Dokumentiert
Predigt von Weihbischof Overbeck zum Jubiläum "650 Jahre Schule der Höheren Bildung"
Ahlen. Weihbischof Franz-Josef Overbeck feierte am Mittwoch (30.09.2009) in der St.-Bartholomäus-Kirche Ahlen einen ökumenischen Gottesdienst aus Anlass "650 Jahre Schule der Höheren Bildung in Trägerschaft der Stadt Ahlen". In diesem Gottesdienst predigte er auch. kirchensite.de dokumentiert die Vorlage seiner Predigt.
Liebe Schulgemeinde, liebe Schülerinnen und Schüler, liebe Schwestern und Brüder! Am 24. September 1359, also vor genau 650 Jahren, wird mittels der Stiftung zweier Vikarien, das heißt katholischer Einrichtungen, durch den Rat der Stadt Ahlen die Lateinschule erstmal städtisch finanziert. Bis ins 17. Jahrhundert hinein war der Rektor der Schule ein katholischer Geistlicher. Das Städtische Gymnasium Ahlen, das Ihr, liebe Schülerinnen und Schüler, besucht und zu dem Sie alle als Schulgemeinde gehören, steht also in der Tradition dieser katholischen Schule für Höhere Bildung. Darum bin ich heute Morgen hierher gekommen, um im Namen unseres Bischofs und des Bistums, und damit unserer Kirche, diesem ökumenischen Gottesdienst vorzustehen.
Ein solches Jubiläum, das gerade an die Wurzeln von Bildung im Raum der Kirche und des Christentums und damit des lebendigen Glaubens an Gott erinnert, lässt Fragen aufkommen: Was bedeutet das Christentum und die Kirche für die Bildung? Und weiter gefasst, weil einige Schüler muslimischen, jüdischen und anderen Glaubens sind: Was bedeutet Religion für die Bildung?
Die Lesung aus dem Buch Genesis ruft uns den Aufbruch Abrahams ins Gedächtnis. Auf Gottes Geheiß bricht er ins Ungewisse auf. Es ist ein langer Weg mit Umbrüchen und Aufbrüchen. Abraham hat aber ein Ziel. Es ist das gelobte Land, das ihm Gott verheißen hat. Abraham bricht also mit einer Verheißung auf und lässt sich, wie wir aus dem Fortlauf des Buches Genesis wissen, von keiner Schwierigkeit ablenken. Er wird von Gott gesegnet.
Bildung und der Gang zur Schule ist oft ein Gang ins Ungewisse, von Aufbrüchen, Umbrüchen und Vielem mehr gekennzeichnet. Bildung hat damit zu tun, dem Menschen Wissen zu vermitteln, zugleich geht es um Herzensbildung und um die Erbildung des Menschen als Persönlichkeit. Wir Christen, wie jeder gottgläubige Mensch, sind der tiefsten Überzeugung: Keine Bildung ohne Gott, keine Bildung ohne das Ziel, darin im Glauben zu wachsen.
In der Gesellschaft, in der wir heute leben, ist dies mit Freiheit vorzutragen. Mit Entschiedenheit ist die Wirklichkeit offen zu halten, die uns Gott anbietet, wenn wir an Ihn glauben. Darum gibt es Religionsunterricht. Darum gibt es, und darauf verweist die Geschichte der Schule auf vielfache Weise, nichts, was nicht mit Gott in einen Verstehenszusammenhang gebracht werden kann. Ob wir Ihn ergreifen, obliegt der Freiheit unseres Glaubens.
Wir sehen an der Geschichte des Gymnasiums hier in Ahlen, wenn wir an die Wirren der Reformationszeit denken, wenn wir an die Bedeutung der jüdischen Bewohner Ahlens bis zu ihrer Auslöschung durch die Gräuel des Nationalsozialismus und an den letzten jüdischen Schüler der Schule im Jahre 1934 erinnern, wenn wir an die wunderbare Sprache Latein denken, die Jahrhunderte lang den Zugang zur Bildung und zum gesellschaftlichem Aufstieg ermöglicht: Aufbrüche und Umbrüche, die für viele von uns unvorstellbar sind, prägen den Weg der Bildung.
Diese Bildung hat mit Gott zu tun. Es geht um einen Aufbruch hin ins Leben mit Ihm, das von der Überzeugung gespeist wird: Es gibt keine menschliche Persönlichkeit ohne Gott. Alles wahrhaft Menschliche ist an Gott gebunden.
Das Markusevangelium erzählt von der Aussendung der zwölf Jünger. Jesus gibt ihnen die Vollmacht, unreine Geister auszutreiben. Er gebietet ihnen, nichts Überflüssiges mit auf den Weg zu nehmen (vgl. Mk 6,7-9). Jesus setzt also auf die Persönlichkeiten der Jünger und auf ihre Botschaft, nämlich die vom Reich Gottes. Hier zeigt sich wieder etwas Wesentliches von Bildung. Sie ist nicht einfach die Ansammlung all dessen, was wir haben und wissen können, sondern sie dient der Prägung des Menschen, der als Persönlichkeit zu anderen geschickt wird. Bildung hat den guten Zweck, für andere erworben zu werden, so sehr sie auch dem Eigenen dient. In der Welt, in der wir leben, ist dies wichtig zu betonen. Bildung hat sozialen Charakter. Die Schule erbildet Menschen nicht nur auf kognitive und emotionale, sondern auf ganz menschliche und damit auch auf soziale Weise. Für uns Christen ist damit klar: alle Bildung dient dem Reich Gottes und dem Evangelium. Für jeden Menschen mit religiöser Überzeugung wird deutlich: Unsere Verbindung mit Gott treibt uns zu den anderen, um ihnen Gott selbst zu verkünden. So schlagen wir die Brücke von Jesus und seinen Jüngern zurück zu uns.
Das heutige Jubiläum erinnert an unvordenkliche Zeiten und weiß von der Bedeutung der Kultur des Christentums und der Kirche für die Bildung zu berichten. Mit Abraham wissen wir: Bildung dient dem Aufbruch des Menschen, der Verheißungen traut. Zugleich dient sie der Bildung einer Persönlichkeit, der es darum geht, die Welt menschlicher zu machen, indem sie von Gott redet und ihn bezeugt. Das lernen wir von Jesus und seinen Jüngern.
In diesem Sinne erbitte ich dem Städtischen Gymnasium Ahlen, Euch, liebe Schülerinnen und Schülern, Ihnen, liebe Lehrerinnen, Lehrer und Eltern, Gottes Segen, damit dies niemand vergisst: Bildung lässt aufbrechen, wenn sie aus einer Kraft kommt, die Verheißungen traut und sich dem Nächsten zuwendet. Diese Verheißung hat einen Namen: Der lebendige Gott, der in Jesus auf uns zukommt und der uns sendet, wie die Jünger. Amen.
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Text: Weihbischof Franz-Josef Overbeck
30.09.2009
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