joh 4,16), "die in unsere Herzen ausgegossen ist durch den Heiligen Geist, der uns gegeben ist" (Röm 5,5). Deshalb erbitten wir ihnen, immer das Bild Jesu Christi, des Guten Hirten, vor Augen zu haben, in dessen Namen sie als Lehrer, Priester und Hirten das Volk Gottes nähren, heiligen und leiten. Dazu begleiten sie unsere herzlichen Glück- und Segenswünsche!

- Als Nachfolger von Weihbischof Dr. Christoph Hegge habe ich Pfarrer Dr. Jochen Reidegeld zum stellvertretenden Generalvikar ernannt. Pfarrer Dr. Reidegeld ist zugleich Leiter der Fachstelle Orden, Beauftragter für den öffentlich-rechtlichen Rundfunk und Diözesanrichter am Bischöflichen Offizialat. Ich freue mich auf eine gute Zusammenarbeit!

- Von Bedeutung war ferner die Wiedereröffnung des Bistumsarchivs an der Georgskommende, eines der größten seiner Art in Deutschland, das nach zweijähriger Renovierung wieder seiner Bestimmung übergeben werden konnte. Mit seinen wertvollen Nachlässen, die bis ins zwölfte Jahrhundert zurückreichen, ist das Archiv ein unentbehrliches Instrument, um die Gegenwart zu verstehen und bewusst in die Zukunft zu gehen.

- Mit der Seligsprechung des aus der Grafschaft Glatz stammenden Priesters und Märtyrers Gerhard Hirschfelder, der im Alter von 35 Jahren im KZ Dachau sein Leben als Zeuge für Christus hingegeben hat, sah der Hohe Dom St. Paulus in seiner nun fast 750-jährigen Geschichte eine Premiere: Erstmals wurde hier unter eindrucksvoller Teilnahme, natürlich insbesondere der Gläubigen, die ihre Wurzeln in der Grafschaft Glatz haben, ein Diener Gottes zur Ehre der Altäre erhoben. Erzbischof Joachim Kardinal Meisner nahm die Seligsprechung im Auftrag des Heiligen Vaters vor. In seiner Predigt bemerkte er treffend: "Bei diesem jungen Priester können auch ältere Priester und Bischöfe in die Schule gehen. 'Entzünde in uns das Feuer seiner Liebe!', ist die Bitte nach einer Begegnung mit Gerhard Hirschfelder."

Ich freue mich, dass Prof. Hugo Goeke ein so tiefes Lebensbild Kaplan Hirschfelders gelungen ist, das ich Ihnen gern mit diesem Schreiben als Weihnachtsgabe zusende. Es führe Sie in die 'zündende' Begegnung mit diesem kraftvollen Zeugen, der uns als neuer Freund vom Himmel her geschenkt ist.

- Ende September wurde Domkapitular Martin Hülskamp, der in diesem Sommer sein Silbernes Priesterjubiläum feiern konnte, bislang Bischöflicher Offizial, als neuer Leiter des Katholischen Büros in Düsseldorf, des Kommissariats der Bischöfe in Nordrhein-Westfalen, eingeführt. Zugleich verlieh ihm Papst Benedikt XVI. den Titel eines Päpstlichen Ehrenprälaten. Prälat Hülskamp bleibt residierender Domkapitular in Münster. Wir danken ihm sehr für seinen kompetenten Dienst am Bischöflichen Offizialat und wünschen ihm in seiner neuen Verantwortung Gottes Segen!

Seine Nachfolge als Offizial hat der bisherige Propst von Vechta, Kurt Schulte, angetreten. Ihm danke ich für seine Bereitschaft, diese verantwortungsvolle Aufgabe zu übernehmen und erbitte auch ihm den Segen des Herrn!

- Anlässlich der Vollendung seines 78. Lebensjahres am 13. Oktober, haben wir im Kreis des Domklerus, der Mitglieder des Bischöflichen Rates und der Mitbrüder aus der Niederländischen Bischofskonferenz mit Weihbischof Heinrich Janssen die Vesper in seinem Geburtsort Kevelaer gefeiert. Mit der Ernennung seines Nachfolgers als Regionalbischof für den Niederrhein wurde Bischof Heinrich, nachdem er seinen Dienst weit über die übliche Altersgrenze hinaus mit großer Verfügbarkeit fortgesetzt hatte, Ende Mai nun wohlverdient entpflichtet. In seiner Bescheidenheit wünschte er zwar keine eigene Verabschiedung, mir und den Mitbrüdern war es jedoch ein großes Anliegen, ihm zumindest in diesem kleinen Kreis zu danken und seinen treuen und großherzigen Dienst über so viele Jahre zu würdigen. Beim festlichen Abendessen im Anschluss an die Vesper kam dies auf sympathische Weise zum Ausdruck.

"Suchet, wo Christus ist" – Wir danken Bischof Heinrich, dass er durch seine Verkündigung und durch sein Beispiel immer wieder Christus in die Mitte gestellt hat. Er segne seine aufsteigenden Jahre und erhalte ihm Gesundheit und Lebensfreude. Ad multos annos!

- Im November haben wir Domvikar Stefan Sühling als Leiter der Hauptabteilung Seelsorge verabschiedet, bevor er seine neue Aufgabe als Pfarrer und Kreisdechant in Wesel antritt. Domvikar Sühling hatte die Leitung der Hauptabteilung im Jahr 2004 übernommen und seitdem, in einer Zeit weitreichender Umstrukturierungen und damit verbundener großer Herausforderungen, mit hohem Engagement die Geschicke des Seelsorgeamtes geleitet. Dabei ist es ihm stets um das Fundament des Glaubens gegangen, das bereits gelegt ist, und auf dem es das Haus der Kirche aufzubauen gilt. Wir sagen Domvikar Sühling von Herzen Dank und wünschen ihm allen Segen für sein künftiges Wirken!

- Schließlich sind noch einige Veränderungen im Hohen Domkapitel zu nennen: Domkapitular Theodor Buckstegen sowie der nicht residierende Domkapitular Pfarrer em. Conrad Drees hatten beide um Emeritierung gebeten. Daher nutze ich gern die Gelegenheit, ihnen für ihren langjährigen treuen Dienst am Hohen Dom wie als Mitglieder im Beratungs- und Wahlgremium des Bischofs aufrichtig zu danken!

Folgende Herren habe ich nun im Einvernehmen mit dem Domkapitel ernannt: Zunächst Weihbischof Heinrich Timmerevers vom nicht residierenden zum residierenden Domkapitular, dann Weihbischof Wilfried Theising, Domvikar Hans-Bernd Köppen, seines Zeichens Leiter der Hauptabteilung Seelsorge-Personal, sowie Offizial Kurt Schulte zu residierenden Kapitularen. Ferner wurden Pfarrer Heinz Taphorn, Langförden im oldenburgischen Teil des Bistums, sowie Münsters Stadtdechant Dr. Ferdinand Schumacher und Kreisdechant Stefan Sühling zu nicht residierenden Domkapitularen ernannt. Die feierliche Investitur wird in der Vesper am dritten Adventssonntag stattfinden.

Liebe Schwestern und Brüder, wenn diese Zeilen auch nur einen sehr begrenzten Ausschnitt aus dem Jahr unseres Bistums bieten, so greifen sie doch weit aus, indem wir Sie alle in der weiten Welt ausdrücklich hineinnehmen möchten in das Gebet und Leben Ihrer Heimatdiözese.

Seit ich in Turin war, geht der buchstäbliche "Eindruck" Seines Bildes auf dem Grabtuch mit mir, dieses stille Zeugnis der Liebe Christi, Seines Lebens für uns. Wir werden es wiederfinden in der Krippe, in dem Kind, das dort in Leinen gewickelt liegt und uns erwartet. In Ihm grüßen und segnen wir Sie alle!

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Text: Bischof Felix Genn
09.12.2010

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