Dokumentiert:
Grußwort von Bischof Genn zum Tag der offenen Moschee
Bistum. Am Sonntag (03.10.2010) fand bundesweit der Tag der offenen Moschee statt. Bischof Felix Genn hat hierzu ein Grußwort geschrieben. kirchensite.de veröffentlicht dieses Grußwort.
Sehr geehrte Damen und Herren, liebe muslimische und christliche Gläubige, herzlich danke ich Ihnen für die Einladung zum Tag der offenen Moschee und bedaure, nicht persönlich anwesend sein zu können.
Es ist mittlerweile ein schöner Brauch, dieses Zeichen der Offenheit füreinander am Nationalfeiertag unseres Landes zu setzen. Nach der Wiedervereinigung Deutschlands wurde dieser Feiertag verlegt, weil auch der Akzent dieses Tages nun ein anderer ist. Aus der Forderung nach der Wiederherstellung der Einheit ist die Aufgabe geworden, diese Einheit nun auch zwischen und in den Menschen selbst zu vollziehen.
Längst sind andere Fragen und Anliegen hinzugekommen, die auch hierhin passen: Die Frage nach deutscher Identität, nach der Integration von Zuwanderern und auch nach der Rolle der Religion in unserer Gesellschaft gehören dazu. Als Antwort auf diese letzte Frage sind wir gemeinsam gefordert – durch unseren jeweiligen Glauben, durch den einen Gott – zum guten Zusammenleben in unserem Land beizutragen und für die Menschen einzustehen und zu sorgen, die unserer Hilfe bedürfen, also Verantwortung wahrzunehmen, wie es das Motto des diesjährigen Tages der offenen Moschee so prägnant sagt.
Diese gelebte Antwort mit ihren vielen praktischen Ausgestaltungen ist zugleich Zeugnis für den Glauben an Gott, der uns den Auftrag dazu gibt. Wir sollten uns darüber klar werden, dass sich für viele Menschen, die aus großem Abstand auf unsere Glaubensgemeinschaften, auf Religion oder ganz grundsätzlich auf den Glauben an Gott schauen, die Grenzen zwischen Christen und Muslimen verwischen. Fehlverhalten, vor allem jede Art von Intoleranz und Gewalt, wird aus dieser Perspektive auf „die Religion“ und „den Glauben“ zurückgeführt.
Die Außenperspektive macht so vielleicht deutlicher als jeder Schritt, durch den wir selbst unsere Nähe zueinander erschließen, dass längst eine tiefe Verbindung zwischen Muslimen und Christen in der Verantwortung für unser jeweiliges Glaubenszeugnis besteht, weil es als gemeinsames Zeugnis für oder gegen Gott wahrgenommen werden kann.
Deshalb danke ich Ihnen für das Zeichen, das Sie an diesem Tag setzen so wie für alle Zeichen der Offenheit füreinander und jedes Bemühen um Transparenz unseres Lebens aus dem Glauben an Gott und erbitte uns allen friedliches Zusammenleben und -wirken. Mit herzlichen Segenswünschen Ihr Felix Genn, Bischof von Münster.
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Text: Bischof Felix Genn
03.10.2010
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