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Seite: Aktuelles  >  Predigt von Bischof Genn zum Tag der Ordensjubiläen 2010
11.12.2018
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Dokumentiert:

Predigt von Bischof Genn zum Tag der Ordensjubiläen

Bistum. Bischof Felix Genn feierte am Dienstag (20.04.2010) den Tag der Ordensjubilare im münsterschen St.-Paulus-Dom. Im Gottesdienst mit den Ordensleuten predigte er. kirchensite.de dokumentiert die schriftliche Fassung seiner Predigt.

Liebe Schwestern und Brüder im Glauben, liebe Schwestern und Brüder aus den Ordensgemeinschaften! "Verschenktes Leben – das ist wirkliches Leben." Diesen Satz habe ich in der Silvesternacht hier an dieser Stelle gehört. Ein junger Mann hat in einem Zeugnis im Rahmen der Anbetungsstunde, die wir im Dom im Übergang vom alten zum neuen Jahr halten, diesen Satz als sein Bekenntnis hier gesprochen. Ein junger Mann sagt: "Wirkliches Leben ist verschenktes Leben!!"

Sie sehen, dieser Satz geht mir nach. Und er stand wieder vor mir im Blick auf die Begegnung mit Ihnen. Kann man nicht sagen: Das trifft auf Sie in ganz besonderer Weise zu? Natürlich wissen Sie, liebe Schwestern und Brüder, um Ihre Schwachheit, um Ihre Sünden, um Ihre Grenzen, auch darum, dass Sie nicht in der Lage sind, über Ihr Leben so zu urteilen, dass Sie es immer verschenkt hätten - und doch, die Grundrichtung, in der Sie vor vielen Jahren und Jahrzehnten Ihre Entscheidung getroffen haben, war doch genau die: Im Schenken Leben zu geben und zu finden.

An diesem Morgen fällt mir noch ein weiterer Satz ein, den ich kürzlich einmal gehört habe, und den ich mit dem anderen gerne in Verbindung bringe. Ein Priester hat einmal gesagt: "Die betende Kirche weiß mehr als die lehrende Kirche." Dieser Satz, in einem anderen Zusammenhang gesprochen, der jetzt nicht von Bedeutung ist, gehört trotzdem auch in diese Feier; denn die betende Kirche kann sich immer wieder neu etwas sagen lassen, hat immer neu etwas für die lehrende Kirche zu sagen. Die lehrende Kirche kann sich immer neu etwas sagen lassen von der betenden Kirche: Gerade im Gebet konzentriert sich die Gesetzmäßigkeit des Glaubens, spricht sich der Glaube ganz tief aus, sieht er auch Dimensionen, die das bloße Lehren nicht in den Blick nimmt oder gar nicht in den Blick zu nehmen vermag.

Ihr Leben, liebe Schwestern und Brüder, steht damit in Verbindung. Sich dem Herrn zu schenken ist Gebet, und dieses Leben in den vielen Jahren und Jahrzehnten war ohne das Gebet gar nicht zu denken. Wie viel und wie oft haben Sie sich mit der betenden Kirche verbunden! Wie haben Sie daraus geschöpft, damit Sie Ihren Weg als Ordensfrau und Ordensmann gehen konnten! Gewissermaßen einen Schatz haben Sie sich anlegen dürfen durch die Verbindung mit dem Stundengebet der Kirche, durch die vielfältigen Feiern der Sakramente, gerade der Eucharistie, aber auch den Empfang des Bußsakramentes! All das hat Ihnen je neu die Kraft geschenkt, in der Hingabe weiter zu machen und treu zu bleiben. Insofern lernt die lehrende Kirche vom Geschenk Ihres Lebens. Insofern lernt die gesamte Kirche vom Geschenk Ihres Lebens. Es leuchtet etwas auf von der Kraft der Auferstehung, von der Kraft, die in Ostern steckt. In der Tat, wenn wir Ordensjubiläen feiern, dann haben wir allen Grund zu danken, in welche Dimensionen der Herr seine Lebenskraft strömen lässt. Ein solches Leben, wie Sie es führen, ist ja gar nicht denkbar ohne das, was sich an Ostern ereignet hat.

In seiner Ansprache aus Anlass des Segens "Urbi et Orbi" hat Papst Benedikt XVI. die schöne Formulierung geprägt: "Ohne Ostern würde das Leben und die Welt einfach auf den Tod zu laufen, aber Ostern hat die Gewichte verlagert." Das Gewicht des Lebens liegt nicht im Todestrend, sondern in der Richtung, dass dieses Leben in Gott geborgen eine ewige Verheißung enthält. Nur deshalb kann man in Armut, Gehorsam und Jungfräulichkeit leben, weil es mehr gibt als all das, was ich an Macht und Kraft, an Besitz zur Verfügung habe. Das zu schenken ist nur möglich, weil der Herr uns so viel geschenkt und sein Leben zur Verfügung gestellt hat - alles, was er hatte und besaß, bis hinein in seinen Tod, seiner Kirche gab.

Liebe Schwestern, liebe Brüder, in dieser kirchengeschichtlichen Stunde, die wir alle durchleben und durchleiden, setzt Ihr Leben und Ihre Lebensform einen ganz eigenen Akzent. Deshalb ist es wichtig, dass das Volk Gottes als Gesamtes eine neue Sensibilität entwickelt für den Reichtum der Gabe der Evangelischen Räte und ihrer konkreten Lebensgestalt. Wie oft muss ich hören, gerade ich als Bischof, angesichts der furchtbaren Skandale: "Es wäre doch besser, Sie würden den Zölibat aufheben." Und dabei wird ohne Unterschiede an die priesterliche Lebensform und auch an die Lebensform der Ordensmänner und Ordensfrauen gedacht. Dabei spüre ich oft mit Schmerz, dass überhaupt kein Bewusstsein dafür vorhanden ist, was hier in der Kirche durch die Jahrhunderte in dieser Gestalt lebt, selbst wenn sie, ohne Gegenrede muss man das sagen, verdunkelt worden ist und verdunkelt werden kann. Aber welcher Reichtum liegt darin zu entdecken, dass die Liebe, zu der jeder Christ und jede Christin berufen ist, auch diese Gestalt annehmen kann, die, rein weltlich gesprochen, kaum etwas bringt und vielfältig nur unter der Perspektive des Verzichtes gesehen wird. Was bringt ein solches Leben? Mal abgesehen von den sozialen Effekten in den Diensten, die Sie getan haben.

Das bringt mich an diesem Morgen, an dem wir den Text vom Tod des Stephanus hören, auf die Spur zu fragen: "Kann denn christliches Leben überhaupt fruchtbar sein – und wie?" Ein solches Leben wie das des Stephanus – kurz in den Dienst als Diakon gerufen – wird so schnell vollendet. Er fällt unter den Steinen seiner Widersacher. Was war das? Wie viele Märtyrer, die nur kurz das Zeugnis ihres Lebens in konkreten Aufgaben und Diensten verwirklichen konnten, gibt es im Laufe der Geschichte! Und ausgerechnet bei diesem Tod des Stephanus ist der Widersacher Saulus dabei, der kurz danach eine fundamentale Kehrtwende erlebt. Dürfen wir die Fruchtbarkeit dieses Blutzeugnisses vom heiligen Stephanus in Zusammenhang bringen mit dieser Kehrtwende des Paulus? Die Schrift sagt es ausdrücklich nicht, aber wer weiß das? Die Übersicht, was unser Leben als Christen bringt, hat ein anderer. Das Entscheidende ist, dass wir von uns aus alles tun, uns den Blick zum Himmel offen zu halten. Wenn er uns auch manchmal verdunkelt ist, aber wir von uns aus können nur das eine tun: Auf Jesus blicken, der zur Rechten Gottes steht. Vielleicht wird uns dann in glücklichen Momenten geschenkt, dass wir Ihn auch ganz so sehen können, wie Stephanus es erlebt hat, und dass das uns stärkt und uns Halt und Kraft gibt weiter zu gehen, auch wenn alle möglichen Anwürfe uns bedrängen - gerade jetzt, in dieser Zeit.

Liebe Schwestern und Brüder, ich möchte Sie gerade darin ermutigen, diesen Blick auf den Herrn offen zu halten. Dann können Sie Ihm die Fruchtbarkeit und die Übersicht über Ihr Leben geben, auch wenn Sie zunehmend spüren, dass Ihr Alter Sie müde macht, dass Sie nichts mehr arbeiten können, kaum noch laufen. Aber der Herr kann das verwenden. Wichtig ist, dass wir an Ihm festhalten, der so vieles an Gutem, auch in Ihrem Leben, bewirkt hat. Ich nehme nämlich an, dass Sie in diesen Tagen Ihres Jubiläums manche Momente, Begegnungen, Erfahrungen erwogen haben und sehen durften: "Der Herr hat Großes auch an mir getan."

Ich erlaube mir, liebe Schwestern und Brüder, in diese Stunde Ihrer Jubiläumsfeier auch noch auf dieses Evangelium einzugehen und es damit ins Gespräch zu bringen. Es steht ja im Zusammenhang mit der eucharistischen Rede im Anschluss an die Brotvermehrung, die Jesus als gewaltiges Zeichen gewirkt hat. Gestern haben wir gehört, wie der Herr den Menschen, die ihm nachgehen, weil sie von ihm noch mehr solche Aktionen erwarten und ihn sogar zum König machen wollen, sagt, sie sollen sich nicht um die verderbliche Speise bemühen, sondern um die, die bleibt. Mit der Stephanus-Geschichte gesagt, sie sollen sich den Himmel offen halten, weil von dort her das Bleibende kommt. Die Menschen lassen sich dann auf diese Spur ein, weil er gesagt hat, der Menschensohn bringe das wirkliche und wahre, das unverderbliche und unvergängliche Brot. Und jetzt wollen sie Ihn auf die Probe stellen. Jetzt soll er ein Zeichen wirken. Nachdem sie dieses Zeichen gesehen und nicht verstanden haben, erwarten sie jetzt noch etwas Größeres. Und sie begründen es auch damit, dass Mose ja das Manna für das gesamte Volk gewirkt hat. Vielleicht denken sie: Er hat uns gespeist, jetzt könnte er ganz Israel, das Bundesvolk, mit neuem Manna überschütten. Jesus lässt sich nicht darauf ein, sondern bindet es noch einmal an seine Person. Er spricht davon, dass das wahre Brot vom Himmel kommt und dann auf alle Menschen. Da sagen sie: "Gib uns immer dieses Brot."

Auf Sie bezogen, liebe Schwestern und Brüder: Ist das Ordensleben in der Kirche nicht das große Zeichen, das der Herr gewirkt hat. Bedarf es da trotz aller Verdunkelungen eines Gegenbeweises? Und haben Sie nicht Ihr Leben lang gesagt: "Herr, gib uns das Brot, wir wollen zu Dir kommen, um nicht mehr zu hungern, und wir glauben an dich, weil wir von dir ein Leben erwarten, das ewig ist." Sind Sie nicht für die Kirche das Zeichen? Und deshalb, ob Sie müde sind, ob Sie nicht mehr arbeiten und nicht mehr laufen können: Halten Sie sich den Himmel offen, indem Sie sagen: "Herr, gib uns immer dich als das wahre Brot, denn wir möchten an dich glauben und nur in dir wird unser wirklicher Lebenshunger gestillt." Dann können Sie, ob jung oder alt, für alle Menschen - denn den Überblick brauchen Sie nicht zu haben - zum Manna, zum Brot, werden. Für Menschen, die neben Ihnen stehen, für die, die Widersacher sind, für die, die sich Ihnen anvertrauen, für die Kirche und für die Welt. Bitten Sie einfach, dass er auch Ihre Schwäche, Ihre Müdigkeit und Ihr Unvermögen, das Sie ihm anbieten und nicht für sich zurück behalten, noch einmal fruchtbar macht. Gerade jetzt, für die Kirche und für die ganze Welt.

Deshalb, liebe Schwestern und Brüder, danke ich Ihnen für dieses Zeugnis und danke mit Ihnen für das, was der Herr Großes an Ihnen und durch Sie gewirkt hat und was er weiterhin zu wirken vor hat – mit Ihnen. Amen.

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Text: Bischof Felix Genn
20.04.2010

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