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Seite: Aktuelles  >  Predigt von Bischof Genn beim Ordenstag am 25.09.2010
11.12.2018
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Predigt von Bischof Genn beim Ordenstag

Bistum. Am Samstag (25.09.2010) fand in Münster der diesjährige Ordenstag statt. Bischof Felix Genn feierte mit den Ordensleuten einen Gottesdienst, in dem er auch predigte. kirchensite.de dokumentiert die schriftliche Fassung seiner Predigt.

Liebe Schwestern und Brüder im Herrn, wir kennen alle die Geschichte, die diesem Gespräch zwischen Petrus und Jesus vorausgeht, diesem Gespräch, das wir eben im Evangelium gehört haben. Die Evangelisten Matthäus, Markus und Lukas erzählen von einer Begegnung Jesu mit einem jungen Mann, der ihn fragt, was er tun soll, um das ewige Leben zu gewinnen. Als Jesus spürt, dass dieser junge Mann ein ganz offenes und bereites Herz hat, wagt er, ihn darauf hinzuweisen, dass er alles um Jesu willen verlassen soll, damit er ewiges Leben gewinnt. Wir wissen auch, wie sehr betroffen dieser junge Mann gewesen ist und traurig wegging, weil er, wie die Evangelisten zufügen, viel besaß. Daraufhin spricht Christus davon, dass eher ein Kamel durch ein Nadelöhr geht, als dass ein Reicher in das Himmelreich gelangt. Unmittelbar - auch bei uns wäre es so geschehen -, schloss sich die Frage der Umstehenden an: "Wer kann dann noch gerettet werden?" (Mt 19, 25). Jesus öffnet den Horizont und sagt, dass bei Gott alles möglich ist. Dann hakt Petrus nach der Erzählung von Matthäus, Markus und Lukas ein und fragt: "Was bekommen wir denn nun, denn wir haben alles verlassen und sind dir gefolgt?" (vgl. ebd. 27).

Liebe Schwestern und Brüder, ich kann mir auch denken, dass dieses Gespräch zwischen Jesus und Petrus unabhängig von der Begegnung mit dem jungen Mann stattgefunden hat. Stellen Sie sich eine Situation in der Gemeinschaft dieser Jünger vor, in der vielleicht eine etwas niedergedrückte Stimmung geherrscht hat, wie wir sie manchmal alle aus unseren Gemeinschaften und Konventen kennen. Was soll das, dass wir mit dem Herrn herumlaufen? Die Jüngergemeinde, die das berichtet und weiter erzählt hat, hatte sicher auch aus ihrer eigenen Situation, aus ihrem Heute, aus ihrem Jetzt, Grund, diese Frage des Petrus zu berichten, und sie passt doch auch in unser Heute: Was haben wir eigentlich davon, dass wir Jesus nachfolgen? Was werden wir dafür bekommen? Sind wir nicht die Nachhut der Geschichte, wie es manche zu behaupten wagen? Diese Frage drängt doch auch bisweilen in unser Herz, wo es dunkel wird um unsere Berufung, wo Zweifel aufkommen, wo wir nicht so leicht und ohne weiteres das Bekenntnis sagen können, das ich heute Morgen als Geschenk bekam, als eine Schwester sagte: "Ich bin alt geworden, aber ich habe die besten Zeiten und die Zukunft noch vor mir." Was haben wir also davon, ein gottgeweihtes Leben zu führen?

Liebe Schwestern und Brüder, es ist interessant, der Spur Jesu in seiner Antwort Schritt für Schritt zu folgen. Er spricht ganz unmittelbar in diesem Text, den wir soeben gehört haben, in der Fassung des Matthäusevangeliums vom Neugeschaffenwerden der Welt: "Dann aber werdet ihr, die ihr mir nachgefolgt seid, richten, Richter sein." (vgl. ebd. 28). Wie sollen wir das verstehen?

Liebe Schwestern und Brüder, einmal kann man es durchaus zusammen lesen mit dem Schlusswort des heutigen Evangeliums, in dem Jesus alles aufzählt, was wir in dieser Welt bekommen und dazu das ewige Leben, so sagt er, als Erbe. Hier ist ein springender Punkt: Sind sich viele Menschen nicht mit dem, was sie hier haben, genug: mit Essen und Trinken, mit Sexualität, mit dem, was Ehrgeiz und Macht bringen? Zu glauben, dass es etwas Ewiges gibt, dass wir die Zukunft immer vor uns haben, zu glauben, dass Gott es mit dieser Welt nicht aufgibt, sondern dass er sie neu schaffen kann, dass es einmal einen Lohn gibt, der ohne Ende ist, liegt nicht nahe.

Liebe Schwestern und Brüder, wenn gesagt wird, dass gerade das Zeichen der Evangelischen Räte einschließlich der Ehelosigkeit der Priester ein Zeichen dafür ist, dass etwas über diese Welt hinaus geht und Bestand hat, schön ist, gut, und dass das wahr ist, dann ist hier ein Entscheidungspunkt: Menschen einen Geschmack davon zu geben, dass das Ewige zu lieben ist! Das ist in aller Zerbrochenheit, in aller Gebrechlichkeit und Schwachheit unsere Berufung, unsere Sendung, unser Auftrag! Aber das reicht in diese Welt hinein; denn das Neugeschaffenwerden der Welt beginnt nicht erst am Ende der Zeiten, sozusagen nach dem Jüngsten Tag, aber es reicht schon in unser Jetzt hinein: Da, wo wir uns dem Herrn zur Verfügung stellen, da wird Welt neu gewandelt, da wird die Welt zum Herrn zurückgeführt. Da wird die Welt bereits jetzt neu geschaffen, und da bereits könnt ihr Richter sein. Vielleicht schrecken Sie etwas vor diesem Wort zurück. Mit Recht. Was ist gemeint? Nicht, dass wir uns über andere erheben, dass wir andere verurteilen, sondern dass wir anderen etwas von der Gabe der Unterscheidung schenken. Dass das Umgehen mit dem Ewigen, dass das Lieben des Himmlischen fähig macht, sensibel zu sein für das Wirken des Geistes:

  • fähig macht, die Geister zu unterscheiden und deshalb eine Richtung vorzugeben, Dinge gerade zu richten,
  • fähig macht, für den wirklichen Einsatz zum Frieden in der Welt,
  • fähig macht zu erspüren, was gerecht ist, was sich sowohl ziemt für den Umgang mit den Schwächsten und mit jedem Menschen wie auch, wie Gott die Ehre gebührt und wir ihm gerecht werden sollen.

Wer in diesem Umgang mit dem Himmlischen lebt, liebe Schwestern und Brüder, der wird in aller Traurigkeit und Bedrängnis eine tiefe Freude im Heiligen Geist erfahren. Davon spricht Paulus im Römerbrief. Menschen werden spüren, dass auch dann, wenn wir nicht immer lächeln können, ein Friede von uns ausgeht und eine Freude, die mehr ist als das, was eine Spaßgesellschaft darunter versteht.

Übrigens - hat Jesus nicht Recht, wenn er sagt, dass wir in der Nachfolge und damit in der Tatsache alles zu verlassen, Vater, Mutter, Kinder, - Lukas fügt hinzu Frau - ,  Häuser, Besitz, das Vielfache bekommen und dass das Freude schenkt in dieser Welt? Oder haben Sie das nicht auch schon erfahren? Wir können doch als katholische Christen in der ganzen Welt herumkommen, wir finden immer ein Haus mit Schwestern und Brüdern, wo wir unterkommen. Wir finden überall Schwestern und Brüder. Gerade in unserer katholischen Weite sind wir überall zu Hause. Der Herr schenkt es uns jetzt schon. Wie viele Häuser habe ich schon kennen gelernt, in denen Schwestern und Brüder Jesu mir begegnet sind! Das schafft doch innere Freude im Geist: Es stimmt mit dieser Botschaft!

Aber, liebe Schwestern und Brüder, ich möchte noch eines deutlich hervorheben. Ich sprach vom Umgang mit dem Himmlischen, von der Liebe zum Ewigen, aber das ist nichts Sächliches, sondern das ist ER. Deshalb sagt Jesus ausdrücklich: "Wer um meinetwillen alles verlässt…" (vgl. ebd. 29). Deshalb spricht Paulus davon: "Wer Christus dient…" (Röm 14, 18). Der entscheidende Punkt, auch die Brücke, um Menschen unser Leben verständlich zu machen, ist das Angesicht des Herrn, ist diese Person, die es wert ist, ihr alles zu schenken, die wirklich in der Gemeinschaft und Beziehung mit ihm tiefe Freude schenkt, die innere Sensibilität für Friede und Gerechtigkeit, das Unterscheidungsvermögen. ER richtet uns aus. Deshalb ist die tiefe Bitte, dass wir niemals von ihm getrennt werden, die Grundbitte, dass unser Leben gottgeweiht bleibt und selbst dann, wenn es unvollkommen ist, die innere Bereitschaft behält, auf’s Ganze zu gehen! Markus fügt in seiner Fassung hinzu, dass wir das alles bekommen, auch unter Verfolgungen. Was würden wir heute hinzufügen? Auch unter Bedrängnissen, auch in den Leiden dieser Tage und den Unwägbarkeiten und Unsicherheiten des Weges der Kirche und unserer Gemeinschaft? Entscheidend ist, dass wir unser Leben in die Waagschale werfen um seinetwillen! Am Ende des Abschnittes aus dem Römerbrief, der als Lesung des heutigen Tages genommen ist, heißt es, dass wir so zum Aufbau der Gemeinde beitragen (vgl. ebd. 19). Da haben Sie es noch einmal, liebe Schwestern und Brüder: Das alles dient dazu, damit die Kirche in dieser Welt aufgebaut wird, nicht für sich selbst, sondern um ihrer Sendung treu zu bleiben, die Welt von innen her neu zu schaffen oder neu zu gestalten. Ich wünsche Ihnen, dass Sie mit einer neuen Ermutigung aus diesem Tag in Ihren Alltag hinübergehen, und dass Sie in Ihrem Herzen bewahren: Christus ist die innere Mitte! ER hat mich gerufen. Ihm kann ich dienen. ER wird mich nicht verlassen. ER wird mir alles geben, was ich jetzt brauche, und das ewige Leben dazu. Amen.

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Text: Bischof Felix Genn
25.09.2010

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