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23.05.2012
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Dokumentiert:

Vortrag von Bischof Genn zum 20-jährigen Dienstjubiläum von Pater Ludger van Bergen

Trier. Bischof Felix Genn hielt aus Anlass des 20-jährigen Dienstjubiläums von Pater Spiritual Dr. Ludger van Bergen SJ am Sonntag (07.06.2009) in der Promotionsaula des Bischöflichen Priesterseminars Trier einen Vortrag zum Thema "Helfer zur Dankbarkeit". kirchensite.de dokumentiert die Vorlage seines Vortrags:

Verehrter, lieber Bischof Stephan, verehrte, liebe Mitbrüder im geistlichen Dienst, liebe Seminaristen, lieber Mitbruder Ludger, verehrte Damen und Herren, liebe Schwestern und Brüder! "Du bedarfst nicht unseres Lobes, es ist ein Geschenk deiner Gnade, dass wir dir danken. Unser Lobpreis kann deine Größe nicht mehren, doch uns bringt er Segen und Heil durch unseren Herrn Jesus Christus."

Sie alle kennen diesen Text aus einer der Präfationen, die wir an den Wochentagen das Jahr hindurch beten können. Dieser Text fiel mir unmittelbar ein, als ich mich mit dem Gedanken beschäftigte, dem Wunsch des Regens entsprechend einen kleinen Beitrag zum Dienstjubiläum unseres verehrten Spirituals Pater Dr. Ludger van Bergen in diese Festfeier einzubringen.

Durch Pater Ludger van Bergen ist mir dieser Text erst ganz bewusst ins Herz eingedrungen, weil ich ihn von seiner Seite aus immer wieder hörte. Ich glaube mich auch erinnern zu können, dass er einmal in seiner originellen Art darüber gesprochen hat. Ich finde, dass diese Aussage und dieses Bekenntnis sehr gut zusammenfließen mit der Prägung, die Ludger durch seine Ausbildung und sein Leben in der Gemeinschaft der Jesuiten erfahren hat. Sie steht nämlich auf dem Fundament dessen, was sein Ordensvater Ignatius in der Einleitung zu den "Geistlichen Übungen" sagt, wenn er eine Definition gibt, wozu der Mensch auf Erden ist: "Der Mensch ist dazu da, Gott zu loben, ihn zu ehren und ihm zu dienen." So sagt es der heilige Ignatius.

Gott bedarf nicht unseres Lobes. Es ist vielmehr ein Geschenk seiner Gnade, dass wir ihn erkennen, seine Wohltaten aufnehmen und deshalb bereit sind, ihm von Herzen Danke zu sagen. Gott bedarf nicht unseres Lobes; denn seiner Größe wird nichts hinzugefügt, wenn wir ihm danken. Aber für uns ist es der innerste Ausdruck unseres Daseins, wenn wir anerkennen, von Gott geschaffen, geliebt und herausgerufen worden zu sein, ihm die Antwort unseres Lebens zu geben, indem wir die Beziehung, die er zu uns hat, aufgreifen und dankbar zurückgeben.

Wir sind heute hier, um Pater Ludger für 20 Jahre seines Dienstes im Bischöflichen Priesterseminar Trier zu danken. Ich bin fest davon überzeugt, dass er den Dank heute in genau derselben Intention entgegen nimmt, wie er es von seiner jesuitischen Prägung her erfahren hat, wie er versucht hat, den Seminaristen und allen, die er geistlich begleitet, das Empfangene weiterzugeben, und wie er es selbst sich für diese Festfeier wünschen würde.

Als Du, lieber Ludger, 1989 ins Priesterseminar kamst, um in der Nachfolge von Dr. Heinrich Nacken die Stelle des Spirituals einzunehmen, wurden wir Kollegen. Ich war schon elf Jahre hier tätig, davon seit 1985 als Spiritual. In unseren Gesprächen und vor allem in den vielen Überlegungen über unseren Dienst in dieser besonderen Aufgabe hast Du mich durch Dein brüderliches Zusammenwirken, durch Dein brüderliches Wort, vor allem aber auch durch die Dimensionen, die Du aus Deinen bisherigen Tätigkeitsfeldern eingebracht hast, in meinem Dienst gestärkt. Das Vielerlei der Lebenswege, die unterschiedlichen Fragen und Probleme der Einzelnen, bedürfen je neu der Konzentration auf den entscheidenden Blickpunkt: Nichts zählt, außer dem Dienst als Antwort auf die Wohltaten Gottes, die Er uns erwiesen hat. Manche Gespräche fallen mir ein. Ich denke an die Versuche, der geistlichen Bildung unserer Seminaristen eine Struktur zu geben, die ihnen hilft, nicht nur allgemein ein eigenes geistliches Leben zu führen, sondern aus dem großen Reichtum der christlichen Spiritualität die Form zu entdecken, die dem eigenen Weg, Gott zu dienen, mehr hilft.

Ich denke auch daran, dass Du in vielen Einführungen in die Eucharistiefeier den Blick geweitet hast auf die Gemeinschaft der Heiligen. Dabei kamen durchaus Namen vor, die keiner der Gottesdienstteilnehmer je gehört hatte. Aber Du wolltest uns damit immer hinein stellen in die Gemeinschaft derer, die in ihrer Weise die Antwort ihres Lebens auf die Gnade Gottes in ihrem Leben gegeben haben.

Sehr stark bleibt in meiner Erinnerung eine Einführung zu Beginn der Eucharistiefeier an dem Tag, an dem die Gesellschaft Jesu des Heiligen Johannes Berchmans gedenkt. Diesen jugendlichen Heiligen hast Du in seinem Weg folgendermaßen charakterisiert: "Er trat nach einer Zeit der Ausbildung in die Gesellschaft Jesu ein, machte das Noviziat, vollendete seine Studien - und starb." Deine Aussage hattest Du sicherlich nicht auf das Gelächter hin angelegt, das sich in der Kapelle ausbreitete, sondern es ging Dir um die Aussage: Ganz gleich, wie lang oder wie kurz ein Leben ist, das Wichtigste ist: In Gesundheit oder Krankheit, in Ehre oder Schmach, in einem langen oder kurzen Leben der Grundbestimmung unseres Daseins zu folgen, Gott zu dienen und sich für diesen Dienst indifferent zu machen gegenüber allen anderen Wirklichkeiten, die dadurch nur sekundär erscheinen können.

In der Rahmenordnung für die Priesterausbildung, die die deutschen Bischöfe im Anschluss an die Römische Grundordnung nach dem II. Vatikanischen Konzil herausgegeben haben, wird der Dienst des Spirituals mit den nüchternen Worten charakterisiert:

"Der Spiritual trägt die Verantwortung des Seminarkollegiums unter dem Blickpunkt der spirituellen Bildung mit. Er ist Begleiter und Helfer der Studenten bei ihrem Bemühen, die Nachfolge Christi einzuüben und miteinander christlich zu leben, bei ihrer Suche nach dem eigenen geistlichen Weg und bei der Klärung ihrer Berufsfrage" (Nr. 57).

Im Einzelnen werden dann Aufgaben aufgelistet, die sich aus dieser allgemeinen Beschreibung ergeben. Begleiter und Helfer soll er sein, wenn die Studenten sich bemühen, die Nachfolge Christi einzuüben und ihren eigenen Weg zu finden. Am heutigen Tag, an dem wir Dir für all das, was Du in dieser Richtung in zwanzig Jahren vielen Menschen gegeben hast, danken, möchte ich versuchen, diesen Dienst in der Perspektive zusammenzufassen: Der Spiritual ist Helfer zur Danksagung. Damit bereitet er Studierende auf den priesterlichen Weg vor.

Wozu sind wir als Menschen da? Wozu ist jemand in seinem Leben gerufen? Warum sollte er Priester werden? Was ist es, was jemanden innerlich motiviert, sich mit einer solchen Berufungsfrage auseinanderzusetzen? Die Klärung der Motivation, zu der der Dienst des Spirituals bei einem Seminaristen beitragen soll, wird immer auch eine Reinigung von Motiven beinhalten, damit klarer zum Vorschein kommt, was der Einzelne in seinem Leben tun soll oder, wie wir es manchmal sehr nüchtern sagen, was der Einzelne aus seinem Leben machen soll. Sind die Motive lauter und durchsichtig auf Gott hin oder entspringen sie der Suche nach Ehre, nach Karriere? Entspringen sie Ängsten vor dem Leben, vielleicht auch vor dem anderen Geschlecht? Lassen sie sich bestimmen von Motiven, die vielleicht sehr kindlich, aber für ein Erwachsenenleben nicht tragfähig sind?

Hierbei zu helfen, dass der Einzelne von Gott her, wie er sich uns in Jesus Christus geoffenbart hat, auf sein Leben schaut, ist mitunter eine sehr schwierige und mühselige Sache. Aber sie hat etwas mit dem zu tun, was der heilige Ignatius am Ende der Exerzitien in der Betrachtung zur Erlangung der Liebe von Gott selbst sagt: Dass Er sich abmüht um unseretwillen in allen Dingen (EB 236). Zunächst gilt es für jeden bewusst als Christen lebenden Menschen, aber erst recht für jemanden, der sich auf den Weg als Priesterkandidat begibt, zu klären, dass er unendlich geliebt ist, und dass diese Liebe Gottes sich darin zeigt: Er hat ihn ins Dasein gerufen. Sobald sich jemand der Wirklichkeit der Liebe Gottes bewusst wird, weiß er sich herausgefordert zu danken. Diese Dankbarkeit geschieht in der Annahme dieser Liebe, und diese dankbare Annahme der Liebe formt eine entsprechende Lebensgestalt.

Unser Leben als Christen ist Leben in Danksagung. Wir brauchen nicht uns selbst zu entwerfen, weil wir uns als ins Dasein Geworfene vorfinden, sondern wir dürfen mit einem inneren Sensorium danach fragen, was Gott mir mit den Gaben und Fähigkeiten, mit den Anlagen und Lebenssituationen, in die ich hineingestellt werde, an Möglichkeiten eröffnet, ihm in einer echten, schönen und guten Weise liebevoll durch mein Leben und Wirken zu danken. Entdeckt dabei jemand, dass er herausgerufen ist in die engere Nachfolge Jesu Christi, ihm also auch in der Weise seiner Lebensform in Gehorsam, Armut und Jungfräulichkeit das Leben zu schenken, bekommt diese Berufung eine eigene Ausrichtung:

Das Kernstück priesterlicher Sendung und Existenz ist die Feier der Eucharistie. Bei der Priesterweihe überreicht der Bischof den Neugeweihten die Gaben von Brot und Wein mit den sinngefüllten Worten: "Empfange die Gaben des Volkes für die Feier des Opfers. Bedenke, was Du tust, ahme nach, was Du vollziehst, und stelle Dein Leben unter das Geheimnis des Kreuzes." Immer wieder wird der Priester die Menschen aufrufen, ihre Herzen zu erheben zum Herrn, und Gott, dem Vater, Dank zu sagen. Das ist einfach würdig der Größe der Liebe Gottes und recht, weil Er so vieles und so Großes für uns getan hat. Menschen dort hinzuführen durch die Verkündigung des Evangeliums und die Feier der Sakramente, in ihrem Leben zu entdecken, wofür sie alles danken können und wie sie diesem Dank Ausdruck geben, das wird die grundlegende Lebensrichtung priesterlichen Dienstes sein.

Auch hier kann man wieder aus dem Geist der Exerzitien des heiligen Ignatius sprechen: Wer sich auf den Weg begibt, von Gott her sein Leben zu ordnen und in der Nachfolge Christi seine Form zu finden, wie er dieser Antwort am besten Gestalt geben kann, wird sich zunächst einmal dahin erziehen, grundlegend ein dankbarer Mensch zu sein. Ja, ein Mensch, der ganz und gar selbstlos leben will, wird das nur können, wenn er eintaucht in die Betrachtung der Größe Gottes, die sich in der Schöpfung, in der Erlösung, aber auch in den besonderen Gaben eines jeden Einzelnen zeigt. Je mehr ein Mensch akzeptiert, dass er sich nicht sich selbst verdankt, sondern einem anderen, wird er wirklich frei, braucht keine Angst zu haben, dass sein Leben irgendwann einmal verbraucht wird, braucht sich nicht um sich selbst zu drehen, löst sich von der Vorstellung, Dienen führe zum Verlust der Existenz. Im Gegenteil: Die Worte des Herren erweisen sich als wahr: "Wer sein Leben um meinetwillen und um des Evangeliums willen verliert, wird es retten" (Mk 8,35b.par.).

Der saarländische Dichter Johannes Kirschweng hat in einem Essay unter dem Thema "Das Glück zu atmen" einmal gesagt: "Im dankbar sein liegt ein gutes Teil vom Glück dieser Erde" (Band XI, S. 185-187; hier 185). Wer sich darin hinein vertieft, was Gott ihm geschenkt hat, wie sehr er sich gerade in seinem Sohn Jesus Christus für mich hingibt, ja wie sehr er danach verlangt, sich selbst mir zu schenken (vgl. EB 234), der weiß, dass er das nur dankbar erwidern kann, dass aber dieser Dank nicht anders sich vollziehen kann als in Hingabe. So hat Ignatius in seiner Betrachtung zur Erlangung der Liebe ausdrücklich formuliert: "Die Liebe besteht in der Mitteilung von beiden Teilen her" (ebd. 231). Sie besteht also in der Kommunikation, im Austausch der Gaben. Papst Benedikt XVI. formuliert es so: "Im Danken anerkennen wir, dass etwas Gabe ist, die von einem anderen kommt" (Predigt am Gründonnerstag, 09.04.2009).

Letzten Endes heißt das: Glauben lernen. Glauben ist nämlich ein Akt der Mitteilung. Glaube anerkennt den Anruf Gottes und antwortet ihm. In der Auseinandersetzung, welchen Lebensweg ich gehen soll, werde ich mit der Botschaft des Evangeliums konfrontiert, die mich herausfordert zu antworten, ob ich ihr folge und von daher meinem Dasein Sinn und Bestimmung gebe. Im Zusammenhang der Diskussion um eine Erneuerung der Katechese in Europa hat der polnische Kardinal Macharski von Krakau einmal den Dienst des Hirten so formuliert: "Wir möchten den Menschen helfen …, damit jeder innerhalb der Glaubensantwort der Kirche seinen Platz finde, jeder seine persönliche Antwort erteilen kann." (F. Macharski, Glaubensvermittlung und Glaubenserprobung, in: J. Kardinal Ratzinger, Die Krise der Katechese und ihre Überwindung – Rede in Frankreich, Kriterien 64, Johannesverlag Einsiedeln, 1983, 131-142, Zitat: 132f)

Was das alles an Arbeit bedeutet, davon kann jeder Spiritual viel erzählen. Er kann aber nur Helfer sein, dass der Einzelne immer tiefer hinein findet in die Danksagung, die Jesus Christus gerade durch seine Ganz-Hingabe bis zum Tode am Kreuz dem Vater dargebracht und gegeben hat, und die Er zugleich uns als Antwort bereit hält, damit wir dort unseren je eigenen Platz finden. Das ist ja die Größe seines Geheimnisses, dass Er die Wahrheit schlechthin ist, dass Er sie aber zugleich als Weg ist, der Raum gibt, damit jeder Einzelne dort die ihm gemäße Form seiner Antwort, den Vater im Geist und in der Wahrheit anzubeten, finden kann, sei es als Priester, sei es in einer anderen christlichen Lebensgestalt. Dies bedeutet nicht nur eine Auseinandersetzung mit Modellen, in denen der Einzelne bisher versucht hat, sein Leben einzurichten, sondern es ist eine geistige Auseinandersetzung angesichts einer Welt, die von ganz anderen Voraussetzungen ausgeht.

Ich finde sie sehr klassisch formuliert bei Karl Marx, der behauptet hat, dass der Mensch erst dann wahrhaft frei ist, wenn er sich niemandem zu verdanken braucht. Als Spiritual mit jemandem den Weg der Nachfolge Christi zu suchen, ist genau das Gegenmodell. Erst wenn jemand gefunden hat, dass er in der Hingabe der Liebe nichts anderes will, als sich Gott zu schenken, weil Gott es verdient hat, aber auch nicht braucht, dann ist er wahrhaft frei und ist nicht gebunden daran, wie die äußeren Umstände, Ehre oder Schmach, Gesundheit oder Krankheit, ein kurzes oder langes Leben sich darstellen. Er will nichts anderes als danken. Das ist ein lebenslanger Prozess. Ein Spiritual weiß nun auch, dass der Einzelne auf dem Begleitungsweg oft anderes von ihm erwartet, als er ihm geben kann und darf. Er weiß, dass er manchen im inneren Ringen und Kämpfen lassen muss, ohne zu früh einzugreifen, obwohl der Betreffende es sich selber eher wünscht, so dass der Spiritual dabei auch manchmal nicht verstanden wird. Ja, er muss sogar die Einsamkeit aushalten, die eine solche Situation der Begleitung erfordert.

Um Helfer zur Dankbarkeit zu sein, gehört dies dazu. Im Paulusjahr gestatte ich mir, hier einen Anklang an seine eigene Charakterisierung des Apostolischen Dienstes aufklingen zu lassen. Im 2. Korintherbrief spricht der Apostel davon, in seinem Dienst teilzuhaben an der Leidensgemeinschaft mit Christus. Im Glauben weiß er aber auch um die Kraft der Auferstehung. So kann er diesen Dienst zusammenfassend mit den Worten beschreiben: "Alles tun wir euretwegen, damit immer mehr Menschen aufgrund der überreich gewordenen Gnade den Dank vervielfachen, Gott zur Ehre" (2 Kor 4,15).

In diesem suchenden Ringen hat Pater van Bergen auch geholfen, dass er sich in der großen Tradition der Religionsgeschichte auskennt und weiß, gerade aus der Beschäftigung mit den asiatischen Religionen, wie groß die Tendenzen des eigenen Ich sind, die sich nicht öffnen, sondern die sich in sich selbst verkrümmen wollen. Deshalb hast Du, lieber Ludger, immer auch den Studierenden Einblick in diese Tradition gewährt und durch das Konzept des Curriculums geholfen, dass der Einzelne in der ganzen Breite des Weges der Wahrheit Christi die spirituelle Form findet, die ihm hilft, sein Leben als ein verdanktes zu verstehen und anderen zu helfen, ebenfalls in diese eucharistia des Sohnes einzutreten.

Heute bringen wir unseren bescheidenen Dank zum Ausdruck und wollen Dir helfen, Dank sagen zu können für das, was Du in Deinem Dienst als Jesuit und Priester, als Spiritual hier im Priesterseminar Trier, für unser Bistum, für die Seminaristen, für die Priester und Ordensleute und alle, die du begleitet hast und weiterhin begleiten wirst, investiert hast. Du hast es Menschen nicht immer leicht gemacht, aber Du wolltest es Ihnen auch nicht leicht machen. Du hast es aber ausgehalten, die Einsamkeit ertragen, nicht verstanden oder sogar abgelehnt zu werden. Du hast auch die Ohnmacht ausgehalten, wenn Du erfahren musstest, dass jemand den Weg zur Weihe geht, obwohl Du es nicht für die Form der Danksagung in dessen Leben ansehen konntest. Aber Deine Kirchlichkeit und die Bereitschaft, in Demut eine andere Entscheidung zu tragen, haben dazu beigetragen, dass Du hier bei uns in diesem Bistum und in diesem Hause Deine Form der Danksagung gefunden hast.

Gerade durch Deine kritischen Rückfragen, durch die Perspektiven, die von einem ganz anderen Horizont kamen, an die man sich zunächst als Gesprächspartner gewöhnen musste, hast Du deutlich gemacht, dass Gott nicht bequem ist, dass Danksagen etwas kostet, nämlich sich auseinanderzusetzen mit den unterschiedlichen Regungen, die sich in der Seele des Einzelnen oder auch eines Sozialgebildes wie dem eines Priesterseminars bewegen. Aber so hast Du zur Klärung, zur Unterscheidung und zur Entscheidung beigetragen. Für diesen brüderlichen Dienst, auch im Seminarkollegium, möchte ich Dir als Mitbruder und Kollege herzlich danken.

Der belgische Kardinal Danneels hat einmal angesichts der Situation unserer Zeit gesagt: "Die Neurose unserer Zeit läge darin, in der Verschwörung, Gott zu verschweigen. Wenn wir geheilt werden wollten, müsste man neu anfangen, Gott mit lauter Stimme zu nennen, von ihm zu reden, ihm zu danken." (G. Danneels, Christlicher Glaube und Wunden des heutigen Menschen, in: Ebd., 107-125, Zitat: 114.) Das spielt sich auch im Kleinen eines Priesterseminars ab. Hier hast Du nicht locker gelassen und es auf Dich genommen, unbequem zu bleiben. Vielleicht wurdest Du dabei auch als etwas bärbeißig empfunden und musstest ertragen, dass gesagt wurde: "So ist unser Pater." Aber so ist er eben, er will nämlich zur Danksagung helfen. Tu es weiterhin so. Danke!

Ich möchte schließen, verehrte Gäste, mit einem Wort von Papst Benedikt XVI. aus seiner Botschaft zum diesjährigen Weltgebetstag für Geistliche Berufe:

Das Heilsgeheimnis durch alle Jahrhunderte hindurch bis zur glorreichen Wiederkunft des Herrn fortzusetzen, ist die Bestimmung der Priester, die im eucharistischen Christus das erhabene Vorbild eines "Dialogs der Berufung" zwischen der freien Initiative des Vaters und der vertrauensvollen Antwort Christi betrachten können. In der Feier der Eucharistie handelt Christus selbst in jenen, die er sich als seine Diener erwählt; er stützt sie, damit ihre Antwort sich entfalten kann in einer Dimension des Vertrauens und der Dankbarkeit, die jede Angst vertreibt, auch wenn die Erfahrung der eigenen Schwachheit stärker wird oder wenn das Umfeld härter wird durch Unverständnis oder sogar Verfolgung. Das Bewusstsein, durch die Liebe Christi gerettet zu sein, das jede Heilige Messe in den Gläubigen und besonders in den Priestern nährt, muss in ihnen eine vertrauensvolle Hingabe an Christus hervorrufen, der das Leben für uns hingegeben hat. An den Herrn zu glauben und sein Geschenk anzunehmen, führt also da hin, sich ihm mit dankbarem Herzen anzuvertrauen und seinem Heilsplan zuzustimmen. Wenn das geschieht, dann verlässt der "Berufene" gerne alles und begibt sich in die Schule des göttlichen Meisters; dann beginnt ein fruchtbarer Dialog zwischen Gott und den Menschen, eine geheimnisvolle Begegnung zwischen der Liebe des Herrn, der ruft, und der Freiheit des Menschen, der ihm in Liebe antwortet, während er in seinem Herzen die Worte Jesu vernimmt: "Nicht Ihr habt mich erwählt, sondern ich habe Euch erwählt und dazu bestimmt, dass Ihr Euch aufmacht und Frucht bringt und dass Eure Frucht bleibt (Joh 15,16)."

Lieber Ludger, dass Du das 20 Jahre getan hast, dafür danken wir ausdrücklich mit dieser Festfeier. Zugleich bitten wir Dich, nicht nachzulassen, Helfer zur Danksagung zu sein. Ihnen allen danke ich für Ihre Aufmerksamkeit.

Text: Bischof Felix Genn
07.06.2009

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