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Seite: Aktuelles  >  Predigt von Bischof Genn zur Abtsweihe von P. Laurentius Schlieker
11.02.2012
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Dokumentiert:

Predigt von Bischof Genn zur Abtsweihe von Pater Laurentius Schlieker

Billerbeck-Gerleve. Am Samstag (24.10.2009) hat Bischof Felix Genn den Benediktinermönch Laurentius Schlieker als fünften Abt des Klosters St. Joseph in Gerleve bei Billerbeck gesegnet. In dem feierlichen Gottesdienst predigte er auch. kirchensite.de dokumentiert die schriftliche Fassung seiner Predigt.

Liebe Mitbrüder im bischöflichen, priesterlichen und Diakonenamt, verehrte, liebe Mitbrüder aus den benediktinischen Gemeinschaften, besonders hier in Gerleve, verehrter, lieber Bruder Abt Laurentius, liebe Schwestern und Brüder im Glauben, vor einigen Jahren ist das Buch einer Frau erschienen, die im Top-Management als besonders qualifizierte Unternehmensberaterin gilt. Sie hat dieser Untersuchung über Führungsqualitäten und Führungsstile den Titel gegeben "Die Sinn-Macher - Wer siegen will, muss führen". In ihren Ausführungen kommt sie darauf zu sprechen, wie notwendig es ist, dass Führungspersönlichkeiten ihren Mitarbeitern einen inneren Sinn des Unternehmens erschließen. Damit die Mitarbeiter das Unternehmen vorantreiben, hat die Führung diese Aufgabe. Die Autorin fragt: "Wird der Sinn gemacht, wird er geschaffen oder wird er gefunden?"

Liebe Schwestern und Brüder, Sie kennen das aus unmittelbar alltäglichen Zusammenhängen: Man plant eine Sache und immer wieder ist davon die Rede, das mache Sinn. Kann man Sinn machen? Diese Überlegungen sind mir beim Zugehen auf Ihre Weihe, lieber Abt Laurentius, und auf diese Feier in unserer Gemeinschaft in meinen Sinn gekommen; denn jetzt weihe und segne ich eine Führungspersönlichkeit. Seine Brüder haben ihn zum Leiter dieses Klosters gewählt. Aber hier geht es doch wohl nicht darum, Sinn zu machen oder Sinn zu schaffen. Hier findet sich Sinn vor. Der Abt hat nicht die Aufgabe, ein Sinn-Macher zu sein, weil hier eine Gemeinschaft von Gott-Suchern lebt, weil hier nicht etwas von uns aus geleistet wird, sondern weil Menschen Gott suchen.

Die erste Frage, die der Abt einem Kandidaten stellen möge, wenn er in ein Kloster eintreten will, so habe ich es einmal vom Abt von Maria Laach gehört, ist: "Suchst du Gott?" Suchst du Gott? Vielleicht ist es diese Frage und die Bewegung, die diese Frage auslöst, dass Klöster gerade auch von Managern, Unternehmern, Menschen, die in Wirtschaft und Gesellschaft Führungsverantwortung tragen, gerne aufgesucht werden. Weil hier eine andere Dimension ins Spiel kommt, als bloß die Dimension etwas herzustellen, etwas zu leisten und zu vollbringen, weil hier die Öffnung auf den inneren Sinn des Ganzen gelebt und in der Suche des Alltags je neu im gemeinsamen Ringen in der Gemeinschaft realisiert wird. Vielleicht ist es das auch, liebe Schwestern und Brüder, was Sie als Freunde dieser Abtei hierher führt, nämlich eine Ahnung zu bekommen, dass es nicht darauf ankommt, im Leben zu siegen, sondern sich von Gott führen zu lassen, seine Leitung aus den Händen zu geben und Sinn zu empfangen, aufzuleben und nicht alles in den Griff zu bekommen.

Diese Atmosphäre ist es, liebe Schwestern und Brüder, die aus dem Wort spricht, das Abt Laurentius für seinen Dienst hier in der Klostergemeinschaft gewählt hat: "Der Geist weht, wo er will" (Joh 3,8). Es geht nicht um irgendeinen, irgendwo überall wehenden Geist, den man kaum fassen kann, sondern um diese Atmosphäre der inneren Suche nach Gott und der Bereitschaft, dieser Suche Ausdruck zu geben im Lob Gottes und im Gebet sowie in der Gemeinschaft der Brüder, die alle in dieser Atmosphäre ihre Heimat für sich gesucht haben. Wir suchen nach Gott, nach diesem Geist, den wir nicht in irgendwelche Begriffe unsererseits fassen können, und der immer wieder neu uns antreibt, seiner Spur zu folgen. Das ist der Geist Jesu Christi. Das ist der Geist, der uns Gott bringt, wie er uns in Jesus Christus begegnet, ein Gott, der auf der Suche nach dem Menschen ist und als Erster, als Grundprinzip, diese Suche nach dem menschlichen Herzen in die Welt gegeben hat, damit der Mensch durch seine Suche nach Ihm die entsprechende Antwort gebe. Das, was wir aus dem Propheten Ezechiel soeben gehört haben, ist ein erstes Zeugnis dafür in der Geschichte des Volkes Israel. Gott verspricht, seinen Geist in die Herzen des Volkes zu legen, damit es Ihn wiedererkennt und es auf diese Weise zu Seinem Volk werden kann, dem er sein Gott sein will. Dazu steigt Jesus als der Menschensohn von dort herab, wo er alles weiß und alles empfangen hat in der Liebe des Vaters, in der Gemeinschaft Gottes, um es uns zu geben, damit wir neue Menschen werden, die der inneren Suche nach Gott zum Durchbruch verhelfen.

Liebe Schwestern und Brüder, deshalb ist das, was der Abt tut, nicht unter das Leitwort zu stellen: "Wer siegen will, muss führen", sondern es ist eine ganz andere Atmosphäre, eben die Atmosphäre Gottes in Jesus Christus, die Atmosphäre dieser Liebe Gottes, die uns im Heiligen Geist ins Herz gegeben ist. Wenn wir nachher die Segenstexte hören und innerlich mitbeten, dann spüren wir etwas von dem Geist, den der Ordensvater Benedikt seinen Brüdern und Schwestern geschenkt hat: Dass der Abt jemand sein soll, der mehr den anderen dient und nützt, als dass er vorsteht. Der gerade in der Suche nach den Verlorenen, nach den Brüdern, die es schwer haben, die er vielleicht für eine gewisse Zeit sogar, wie es in der Regel steht, ausstoßen muss, sich benimmt wie ein guter Hirt, der dem Verlorenen nachgeht, um es auf seine Schultern zu nehmen und nach Hause zu tragen. Der Abt soll derjenige sein, der den Brüdern vorlebt, niemand nehme sich etwas heraus, stelle sich über den anderen, sondern alle stehen unter der gemeinsamen Leitung des Heiligen Geistes, in dem festen Vertrauen, dass dieser Geist in Brüdern wirkt, wo man es überhaupt nicht vermutet, denen man es möglicherweise kaum zutraut. Aber weil er lebt, wo er will, kann er sogar durch die Stimme des Jüngsten dem Abt das Entscheidende sagen.

Der heilige Benedikt sagt zu Beginn seiner Regel: "Der Abt bedenke, was sein Name besagt. Er benennt sich nämlich nach dem, wie Jesus sagt: 'Abba, Vater'". Welche Verpflichtung, darunter zu stehen, in der Weise zu leben und zu führen, wie es der Vater mit seinem Sohn Jesus Christus und mit uns getan hat, tut und tun will. Deshalb ist Ihnen, lieber Abt Laurentius, die Bürde aufgetragen, in einer gewissen Weise zur Form dieser Gemeinschaft zu werden, weil Sie mehr durch Ihre Taten als durch Ihre Worte das Heilige und das Gute darlegen. In der inneren Sensibilität, dass der Geist weht, wo er will, auch in dem Bruder, mit dem Sie es vielleicht nicht so können, wie wir heute manchmal etwas salopp sagen. Auch dort, wo wir es nicht vermuten, weil vielleicht gerade dort Ihnen jemand begegnet, der sich ganz und gar in die Neugeburt, von der der Herr spricht, hinein gegeben hat.

Liebe Schwestern und Brüder, das Kloster ist insofern ein Bild für die Kirche. Man könnte manchmal denken, es ist ein Idealbild; beileibe nicht! Wer hier die Gegenwelt sucht, ist fehl am Platz; denn im Kloster ist die Welt, wie das Kloster in der Welt ist. Aber es ist dazu da, die Welt von innen her umzuformen, in aller Bedrängnis, in aller Bewährung, in aller Geduld, aber in der Hoffnung, weil die Liebe Gottes ausgegossen ist in unsere Herzen und deshalb sich durchsetzt, und so Welt zur Welt Gottes wird. Tägliche Mühsal der Liebe für den Abt wie für seine Brüder!

Es kommt also darauf an, so zu führen, dass Christus in den Brüdern und in Ihnen bleibt, lieber Abt Laurentius. Da brauchen Sie keinen Sinn zu machen, sondern Sie tragen dazu bei, dass der innere Sinn unserer christlichen Berufung, die Sie leben, immer mehr zum Vorschein kommt. Dass hier keine Idealwelt ist, zeigt sich schlicht und einfach daran, liebe Schwestern, liebe Brüder: Wir kommen zusammen, um zu bitten, um den Abt zu segnen, ihm den Segen Gottes zu erbitten, damit er mit seinen Brüdern etwas durchscheinen lassen kann, was uns als Christen in dieser Welt aufgetragen ist, nach Gott zu suchen, weil Er nach uns sucht, Ihm die Antwort zu geben auf die unermüdliche Suche nach uns, die Bereitschaft aufzubringen, sich tatsächlich wie in eine neue Geburt hineinzubegeben, damit der Geist in uns durchdringen kann und uns befähigt, für die anderen Zeugen dafür zu sein, dass man keinen Sinn zu machen braucht, sondern befähigt ist, den Sinn, den Gott in die Welt gelegt hat, immer mehr zu erkennen.

Ein schönes Bild für diese Zusammenhänge, liebe Schwestern und Brüder, und für diese Stunde, zeigt sich in dem Stab, den ich Abt Laurentius überreichen werde. Dort ist nämlich dargestellt, dass der Herr dem heiligen Benedikt das Evangelium überreicht. Benedikt kniet vor Christus und schaut nach oben. Dieser Christus, der Menschensohn, der herabgestiegen ist, um uns das Wort des Lebens zu bringen, das ist der, der Orientierung gibt in seinem Geist. Dass Sie Ihn empfangen und immer wieder aufblicken zu Ihm, so wie es die Präfation gleich sagen wird: "An Christus hänge sein Herz", darum beten wir für Sie, Abt Laurentius. Wir danken Ihnen, liebe Brüder hier, für das Zeugnis, das Sie uns allen geben, dass es lohnt, Gott zu suchen auch in der Mühsal der alltäglichen, brüderlichen Liebe des Miteinanders in der Gemeinschaft. Jeder von uns kann sich in dieses Bild hineingeben, von Christus das Wort des Lebens zu empfangen, es sich geben zu lassen, weil darin der Schlüssel für alle Sinnfragen dieser Welt gegeben ist. Amen.

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  1. undefinedSegnung des neuen Abts von Gerleve: "Väterliche Barmherzigkeit Gottes zeigen" (25.10.2009)
  2. Öffnet internen Link im aktuellen FensterDossier: Bischof Felix Genn

Text: Bischof Felix Genn
24.10.2009

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