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Seite: Aktuelles  >  Predigt von Bischof Genn beim Abschluss der Euthymia-Prozession am 10.10.2010
24.05.2012
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Dokumentiert:

Predigt von Bischof Genn beim Abschluss der Euthymia-Prozession in Halverde

Hopsten-Halverde. Am Sonntag (10.10.2010) nahm Bischof Felix Genn an der Euthymia-Prozession in Hopsten-Halverde teil. Im Anschluss daran predigte er. kirchensite.de dokumentiert die schriftliche Fassung seiner Predigt.

Liebe Schwestern und Brüder, liebe Jugendlichen, liebe Kinder! Der Apostel Paulus schreibt in seinem Brief an seinen Schüler Timotheus, dass er wegen des Evangeliums gefesselt ist. Er sitzt also offensichtlich im Gefängnis – nur deshalb, weil er den Menschen verkündet hat: "Die Grenze des Todes ist überschritten, es gibt eine Auferstehung". Aber er fügt hinzu: "Wenn ich auch für dieses Evangelium zu leiden habe und dafür sogar Fesseln trage, so ist das Wort Gottes nicht gefesselt" (2 Tim 2, 9).

Liebe Schwestern und Brüder, das können wir an uns ablesen. Dieses Wort Gottes, für das Paulus gefesselt ist, hat auch uns erreicht. Es ist nicht zu fesseln. Es hat immer wieder in die Herzen von Menschen gefunden. Das ist nun auch die Herausforderung, der wir uns heute gegenüber sehen: Wird das Wort Gottes Herzen von Menschen finden, oder wird von Neuem versucht, es zu fesseln?

Wenn wir das Leben der Schwester Euthymia ablesen, dann merken wir, dass das Wort Gottes in ihrem Leben auch da nicht gefesselt war, wo sie an vieles gebunden war, das für sie Last, Leid, Bedrückung bedeutete. Es hatte weiter seine Kraft, weil sie es eingelassen hatte in ihr Herz, weil sie dem traute, was der Apostel Paulus als Schlussfolgerung aus der Botschaft von der Auferstehung uns vor Augen stellt: "Wenn wir standhaft bleiben, werden wir auch mit Christus herrschen. Wenn wir untreu werden, so bleibt er doch treu" (ebd. 12a.13). Freilich, sie wusste auch, das man das nicht umsonst bekommt, sondern dass das Treue bedeutet. Denn der Apostel Paulus sagt auch: "Wenn wir ihn verleugnen, wird er auch uns verleugnen" (ebd. 12b). Man kann mit Gott nicht spielen!

Vielleicht kann ich es einmal anders ausdrücken: Das Wort Gottes ist nicht gefesselt, aber es fesselt, es bindet Menschen. Wer sich das zu Herzen nimmt, dass in Jesus Gott so gehandelt hat, dass sogar der Tod überwunden ist, wer sich davon betreffen lässt, der ist gefesselt. Das ist ein Wort, das anziehen kann, dass selbst dann, wenn Menschen untreu werden, Gott treu bleiben will, weil er selber sich nicht verleugnen will, weil er gefesselt ist von der Liebe zum Menschen.

Wenn Sie als Eheleute, als Familien, auch als Großeltern in unserer Zeit erfahren, wie brüchig Bindungen werden, wie auch das Band der Ehe immer wieder neuen Proben ausgesetzt ist, dann kann dieses Wort, das Gott uns treu bleibt, Sie fesseln. Dann will dieses Wort Sie anziehen, denn dieses Wort ist weiterhin attraktiv. In dieser Stunde sind wir hier zusammen, um uns darin stärken zu lassen. Sie als Eheleute, Euch als Kinder, Sie als Großeltern, Euch als Enkel, dass die Treue Gottes, die sich in Jesus erwiesen hat, dass die Treue Gottes, die Schwester Euthymia in ihrem Leben im Dienst an so vielen umgesetzt hat, auch uns anziehen mag. Deshalb wollen wir ganz intensiv diese Stunde und diesen Weg des Gebetes dem Herrn noch einmal übergeben, dass er in unseren Tagen die Tür zu den Herzen von Menschen findet mit seiner attraktiven, fesselnden Liebe, und dass Menschen diese Fesseln der Liebe aufnehmen, Ihn nicht verleugnen, sondern dass sie sich in Treue an Ihn binden lassen in Ehe und Familie, im Priester- und Ordensstand, im Leben und Sterben.

Liebe Schwestern und Brüder, gerade das Beispiel dieser Frau, die hier aus Halverde stammt, kann Sie immer wieder neu ermutigen, durch alle Tore und alle Täler des Todes daran festzuhalten, dass Jesus ein verlässlicher Partner ist, dass Gott sich nicht verleugnen kann, und dass wir deshalb in Ihm einmal das Leben finden werden und sehen: Es hat sich gelohnt, sich von der Liebe Gottes anziehen zu lassen. Amen.

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Text: Bischof Felix Genn
10.10.2010

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