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23.05.2012
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Dokumentiert:

Predigt von Weihbischof Overbeck am Pfingstmontag

Bistum. Weihbischof Franz-Josef Overbeck feierte am Pfingstmontag (01.06.2009) ein feierliches Pontifikalamt im münsterschen St.-Paulus-Dom worin er auch predigte. kirchensite.de dokumentiert die Vorlage seiner Predigt:

Liebe Mitbrüder im Bischofs-, Priester- und Diakonenamt, liebe Schwestern und Brüder! Im Tagesgebet von Pfingsten beten wir, dass Gott aus allen Völkern sein Volk in der Kraft des Heiligen Geistes berufe und zusammenführe. So bildet sich Kirche. Sie hat ihren Grund in Gott, der, alle Grenzen sprengend, Menschen in sein Volk ruft und es in der Kraft des Geistes zusammenführt.

Im Tagesgebet heißt es weiter, dass die Kirche ein Sauerteig für die Menschheit sei, um alles in Christus zu erneuern und zu seiner Familie umzugestalten. Hier wird nicht nur der Grund für das Kirche-Sein, sondern auch ihr Ziel angegeben. Sie soll die Menschheit sich verwandeln helfen, damit sie immer christusförmiger wird und, weil alle Menschen Schwestern und Brüder sind, als Familie Gottes lebt. Was bedeutet es also, wenn wir Pfingsten, das Fest des Heiligen Geistes, als Fest der Kirche feiern? Wir verstehen vom heutigen Tagesgebet aus, dass die Kirche ihren Grund in Gott selbst hat, der Menschen in sein Volk beruft und zusammenführt. Zugleich gibt er ihr eine Sendung, die für die ganze Menschheit gilt, damit alle zu Christus kommen.

Die drei Lesungstexte des heutigen Pfingstmontags zeigen uns dazu verschiedene Perspektiven auf. Die Kirche, ausgehend von ihrer frühen Biografie in der Apostelgeschichte, über den wichtigen paulinischen Brief zum Leben der jungen Kirche an die Gemeinde von Ephesus bis zum Lukasevangelium, wird als Kirche beschrieben, die sich an Juden und Heidenchristen wendet und bezeugt: Jesus selbst ist der Weg der Kirche.

Die Apostelgeschichte als Biografie der jungen Kirche, in der ihre grundlegenden Charakterzüge deutlich werden, zeigt die besondere Bedeutung der Apostel für ihr Werden und Entstehen. In den Zeiten der Verfolgung und Verstreuung der ersten Christen sind es die Apostel, die in Jerusalem bleiben und Petrus und Johannes ausschicken, um allen Gläubigen durch Gebet und Handauflegung den Heiligen Geist zu vermitteln. Was ihnen selbst, am ersten Pfingstfest widerfahren war – nämlich das Beschenktwerden mit der Kraft und Liebe, die zwischen Vater und Sohn besteht und im Heiligen Geist auf sie herabkommt – geben sie an andere weiter. So entsteht Kirche. Sie ist an die Apostel gebunden, d. h. an die Jünger, die zu Aposteln werden und die Botschaft von Kreuz, Tod und Auferstehung Jesu wie die Gesitsendung bezeugen, d. h. die weitergeben, was sie empfangen haben. Die Kirche ist in diesem Sinne geistförmig. Sie entspringt aus der Liebe, die Gott uns selbst immerwährend schenkt.

Die Welt, in der wir leben, sieht die Kirche häufig sehr institutionenförmig und institutionengebunden. Das war und ist sie auf sehr unterschiedliche Weise immer. Dabei kann sie Gefahr laufen, sich darin zu verkriechen und starr zu werden. Die Dynamik, von der die Apostelgeschichte heute spricht, erinnert uns: die Kirche ist das Bauwerk des Heiligen Geistes, das auf dem Fundament der Apostel ruht, von denen her der Heilige Geist den Menschen weiter gegeben wird, damit die Getauften als Zeugen leben.

Dieser geistliche Ursprung der Kirche gibt ihr im Blick auf ihre Identität ihre eigentliche Kraft. Sie beruht darin, alles nach dem Maßstab zu messen, den uns die Apostelgeschichte heute angibt. Ob nämlich das Apostolische, d. h. die frühlingshafte und ursprungsgetreue Frische des Glaubens, den die Jünger und Apostel gelebt haben, auch heute lebendig ist und ob der Geist als die Liebe Gottes, die in unsere Herzen eingegossen wird, uns glauben lässt. Dies ist gleichsam die Innenseite der oft wahrgenommenen äußeren Seite der Kirche. Lebt das Innere nicht, wird das Äußere hart und zerbrechlich. Die Kirche ist apostolischen Ursprungs und darin Frucht des Geistes.

Der Apostel Paulus in seinem Schreiben an die Gemeinde in Ephesus reflektiert auf den Glauben der Gemeinde selbst, die das Siegel des verheißenen Heiligen Geistes empfangen hat. Die Kirche, als apostolische aus der Kraft des Geistes lebende, existiert konkret in Menschen, die Zeugen Christi sind. Darum dankt Paulus der Gemeinde von Ephesus und ihren Gläubigen für ihren "Glauben an Jesus den Herrn" (Eph 1,16). Er erbittet für die Gläubigen den "Geist der Weisheit und Offenbarung" (Eph 1,17), damit sie Gott erkennen und die Augen ihres Herzens (Eph 1,18) erleuchtet werden, um zu verstehen, zu welcher Hoffnung alle, die glauben, durch Christus berufen sind, wie groß der Reichtum der Herrlichkeit des Glaubens ist und wie mächtig Gott an uns handelt. Der Epheserbrief besinnt sich auf das Wesen der Kirche. Indem er auf den gläubigen Menschen reflektiert zeigt uns der Epheserbrief, dass der "Bau der Kirche", ein Bau aus den Zeugen ist, die ganz in den Spuren Jesu leben, d. h. die Jesus selbst zu ihrer Lebensform gemacht haben.

Es gibt heute eine immer größer werdende Gruppe von Gläubigen und Getauften, die mit großer Sympathie zur Kirche gehören, ihr alltägliches Leben in Beständigkeit aber nur partiell teilen. Die Gruppe derer, die es mit Beständigkeit tun, nimmt, zumindest im Vergleich zu den vergangenen Jahrzehnten, ab. Es steht dahinter, so meine Wahrnehmung, eine Einladung Gottes an uns, die uns hilft, zum inneren Wesen der Kirche auf neue Weise vorzudringen, da unsere Zeit dies erfordert und aus uns herauslockt. Die Kirche lebt aus den lebendigen Christen, die im Geist Zeugen der Gegenwart und des Wirkens Jesu sind. Sie lebt von Menschen, die mit den Augen des Herzens erkennen, aus welcher Hoffnung sie leben. Die Kirche braucht Menschen, die von der Macht Gottes und seiner überragenden Größe innerlich überzeugt sind. Es gibt sie im Großen wie im Kleinen, die Glaubenden, die mit den Augen des Herzens, d. h. mit den Augen Gottes, die Welt betrachten und oft wider aller Hoffnung hoffende Menschen bleiben. Es gibt die Vielen, die den Reichtum der Herrlichkeit Gottes im Alltag leben, indem sie sich völlig selbstlos den Armen und Notleidenden zuwenden und sich dem Gebet widmen. Und es gibt die, die sich von keinen Mächten und Gewalten dieser Erde so bestimmen lassen, dass sie nicht von der noch größeren Macht Gottes überzeugt wären. Dies gehört zum größten Geheimnis der Kirche und ihrer Fruchtbarkeit, nämlich die Sympathie der Glaubenden mit der Welt als Frucht gläubigen Lebens. Sie erwächst dort, wo die Gläubigen in Solidarität mit allen Menschen leben und sie sympathisch, d. h. mitleidend (wörtlich übersetzt) teilhaben lassen am eigenen Leben. Da werden Christen zu Geburtshelfern für die Augen des Herzens vieler Menschen. Da werden Christen zu Türen für andere, die durch sie in die Wirklichkeit Gottes eintreten, die alles in einem neuen Licht erscheinen lässt. Da werden Christen zu Zeugen der Größe Gottes, die sich vor dem Kleinsten aus Liebe niederbeugt.

Das Lukasevangelium führt uns nun, nachdem die Apostelgeschichte den inneren Baugrund der Kirche durch ihre Apostolizität und ihrer Geistgefügtheit beschrieben und der Epheserbrief das Wesen des Christen als Zeugen beglaubigt hat, in die Mitte der Kirche selbst, nämlich zu Jesus Christus. Das Lukasevangelium zeigt uns deutlich: Jesus öffnet uns den Weg zum Vater. Er kennt den Vater wie niemand sonst; er will die Klarheit und Freude Gottes denen schenken, die ein klares Auge und ein im guten Sinne des Wortes einfältiges Herz haben. Jesus selbst offenbart die Liebe Gottes. Der Glutkern der Kirche ist Christus. Von Pfingsten her ergeht die Einladung, IHN in der Kraft des Geistes immer wieder neu zu entdecken. Dabei sagt das Lukasevangelium, dass als Evangelium die Armen auf besondere Weise selig preist, dass nur Menschen mit klaren Augen und einem einfältigen Herzen diese Wirklichkeit sehen und leben. Hier deutet sich etwas von der Ungeschütztheit Jesu und derer, die ihm nachfolgen, an. In dieser Welt ist die Gegenwart Jesu nur von denen zu bezeugen, die ihn selbst mit den Augen von Ostern sehen und in ihr Herz einlassen können. Darum auch ist die Eucharistie als österliches Geschehen so wesentlich für die Kirche. In ihr schlägt das Herz Gottes für uns, weil sich Jesus als seine Gegenwart uns gibt. Ohne dieses lebendige Herz gibt es keine Kirche. Darum brauchen wir die Feier der Eucharistie, weil in ihr Jesus sich selbst uns schenkt, damit unsere Herzen so zu schlagen lernen, wie sein Herz schlägt für die Armen und die Einfältigen.

Liebe Schwestern und Brüder, Pfingsten ist das Fest der Kirche. Das Tagesgebet erinnert uns an die Berufung vieler Menschen in den Bund Gottes hinein, den er in Jesus geschlossen hat und der in der Kirche lebt. Die Kirche ist darum so groß und weit und darum eine Einladung an alle Menschen, weil sie auf dem Fundament der Apostel und in der Kraft des Geistes den Menschen von innen her meint und jeden zu Jesus führen will. Darum ist sie, wie es das heutige Gebet auch gesagt hat, Sauerteig für die Menschheit, die Gott in Christus erneuern und zu seiner Familie umgestalten will. Die Dynamik der drei Schrifttexte legt das innere Wesen der Kirche frei und so den Grund und das Ziel des heutigen Tagesgebetes.

Mit dem Pfingstfest schließt sich der Osterkreis. Die Macht, mit der Gott, der Vater, Jesus aus dem Tod erweckt, die Kraft, in der Jesus sich selbst als der Auferstandene den Jüngern zeigt und dann zum Vater heimkehrt und die Liebe des Geistes, die alle Menschen verwandeln wird, sind Zeichen jener Dynamik Gottes, der in seinen Bund alle Menschen einschließt. Hier gebiert sich die wahre Missionskraft der Kirche, hier tönt uns der Ruf entgegen, das Evangelium zu leben und Missionare in der Welt zu sein, in der wir sind, in der eben viele Menschen in unterschiedlicher Nähe und Distanz zum Geheimnis der Kirche leben, aber viel Sehnsucht haben nach einem Grund, der sie hält. Der Grund, der sie hält, ist die Mitte, die ihr Herz bestimmt. Dies ist für uns Christen Jesus selbst, in der Mitte der Kirche. Amen.

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  1. Öffnet externen Link in neuem FensterKirche im Bistum Münster und in aller Welt feiert Pfingsten (01.06.2009)
  2. Öffnet internen Link im aktuellen FensterÜbersicht: Weihbischof Franz-Josef Overbeck

Text: Weihbischof Franz-Josef Overbeck
01.06.2009

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Mittwoch ist Chatzeit

Am Mittwoch zwischen 20.30 und 21.30 Uhr im Chat: Diakon Holger Meyer.

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Hilfe bei berufsethischen Fragen.

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Sterbebegleitung

Wann beginnt das Sterben? Was erwartet mich auf meinen letzten Wegen vor dem Tod? Kann ich mich und meine Verwandten auf diese Wege vorbereiten?

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Als schönster Monat des Jahres soll der Mai der "schönsten aller Frauen" geweiht sein. Maialtäre und Maiandachten entstammen einer barocken Frömmigkeitstradition.

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