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11.02.2012
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Dokumentiert:

Predigt von Bischof Genn zur Beauftragungsfeier der Pastoralreferenten

Bistum. Am Sonntag (27.09.2009) hat Bischof Felix Genn sechs Pastoralreferenten zum Dienst im Bistum Münster beauftragt. In dem feierlichen Pontifikalamt im münsterschen St.-Paulus-Dom predigte er auch. kirchensite.de dokumentiert die schriftliche Fassung seiner Predigt.

Liebe Mitbrüder im Priesterlichen- und Diakonenamt, liebe Schwestern und Brüder im Dienst der Pastoralreferentin oder des Pastoralreferenten, liebe Schwestern und Brüder im Glauben, liebe junge Mitchristen, liebe Kinder, "auch über sie war der Geist gekommen." Vielleicht haben Sie beim ersten Blick auf die Einladung zu dieser Feier mit diesem Wort kaum etwas verbinden können. Sie, die Sie diesen Gottesdienst mitfeiern, finden den Text ebenfalls auf dem Liedheft dieser Stunde. Der Text, den wir eben aus der Glaubensgeschichte Israels in der ersten Lesung gehört haben, konnte Ihnen etwas Licht in dieses Unverständnis bringen. Dieses Wort, das die drei Frauen und drei Männer, die heute zum Dienst des Pastoralreferenten beauftragt werden, ausgewählt haben, steht im Zusammenhang einer Geschichte der Entlastung. Der große Führer des Volkes, Mose, macht die Erfahrung, dass Gott seinen Geist auch anderen schenkt, die ihn dabei unterstützen können, seinen Dienst zu tun. Dabei behält er durchaus seine führende Rolle, wie wir sehen im Umgang mit den beiden, die außerhalb dieser Versammlung ebenfalls diese Geist-Erfahrung machen dürfen. Zwei nämlich sind nicht dabei, als dieser liturgische Akt geschieht und andere, obwohl sie nicht in dieser Versammlung gewesen sind, spüren etwas von der Kraft, von der entzückenden Kraft des Geistes, der übertragen wurde. Jemand möchte, es ist Josua, der Mose in seiner Rolle einmal nachfolgen wird, dass Mose den Beiden Einhalt gebietet in ihrem geistlichen Tun. Und dann äußert sich Mose in einem Wunsch : "Ach, wenn doch auch über andere der Geist käme und das ganze Volk zu Propheten würde" (vgl. Num 11,29).

Liebe Schwestern und Brüder, wie geht es Ihnen mit einer solchen Erzählung? Könnte das auch unser Wunsch sein, dass der Geist Gottes andere ergreift und erfasst, ja, dass das ganze Volk zu Propheten wird? Darf ich Ihnen sagen: Sie sind es doch schon! Vielleicht erinnern Sie sich an die Taufe Ihrer Kinder oder der Kinder von Bekannten oder vielleicht sogar an eine Erwachsenentaufe. Dabei wird den Neugetauften mit ein wenig Chrisam das Haupt berührt und dann heißt es: "Sie gehören jetzt Christus an, der zum Propheten, Priester und König gesalbt ist." Die Kirche hat diese Begebenheit aus der Glaubensgeschichte des Alten Bundes gerne zusammen gelesen mit dem Ereignis des Jesus von Nazareth in seinem Tod und vor allem in der Kraft seiner Auferstehung, aus der die lebendig machende Kraft des Geistes geflossen ist. Diejenigen, die durch die Taufe Christus angehören, können die Erfahrung dieser siebzig Männer damals in der Nähe des heiligen Zeltes auf der Wüstenwanderung ebenfalls für sich geltend machen. Gottes Geist hat sich auf sie gelegt.

Im Christen ist eine prophetische Kraft. Ich vermute, dass es für Sie ungewöhnlich ist. Möchten Sie das sein, Propheten? Nicht in dem oberflächlichen und eigentlich falschen Sinne, die Zukunft vorauszusagen und jetzt schon z. B. die Wahlergebnisse von 18.00 Uhr vorwegzunehmen - das machen andere besser -, sondern in der Kraft aus Gott einen Blick und eine Vision für die Welt und für die Kirche zu empfangen. Möchten wir, dass wir vom Geist Gottes ergriffen sind und dass möglichst viele diesen Geist erhalten?

Diese Stunde heute Nachmittag darf uns mit dieser Frage in Kontakt bringen. Denn Faktum ist, dass diese sechs Schwestern und Brüder im Glauben, in der Taufe und Firmung mit uns verbunden, zu dieser Erfahrung stehen. Dass Sie dankbar sind, dass der Geist Gottes Sie berührt und erfüllt hat, dass im Christen prophetische Kraft steckt, die nicht einfach bloß von 11.00 Uhr bis Mittag denkt, sondern für die Welt eine Vision hat, weil es die Auferstehung Jesu Christi gibt.

Sie, liebe Schwestern und Brüder, beziehen dieses Wort aus der Glaubensgeschichte Israels zunächst einmal auf sich und sehen es in Verbindung mit dem, was Sie in Taufe und Firmung empfangen haben: Dass Gottes Geist da ist, dass er Sie unruhig macht, um der Welt und um der Kirche willen. Dieser Geist erfüllt und befähigt Sie, von Jesus und der Kraft, die von ihm ausgeht, zu reden, anderen davon etwas zu schenken, sich in den Dienst der Glaubensgemeinschaft zu stellen, die aus diesem Geist lebt, und in der Mitarbeit mit den Priestern und Diakonen und dem ganzen Volk Gottes unter der Leitung des Bischofs Dienste und Aufgaben in der Kirche zu übernehmen, in denen sowohl Ihre eigene Begabung wie auch das, was Sie durch Ihr Christ-Sein erfahren haben, zusammenklingt. Sie geben das Zeugnis, das man durchaus aus der Taufe etwas machen kann. Dass das nicht einfach ein Spruch ist, der bei diesem Akt gesagt wird, sondern eine Entscheidung formt.

Liebe Schwestern und Brüder, es ist eben nicht selbstverständlich, getauft zu sein. Man kann das nicht einfach so mitnehmen und sich dann evtl. noch firmen lassen. Da ist Power dahinter. Der Power der Auferstehung. Die Kraft Gottes selbst, die uns da berührt und die uns mitnehmen und mitziehen möchte, die Welt in Seinem Geist zu formen und zu gestalten. Da steckt Garantie für Friede und Versöhnung unter den Menschen drin, für Ihren Dienst in der Kirche von Münster, aber auch für unser aller Christ-Sein.

Wir können diese Geisteskraft gut ablesen, wenn wir einen Blick werfen auf den anderen Text, den die Liturgie der Kirche für den heutigen Tag ausgewählt hat. Diese Erzählung aus dem Leben Jesu gehört ebenfalls in einen Zusammenhang, nämlich den der Jüngerschule. Jesus nimmt seine Jünger mit auf den Weg, um ihnen Dimensionen aufzuzeigen, was es heißt, in der Gemeinschaft mit Ihm zu stehen. So nimmt er uns als Glaubende Sonntag für Sonntag in Seine Schule, um uns sensibel und wach zu machen, was in der Taufe alles drinsteckt.

Da ist zunächst einmal der Hinweis auf eine hohe Aufmerksamkeit und Sensibilität im Umgang mit Menschen, die vielleicht nicht unmittelbar zu uns gehören, bei denen wir aber ablesen dürfen, wie übergreifend die Kraft dieses Geistes sein kann: "Da ist jemand, der Dämonen austreibt im Namen Jesu und" (Mk 9,38), so sagt dieser Apostel zum Herrn, "und uns nicht nachfolgt. Wir wollten ihn daran hindern." Im Namen Jesu etwas tun, was wirklich gut ist, dem Bösen Einhalt gebieten, ihm seine Grenzen zuzuweisen, ja, sogar auszulöschen, das tut er. Aber er gehört nicht in unseren Club, in unsere Gemeinde im Radius unseres Kirchturms, nicht in unsere Vorstellungen, wie wir uns Gemeinde und Kirche denken. Vielleicht gehört er irgendeiner Geistlichen Bewegung an mit allen möglichen Kinderkrankheiten, oder er ist einfach fremd. Sie können das fortsetzen auf Ihre Situation hin. Wachsam sein, auch vielleicht zu entdecken, dass bei Menschen, die wir als Fernstehende katalogisieren, die aber offensichtlich ganz nahe sind, etwas im Namen Jesu wirkt. Im Namen Jesu kann man nur etwas tun, wenn man es durchhält. Denn es kann niemand mit dem Herrn gehen und dann gegen Ihn sein. Selbst wenn es nur die schlichte Geste ist, dass ich jemandem einen Schluck Wasser gebe, weil er ein Jünger Jesu ist. Das hat Dimensionen, die Jesus in die Worte kleidet: "Er wird um seinen Lohn nicht kommen" (ebd. 41). Das andere sind diese fast etwas martialisch wirkenden Worte, das Auge auszureißen und die Hand und den Fuß abzuhacken. Was meint Jesus damit? Er möchte ja nicht, dass wir alle herum humpeln und keinen geraden Blick mehr haben. Aber wie viel muss man eigentlich bei uns noch der Zerstörung anheim geben, weil wir immer statt zum Guten zum Bösen neigen. Da ließe sich eine ganze Palette von Handlungen aufzeigen.

Derjenige, der den Jakobusbrief geschrieben hat, hat das auf seine Gemeinde hin übersetzt, wenn er den Reichen, die nur für sich schachern, das Verderben androht und denen, die den Arbeitern den Lohn vorenthalten, eine düstere Zukunft zusagt, prophetisch - sogar mit dem Verweis auf den Herrn selbst, den man klein gemacht hat. "Wer die Kleinen nicht beachtet, ja, wer denen zum Ärgernis wird, dem wäre es besser," so sagt Jesus, "dass ihm ein Mühlstein um den Hals gehängt würde" (ebd. 42).

Prophetisches! Übersetzen Sie das in die Gesellschaft von heute! Ist es dann nicht gut, wenn wir Schwestern und Brüder haben, die uns helfen, dass wir zu Propheten werden können. Dass wir den Geist realisieren, der uns geschenkt ist. Dass wir ganz feinfühlig sind, um von Dem zu lernen, den der Apostel am Anfang des heutigen Evangeliums "Meister" nennt (ebd. 38).

Dass Sie diesen Dienst übernehmen wollen, liebe Schwestern und Brüder, mit dem Auftrag des Pastoralreferenten, dafür möchte ich Ihnen danken. Ich möchte Sie herzlich bitten, dass Sie selber immer feinfühlender werden für den Geist, den wir alle in Taufe und Firmung empfangen haben, der über uns gekommen ist, damit wir unseren Schwestern und Brüdern noch besser helfen können, sozusagen als Gläubige aus der ersten Hand, um sie zu sensibilisieren, was weg muss, weil es dem Bösen dient und was zur Entfaltung gebracht werden kann, weil es mit dem Herrn ist. Deshalb liegt mir so am Herzen, dass Sie betende Frauen und Männer sind, weil Sie im Gebet mit Ihm umgehen, diesen Geist in sich zur Reifung und zur Entfaltung bringen können.

Liebe Schwestern und Brüder, nehmen Sie den Dienst dieser Frauen und Männer auf. Sie wollen helfen, dass das ganze Volk zu Propheten wird. Deshalb beten Sie mit ihnen und für sie und für sich selbst: "Komm, Heiliger Geist, erleuchte mich. Mit deiner Gnade stärke mich." Amen.

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  1. undefinedBeauftragungsfeier: "Helfen, dass das Volk zu Propheten wird" (27.09.2009)
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Text: Bischof Felix Genn
27.09.2009

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