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06.12.2016
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Dokumentiert:

Predigt von Weihbischof Overbeck anlässlich des 100-jährigen Jubiläums der Heilung von Elisabeth Tombrock

Am Samstag (15.08.2009) wurde das 100-jährige Jubiläum der Heilung von Elisabeth Tombrock und das 100-jährigen Jubiläums der Missionsschwestern von der Unbefleckten Empfängnis der Mutter Gottes gefeiert. Weihbischof Franz-Josef Overbeck zelebrierte einen Gottesdienst in der St.-Josefs-Kirche in Münster-Kinderhaus, in dem er auch predigte. kirchensite.de dokumentiert die Vorlage seiner Predigt.

Ehrwürdige Schwestern,verehrte Freunde unserer Missionsschwestern, liebe Schwestern und Brüder!

I.
Vor 100 Jahren, am 15. August 1909, wurde während der Krankenprozession am Hochfest der Aufnahme Mariens in den Himmel die Ordensgründerin des Ordens der Missionsschwestern von der Unbefleckten Empfängnis der Mutter Gottes, Elisabeth Tombrock, in Lourdes von einer todbringenden Krankheit geheilt. Geboren wurde sie 1887 in Ahlen. Ihr Elternhaus befand sich direkt hinter der Pfarrkirche St. Marien. Ihr Vater war Bäckermeister und betrieb mit der Mutter und Familie eine Gastwirtschaft. Früh war sie durch die marianische Frömmigkeit ihrer Mutter geprägt. Sie schreibt, dass sie schon als frühes Kind die Sehnsucht gehabt habe, "Seelen zu retten". Vom Festtag ihrer ersten Heiligen Kommunion am 20. April 1900 erzählt sie, dass sie am Abend des Tages die Pfarrkirche aufgesucht und den Kreuzweg gebetet habe. Dabei bat sie Gott: "Herr gib mir Seelen! Gib mir einen Beruf, in dem ich Seelen glücklich machen kann!" Bereits 1903 wurde sie Terziarin vom Dritten Orden des Heiligen Franziskus und erhielt den Namen Maria Immaculata. Ab 1902 hatte sie in Münster studiert, um Lehrerin zu werden. Ab 1908 zeigten sich Zeichen schwerster Erkrankung. Zuerst wurde eine Kehlkopftuberkulose festgestellt, die auch auf die Lungen übergriff; zudem entwickelte sich eine Knochentuberkulose. Der Zeigefinger der rechten Hand musste amputiert werden. Eine Aussicht auf Heilung bestand nicht. Bevor die Ärzte den rechten Arm abnehmen wollten, entschied sich Elisabeth Tombrock 1909, nach Lourdes zu pilgern. Es fanden sich zwei alte Lehrerinnen, die sie auf der Reise nach Lourdes begleiteten, wo sie am 11. August ankamen. Während der großen Sakramentsprozession am 15. August 1909 spürte sie plötzlich am ganzen Körper einen Kälteschauer, dazu ein Brennen in der kranken Hand. Von der, wie sie schreibt, Überfülle inneren Glücks überwältigt, und zwar innerhalb einer Dauer von 20 Minuten, konnte sie danach ihre Hand wieder ausstrecken. Sie war geheilt. Von da an hieß ihr Lebensthema: "Helft mir danken!" Von ihrer Heilung erzählte sie nie wieder, ohne die Menschen einzuladen, mit ihr Gott und der Gottesmutter zu danken. Am Tag ihrer Heimkehr von Lourdes legten die Menschen in Ahlen ihre Arbeit nieder und strömten zum Dankgottesdienst in die Marienkirche. Es wird erzählt, dass ihre Geschichte viele so bewegte, dass sie zum Glauben zurück fanden. In Elisabeth Tombrock aber hinterließ ihre wunderbare Heilung eine unstillbare Sehnsucht. Hatte sie vorher um die Heilung von ihrer Krankheit gebetet, so tat sie es jetzt mit der brennenden Frage: "Gott, wofür willst du mich haben?".

Klarheit wurde ihr geschenkt, als der deutsche Franziskanerbischof Amandus Bahlmann sie im Juli 1910 fragte, ob sie bereit sei, mit ihm an den Amazonas in Brasilien zu gehen und dort in der Erziehung der Jugend zu wirken. Bischof Bahlmann hatte neben Elisabeth Tombrock vier in strenger Klausur lebende Klarissen von der Unbefleckten Empfängnis (Konzeptionistinnen) für seine Ziele in der Prälatur Santarém am Amazonas gewonnen.

Nachdem Elisabeth Tombrock in die Gemeinschaft eingetreten ist, erhält sie nach der ersten Profess den Namen Immaculata. So beginnt ein Missionswerk, das in seiner Wirkungsgeschichte auf vielfache Weise fast das gesamte 20. Jahrhundert und nun den Beginn des 21. Jahrhundert umspannt. Das Lourdes-Kloster in Münster in der Frauenstraße kann Mutter Immaculata 1915 vom Baron Ignatz von Landsberg-Velen gewinnen. Dieses Haus wird 1918 von Bischof Johannes Poggenburg zum Noviziatshaus erhoben. Im Jahre 1925 nehmen die Schwestern der neuen Kongregation die Regel des klösterlichen regulierten Dritten Ordens des Heiligen Franziskus an. Das Missionskloster St. Josef als Noviziatshaus in Münster wird 1928 errichtet. Bereits im Jahr 1929 wird der Name der Kongregation in "Missionsschwestern von der Unbefleckten Empfängnis der Mutter Gottes" umgewandelt. Mutter Immaculata stirbt 1938, Bischof
Amandus Bahlmann 1939.

So feiern wir heute den 100. Gedenktag der Heilung von Elisabeth Tombrock, der Gründerin und ersten Generaloberin der Missionsschwestern und zugleich, im Blick auf die Gründung 1910, den Beginn des 100-jährigen Jubiläums des Bestehens der Kongregation.

II.
Was nun bildet anhand der gerade skizzierten Geschichte den inneren Kern der Ordensgemeinschaft der Missionsschwestern von der Unbefleckten Empfängnis der Mutter Gottes? Mutter Immaculata, Elisabeth Tombrock, hatte zu ihren Schwestern gesagt: "Wir müssen eifrige Missionarinnen sein, aber mit einem kontemplativen Herzen." Mission und Kontemplation, wie sie hier zusammen gesehen werden, haben in der geistlichen Geschichte der Elisabeth Tombrock eine doppelte Verwurzelung.

1. Die erste Verwurzelung finden wir in ihrer Marienfrömmigkeit und ihrer Heilung am Hochfest der Aufnahme Mariens in den Himmel in Lourdes. In Lourdes wird seit 1858, nach den Erscheinungen vor der Hl. Bernadette Sourbirous, die Muttergottes als die "Immaculata Conceptio" als die "unbefleckt Empfangene" verehrt. Dahinter steht das in der Kirche am 8. Dezember gefeierte Glaubensgeheimnis, das die Gottesmutter selbst ohne Sünde empfangen ist. Nur weil sie so rein war, konnte sie den Reinen, nämlich Jesus ihren Sohn, d. h. Gott selbst, in sich aufnehmen. Diese durch die Jahrhunderte getragene Glaubensgewissheit unserer Kirche weist darauf hin, dass Gott den reinen Anfang in Maria deswegen setzt, weil er mit der Menschheit einen neuen, d. h. reinen Anfang in seinem Sohn tun will. Von hier her können wir aus theologischer Dichte die existenzielle Dimension von Lourdes selber neu verstehen lernen. Was in der Hl. Bernadette in Lourdes begann, nämlich ein Leben des reinen Anfangs mit und für Jesus selbst zu führen, das setzt sich seitdem in den unzähligen Menschen fort, die nach Lourdes pilgern, um betend, bittend, sühnend und Gott lobend, einen neuen reinen Anfang zu setzen, um sich selbst ein reines Herz schenken zu lassen, in dem Gott Wohnung nehmen kann.

Solches widerfuhr existentiell auch Elisabeth Tombrock vor genau 100 Jahren. Als schwer Kranke, nach dem Urteil der Ärzte dem Tod geweihte junge Frau, überlässt sie sich ganz der Fürsprache der Gottesmutter. Ihr widerfährt nun eine Reinheit, in der Gott einen neuen Anfang setzt, nämlich ihre Heilung, die ein Beispiel ist für die  Heilung des Menschen an Leib und Seele. Sie war ein ganz empfänglicher Mensch geworden für Jesus, der nun ihr Herz umwandelte und sie in seine Nachfolge rief.

Elisabeth Tombrock war von hier her innerlich dem verwandt, was die vier Schwestern umtrieb, die mit ihr und Bischof Bahlmann nach Brasilien gingen. Die Schwestern gehörten dem Orden der Klarissen von der Unbefleckten Empfängnis an. Die Kontemplation als alltägliche Lebensform der Schwestern, verbunden mit ihrem Ordensnamen von der "Unbefleckten Empfängnis" zeigt, dass die Bereitung für den reinen Menschen, d. h. das Gebet als Bereitung zur Aufnahme Gottes ihr Lebensauftrag war. So sehen wir in der Verbindung zwischen der marianischen Frömmigkeit von Elisabeth Tombrock, ihrer Heilung am 15. August 1909 und ihrer Verbindung mit den Klarissen als kontemplativen Schwestern eines der Wurzelgründe ihres zukünftigen Lebens. Dieser Wurzelgrund liegt in einem durch Kontemplation gewonnenen und gewährten Vertrauen auf das Wirken Gottes im Menschen. Gott selbst will den Menschen so rein, dass Er einen immer wieder neuen Anfang setzen kann. In Maria hat er diesen Anfang gesetzt, damit Jesus, also Gott selbst, Mensch werden konnte. Von hier her bestimmt sich Kontemplation als der Weg zur Empfänglichkeit des Menschen für Gott, um fruchtbar zu werden und Ihn in die Welt zu tragen.

2. Schon als junge Frau hatte sich Elisabeth Tombrock dem Dritten Orden des Heiligen Franziskus angeschlossen, war also dem Leben und der Spiritualität des Heiligen Franziskus von Assisi eng verbunden. So wie ihr Ordensname Immaculata auf die enge Verbindung mit Maria verweist, so verweist ihre Sendung zur Mission auf die innere Verbindung mit dem Heiligen Franziskus von Assisi, der als Armer den Menschen das Evangelium selbst bringen wollte und nichts sonst. Dieser wurde, so lehrt uns die Geschichte, in einer dramatischen Weise in den Augen seiner Zeitgenossen zu einem "Alter Christus/anderen Christus". In der Regel des Heiligen Franziskus wird sein Ideal selbst deutlich, nämlich das Evangelium zu den Menschen bringen. Dies gilt ebenso für die ursprüngliche Intention von Bischof Amandus Bahlmann und Elisabeth Tombrock/Mutter Immaculata, nämlich "in der Erziehung der Jugend zu wirken", d. h. ihnen das Evangelium, also Jesus, zu schenken.

Zum Ideal franziskanischen Lebens gehört es von Anfang an, sich besonders der jungen Menschen und derer anzunehmen, die offen sind für das Evangelium und von ihm geprägt werden wollen. Mission hat so immer eine klare Richtung. Sie will den empfangsbereiten und aufnahmefähigen Menschen. Zugleich ist, um wirklich missionarisch sein zu können, damit eine Offenheit für die gesamte Schöpfung verbunden, die sich in der Poesie des Sonnengesangs des Heiligen Franziskus auf eindrückliche Weise niederschlägt. Wer mit dem Heiligen Franziskus die Schöpfung preist, die Sonne lobt, Mond und Sterne, Wind und Wasser, Feuer und die Erde selbst als Gabe Gottes wahrnimmt, wer Verzeihung und das Ertragen des Schwachen wie auch den Tod als Bruder preisen kann, der entwickelt eine Gegenwärtigkeit und Nähe zu allem Geschaffenen, vor allem zum Menschen, die nichts anderes will als ihn mit Gott in Berührung zu bringen. Mission öffnet von hier her Wege zum Menschen, der seinen innersten Kern, nämlich sein Geschaffensein durch Gott, anerkennt und preist. Von hier her erst kann das Evangelium als Lebensform in jedem Menschen Gestalt gewinnen.

Bis heute sind die Werke der Missionsschwestern von einer solchen inneren Haltung gekennzeichnet. Am eindrücklichsten wird das sicherlich in einem der Missionsgebiete ersichtlich, dass zu den Missionsschwestern gehört hat und ihnen heute verschlossen ist, nämlich an China. Die neue Mission auf Taiwan gehört in diesen Zusammenhang und zeigt, welcher Nähe zum Menschen es bedarf, um einer anderen Kultur das Evangelium nahe zu bringen und mitzuhelfen, dass es diese Lebensweise durchformt.

Hier haben wir nun den zweiten Quellgrund des Lebens der Missionsschwestern, der eng mit ihrem Namen Immaculata verbunden ist. Nicht umsonst sind es die Franziskaner und der franziskanischen Spiritualität verbundene Gläubige, die Maria als der Unbefleckt Empfangenen, als der Frau des reinen Anfangs, besondere Ehre geben und Aufmerksamkeit schenken. Wer eine Spiritualität der Schöpfung, des Mitleidens und der sprichwörtlichen "Sym-pathie" lebt, der wünscht für jeden Menschen das ursprünglich Marianische, nämlich das Leben im reinen Anfang, damit Jesus selbst Gestalt gewinnen kann. Das treibt zur Mission.

III.
Das Missionshaus von Wilkinghege war dem Patronat des Heiligen Josef unterstellt. Gleiches gilt für die Deutsche Provinz der Missionsschwestern. Die Spiritualität des frühen 20. Jahrhunderts sah im Heiligen Josef als dem Bräutigam der Maria denjenigen, der sich Gottes Führung vertrauensvoll überlies. Sie sah in ihm denjenigen, der dem Geheimnis des guten Todes nah war. Sie verehrt in ihm denjenigen, der die Arbeit heiligt. Alle drei Dimensionen der Frömmigkeit, die sich auf den Heiligen Josef berief, hatten einen Sitz im Leben der Menschen der damaligen Zeit.

Die Bitte um einen guten Tod vereint auch heute die allermeisten Menschen. Die Hoffnung um den Segen der Arbeit ebenso. Dass nach der Heiligen Schrift der Heilige Josef derjenige war, der sich Gottes Führung überlies und anderen beistand, erinnert uns daran, was christliches Leben ausmacht. Es ist ein Leben unter der Führung Gottes, des Beistandes des Heiligen Geistes gewiss und willens, anderen selbst Beistand zu geben, darin nicht unähnlich einem wichtigen Lebensmotto von Elisabeth Tombrock, von Mutter Immaculata, das lautete: "Helft mir danken!" Es war ihr ein Lebensanliegen, die Menschen einzuladen, mit ihr Gott und der Gottesmutter zu danken, dafür Mitsorge zu tragen, dass Gott geliebt und die Menschen zum Glauben geführt werden. Helfer in der Danksagung zu sein, das bedeutet, sich im Sinne der Kontemplation ganz Gott zu überlassen und im Sinne der Mission davon überzeugt zu sein, immer mehr Menschen gewinnen zu wollen, die diesen Weg mitgehen.


IV.
Am heutigen Tag blicken wir in einer solchen Haltung auf die 100 Jahre der Geschichte der Missionsschwestern von der Unbefleckten Empfängnis der Mutter Gottes zurück, danken Gott für die Berufungen vieler Schwestern zu diesem Dienst und zu einem solchen Leben und bitten darum, dass in der Kirche der innere Sinn für das Einander von Kontemplation und Mission, vom Einander des reinen Anfangs, den Gott setzt, mit dem Sinn für Mission sich in einem Ziel vollende, nämlich dass Jesus selbst in jedem Menschen Gestalt gewinne.

Wo dies geschieht, da können wir in die Worte des heutigen Evangeliums einstimmen und uns gewiss sein, dass wir dies mit dem langen Atem der Tradition und der Gläubigkeit all derer tun, die diesen Weg schon gegangen sind. Wir beten dann mit Maria: "Magnificat anima mea Dominum - Meine Seele preist die Größe des Herrn. Meine Seele mache große den Herrn." Oder ganz schlicht so, wie es in Lourdes gesungen wird: Ave, ave, ave Maria. Amen.

Mehr zum Thema in kirchensite.de:

  1. undefinedKontemplation und Mission als Quellen (16.08.2009)

Text: Weihbischof Franz-Josef Overbeck
17.08.2009

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