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26.08.2016
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Bischofswort zur Seligsprechung von Kaplan Gerhard Hirschfelder

Bistum. Am Sonntag (19.09.2010) wird Kaplan Gerhard Hirschfelder in Münster selig gesprochen. Ein Bischofswort von Bischof Felix Genn zur Seligsprechung soll an diesem Wochenende (04./05.09.2010) in allen Gottesdiensten verlesen werden. kirchensite.de dokumentiert dieses Bischofswort.

Liebe Schwestern und Brüder im Glauben, am Sonntag, 19. September 2010, wird der Diener Gottes Kaplan Gerhard Hirschfelder aus der Grafschaft Glatz im Hohen Dom zu Münster im Auftrag des Heiligen Vaters durch den Erzbischof von Köln, Joachim Kardinal Meisner, selig gesprochen.

Die Verbindung Kaplan Hirschfelders zum Bistum Münster ist rasch skizziert: Der Beauftragte für die Heimatvertriebenen aus dem Generalvikariat Glatz, das kirchenrechtlich bis 1972 zum Erzbistum Prag gehörte und nun zum neugegründeten Bistum Schweidnitz in Polen gehört, hat seit 27 Jahren sein Büro in Münster. Ferner pilgern die Glatzer seit 1947 jährlich Ende August zur Schmerzhaften Mutter in Telgte – dies ist nach wie vor die zweitgrößte Wallfahrt zu diesem Gnadenort.

Aus diesem Grund hat der Visitator für Priester und Gläubige aus der Grafschaft Glatz den Bischof von Münster darum gebeten, den Prozess zur Seligsprechung von Kaplan Gerhard Hirschfelder zu führen, der vor genau zwölf Jahren in unserer Domkirche eröffnet wurde.

Wer war Kaplan Gerhard Hirschfelder?

Er ist am 17. Februar 1907 in Glatz als Sohn einer ledigen Mutter geboren und wuchs ohne Vater auf. Das hat ihn ein Leben lang belastet. Gott hat ihn aber mit vielen Gaben beschenkt. Ein fröhliches Naturell, eine offene Herzlichkeit und eine überaus große Freundlichkeit waren Ausdruck eines tiefen Glaubens.

Diese Gaben kamen Gerhard Hirschfelder zugute. Am 31. Januar 1932 wurde er im Dom zu Breslau für den preußischen Anteil der Erzdiözese Prag zum Priester geweiht.

Nahe der tschechischen Grenze wurde er Kaplan und gewann nicht nur die Herzen der Kinder und Jugendlichen für Christus, sondern erfreute sich auch großer Beliebtheit bei den Erwachsenen.

Nach Hitlers Machtübernahme am 30. Januar 1933 geriet Kaplan Hirschfelder in die Auseinandersetzung mit den Nationalsozialisten. Seine überaus gute Jugendarbeit und seine be­geisternden Predigten vermochten es, die jungen Christen von der Hitlerjugend fernzuhalten. Wo es möglich war, suchten die Nazis seine Arbeit zu unterbinden oder gar zu verbieten. Seine Predigten wurden bespitzelt, seine Gruppenstunden überwacht und seine Wohnung durchsucht. Seinen Jugendlichen, die Sorge um ihn hatten, sagte er: "Ich kann nicht schweigen, wenn ich sehe, was auf die Kirche zukommt!"

Der Generalvikar der Grafschaft Glatz versetzte ihn 1939 nach Habelschwerdt, um ihn der Kontrolle der Nazis zu entziehen.

Hirschfelder wurde Jugendseelsorger der Grafschaft Glatz und blieb im Blickpunkt der Nazis. Im Juni 1941 versammelten sich 2.300 Jugendliche in Albendorf, dem großen Wallfahrtsort in der Grafschaft Glatz, zum großen Bekenntnissonntag. Die Spannungen nahmen zu, aber Hirschfelder gab nicht nach.

Als ein religiöser Bildstock Ende Juli 1941 in der Kreisstadt Habelschwerdt mutwillig zerstört wurde, sagte er in der Predigt am 27. Juli 1941: "Wer der Jugend den Glauben an Christus aus dem Herzen reißt, ist ein Verbrecher."

Dies genügte, um ihn am 1. August 1941 zu verhaften und ins Gefängnis nach Glatz zu bringen. Dort schrieb er den inzwischen in drei Sprachen übersetzten Kreuzweg und Gedanken zu Priestertum, Ehe und Familie.

Am 15. Dezember 1941 wurde er nach Dachau überführt und starb im Hungerjahr 1942 an Entkräftung. Seine Urne wurde in Tscherbeney beigesetzt, wo er 7 Jahre segensreich gewirkt hatte.

Die Gläubigen der Grafschaft Glatz baten um seine Seligsprechung, weil
- er ein Vorbild für alle Eltern und Erzieher war und die Jugend immer tiefer zu Christus führte,
- er ein überzeugter Widerstandskämpfer gegen ein menschenverachtendes Regime wurde  und selbst den Tod nicht fürchtete,
- er ein Vorbild dafür ist, dass der Glaube an Christus eine tiefe Frömmigkeit, Herzlichkeit und Fröhlichkeit bewirkt,
- er zum Brückenbauer zwischen Deutschen, Polen und Tschechen geworden ist. Wir dürfen ihn um seine Fürsprache anrufen, dass Deutsche, Polen und Tschechen den Weg zueinander finden und gemeinsam am Aufbau Europas in christlichem Geiste mitwirken.

Somit ist Kaplan Gerhard Hirschfelder Hoffnungsträger – Mutmacher – Brückenbauer. Er hat Glaubensmut gesät und wir dürfen Versöhnung ernten.

Liebe Schwestern und Brüder, mit großer Freude lade ich Sie zur Vigilfeier am Vorabend der Seligsprechung, Samstag, den 18. September 2010, um 19:30 Uhr in der Überwasser-Kirche zu Münster ein und vor allem zur Feier der Seligsprechung selbst am darauf folgenden Sonntag, 19. September 2010, um 15:00 Uhr im Hohen Dom. Dieses feierliche Pontifikalamt wird sowohl in die Überwasser-Kirche wie auch in die St. Lamberti-Kirche übertragen werden.

Die Katholiken der Grafschaft werden vom 6. – 13. Oktober diesen Jahres in ihre Heimat fahren, um gemeinsam mit Deutschen, Polen und Tschechen die Danksagungsfeierlichkeiten zu begehen.

So empfehle ich Sie und unser ganzes Bistum der Fürbitte des Dieners Gottes Gerhard Hirschfelder und bitte den Herren, dass auch wir in unserer Zeit immer mehr zu treuen und glaubwürdigen Zeugen seines Evangeliums werden.

Mit herzlichen Segenswünschen
Münster am Gedenktag des hl. Bernhard
20. August 2010
Ihr Bischof
Bischof von Münster

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  4. Öffnet internen Link im aktuellen FensterDossier: Bischof Felix Genn

Text: Felix Genn
04.09.2010

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