Dokumentiert:
Bischof Genn zum Thema Priestermangel
Bistum. Bischof Felix Genn hat jetzt aufgrund von Medienberichten zur Entwicklung der Altersstruktur der Priester und zur Frage nach Zugangsvoraussetzungen für das Priesteramt Stellung genommen. – kirchensite.de veröffentlicht dieses Statement im Wortlaut:
1. Die vom Bistum veröffentlichten Zahlen zur Altersstruktur der Priester im Bistum Münster und zur Zahl derer, die in den kommenden Jahren und Jahrzehnten für den priesterlichen Dienst in den Gemeinden des Bistums zur Verfügung stehen, sind eine echte Herausforderung. Sie entsprechen aber vergleichsweise auch den Zahlen, die das Bistum als aktive Gottesdienstbesucher Sonntag für Sonntag in den Gemeinden zählen kann.
Auch hier ist die Zahl der Teilnehmenden und Mitfeiernden gegenüber den letzten Jahren und Jahrzehnten erheblich zurückgegangen. Insofern kann man mit Fug und Recht nicht nur von einem Priester-, sondern auch von einem Gläubigenmangel sprechen.
Die Herausforderung an die Pastoral besteht darin zu prüfen, wie all diejenigen, die die Taufe empfangen haben, gottesdienstlich weiter mit der Kirche in Verbindung bleiben. Hinzu kommt die weitere Herausforderung, wie diejenigen, die aus der Taufe leben, andere ansprechen können, um sie als Christen zu gewinnen.
2. Das sich im Laufe der nächsten Jahre und Jahrzehnte die Ausformung des priesterlichen Dienstamtes verändert, weil die Herausforderungen andere sind, ist klar. Die Herausforderungen nämlich, die sich heute stellen, bringen eine andere Gestalt des priesterlichen Dienstes mit, als wenn jemand in einer geschlossenen christlichen Gemeinde diesen Dienst ausübt.
3. Der Bischof ist dezidiert der Meinung, dass weder die Aufhebung des Zölibates noch der Zugang für Frauen zum Priesteramt Lösungen sind.
Er sieht freilich auch, dass die Verantwortlichen im Bistum wie auch die Gemeinden den Priestern helfen müssen, die zölibatäre Lebensform angemessen zu gestalten. Papst Johannes Paul II. hat 1994 lehramtlich festgehalten, dass die katholische Kirche vom Auftrag und der Weisung Jesu her nicht ermächtigt ist, das Sakrament der Weihe Frauen zu spenden. Dies ist für die kirchliche Lehrverkündigung und die damit Beauftragten verbindlich.
Zugleich bedeutet es aber auch den Anspruch, weiter darüber nachzudenken, wie Frauen in Leitungsämtern der Kirche, die nicht mit der Weihe verbunden sind, noch mehr Berücksichtigung finden. Gerade die Schreiben von Papst Johannes Paul II. zur Rolle und Würde der Frau sind bei weitem in der Kirche in Lehre und Praxis noch nicht ausgeschöpft.
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Text: Bischof Felix Genn
30.06.2010
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