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Seite: Aktuelles  >  Dokumentiert: Predigt von Weihbischof Janssen am 2. Weihnachtstag 2009
23.05.2012
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Dokumentiert:

Predigt von Weihbischof Heinrich Janssen am 2. Weihnachtstag

Bistum. Weihbischof Heinrich Janssen hat am zweiten Weihnachtstag (26.12.2009) im münsterschen St.-Paulus-Dom ein Pontifikalamt zum Fest des heiligen Stephanus gefeiert. "kirchensite.de" dokumentiert die Vorlage seiner Predigt:

Für uns alle ist heute noch Weihnachten, obwohl wir die liturgische Farbe gewechselt haben vom Weiß der Freude zum Rot für Märtyrer. Fest des heiligen Diakon Stephanus. In meinem Kalender: 2.Weihnachtstag.

Hier im Dom führt der Weg zum Altar meist durch das Stephanuschor mit dem Stephanusaltar von Gerhard Gröninger (um 1630). Das ist das Bild zum Fest heute. In der Mitte des Altarbildes ist die Steinigung des Stephanus dargestellt. Im goldenen Gewand, den Blick auf den geöffneten Himmel, liegt Stephanus am Boden. Wer näher an das Bild tritt, sieht die geöffneten Augen des Stephanus, aber auch sein schmerzverzerrtes Gesicht. Wir sehen den Strahlenkranz und die Steinbrocken, die gegen ihn geschleudert werden.

Stephanus lässt uns Weihnachten aus einer anderen Perspektive sehen. Die andere Weihnacht.

Als Jesus nicht mehr unter seinen Jüngern weilte, fand die christliche Urgemeinde neue Worte, die vom Kommen Gottes in unsere Welt sprechen und darin zugleich das Geheimnis von Gottes mitleidender Barmherzigkeit zum Ausdruck bringen.

Ein Weihnachtsevangelium ganz anderer Art. Paulus nimmt den Hymnus in seinem Brief an die Philipper auf: "Er war Gott gleich, hielt aber nicht daran fest, wie Gott zu sein sondern entäußerte sich  und wurde wie ein Sklave und den Menschen gleich. Sein Leben war das eines Menschen. Er erniedrigte sich und war gehorsam bis zum Tod, bis zum Tod am Kreuz." (Phil 2,6-8)

Das ist das andere Weihnachtsevangelium. Wie das Kind in der Krippe gilt auch hier: Er hielt seine Gottheit nicht fest.

Wer in die Krippe schaut, sieht immer wieder: Er fängt ganz klein an. Er ist wehrlos. Er ist vor die Tür gesetzt. Und hier: Er hält nicht an seiner Position fest. Das Wort zeigt, wie der Weihnachtsfriede entsteht und daraus Weltfrieden werden kann. Weil er sich entäußert und wie der letzte Diener wurde – ja es steht hier "wie ein Sklave" – bringt er die gewohnte Ordnung durcheinander.

Unser Gott ist ein dienender Gott. Es ist schwer zu begreifen, dass uns jemand stärkt, der schwach geworden ist, dass wir über jemand Hoffnung finden, der alle Vorzüge und Auszeichnungen abgelegt hat, aber so ist er.

Solange unser Herz und unsere Hände damit beschäftigt sind, die eigenen Positionen zu sichern und zu verstärken, ist der Weg zum Frieden gefährdet und versperrt. Jesus teilt sein Leben von Anfang an mit den Menschen, besonders mit den armen Menschen. Wir können viele Beispiele aus dem Evangelium erzählen. Das beginnt mit der Flucht nach Ägypten und führt bis zu seiner Gefangennahme.

Dazu gehören auch die vielen Heilungen und sein Auftrag an die Jünger: "Gebt ihr ihnen zu essen!" In den Heilungsgeschichten des Evangeliums spüren wir, wie nahe Gott denen sein will, die leiden.

In diesem Christuslied aus dem Neuen Testament erkennen wir, welchen Preis Gott für diese Nähe zu zahlen gewillt ist. "Sein Leben war das eines Menschen … gehorsam bis zum Tod … bis zum Tod am Kreuz."

Wer die Märtyrer unserer vergangenen Jahrzehnte anschaut, ob eine Edith Stein oder ein Karl Leisner, ob Bernhard Lichtenberg oder Maximilian Kolbe – ihr Lebensweg lief ähnlich. Sie hatten den letzten Platz inne. So trägt auch das erste Buch über Karl Leisner, geschrieben von seinem Mithäftling Otto Pies, den Titel: Stephanus heute.

Wo wir die Maßstäbe Jesu übernehmen, schaffen wir Platz für den Menschen, gehen wir kleine Schritte auf den Frieden zu. Wir bekommen Menschen in den Blick, die am Rande leben. Die Not wird anschaubar.

Es gibt viele Worte im Neuen Testament, wo Jesus den Menschen einlädt, diesen Weg mitzugehen. Es ist nicht unser Denken und unser Fühlen, das aus diesen Worten spricht. "Wer sein Leben um meinetwillen und des Evangeliums willen verliert, wird es retten" (Mk 8,35).

Stephanus hat wie Jesus seine eigenen Positionen aufgegeben. Stephan zeigt uns, dass Weihnachten – wie alles im Leben – zwei Seiten hat.

Zu Weihnachten gehören die Freude, die Suche nach Frieden und Gemeinschaft, die jubelnden Lieder und die schönen Gedichte. Zu Weihnachten gehören aber auch Abgelehntwerden, zugeschlagene Türen, Entäußerung und doch den Himmel offen sehen.

Paulus spricht davon im 2.Korintherbrief: "Wir sind wie Sterbende und siehe, wir leben." ( 2 Kor 6,9f). Wir brauchen den zweiten Weihnachtstag, damit wir die beiden Seiten von Weihnachten im Blick behalten.

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  1. undefinedWeihbischof Janssen und die zwei Seiten der Weihnacht
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