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11.02.2012
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Dokumentiert:

Predigt von Bischof Genn anlässlich der Wallfahrt der Gebetsgemeinschaft für geistliche Berufe nach Berlin

Berlin. Am Samstag (03.10.2009) fand in Berlin eine Wallfahrt der Gebetsgemeinschaft für geistliche Berufe statt. Bischof Felix Genn hielt mit den Teilnehmern eine Gebetsstunde in der Berliner St.-Hedwigs-Kathedrale, worin er auch predigte. kirchensite.de dokumentiert die schriftliche Fassung seiner Predigt.

Verehrte, liebe Mitbrüder im bischöflichen und priesterlichen Amt und im Diakonenamt, liebe Schwestern und Brüder im Glauben, es ist eine Stunde tiefer Dankbarkeit, die uns heute Abend zusammenführt in dieser Anbetung. Denn das Allererste, was wir an diesem Abend dem Herrn in der Gegenwart des eucharistischen Brotes sagen, ist Dank, Dank für die reiche Ernte einer Initiative, die von einem Salvatorianer, also jemandem aus der Gemeinschaft, die im Namen "den Erlöser" trägt, ausgegangen ist. Es ist Dank, weil er intensiver dieses Wort aus dem Evangelium, das wir soeben gehört haben, aufgegriffen und in die Form einer monatlichen Gebetsstunde gefasst hat.

Dieses Gebet dauert jetzt 75 Jahre; und es waren engagierte Frauen vor allem, viele Gläubige, die das Anliegen um geistliche Berufe sich zu Eigen gemacht, es zu ihrem Anliegen entwickelt haben. Dafür möchten wir, auch als Bischöfe, ganz ausdrücklich an diesem Abend danken: Ihnen, dass Sie sich in diese Reihe und Kette eingegliedert haben und dass Ihnen dieses Gebet zu Eigen geworden ist.

Wir sehen die Macht des Gebetes an dem, was wir heute Nachmittag in der Podiumsdiskussion erfahren haben. Vielleicht denken wir: Wenn diese Macht des Gebetes sich doch auch in noch mehr geistlichen Berufen, gerade auch in unseren Tagen, zeigen würde!

Liebe Schwestern und Brüder, können wir überschauen, was durch das Gebet so Vieler in den 75 Jahren gewachsen ist, was der Herr aufgerufen und zur Blüte und Reife und Fruchtbarkeit gebracht hat? Wir wollen es Ihm anheim geben, selbst wenn wir den Eindruck haben, es sei zu wenig. Wir danken: Dass diese Gebetsreihe 75 Jahre ununterbrochen fortgesetzt worden ist. Es kommt nicht auf die Zahl der Beter an. Es kommt darauf an, dass sich Menschen zur Verfügung stellen, damit dieses Gebet überhaupt geschieht, gepflegt und fortgesetzt wird.

Liebe Schwestern und Brüder, wir können nicht überschauen, was das Gebet bringt. Ich sage das auch auf dem Hintergrund mancher Meinungen, die sich in die Sprachform kleiden, das Gebet nütze doch nichts. So hörte ich es kürzlich, berichtet aus dem Mund einer Ordensfrau, vielleicht angesichts der geringen Zahl der Berufungen in ihrem Kloster und ihrer Gemeinschaft.

Liebe Schwestern und Brüder, das Gebet nützt. Nicht nur beim Fall der Mauer zeigt sich, welche Macht das Gebet hat, sondern jede und jeder von uns könnte sicherlich auch die Fruchtbarkeit des Betens in seinem eigenen Leben belegen.

Wenn wir zusammen kommen, weil wir uns von der Aufforderung des Herrn angezogen wissen: "Bittet den Herrn der Ernte, dass er Arbeiter in seine Ernte sende" (Mt 9, 38), dann überlassen wir von vorne herein dem Herrn das Ergebnis und die Frucht. Wir tun das, was Er uns aufträgt, ohne den Willen zur Übersicht, ohne das Ergebnis abzuwarten und sehen zu wollen. Vielmehr machen wir uns etwas zu Eigen, was Ihm am Herzen liegt – und das ist ebenfalls Grund zur Dankbarkeit: Dass wir das Anliegen Jesu zu unserem Anliegen machen. Es zeigt nämlich, dass wir mit Ihm fühlen wollen, mit Ihm denken möchten, mit Ihm zu handeln gewillt sind. Ist das nicht ein sehr schönes Geschenk, das zur Dankbarkeit aufruft? Etwas zu tun, was Ihm unmittelbar am Herzen liegt, zu wissen, dass es eine große Bewegung von Frauen und Männern in der Kirche gibt, die verstanden haben, was Ihm am Herzen liegt, die Seine Herzenssache in ihr Leben eingespielt haben.

Wir haben im Evangelium gehört: Er sieht die vielen Menschen. In seinem Herzen ist Er zutiefst bewegt, weil Er spürt, was die Menschen alle müde und erschöpft macht, so dass sie einer Herde gleichen, die keinen Hirten hat.

Würde Er das heute nicht auch so empfinden und fühlen angesichts der vielen geistigen Bewegungen und Strömungen unserer Tage, dass viele einfach gestresst, müde, kaputt, erschöpft sind von dem Vielerlei, das ihnen in die Herzen, Sinne und Ohren dringt? Aber er sät das Wort, verkündet das Evangelium vom Reich Gottes und ist überzeugt: Gerade darin ist die Ernte Gottes zu realisieren. Sie ist groß; denn ich habe ihnen etwas zu geben. Er weiß, dass Er in den vielen Stimmen die entscheidende ist, dass Er der Ernährer, der Pastor, der Hirt der Herde sein wird. Es drängt Ihn vom Herzen her, dass sie das erfahren, und es drängt ihn, dass es Menschen gibt, die Arbeiter für diese Ernte Gottes sind.

Aber diese Ernte ist immer größer im Vergleich zu der Zahl derer, die sich für sie engagieren. Deshalb bleibt Ihm nichts anderes übrig, als intensiv zu bitten. Schließen wir uns zusammen und bitten wir den Herrn der Ernte, den Vater, dass noch mehr kommen und daran mitarbeiten, die Ernte Gottes einzuholen. Ernte Gottes – sie liegt darin, dass Sein Leben, Sein Beten, Sein Handeln, Sein Sterben und Seine Auferstehung für alle die wirkliche Weide ist, verdichtet im eucharistischen Brot, in der kleinen Scheibe der Hostie das ewige Leben, abgerungen in Seinem Mitleid für die Vielen, für alle, die müde und erschöpft umherirren, auch in unseren Tagen. Dass es dort Arbeiter gibt, Frauen und Männer zunächst, die wirklich glauben, die als gläubige Christen und Christinnen sich das Anliegen, dass Gottes Reich sich durchsetzt, dass Sein Erbarmen und Seine Liebe zu den Menschen kommt, zu Eigen machen und so eine Atmosphäre entsteht, in der es Freude macht zu glauben und in der Menschen noch tiefer geweckt werden, ihr ganzes Leben als Priester, als Ordensfrau und Ordensmann, diesem Erlösungswerk zur Verfügung zu stellen, darum lasst uns beten!

Lassen wir nicht nach, noch tiefer mit dem Herrn zu fühlen, Ihn so noch mehr zu lieben, noch mehr zu spüren, wie sehr die Menschen Ihn brauchen, und wie großartig die Ernte Gottes ist, weil Er für uns zum Heiland und Erlöser am Kreuz geworden ist! Lassen wir nicht nach, deshalb den Herrn der Ernte zu bitten, noch mehr Priester und Ordensleute in Seine Ernte zu senden, die sich dieser Ernte ganz, mit Leib und Seele, mit Haut und Haaren, mit Geist und Herz, hingeben.

Das Gebet ist nicht unnütz, denn wir geben es dem Auferstandenen, der es Seinem Vater im Himmel weiterschenkt. Jetzt, in dieser Stunde, wollen wir es nicht nur bedenken, sondern von Herzen mitfühlen, in tiefer Dankbarkeit für das, was in 75 Jahren gewachsen ist. Aber in tiefer Dankbarkeit auch dafür, dass Er uns so geführt hat und dass wir Sein Herzensanliegen zu unserer Herzenssache machen können. Amen.

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Text: Bischof Felix Genn
03.10.2009

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