Anzeige:
Werbung

kirchensite.de | Online mit dem Bistum Münster: Nachrichten aus der Kirche, katholischer Glaube, Spiritualität, Heiligenlexikon, Veranstaltungen, Seelsorge, Fürbitte, Bibelarbeiten, Dossiers.

. . . . .
Seite: Aktuelles
23.05.2012
Artikel drucken
Logo kirchensite.

Dokumentiert:

Predigt von Weihbischof Overbeck an Fronleichnam

Münster. Am Fronleichnamstag (11.06.2009) feierte Weihbischof Franz-Josef Overbeck einen Gottesdienst in der Mutterhauskirche der Clemensschwestern, worin er auch predigte. Der Gottesdienst wurde im Radio übertragen. kirchensite.de dokumentiert die Vorlage seiner Predigt:

Verehrte Clemensschwestern, liebe Schwestern und Brüder, liebe Hörerinnen und Hörer. Fronleichnam, das Hochfest des Leibes und Blutes Christi, führt uns, 10 Tage nach dem Pfingstfest und damit nach dem Ende des österlichen Festkreises, zurück zum Gründonnerstag und zur Einsetzung der Eucharistie, die wir zu Beginn der heiligen drei österlichen Tage feiern. Das heutige Evangelium berichtet mit dem Evangelisten Markus vom letzten Abendmahl Jesu. "Während des Mahls nahm Jesus das Brot und sprach den Lobpreis; dann brach er das Brot, reichte es ihnen und sagt: Nehmt, das ist mein Leib. Dann nahm er den Kelch, sprach das Dankgebet, reichte ihn den Jüngern und sie tranken alle daraus. Und er sagte zu ihnen: Das ist mein Blut, das Blut des Bundes, das für viele vergossen wird." (Mk 14,22-24). Die innerste Botschaft des Evangeliums von heute bildet den Kern der Eucharistiefeier. Brot und Wein werden in der Kraft des Heiligen Geistes durch die Wandlungsworte, die der Priester oder Bischof spricht, zu Leib und Blut Christi. Damit ist das gewandelte Brot und der gewandelte Wein wirklich Jesus selbst, indem Gott auf uns zukommt. Wir feiern nicht irgend ein Mahl, in dem Jesus symbolisch unter den Zeichen von Brot und Wein gegenwärtig wäre, sondern, dem Stiftungswillen Jesu gemäß, sein Lebensopfer, in dem seine Hingabe unsere Erlösung bewirkt. Die Eucharistie ist Feier der Hingabe Gottes in seinem Sohn Jesus Christus. Dadurch öffnet sich für uns Menschen der Weg zu Gott. Indem wir in der Eucharistie Jesus selbst in uns aufnehmen und er uns innerlicher wird, als wir uns selbst je sein können, wird so der Bund Gottes mit uns Menschen wirksam, der nicht mehr aufgelöst werden kann. Die Theologie zeigt uns vom Evangelium her, dass in der eucharistischen Feier Jesus mit seiner ganzen Hingabe, d. h. mit seinem ganzen Leben für uns gegenwärtig wird, damit wir für ihn und füreinander leben.

Diese innerste Mitte des Evangeliums findet sich im neunten Kapitel des Hebräerbriefes, der zweiten Lesung des heutigen Festes, wieder. Dort heißt es, Christus habe "mit seinem eigenen Blut … eine ewige Erlösung bewirkt" (Hebr 9,12b). Im Fortlauf des Textes reflektiert der Hebräerbrief auf das Ziel des Tuns Jesu. Es geht darum, dass "wir dem lebendigen Gott dienen" (Hebr 9,14c). Als die Berufenen sollen wir "das verheißene ewige Erbe erhalten" (Hebr. 9,14c). Für uns Ungewöhnliches wird hier zusammengefügt. Normalerweise wissen wir Menschen uns unterschieden von dem, was wir geben, wenn wir uns anderen mitteilen. Nur in der Liebe können wir anfanghaft erahnen, dass sie nur dann wirklich und glaubhaft ist, wenn der, der liebt, sich ganz gibt, also Geber und Gabe identisch sind. Der Hebräerbrief sagt uns, was das Evangelium deutlich macht. In Jesus sind Geber und Gabe identisch. Er liebt uns und gibt sich uns ganz, damit wir dem lebendigen Gott dienen und den Weg unserer Berufung gehen. Dazu stärkt uns die Eucharistie, die Feier der Liebe Gottes. Gott gibt sich als er selbst.

Die erste Lesung aus dem Buch Exodus weist bereits darauf hin. Denn der Bund, den Gott mit seinem Volk schließt und den Moses mit der Besprengung des Altares durch das Blut von Stieren bekräftigt, ist, so haben die Christen diesen Text immer gelesen, ein Hinweis auf den Bund, den Gott in seinem Sohn Jesus Christus mit uns schließt. Die bleibende und vertiefte Gemeinschaft aller, mit denen Gott seinen Bund geschlossen hat, findet ihren reinsten und dichtesten Ausdruck in Jesus Christus, der mit seiner Lebenshingabe diesen Bund Gottes mit uns auf einzigartige Weise bekräftigt hat. Genau dies feiern wir im Opfer der Eucharistie.

Die Auslegung der drei Texte aus der Heiligen Schrift, die uns das heutige Fest vorlegt, zeigt, dass wir hier vor dem Geheimnis der Verbindung Gottes mit uns Menschen stehen. Diese innerste Verbindung hat einen Namen: Jesus Christus. Er ist Gottes Bund mit uns, sodass wir Gemeinschaft mit ihm und untereinander haben. Damit sind wir in der Mitte der Bedeutung der Eucharistie angekommen.

Auf dreifache Weise, liebe Schwestern und Brüder, werden wir im Alltag dieses in der Eucharistie gefeierten Bundes ansichtig. Es ist gleichsam unsere Lebensform, die uns hilft, im Leben zu bestehen.

Die Eucharistie, das Opfer Christi, feiern wir in der Gestalt des Mahles. So haben wir Gemeinschaft mit Gott und untereinander. Das Evangelium des Markus zeigt sehr deutlich, dass das Leben Gottes nicht etwas uns Äußerliches ist, sondern Gott in uns selbst wohnen will. Gott gibt uns die innere Richtung unseres Lebens. Wir richten uns auf IHN aus. Das Innerste unseres Wesens, unsere Ausrichtung auf Gott in allem und damit die Ausrichtung aufeinander, hat ihren nährenden Grund in der Eucharistie, nämlich in Gott selbst, der sich uns gibt. Wie viele Menschen haben es heute schwer im Miteinander, überfordern sich dabei vor allen Dingen in ihrer Seele und vielfach mit ihren körperlichen Kräften! Die Gemeinschaft, die Gott selbst in seinem Sohn stiftet, rührt unser innerstes Wesen an, weil Gott, den wir in der Eucharistie aufnehmen dürfen, uns mit ihm und untereinander verbindet. Aus dieser Form von Gemeinschaft leben wir. Sie macht uns gemeinschaftsfähig.

Die Eucharistie bewahren wir im Tabernakel auf. So beten wir Gott unter der Gestalt des eucharistischen Brotes an. Anbetung gehört zu den wichtigen Formen eucharistischer Frömmigkeit; sie führt uns in die innerste Mitte des Wesens der Eucharistie. Es geht um Gott. Hier geht uns die Richtung unseres Lebens auf, wenn wir niederknien und anbeten. Viele Menschen suchen nach der Richtung ihres Lebens und finden sie nicht. In der Anbetung sind wir eingeladen, uns in allem von Gott her zu verstehen, den wir anbeten, weil er in Jesus selbst auf uns zukommt. Wenn sich nämlich Gott in seinem Sohn uns gibt, dann bedeutet es auch, dass wir ihn empfangen dürfen, indem wir uns vor ihm niederbeugen, ihn verherrlichen, eben ihn anbeten. Wir Christen können noch einen Gedanken hinzufügen: Der, den wir anbeten, ist nicht eine ferne Macht, sondern hat sich, wie das Johannesevangelium es uns berichtet, vor uns niedergekniet, um uns die Füße zu waschen. Wir beugen uns vor dem, der sich selbst gebeugt hat. Wir beugen uns vor der Liebe, die nicht versklavt, sondern verwandelt. Anbetung macht verwandlungsfähig.

Dies ist auch der innere Grund, warum wir den eucharistischen Leib durch die Straßen unserer Gemeinden, d. h. durch die  Welt und den Alltag der Menschen tragen. Von hier her verstehen wir als Kirche die ganze Welt. Sie bekommt ihr rechtes Maß, indem sie sich vor dem beugt, der sich vor uns niedergebeugt hat. Der Mensch soll aus der Liebe und der Hingabe leben. So wird aus einem geistlichen und tiefen inneren Verstehen der Eucharistie ein sittlicher Anspruch, der jeden trifft. Darum muss der lebendige Christus in die ganze Welt getragen werden und soll diese heiligen. Nur wer sich vor dem beugt, der sich vor uns niederkniet, lebt im rechten Maße. So wird der Mensch lebensfähig.

Liebe Schwestern und Brüder, am heutigen Fronleichnamsfest haben wir das Geheimnis der Eucharistie bedacht, wie es uns aus den Schrifttexten entgegenkommt und im Licht der Kirche verstanden wird. Daraus haben wir drei Perspektiven entwickelt:

Die Mahlfeier erinnert uns an die Gemeinschaft, die wir Menschen untereinander haben, weil Gott sie uns schenkt.

Die Anbetung zeigt uns das rechte Maß unserer Freiheit und Verwandlungsfähigkeit, das Gott uns schenkt, vor dem wir uns niederknien, der sich selbst vor uns gebeugt hat.

Das Zeugnis, das wir nach außen geben, wenn wir den eucharistischen Leib in Prozessionen durch die Straßen tragen, weist uns auf den sittlichen Anspruch hin, so zu leben, wie Christus für uns gelebt und damit Gott uns seine Lebensform als Weise unseres Daseins geschenkt hat.

Fronleichnam führt also aus der innersten Mitte des Lebens Gottes mit uns Menschen in das Innerste von uns Menschen, damit wir recht leben, wie Gott selbst in Jesus lebt, nämlich in Liebe und Hingabe. Amen.

Mehr zum Thema in kirchensite.de:

  1. Öffnet externen Link in neuem FensterOverbeck: "Wir beugen uns vor der Liebe, die verwandelt" (11.06.2009)
  1. Öffnet internen Link im aktuellen FensterÜbersicht: Weihbischof Franz-Josef Overbeck
  2. Öffnet internen Link im aktuellen FensterDruch das Jahr: Fronleichnam

Text: Weihbischof Franz-Josef Overbeck
11.06.2009

Schwerpunktthema

Vom 16. bis 20. Mai 2012 findet in Mannheim der 98. Deutsche Katholikentag statt. Er steht unter dem Leitwort "Einen neuen Aufbruch wagen".

Vorlagen für Maiandachten

Ein besonderer kirchensite.de-Service: Wir bieten Ihnen eine Reihe von Vorschlägen für Andachten zur Muttergottes im Monat Mai zum Herunterladen an.

Mittwoch ist Chatzeit

Am Mittwoch zwischen 20.30 und 21.30 Uhr im Chat: Diakon Holger Meyer.

Wir beten für Sie!

KLOSTERFÜRBITTE im Monat Mai: St.-Franziskus-Haus in Nordwalde.

Das aktuelle VIDEO...

Grüße vom Katholikentag (1): Aufbruch gelingt ...

Landvolkshochschule

Mit einem Festakt wurde der langjährige Direktor der Landvolkshochschule "Schorlemer Alst", Johannes K. Rücker, in den Ruhestand verabschiedet.

Kommunionempfang

Erzbischof Robert Zollitsch setzt sich weiterhin dafür ein, dass Katholiken auch nach Scheidung und Wiederheirat die Kommunion empfangen können.

Bibelarbeit

Unterwegs nach Emmaus: Kleopas und sein Freund.

Wohnungsnotfallhilfe

In einer Wohnung oder einem Haus zu wohnen, ist für Jeden selbstverständlich und lebensnotwendig.

Heilige und Selige

Das Bistum Münster kann auf viele Frauen und Männer zurückblicken, die ein herausragendes Zeugnis für den christlichen Glauben abgelegt haben.

Neues Seelsorgekonzept

Im Bistum Münster wird derzeit ein neuer Diözesanpastoralplan erstellt. Er soll Schwerpunkte der Seelsorge benennen. Ein erster Entwurf steht zum Herunterladen bereit.

Glaubenswissen

Frömmigkeit - Gesamthaltung des gläubigen Menschen vor Gott.

Bischof Felix Genn

Sein Leben – sein Wirken – seine Texte.

Dossier: Maria

Maria ist die Mutter Jesu Christi - und hat daher eine besondere Stellung im christlichen Glauben.

Durch das Jahr

Liturgie und Brauchtum zu Pfingsten: Ein wenig Geist und viel Frühling.

Sterbebegleitung

Wann beginnt das Sterben? Was erwartet mich auf meinen letzten Wegen vor dem Tod? Kann ich mich und meine Verwandten auf diese Wege vorbereiten?

Geistlicher Impuls

"Gehet hin in Frieden!"

Mit der Bibel leben

Ich bin das A und O.

Glaubens-ABC

Marienverehrung: Magd des Herrn

Kirche von A bis Z

Marienerscheinung: Mittlerrolle der Mutter Jesu

Verbände

Christliche Arbeiter-Jugend.

Heiligenlexikon

30. Mai: Heilige Johanna von Orléans.

Trauerseelsorge

Hilfe bei berufsethischen Fragen.

Ehegericht

Mit seinen rund 30 Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern beschäftigt sich Offizial Kurt Schulte größtenteils mit so genannten Ehenichtigkeitskeitsverfahren.

Regionen

Cosfeld / Recklinghausen.

Wallfahrtsorte

Vinnenberg: Muttergottes vom Himmelreich.

Marienmonat

Als schönster Monat des Jahres soll der Mai der "schönsten aller Frauen" geweiht sein. Maialtäre und Maiandachten entstammen einer barocken Frömmigkeitstradition.

Service für Sie

RSS-Feed Topnews

Öffnet internen Link im aktuellen FensterNewsticker für Ihr Web

Spruch des Tages

Wenn man Spaß an einer Sache hat, dann nimmt man sie auch ernst.
Gerhard Uhlenbrock

Reden, Fragen, Antworten finden

im "Haus der Seelsorge" hat man ein offenes Ohr für Sie


Seelsorger im Mai:
Pfarrer Martin Weber.

Seelsorger/-innen

Haus der SeelsorgeHaus der Seelsorge

Heiligenlexikon in "kirchensite.de"

im Heiligenkalender können Sie nach Monaten blättern. Oder wählen Sie hier nach Buchstaben aus:

 

Kontakt

  kirchensite-Redaktion:
  redaktionkirchensite.de

  Lebenshilfe+Seelsorge: 
  Martin Weber
  weberkirchensite.de

  Technik:
  technikdialogverlag.de

Dialogversand