
- Bischof Felix Genn während der Predigt.
Dokumentiert:
Predigt von Bischof Genn bei der Bischofsweihe der drei neuen Weihbischöfe am 29.08.2010
Bistum. Am Sonntag (29.08.2010) wurden im münsterschen St.-Paulus-Dom die Domkapitulare Dieter Geerlings und Christoph Hegge sowie der Borkener Kreisdechant Propst Wilfried Theising zu Bischöfen geweiht. kirchensite.de dokumentiert die Vorlage der Predigt von Bischof Felix Genn.
Verehrte, liebe Mitbrüder im bischöflichen Dienst, liebe Mitbrüder im Priester- und Diakonenamt, liebe Schwestern und Brüder im Herrn, liebe Mitbrüder Dieter, Christoph und Wilfried! "Ein weises Herz versteht die Sinnsprüche der Weisen, ein Ohr, das auf die Weisheit hört, macht Freude" (Sir 3,29). Diesen Schlusssatz aus der ersten Lesung des heutigen Sonntags verstehe ich als Einladung, am Ende der Ferien, das für viele Menschen, sicherlich auch hier unter uns, mit dem Einstieg in den normalen Rhythmus des Arbeitslebens und des Alltags verbunden ist, eine Orientierung für dieses Leben das Jahr hindurch mitzunehmen, um aus der Feier des Sonntags und der Begegnung mit dem Wort Gottes Licht und Sinn zu empfangen. Um Christ sein zu können, bedarf es des Hörens auf die Weisheit Gottes, auf Seinen Sinnspruch, auf Sein Wort.
Schon der Beter des Volkes Israel hat das auf die schöne Formel gebracht: "Dein Wort ist meinem Fuß eine Leuchte, ein Licht für meine Pfade" (Ps 119,105). An diesem Sonntag, hier in unserem Münsteraner Dom, hat dieses Wort einen mächtigen Klang. Es faltet sich nämlich aus in diese großartige Feier der Weihe von drei Mitbrüdern zum Bischofsamt. Alles, was sich hier in Musik, in Wort, im schweigenden Gebet und in den Gesten vollzieht, versteht sich als eine Wirklichkeit, die aus der Weisheit Gottes kommt. Deshalb wünsche ich Ihnen von Herzen, dass Sie innere Ohren haben, die auf diese Weisheit hören, und dass Sie damit erfahren dürfen, was der Lehrer Israels sagt: "Ein Ohr, das auf die Weisheit hört, macht Freude" (Sir 3,29b).
Liebe Schwestern und Brüder, diese großartige Feier und schöne Liturgie führt viele Menschen zusammen, die ihre Verbundenheit mit den drei Mitbrüdern beweisen. Doch hier geht es um etwas ganz Einfaches und Schlichtes, nämlich um die grundlegende christliche Wahrheit: Gott hat ein Wort für uns, und dieses Wort will gehört werden. Gott hat ein Wort für uns, das Fleisch geworden ist in Jesus Christus, und Er möchte aufgenommen werden, damit wir das werden, was Gott von uns will, nämlich Kinder Gottes zu sein, so wie es am Anfang des Johannesevangeliums heißt: "Allen, die ihn aufnahmen, gab er Macht, Kinder Gottes zu werden, allen, die an seinen Namen glauben" (Joh 1,12). Aber hier möchte ich mit dem Apostel Paulus anschließen: "Wie sollen sie nun an den glauben, von dem sie nichts gehört haben? Wie sollen sie hören, wenn niemand verkündigt? Wie soll aber jemand verkündigen, wenn er nicht gesandt ist?" (Röm 10,14-15). Genau das geschieht hier: Sendung, damit das Wort verkündigt wird, um gehört und aufgenommen zu werden, um Frucht zu bringen zum Glauben.
Diese christliche Wahrheit können wir auch mit dem ausformulieren, was uns das heutige Evangelium sagt. Jesus will uns damit keine bürgerlichen Anstandsregeln oder sogar einen Trick vermitteln, wie man an einen guten Tischplatz kommt. Vielmehr zeigt Er uns Seine eigene Haltung: Er, der Herr, erniedrigt sich – bis zum Tod am Kreuz! – und nimmt so Seinen Platz unter uns ein, ja am Kreuz sogar den letzten Platz. Aber als solcher lädt Er uns ein zu Seinem Mahl, wo Er uns Sich gibt im Wort und im Sakrament – uns, die wir angesichts der Größe und des Reichtums Gottes wirklich Arme sind; uns, die wir angesichts Seines Lichtes Blinde sind; uns, die wir wie Lahme auf Seinem Weg hinken. Ja, wir können es Ihm nicht vergelten.
Das alles haben wir also nicht von uns aus, das können wir nicht herstellen, das können wir nicht machen. Das kann nur geschenkt werden. Genau das, liebe Schwestern und Brüder, feiern wir hier. Dessen werden wir in dieser Stunde inne: Das ist die Weisheit Gottes, seine Macht, die Wirkkraft seiner Gnade. In der Bischofsweihe feiern wir, dass der Herr Seiner Kirche in der langen Reihe der Sendung seit den Aposteln diese Gaben nicht vorenthält, sondern auch heute gibt.
In einem Schreiben zum Bischöflichen Dienst, das Papst Johannes Paul II. im Jahre 2003 veröffentlicht hat, betont er im allerersten Satz: "Die Hirten der Herde wissen, dass sie bei der Ausübung ihres Bischofsamtes auf eine besondere göttliche Gnade zählen können" (Pastores gregis I). Diese wird unseren Mitbrüdern in dieser Stunde zuteil. Sie haben sie nicht von sich aus, sie können sich kein Amt in der Kirche anmaßen, sie sind ganz und gar darauf angewiesen, von Gott beschenkt und gesandt zu werden. Deshalb trifft das Wort aus der ersten Lesung auf sie in ganz besonderer Weise zu: "Mein Sohn, bei all deinem Tun bleibe bescheiden … Je größer du bist, um so mehr bescheide dich, dann wirst du Gnade finden bei Gott" (Sir 3,17.18).
Ich greife nochmals das Stichwort auf: Wir können das alles dem Herrn nicht vergelten. Der heilige Augustinus bedenkt im Blick auf das Bischofsamt dieses Stichwort auf folgende Weise: "Wie kann ich dem Herrn all das vergelten, was Er mir Gutes getan hat?" (Ps 116, 12) So will ich dann sagen: Ich vergelte Ihm dadurch, dass ich Seine Schafe weide! Aber auch das tue "nicht ich, sondern das wirkt die Gnade Gottes zusammen mit mir" (1 Kor 15, 10). (Sermo 340).
Das ist Euer Platz, lieber Dieter, lieber Christoph, lieber Wilfried! Und wie weiden wir Seine Schafe? Durch Wort und Sakrament, durch den Dienst gerade an den Armen, Krüppeln, Lahmen und Blinden, von denen Jesus heute im Evangelium spricht, und die uns unser Tun nicht vergelten können (vgl. Lk 14, 13-14).
Liebe Schwestern, liebe Brüder, zum Bischofsamt berufen zu werden heißt also ganz einfach und schlicht, dazu berufen zu werden, die Kirche Christi in der Kraft dieses Wortes zu leiten und zu führen. Es geht darum, die Sendung fortzusetzen, die Jesus den Aposteln übertragen hat. Das ist eindeutig ein Platz des Dienens. Wir Bischöfe stehen unter dem Wort – bei der Weihe wird es nachher eindrücklich werden, wenn über den Köpfen der Mitbrüder das Evangelienbuch aufgeschlagen wird. Dieses Wort ist uns Bischöfen aufgelegt. Dieses Wort haben wir weiterzugeben, damit Sie alle, liebe Schwestern und Brüder, damit die Kirche von diesem Wort lebt.
Bedenkt man das in seiner inneren Tiefe, so wird jeder spüren: Hier geht es nicht um Herrschaft und Macht, sondern um Demut und Dienst. Niemand kann sich dieses Wort anmaßen. Jeder, der zur Verkündigung bestellt ist, wird zuallererst ein Hörender sein müssen. Er wird gewissermaßen gedemütigt dadurch, dass nicht er bestimmen kann, dass nicht er das Sagen hat, sondern dass er dem Wort Raum gibt, und dass er bereit ist, diesem Wort Raum zu geben gerade dort, wo die eigenen Ideen, die eigenen Meinungen den Vorrang haben wollen. Wie schwer ist es, manchmal auch in der Kirche, diesem Wort Platz zu verschaffen. Deshalb ist der Dienst des Bischofs auch wesentlich ein Dienst daran, den Glauben zu schützen. Das Wort, das Fleisch geworden ist, das Wort, das sakramental sich in der Feier der Eucharistie und der übrigen Sakramente verdichtet, steht nicht zur beliebigen Verfügung, um dem Zeitgeist angepasst gestaltet zu werden. Es will in seiner Wahrheit und Ursprünglichkeit, in seiner Schlichtheit und Klarheit bewahrt werden.
Liebe Schwestern und Brüder, der liturgische Kalender verzeichnet für den heutigen Tag das Gedenken an die Enthauptung des hl. Johannes des Täufers. Manche haben mich gefragt, warum ausgerechnet dieser Tag für die Weihe ausgewählt wurde. Das sei doch kein gutes Vorzeichen. Niemand wird den drei Mitbrüdern wünschen, und ich wünsche es auch für mich nicht, eines Tages enthauptet zu werden. Aber den Kopf hinhalten – das gehört zu diesem Dienst. Sie halten nachher den Kopf hin, damit bei der Handauflegung sie durch die Hände Christi geweiht, gesandt werden. Ein Leben lang werden sie den Kopf hinhalten müssen, damit das Wort der Frohen Botschaft gehört, und damit der Glaube geschützt ist. Das ist ein Dienst, der sehr einsam machen kann, liebe Mitbrüder. Immer als jemand angesehen werden, der von gestern ist, der nicht modern ist, weil er zu dem Wort der Wahrheit steht. Das kostet etwas. Weihbischof Geerlings hat in seinem Interview in "Kirche + Leben" auf ein Wort von Hans Urs von Balthasar verwiesen, das die Zurüstung des Herrn an seine Apostel für ihren Dienst weitgehend eine Zurüstung zur Demut ist. Wahrhaftig, so ist es. Deshalb bitte ich Sie, liebe Schwestern und Brüder, um Ihr Gebet für uns Bischöfe und um die Aufnahme des Wortes auch in Ihrem eigenen Leben. Sie dürfen dann erfahren, was der Lehrer Israels sagt: "Ein weises Herz versteht die Sinnsprüche der Weisen, ein Ohr, das auf die Weisheit hört, macht Freude" (Sir 3, 29). Ja, auch Ihr Ohr, wenn es auf die Weisheit hört, macht Freude!
Dieses Fest der Kirche von Münster an diesem Sonntag mit der Weihe von drei Mitbrüdern zum Dienst des Weihbischofs schenkt uns die Erfahrung, Kirche sein zu können, die aus dem Wort Gottes lebt, die sich aufbaut aus Wort und Sakrament zum Dienst an den Menschen. Der Hebräerbrief drückt das am heutigen Tag so aus: "Ihr seid hingetreten zur Stadt des lebendigen Gottes, zu einer festlichen Versammlung und zur Gemeinschaft der Erstgeborenen, die im Himmel verzeichnet sind" (Hebr 12, 22.23); ich kann es auch anders sagen: Wir sind hinzugetreten zu einer von Gott zusammengeführten Gemeinschaft. Das ist unser Platz und wir sind dankbar, dass er uns immer neu gezeigt wird, weil der Herr uns Sein Wort gibt.
Mit den Leitworten, welche unsere drei Brüder für ihren Bischöflichen Dienst gewählt haben, spüren wir ihren eigenen Glauben: Sie gehen in diese Aufgabe und in diesen Dienst "auf sein Wort hin" (Lk 5,5), weil sie "der Liebe geglaubt haben und glauben" (vgl. 1 Joh 4,16), "die in unsere Herzen ausgegossen ist durch den Heiligen Geist, der uns gegeben ist" (Röm 5,5). Deshalb bitte ich Euch, liebe Brüder, Euch immer das Bild Jesu Christi, des guten Hirten, vor Augen zu halten, in dessen Namen Ihr als Lehrer, Priester und Hirten das Volk Gottes nährt, heiligt und leitet und dass Ihr auf die Kraft des Heiligen Geistes vertraut, der unsere Schwachheit durch seine Kraft stärkt und festigt, damit wir zu Dienern der Gläubigen werden, die für ihren Alltag den Sinnspruch der Weisheit Gottes hören wollen, damit dieses Wort Licht ist auf den Wegen ihres Lebens. Amen.
Mehr zum Thema in kirchensite.de:
Die neuen Weihbischöfe im Interview (26.08.2010)
Übersicht: Weihbischof Dieter Geerlings
Übersicht: Weihbischof Christoph Hegge
Übersicht: Weihbischof Wilfried Theising
Text: Bischof Felix Genn | Foto: Michael Bönte, Joachim Busch
29.08.2010
Altbischof Kamphaus 80 Jahre
Als "Widersacher Roms", als frommer oder gar einsamer "Rebell" hat sich Franz Kamphaus nie gefühlt.
Reden über Gott und Welt
Am Mittwoch (15.02.2012) ist aus organisatorischen Gründen kein Gesprächspartner aus dem Haus der Seelsorge im Chat.
Jugendkirchen im Bistum
Als erste Jugendkirche im Bistum Münster wurde am 7. Dezember 2002 die Jugendkirche "effata!" in Münster eröffnet.
Dossier Familie
Bei allen Schwierigkeiten der heutigen Zeit: Ehe und Familie sind keine Auslaufmodelle. Kirche macht sich an vielen Stellen dafür stark, ihre Rahmenbedingungen zu verbessern.
Neues Seelsorgekonzept
Im Bistum Münster wird derzeit ein neuer Diözesanpastoralplan erstellt. Er soll Schwerpunkte der Seelsorge benennen. Ein erster Entwurf steht zum Herunterladen bereit.
Glaubenswissen
Berufung: Angenommen, Jesus würde heute durch die Straßen ihrer Stadt, ihres Ortes gehen und zu Ihnen sagen "Komm, folge mir nach!" - wie würden Sie reagieren?
Bibelarbeiten
Die Bibelarbeiten befassen sich mit Schriftstellen aus dem Alten und Neuen Testament und eignen sich für die Gemeindearbeit und für die persönliche Auseinandersetzung mit der Heiligen Schrift.
Neue Kirche in Schillig
Es ist kein Zufall, dass in einer Zeit von Kirchenschließungen genau hier eine neue Kirche entstanden ist: Der Neubau von St. Marien in Schillig an der Nordseeküste.
Kirchenmusik-Tagung
Mit der Zukunft der Kirchenmusik beschäftigte sich eine Fachtagung für Organisten und Chorleiter aus dem ganzen Bistum.
Beratung und Information
Das Bistum Münster bietet mit der Fachstelle für Sekten- und Weltanschauungsfragen ein Angebot für Hilfesuchende.
Kirche von A bis Z
Vergänglichkeit allen Lebens: "Bedenke, Mensch, dass Du Staub bist und wieder zum Staube zurückkehrst."
Service für Sie
Spruch des Tages
Reden, Fragen, Antworten finden
im "
Haus der Seelsorge" hat man ein offenes Ohr für Sie
Seelsorger im Februar:
Diakon Werner Fusenig
Seelsorger/-innen
Heiligenlexikon in "kirchensite.de"
im
Heiligenkalender können Sie nach Monaten blättern. Oder wählen Sie hier nach Buchstaben aus:
Kontakt
kirchensite-Redaktion:
redaktion
kirchensite.de
Lebenshilfe+Seelsorge:
Werner Fusenig
fusenig
kirchensite.de
Technik:
technik
dialogverlag.de
















Newsticker für Ihr Web