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Seite: Aktuelles  >  Predigt von Bischof Genn im Pontifikalamt mit Freunden des Karnevals am 07.02.2010
11.02.2012
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Dokumentiert:

Predigt von Bischof Genn im Pontifikalamt mit Freunden des Karnevals

Münster. Am Sonntag (07.02.2010) feierte Bischof Felix Genn im münsterschen St.-Paulus-Dom ein Pontifikalamt mit den Freunden des Karnevals. kirchensite.de dokumentiert die schriftliche Fassung seiner Predigt.

Liebe Schwestern und Brüder im Glauben, die Sie heute Morgen vor allem als Freunde des Karnevals die große Halle unseres Domes füllen! "Von jetzt an wirst du Menschen fangen" (Lk 5,10). Dieses Wort, das am Ende des heutigen Abschnittes aus dem Lukasevangelium steht: Ist es anziehend? Stößt es nicht unmittelbar auf Misstrauen und Skepsis? Diese Verheißung Jesu an Simon Petrus "Von jetzt an wirst du Menschen fangen" - Was macht ein solches Wort mit Ihnen, liebe Schwestern und Brüder? Wollen Sie eingefangen werden? Sind wir nicht in unserem Alltag schon genug Kräften ausgeliefert, die uns für ihre Zwecke einfangen und verwenden? Werden Sie nicht vielleicht an manche Erfahrungen der Kirchengeschichte bis in die unmittelbare Gegenwart denken, dass Menschen andere eingefangen und zu ihren Zwecken missbraucht haben? Auch Vertreter der Kirche, die damit das Zeugnis, das sie zu geben haben, tief verdunkelten! Wir haben in den letzten Tagen öfters davon hören müssen.

Denken wir vielleicht an den Rattenfänger von Hameln, der mit einer wunderbaren Melodie Kinder hinter sich herzieht, um sie dann in den Abgrund zu führen? Darf ich Euch, liebe Kinder und Jugendliche, die Ihr heute Morgen ebenfalls im Dom seid, und vor allem diejenigen auch, die hinter mir im Chorgestühl sitzen mit ihren prächtigen Gewändern, darf ich Euch einfangen? Kann ich diesen Auftrag und diese Verheißung, die Jesus dem Petrus gibt, an diesem Morgen auf mich beziehen? Ich kann mich dem Auftrag nicht entziehen, und ich möchte Sie fangen – ja, ich möchte Sie fangen. Ich möchte Sie einfangen, dass Sie als Freunde des Karnevals in dieser närrischen Zeit und darüber hinaus im Alltag Ihres Lebens im Laufe des Jahres nicht nur Freunde des Karnevals bleiben, sondern Freunde Jesu sind. Dafür möchte ich Sie gewinnen, auch Euch, liebe Kinder, Freunde Jesu zu werden.

Wenn ich diesen Auftrag anschaue, dann muss ich mich natürlich unmittelbar fragen, was ich da mit Ihnen tue, und ob das berechtigt ist, Menschen so zu gewinnen. Ich schaue dabei auf den Bericht, den wir eben aus dem Leben Jesu gehört haben, an dessen Ende eben diese Verheißung Jesu steht. Dabei fällt mir auf, dass Er Menschenfischer ist. Die Menge drängt sich an Ihn heran, vielleicht war sie noch viel größer als die große Schar der Menschen, die heute Morgen hier in unserem Dom sind. Sie fallen sozusagen über Ihn her, sie liegen Ihm auf der Seele, so dass Er, um Seinen Dienst zu tun, sich ein wenig in Abstand zu ihnen begibt, in ein Boot steigt, das dem Simon Petrus gehört, und etwas vom Ufer ab fährt, um auch auf diese Weise - durch den Schall - sich noch mehr verständlich zu machen. Er ist in diesem Augenblick ein Menschenfischer.

Liebe Schwestern und Brüder, ein Zweites fällt mir bei diesem Bericht auf. Jesus schickt ja den Petrus hinaus auf den See, um Fische zu fangen, gibt ihm die Verheißung, dass, wenn er auf der rechten Seite das Netz auswirft, auf der richtigen Seite, dass er viele Fische sammeln wird. Das ist wie ein Bild für den Auftrag, den Er ihm dann gibt, aber die Worte unterscheiden sich. In dem griechischen Text, den der Evangelist Lukas verfasst hat, steht für das Fischen auf dem See das normale technische Wort in der griechischen Sprache, das man dafür verwendet. Aber bei dieser Verheißung, die Jesus dem Petrus als Sendung und Auftrag mitgibt, finde ich ein anderes Wort, das wir im Deutschen kaum wiedergeben können. Dort steht nämlich, wenn ich es etwas holperig übersetzen darf: "Von jetzt an wirst du Menschen ins Leben einfangen." Aus dem Untergang rettend ins Leben einfangen! Das Meer steht ja als Zeichen für Gefahr und Untergang. Dort gehören wir nicht hin, und das Bild mit dem vollen Netz der Fische bricht sich an dieser Stelle; denn das Meer ist das Element, in dem die Fische leben, aber nicht wir.

Jesus lädt den Petrus ein, Menschen aus den Elementen herauszuführen, die Untergang, Tod und Gefahr mit sich bringen, um sie ins Leben hineinzuführen. Dabei steht Ihm ganz deutlich vor Augen, dass Er – Jesus – das Recht hat, so zu sprechen, weil Er eben nicht wie der Rattenfänger von Hameln oder andere Gestalten der Geschichte bis hinein in die Politik Menschen mit einer süßen Melodie in den Abgrund pfeift, sondern weil Er derjenige ist, der Menschen ins Leben führen kann.

Der Apostel Paulus spricht davon in der zweiten Lesung. Er konnte das nicht glauben, was die Jesus-Anhänger erzählten, und er hat es bis auf den Grund verfolgt, aber er wurde, wie ein großer Fisch, von Jesus eingefangen. Er begegnete dem, der aus dem Element des Todes, aus dem Untergang des Kreuzessterbens und des Grabes gerettet war und nun als Auferstandener ihn ruft, ebenfalls Menschen in dieses Leben, das den Tod überdauert, hineinzuführen. Glauben wir, dass das so ist?

Es hat mich beeindruckt, liebe Schwestern und Brüder, als gestern beim Empfang im Bischofshaus der Generalprinzmarschall mir ausdrücklich ans Herz legte, dass die Freunde des Karnevals diesen Gottesdienst wünschen; es ist ja die Feier des Todes und der Auferstehung Jesu. Er hat dabei betont, dass Sie als Katholiken, als Christen, genau in diesem Glauben alles, auch den Karneval, sehen, als Katholiken und als Christen über den Raum unserer Kirche hinaus, selbst wenn wir gerade in den unterschiedlichen Konfessionen bei einer solchen Feier in besonderer Weise spüren, dass die Trennung da ist, weil wir uns noch nicht bis ins Letzte der Abendmahlsgemeinschaft begegnen können.

Vielleicht sind zudem manche unter Ihnen, die den Glauben überhaupt nicht teilen. Dann möchte ich dankbar auf dieses Zeugnis des Generalprinzmarschalls, des Prinzen, der Garde und aller, denen ich in den letzten Tagen im Zusammenhang des Karnevals begegnet bin, hinweisen: Dass unser Leben als Ganzes, auch im Karneval, unter der Überschrift steht: Wir glauben, dass Jesus das Leben ist, und weil Er den Tod überwunden hat, der wirkliche Grund der Freude sein kann, der auch dann noch trägt, wenn die närrischen Tage vorbei sind und der Karneval verbrannt ist. Deshalb ist das auch eine Einladung an Sie alle, dieser Botschaft sich zu nähern und Sonntag für Sonntag sich stärken zu lassen von dem Wort, das das Leben beinhaltet und das uns nicht einfangen will, um uns zu missbrauchen, sondern um uns alle Dimensionen des Lebens zu erschließen, so sehr, dass diese Kraft sogar vor dem Tod standhält.

Und es steckt noch etwas darin, liebe Schwestern und Brüder. Ich darf an ein Bild erinnern. Sie haben es eben in der ersten Lesung, die Herr Albers vorgetragen hat, gehört. Da wird uns ein Einblick in den Thronsaal Gottes gegeben, in die Umgebung, in der Gott lebt. Prachtvoll, machtvoll, wahrscheinlich viel prächtiger, als es eine Stadtgarde und eine Prinzengarde sein kann, noch machtvoller. In dieser Atmosphäre spürt man: Es gibt vieles, was dem widerspricht. Ich muss sozusagen von innen her ausgebrannt werden vom Bösen.

Petrus hat das auch gespürt, "Herr, ich bin ein Sünder" (Lk 5, 8). Paulus bekennt es, dass er die Kirche verfolgt hat. Und was könnte jeder von uns dazu beitragen! Diese Änderung ist notwendig, damit man die Stimme Gottes hören kann, die sagt: "Wen sende ich?" (Jes 6, 8). Sie haben richtig gehört. Gott fragt: Wen kann ich für mein Werk senden? Er möchte nämlich, dass in dieser Welt etwas von seinem Leben offenbar und greifbar wird. Das können Sie auch im Karneval mit der Freude verwirklichen, die Sie ausstrahlen, mit der Bereitschaft, durch den Humor ein wenig Abstand vom Leben zu bekommen, das uns im Alltag manchmal nieder zieht. Wen sende ich? Und der Prophet Jesaja sagt: "Hier bin ich. Sende mich" (ebd.). So ist es auch mit Petrus gegangen.

Zu Freunden Jesu sich gewinnen zu lassen, heißt, auf die Frage Gottes, wen er für sein Lebenswerk gebrauchen kann, zu sagen: Da mache ich mit, denn es lohnt sich, immer Christ  zu sein, weil die Welt davon profitiert, damit sie nicht von falschen Elementen in den Abgrund geführt und dem Untergang des Todes geweiht wird, und deren gibt es genug. Da wollen wir nicht mitmachen, davon wollen wir uns ausbrennen lassen. Aber uns einfangen zu lassen, um Freund Jesu zu sein, da machen wir doch gerne mit – im Karneval und jeden Tag. Amen.

Mehr zum Thema in kirchensite.de:

  1. undefinedEmpfang und Pontifikalamt für die münsterschen Karnevalisten
  2. Öffnet internen Link im aktuellen FensterDossier: Bischof Felix Genn

Text: Bischof Felix Genn
07.02.2010

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