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Seite: Aktuelles  >  Dokumentiert: Predigt von Bischof Genn beim Pontifikalrequiem für Weihbischof Josef Voß
11.02.2012
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Bischof Felix Genn
Bischof Felix Genn hielt die Predigt beim Sterbeamt für Weihbischof Josef Voß.

Dokumentiert:

Predigt von Bischof Genn beim Pontifikalrequiem für Weihbischof Josef Voß

Bistum. Das Bistum Münster hat am Dienstag (22.12.2009) Abschied von Weihbischof Josef Voß genommen. Dem Pontifikalrequiem im münsterschen St.-Paulus-Dom stand Bischof Felix Genn vor. kirchensite.de dokumentiert die Vorlage seiner Predigt.

Liebe Mitbrüder im Bischöflichen, Priesterlichen und Diakonen-Amt, verehrte, liebe Angehörige, Schwestern und Brüder von Josef Voß, liebe Familie Voß, liebe Schwestern und Brüder im Glauben!

"Kommt alle zu Josef, dem Vater der Armen. Er stillet den Kummer, er heilet den Schmerz."

Diese Liedverse, mir seit meiner Kindheit vertraut, sind mir in den letzten Tagen oft durch den Kopf gegangen. Sie greifen zurück auf die uns allen bekannte Erzählung von Josef in Ägypten, der in einer schwierigen Notsituation dem Volk und auch seiner eigenen Familie zum Retter wird. Frömmigkeit und Liturgie haben in ihm ein Vorausbild des Mannes gesehen, der als Pflege- und Nährvater Jesu Christi zum Patron der Kirche wird, an den wir uns in unseren Notsituationen wenden können.

Unser verstorbener Mitbruder Josef Voß hat, wie seine Geschwister erzählen, an seinem Weihetag ein Wort dieses ägyptischen Josef zitiert: "Ich bin Josef, euer Bruder." In den Tagen seines Sterbens und unseres Abschiedes von ihm spüren viele Menschen, wie diese Aussage nicht nur seinen Geschwistern und seiner Familie galt. Unzählige Menschen haben erfahren, dass er ihr Bruder sein wollte: "Geht alle zu Josef, dem Vater der Armen. Er stillet den Kummer, er heilet den Schmerz." – Wie sehr dürfen wir diese Liedverse auch zum Schlüsselwort werden lassen, um das priesterliche und bischöfliche Wirken von Weihbischof Josef Voß zu würdigen.

Bei einem abendlichen Konveniatsgespräch erzählte er, wie er die unruhigen Jahre als Direktor des Collegium Borromaeum erlebt hat. Ich erinnere mich gut, wie er selbst als Urteil über diese Zeit sagte: "Es waren schwere Jahre, und ich war dabei nicht ich selbst. Dann traf mich die Berufung zum Vorsitzenden des Caritasverbandes." Darauf stimmte der Chor der Mitbrüder einstimmig ein: "Und da warst Du Du selbst."

Liebe Schwestern, liebe Brüder, Josef Voß hat bei seiner Bischofsweihe das Glaubensbekenntnis der jungen Kirche, wie es uns der erste Johannesbrief überliefert, zum Leitwort seines bischöflichen Wirkens gemacht: "Gott ist die Liebe" (1 Joh 4,16). Diese Botschaft bildet den Kern unseres christlichen Glaubens, und sie wird in diesen Tagen der Feier der weihnachtlichen Geheimnisse zu einem ganz besonderen Höhepunkt des Jahres. Wir Christen feiern und bekennen gläubig: "Gott hat die Welt so sehr geliebt, dass er seinen einzigen Sohn hingab, damit jeder, der an ihn glaubt, nicht zugrunde geht, sondern das ewige Leben hat" (Joh 3,16). Wer sich von dieser Botschaft anrühren lässt, den macht sie unruhig: Wenn das wirklich stimmt, dass Gott die Welt liebt, dass er sich für diese Welt engagiert, dass er sich jedes einzelnen Menschen annimmt, ihn ansieht, ihn nicht aus dem Blick verliert, dann ist die Liebe das, was die Welt im Innersten zusammenhält. Dann ist die Liebe jene Kraft, aus der die Welt wirklich ihre Rettung erfahren kann. Dann aber braucht diese Liebe Menschen, die von ihr erfüllt dafür Zeugnis geben: Es lohnt sich, in der Liebe zu leben. Es lohnt sich, die Angst aufzugeben, im Dienst für die anderen verbraucht zu werden. Es lohnt sich, jedem Menschen als Bruder und Schwester zu begegnen. Das stillt Kummer, das heilt Schmerz.

Wenn Josef Voß diese Botschaft zum Leitmotiv seines bischöflichen Wirkens gewählt hat, dann schenkt er uns damit nicht nur einen Schlüssel für das Verständnis seines eigenen Lebens, sondern er predigt bis zu dieser Stunde zu uns. Alle Rückblicke, die sein Wirken in den letzten Tagen gewürdigt haben, geben Zeugnis von seinem Engagement für die Liebe. Sein Einsatz als Vorsitzender des Caritasverbandes im Bistum Münster und darüber hinaus, in vielen Gruppen und Gremien, in Verbänden und Institutionen, seine Sorge für die Beratung und Begleitung von schwangeren Frauen in schweren Notsituationen, sein großes Engagement für die Seelsorge der Menschen aus den muttersprachlichen Gemeinden, für die Migranten und Asylbewerber – kurzum: Weil Gott die Liebe ist, rührte ihn die Not überall, wo er sie vorfand. Weil Gott die Liebe ist, war sein Einsatz in den Gemeinden unseres Bistums, vor allem in den Regionen Coesfeld und Recklinghausen unermüdlich. In Dankbarkeit möchte ich in besonderer Weise herausstellen, mit welcher Kompetenz, Klarheit und Entschiedenheit unser Verstorbener immer wieder im Rahmen der Deutschen Bischofskonferenz seine Stimme erhoben und auf Problemfelder aufmerksam gemacht hat, die im Alltag leicht übersehen werden können. Zum Beispiel ist das Schreiben der Deutschen Bischöfe zum Leben in der Illegalität als einer humanitären und pastoralen Herausforderung ohne Josef Voß nicht denkbar. Weil Gott die Liebe ist, ist Josef Voß nie ruhig gewesen, hat er sich nicht geschont, vielmehr hat er sich wirklich im Dienst an den Menschen verzehrt.

Liebe Schwestern und Brüder, manchmal werde ich gefragt, was wir als Kirche tun sollen, damit wieder mehr Menschen zum Glauben finden. Ich antworte dann immer: Es braucht lebendige Zeugen, an denen wir ablesen können, wie wertvoll das Evangelium ist. Wir danken heute Josef Voß für dieses Zeugnis. Wir wissen, dass jedes menschliche Leben seine Grenzen hat, dass es Schuld und Versagen gibt, aber das Schöne ist, dass Gott uns trotzdem wählt, um seine Botschaft zum Leuchten zu bringen. Manchmal haben wir gesagt, und dies bis in die letzten Wochen hinein, dass Josef viel zu wenig auf seine Grenzen achtet. Vielleicht war das genau seine Grenze, um des Dienstes willen über seine Grenzen hinaus zu gehen. Dabei hielt ihn das tiefe Vertrauen, das am Schluss des großen Ambrosianischen Lobgesanges in die Worte gefasst ist: "Auf dich, Herr, habe ich meine Hoffnung gesetzt. Ich werde in Ewigkeit nicht zu schanden." Josef hat uns gebeten, am Schluss des Sterbeamtes diesen Lobgesang zu singen. Er lässt uns damit teilhaben an seinem Glauben an den Gott, dem wir aufgrund seiner großen Liebe nicht genug danken können. Josef nimmt uns aber auch mit in diesen Glauben hinein.

Am heutigen Tag betet die Kirche in der Liturgie des Advents: "Barmherziger Gott, du hast die Not des Menschen gesehen, der dem Tod verfallen war, und hast ihn erlöst durch die Ankunft deines Sohnes." Ja, das ist der Grund, warum wir vertrauen können. Das ist der Grund, warum wir hoffen dürfen, und die Liebe zur Tat werden kann. Zurecht sagt der Verfasser des ersten Johannesbriefes: "Niemand hat Gott je geschaut" (1 Joh 4,12a). Wer aber in der Liebe bleibt, erfährt, welche Kraft Gott ist. Wer in der Liebe bleibt, bezeugt, dass Gott da ist und dass er uns befähigen kann, aufzuhören, auf uns selbst konzentriert zu sein. In dieser Stunde feiern wir unsere Hoffnung für den verstorbenen Weihbischof Dr. Josef Voß. Sie gründet darin, dass wir diese Liebe Gottes auch für unseren Verstorbenen glauben. Wir beten, dass er Gott nun schauen darf und dass die Liebe, der er sein Leben geschenkt hat, nun ihm gilt für die Ewigkeit.

Ich fasse unsere Bitte in ein Bild, das mir in den letzten Tagen nicht aus dem Sinn ging. Oft, wenn ich auf das Fenster des Arbeitszimmers von Josef schaute, war noch spät abends Licht. Er kam auch am Ende langer Tage nicht zur Ruhe. Dieses Licht brennt nicht mehr. Wie sehr trifft dann das Gebet auf ihn zu: "Herr, gib ihm die ewige Ruhe, und das ewige Licht leuchte ihm. Herr, lass ihn ruhen in Frieden." Amen.

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  1. undefinedRequiem und Beisetzung von Weihbischof Voß
  1. Öffnet internen Link im aktuellen FensterÜbersicht: Weihbischof Josef Voß

Text: Bischof Felix Genn
22.12.2009

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