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Seite: Aktuelles  >  Predigt von Bischof Genn am Tag der Ehejubiläen
24.05.2012
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Dokumentiert:

Predigt von Bischof Genn am Tag der Ehejubiläen

Bistum. Am Samstag (11.09.2010) fand in Münster der "Tag der Ehejubiläen" statt. Bischof Felix Genn feierte mit den Teilnehmern im münsterschen St.-Paulus-Dom einen Dankgottesdienste, in dem er auch predigte. - kirchensite.de dokumentiert die schriftliche Fassung seiner Predigt.

Verehrte, liebe Eheleute, liebe Schwestern und Brüder im Glauben! Ich kann mir vorstellen, dass Sie alle beim Hören dieses Textes aus dem Lukasevangelium eigene Erfahrungen damit verknüpft haben. Vielleicht hat es Sie unmittelbar in die Anfänge Ihrer Beziehung zurückgeführt, denn Sie haben im Laufe dieser Jahre ein Haus gebaut. Das kann in dem Sinne verstanden werden, dass Sie sich ein äußeres Haus gebaut haben und dabei wussten: Es kommt auf ein festes Fundament an, damit das Haus stehen kann, Bestand hat und nicht irgendwelchen Erschütterungen so ausgesetzt ist, dass ein Werk zu Grunde geht. Aber Sie haben auch dieses Bild vom Hausbau durchaus anwenden können auf den Ausbau Ihrer Beziehung. Sie wissen am besten, was es heißt, einer solchen Beziehung ein Fundament zu geben, einzutreten in eine solche menschliche Beziehung, von der man nicht weiß, ob sie hält. Das ist nur möglich, weil Sie eine innere Sicherheit mitgebracht haben, eine Verlässlichkeit voraussetzten – gegenseitig, so dass das Haus Ihrer Ehe, das Haus Ihrer Familie, Bestand hat und Bestand haben kann für die Zukunft.

Sie haben auch sicherlich mit dem Bild, das Jesus gebraucht, wenn Er vom guten und schlechten Menschen spricht, etwas verbinden können. Vielleicht sind Sie Liebhaber von Gartenarbeit, dann wissen Sie unmittelbar, dass man von Disteln keine Trauben und von Dornen keine Feigen ernten kann (vgl. Lk 6, 44). Sie wissen, dass ein guter Baum gute Früchte hervorbringt. Der Weg von diesem Bild in den Alltag unseres Lebens ist sehr kurz: Wie vieles erleben wir, was im Menschen marode ist, schlecht. Auch da werden Sie Erfahrungen erzählen können, was Sie an Enttäuschungen erleben mussten, aber auch erfahren durften, dass Menschen, denen Sie vielleicht wenig zugemutet haben, Seiten offen legten, die man gar nicht dahinter gedacht hat.

Ein dritter Hinweis aus dem heutigen Evangelium: "Wovon das Herz voll ist, davon spricht der Mund" (Lk 6, 45). War es nicht in Ihrer Beziehung von Anfang an so, dass Sie gemerkt haben: Das Herz wird voll von diesem Menschen! Das haben Sie zunächst einmal sich erzählt und dann anderen, so dass Sie Ihre Beziehung in die Öffentlichkeit der Gesellschaft und der Kirche stellen konnten und damit, ohne Worte zu gebrauchen, doch eine große Rede hielten, weil Ihr Herz sagte: Zu diesem Menschen kann ich stehen, dem kann ich trauen.

Heute ist vielleicht Ihr Herz auch voll, vielleicht anders als am Anfang, weil Sie miteinander Erfahrungen gemacht haben, die es auch schwer machten, zueinander zu stehen. Sie haben gespürt, dass der Himmel nicht voller Geigen hängt, sondern dass es auch in Ihrem Leben Klagelieder zu singen gab. Doch heute Morgen spricht Ihr Herz, und das, was wir hier erleben, ist eine eindrucksvolle Rede von dem, was Liebe vermag.

Liebe Schwestern und Brüder, wenn wir an diesem Morgen mit so vielen anderen das Geheimnis einer ganz persönlichen Beziehung in der Öffentlichkeit der Kirche bedenken und in die Mitte stellen, dann legt sich nahe, umso mehr danach zu fragen: Was ist das für ein Fundament, auf dem eine solche Beziehung stehen kann? Was ist der Beitrag der Kirche zu einer Beziehung, die es auch außerhalb des Gefüges der Kirche gibt? Dabei, liebe Schwestern und Brüder, muss man unmittelbar daran denken, wie viele Menschen es gibt, die heute eine kostbare Beziehung, die sie miteinander verbindet, nicht mehr in den Raum des Glaubens und der Kirche stellen. Zufällig habe ich heute Morgen die Statistik der kirchlichen Trauungen in Nordrhein-Westfalen, also in fünf Bistümern, im Jahre 2009 vor Augen gehabt. Es sind etwas über 13.000. Die Zahl sinkt. Was passiert da? Was haben Sie dem entgegenzuhalten; vielleicht in Ihrem engsten Familienkreis? Es kann sein, dass junge Menschen heute den Weg von dieser kostbaren, intimen, sensiblen, zarten Wirklichkeit ihrer Beziehung zu dem, was Gott bedeutet und damit zu tun hat, nicht mehr finden. Deshalb bedarf es Frauen und Männer, die ihnen diesen Weg öffnen und zeigen, die Zeugnis davon geben.

Am kommenden Sonntag, also morgen in einer Woche, wird Papst Benedikt in Birmingham einen Mann selig sprechen, der 1801 geboren wurde in einer anglikanischen Familie, wie das in England üblich war. Er, John Henry Newman, schreibt über die ersten Jahre seines Lebens: „Ich wollte tugendhaft sein, aber nicht fromm, denn mit letzterem verband ich etwas, was mich abstößt, was mich abgestoßen hat. Und ich konnte einfach keinen Sinn darin entdecken, was es sein soll, Gott zu lieben.“ Vielleicht ist das das Lebensgefühl vieler junger Menschen – heute. Die Lektüre des Buches "Die Macht der Wahrheit", von einem calvinistischen Theologen, führte ihn weiter und öffnete ihm die Entdeckung Gottes. Bis er dann den Weg in die katholische Kirche fand, dauerte es noch einmal 30 Jahre.

Liebe Schwestern und Brüder, in den Jahren, in denen Sie den Bund der Ehe geschlossen haben, war es vielleicht viel selbstverständlicher, dass der Weg dieser persönlichen Beziehung hin zur Glaubensgemeinschaft der Kirche sich ganz kurz gestaltete. Vielleicht müssen heute junge Menschen durch Sie, durch uns als glaubende und bekennende Christen, Gott entdecken und spüren, dass sie in keiner Weise ihrem Leben einen Abbruch tun, wenn sie nicht nur gut sein wollen, sondern auch Gott lieben können. Was ist dieses Fundament?

Liebe Schwestern und Brüder, ich greife zurück auf die Texte der Heiligen Schrift. In dem Brief des Apostels Paulus beschreibt er eine Situation in der korinthischen Gemeinde damals, in der es um die Verwendung von Fleisch ging, das in den heidnischen Tempeln benutzt worden war. Das können wir beiseite lassen. Aber er nimmt das zum Anlass, von der Eucharistie zu sprechen und sagt: Ist der Kelch, den wir trinken und segnen, nicht Teilhabe am Blut Christ? Und ist das Brot, das wir brechen, nicht Teilhabe am Leib Christi? (vgl. 1 Kor 10, 16). Liebe Schwestern und Brüder, dass Gott uns in Jesus Seinen Leib und Sein Blut gibt, dass Sein Wort so weit geht, sich selbst mit Fleisch und Blut zu verschenken, ist das nicht ein Fundament, auf dem man stehen kann? Da kann doch gute Frucht wachsen! Deshalb hat die Kirche immer die Kommunion und die Eucharistie als Ausdruck ihres eigenen Geheimnisses gesehen, der tiefsten innersten Verbindung von Gott und Mensch. Das will Kirche sein, deshalb bezeichnet man sie oft auch als Braut Christ. Und was tun Sie in Ihrer Ehe anderes, als genau das darzustellen, dieses Geheimnis, sich mit Fleisch und Blut zu geben. Aber das braucht Pflege, das braucht eine gute Pflege! Wie? Indem man Gott immer mehr entdeckt, indem man Jesus immer mehr lieben lernt, indem man durch den Gottesdienst im Wort, das uns verkündet wird, und in der Kommunion, die uns geschenkt wird, sich stärken lässt in der gegenseitigen Treue und Hingabe.

Liebe Schwestern und Brüder, vielleicht haben Sie sich manchmal gegenseitig gezogen, dass Sie spürten, der andere ist etwas frommer als ich. Aber Sie haben vielleicht auch davon gelernt, Gott zu entdecken, Ihn immer mehr zu finden. Ich möchte Ihnen wünschen, dass Sie durch das Miteinander heute Morgen, durch den Gottesdienst hier und durch den Austausch mit anderen Ihr Fundament festigen können. Wenn wir Sie nachher segnen, dann bitten wir den Herrn für all das, was Ihnen gut tut, aber besonders, dass Sie die Kraft zur gegenseitigen Treue behalten, weil Sie Ihn in Ihrer Mitte haben. Deshalb kann ich Sie umso mehr bitten: Sagen Sie es den vielen anderen, die Gott noch nicht gefunden haben, welche Macht der Wahrheit in Jesus liegt, wie Ihr Herz von Ihm voll ist, so dass Ihr Mund und Ihr Leben von Ihm spricht. Amen.

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Text: Bischof Felix Genn
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