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11.02.2012
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Dokumentiert:

Predigt von Bischof Genn zum 25-jährigen Priesterjubiläum von Domkapitular Stefan Zekorn

Kevelaer. Am Sonntag (11.10.2009) hat Stefan Zekorn, Rektor der Kevelaerer Wallfahrt, Pfarrer von St. Marien und nichtresidierender Domkapitular am münsterschen Dom, sein Silbernes Priesterjubiläum gefeiert. In einem festlichen Gottesdienst dankte Bischof Felix Genn ihm für seinen priesterlichen Dienst. kirchensite.de dokumentiert die schriftliche Fassung der Predigt von Bischof Genn.

Verehrte, liebe Mitbrüder im bischöflichen und priesterlichen Amt und Diakonenamt, verehrter, lieber Mitbruder Stefan, liebe Schwestern und Brüder im Herrn, in der Einführung zu dieser Feier hat uns Ihr Pfarrer Stefan Zekorn in dieses Fest seines Silbernen Priesterjubiläums hinein genommen. Er hat uns alle eingeladen, teilzunehmen an dem Dank, der sein Herz erfüllt angesichts von 25 Jahren, in denen er sich von Christus in Dienst genommen weiß.

25 Jahre priesterlichen Wirkens sind ihm und uns eine gute Gelegenheit einzustimmen in den Dank für das Geschenk des Priestertums, das der Herr der Kirche vermacht hat. Gerne greife ich diesen Dank auf, liebe Schwestern und Brüder, und sage Dir, lieber Stefan, Dank für Deinen Dienst in der Kirche von Münster in den unterschiedlichen Aufgaben, die Du in diesen Jahren erfüllt hast – in besonderer Weise für Deinen Dienst als Spiritual und an der Seite von meinem verehrten Vorgänger, Bischof Reinhard, als Bischöflicher Kaplan und Sekretär und schließlich hier an dieser Wallfahrtsstätte, in dieser Basilika, im Dienst an so vielen Tausenden von Menschen, die zum Bild der Trösterin der Betrübten kommen und ihr ihre Anliegen und Sorgen anvertrauen.

Ich danke aber auch Ihnen, liebe Schwestern und Brüder, aus der hiesigen Pfarrgemeinde, dass Sie diesen Dienst Ihres Pastors mittragen, dass Sie da sind für die vielen Pilger aus nah und fern und manchmal als Gemeinde erleben, dass Sie eher im Hintergrund stehen, damit das, was die Sendung dieses Ortes ist, um so klarer in den Vordergrund tritt.

Wenn wir an diesem Tag danken für das Geschenk des Priestertums, so lassen wir uns gerne von Pfarrer Zekorn die Vorlage geben. In seinem Erinnerungsbild an diesen Tag seines Silbernen Priesterjubiläums hat er ein Wort aus dem Epheserbrief eingetragen: "Wenn wir die Wahrheit tun in Liebe, wachsen wir durch alles auf Christus hin" (Eph 4,15).

Liebe Schwestern und Brüder, unmittelbar können wir dieses Wort nicht verstehen. Was heißt das und was hat das zu tun mit der Sendung der christlichen Gemeinde und des priesterlichen Dienstes? Selbstverständlich, wenn wir die Worte "Wahrheit und Liebe" zusammen lesen, dann wissen wir, dass es darauf ankommt: Was ich als richtig und wahr erkannt habe, vermittele ich nicht brutal und lieblos, sondern in Güte und Liebe. Und Liebe ohne innere Echtheit und Stimmigkeit, ohne Wahrheit verliert ihre innere Kraft, ja, wird sich selbst untreu. Aber das ist nur ein erster Blick. "Wenn wir die Wahrheit tun in Liebe, wachsen wir durch alles auf Christus hin", so sagt dieser Prediger, der uns den Epheserbrief überlassen hat. Dieses Zusammen von Wahrheit und Liebe in unserem Wirken und Tun ist Voraussetzung, damit wir in allem und durch alles auf Christus hin wachsen. Wollen wir das? Ist das ein Lebensziel, das als erstrebenswert anzusehen wäre, auf Christus hin zu wachsen? Haben wir nicht andere Projekte, Vorstellungen, Pläne für unser Leben als das? Klingt es nicht zu fromm und damit zu speziell?

Liebe Schwestern und Brüder, wenn wir wirklich zu unserem Bekenntnis als Christen stehen, dann ist Er die Offenbarung der Wahrheit Gottes. Diese ist nichts anderes als eine unendliche Liebe zu jedem Einzelnen und zur Welt. Wenn wir diese Wahrheit in uns aufnehmen, dann sind wir im Raum göttlicher Liebe. Dann verwirklichen wir das, was Pfarrer Zekorn vor 25 Jahren auf sein Primizbild geschrieben hat: "Liebt einander, wie ich Euch geliebt habe" (Joh 15,12). Mit dem Bild des Turiner Grabtuches, das das Antlitz Christi zeigt, wollte er zusammenfassen und verdichtet darstellen, wie Gott uns geliebt hat: Bis zur Hingabe seines Sohnes.

Damals hat Stefan Zekorn ein Wort der Dichterin Gertrud von le Ford auf sein Primzibild gesetzt, gewissermaßen als innerstes Gebet seines Herzens und Ausdruck seiner unmittelbaren Sehnsucht: "Präge dich tiefer ein", so sagt die Dichterin, und so betet Stefan Zekorn. "Präge dich tiefer ein, du Bild meines Königs. Du, nicht ich, sollst in meiner Seele leben, in meinem Herzen, in meinem Antlitz, auf meinen Lippen, Du, nicht ich. Lebenslang nur du." Wir verstehen, warum er heute voll Dankbarkeit mit uns feiern will: Weil es weiterhin die Sehnsucht seines Herzens geblieben ist, dass wir so von Christus geprägt sind, dass wir die Wahrheit in Liebe tun können; denn dann wachsen wir auf eine Lebensgestalt hin, die in allem von dieser Wahrheit und in dieser Liebe geprägt, charakterisiert, geformt und von ihr durchdrungen ist. Er möchte Ihnen als Gemeinde und allen Pilgern, die hier her kommen, das vermitteln – zu helfen, dass Christus immer mehr mit seiner Wahrheit und Liebe unser Herz, unser Antlitz, unsere Lippen, unser Sein, unser Wesen und Leben, unser Leben und Sterben prägt. Dass Er in allem drin ist und dass aus allen Poren unseres Seins etwas von dieser Form durchscheint.

Wenn wir also heute mit ihm voll Dankbarkeit feiern und zugleich unseren Dank bekunden, dass es einen solchen Dienst in der Kirche gibt, dann nehmen wir ernst: Wir wollen in allem auf Christus hin wachsen; und wir brauchen dazu Nahrung, Hilfe und Unterstützung.

Liebe Schwestern und Brüder, hier in Kevelaer werden immer diese Lesungen, die wir am heutigen Sonntag gehört haben, zur Verkündigung gebracht. Wenn ich sie heute auf dem Hintergrund des Silbernen Priesterjubiläums und der Intention des Jubilars lese, dann entdecke ich, dass sie uns Hilfen sind, auf Christus hin zu wachsen und die Wahrheit in Liebe tun zu können.

Da ist einmal der Gesang der Weisheit Gottes über sich selbst. Die Einladung, von ihr zu kosten, sie aufzunehmen. Was tut ein Priester anderes, als Sonntag für Sonntag, Predigt für Predigt einzuladen, dieses Wort der göttlichen Weisheit und Wahrheit in sich aufzunehmen: "Wer auf mich hört", so sagt die Weisheit, "wird nicht zuschanden, wer mir dient, fällt nicht in Sünde. Wer mich ans Licht hebt, hat Ewiges Leben. In mir  ist alle Lieblichkeit des Weges und der Wahrheit" (Sir 24,22.18). Sie ist gewissermaßen die Mutter einer Liebe, die in sich schön ist, weil sie den Glanz der Wahrheit und Güte, die Herrlichkeit der göttlichen Liebe aufscheinen lässt.

Wer immer wieder das Wort Gottes in sich aufnimmt, der wird geformt, der wird geprägt, der wird anders, der wächst auf Christus hin – in allem, ob er am Herd steht oder an der Werkbank, ob er in der Schule tätig ist oder in einem anderen Beruf, ganz egal, wo er seinen Dienst in der Welt tut: Er wächst aus diesem Wort durch alles auf Christus hin.

Liebe Schwestern und Brüder, und das gibt Trost. Denn "alles" heißt auch: Die Situation von Leid, von Not, von Betrübnis und Bedrängnis ist nicht ausgespart. Davon kündet das Wort der zweiten Lesung, das der Apostel Paulus uns zusammen mit den Gläubigen der Gemeinde von Korinth sagt. Er spricht von dem Trost, der von Gott ausgeht, weil Gott in Jesus Christus Leid und Not auf sich genommen hat. Weil er das nicht ausgespart, nicht ausgeblendet hat in seiner Liebe zum Menschen, weil er nicht teilweise liebt, sondern ganz. Wer diesen Trost, der vom Kreuz ausgeht, in sich aufnimmt, der hat eine unerschütterliche Hoffnung, weil er weiß: Gott hat auch den Tod bestanden und selbst wenn ich sterbe, werde ich ans Licht gehoben und habe Ewiges Leben. Das macht gelassen, weil es Gott die Pläne meines Lebens überlässt. Wo wird uns dieser Trost und die Kraft dieser Hoffnung mehr zuteil als da, wo der Priester uns die Frucht des Kreuzes in der Eucharistie, in der Hingabe des Leibes und Blutes Jesu Christi schenkt! Wo er Menschen in der Taufe mit dem Geschehen von Tod und Auferstehung in Untertauchen und Auftauchen aus dem Wasser symbolisch und real vermittelt! Wo er dem Sünder auf den Kopf zusagt: "Deine Sünden sind Dir vergeben. Wenn Du auf das Wort Gottes hörst, wirst Du nicht zu Schanden und wenn Du ihm dienst, fällst Du nicht in Sünde." Oder wo er einem Kranken und Sterbenden das Wort in die Situation von Krankheit und Tod hinein gibt, da scheint etwas auf vom Glanz der schönen Liebe Gottes, die selbst diese herbe Stunde durchstrahlen kann.

Liebe Schwestern und Brüder, deshalb ist der Standort des Christen und auch des Priesters immer das Kreuz, wie Maria und der Jünger, den der Herr liebt, unter dem Kreuz stehen: Ein Urbild der Kirche. Dort wird der Priester, dargestellt in Johannes, auf die Kirche verwiesen und die Kirche auf ihn. Dort wird er in die Kirche hinein vermittelt und er bekommt den Auftrag, "allen das Wort des Herrn weiterzugeben: Sieh da, deine Mutter" (Joh 19,27), und sie aufzunehmen in das Leben, die Kirche als Ort, wo das Wort der Weisheit Gottes und die Kraft des Trostes vermittelt wird, den Menschen zu schenken, damit sie sie in sich aufnehmen. Hier in Kevelaer geschieht das in ganz besonderer Weise, weil Kirche im Bild und in der Gestalt Mariens als Trösterin der Betrübten für viele anfassbar wird. Da können wir auf Christus zuwachsen, weil wir ihr, der Mutter der schönen Liebe, begegnen, weil wir der Frau begegnen, die den Trost des Kreuzes und die unerschütterliche Hoffnung der Christen in sich trägt, die uns vom Gekreuzigten selbst als Mutter zugewiesen wurde. Wir sind dankbar, dass es den Priester gibt, weil er uns immer wieder in diese Mitte zieht. Kevelaer ist ein wunderbarer Ort, priesterlich wirken zu können über den Raum der eigenen Gemeinde hinaus in die ganze Catholica hinein.

Wir danken Dir noch einmal für Deinen Dienst, lieber Stefan, und wir versprechen Dir, gerade hier am Bild der Trösterin der Betrübten, mit Dir und für die vielen und für die Kirche zu beten, was Du uns als Gebet auf dem Andenken dieses Tages mitgibst: "Oh Jesus, der Du in Maria lebst, komm und lebe in mir. Im Geist deiner Heiligkeit, in der Fülle deiner Gaben, in der Vollkommenheit deiner Wege, in der Wahrheit deiner Liebe. Herrsche in mir über alles Böse in der Kraft deines Geistes, zu Ehre deines Vaters." Amen.

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Text: Bischof Felix Genn
11.10.2009

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