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Seite: Aktuelles  >  Predigt Bischof Genn Priesterweihe 2009
23.05.2012
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Dokumentiert:

Predigt von Bischof Genn aus Anlass der Priesterweihe

Bistum. Am Pfingstsonntag (31.05.2009) hat Bischof Felix Genn im münsterschen St.-Paulus-Dom vier Diakone zu Priestern geweiht. In dem feierlichen Gottesdienst predigte er. kirchensite.de dokumentiert die Vorlage seiner Predigt.

Liebe Mitbrüder im Bischöflichen-, Priesterlichen- und Diakonenamt, verehrte, liebe Mitbrüder, die heute die Priesterweihe empfangen, liebe Schwestern und Brüder im Glauben! "Parther, Meder und Elamiter, Bewohner von Mesopotamien Kappadozien, von Pontus und Asien, von Phrygien und Pamphylien" (vgl. Apg 2, 9-10) - Sie haben es eben gehört: Weitgehend unbekannte Regionen, aus denen Menschen in Jerusalem an jenem Tag zusammenströmen, der den Ursprung der Feier des heutigen Tages darstellt: Pfingsten. Menschen aus der ganzen damals bekannten Welt stehen sozusagen vor der Tür der Jüngergemeinde, die im Haus versammelt ist.

An diesem Tag heute stehen Sie, liebe Schwestern und Brüder, nicht vor der Tür, sondern Sie sind hier. Sie kommen nicht aus allen Regionen der uns bekannten Welt, aber – so kann ich mir denken – Sie kommen aus ganz unterschiedlichen Richtungen und mit ganz unterschiedlichen Gefühlen in diese Feier hier. Da sind sicherlich viele, die sich freuen, von ganzem und tiefen Herzen freuen, dass diese vier Brüder von der Kirche zu Priestern gewählt wurden: Aus den Gemeinden, aus denen sie entstammen, aus ihren Familien und aus den Gemeinden, in denen sie bereits als Diakone praktische Seelsorge kennen lernen konnten, und viele andere, die mit ihnen auch in der Gemeinschaft des Glaubens freundschaftlich verbunden sind.

Aber sicherlich kommen manche von Ihnen auch mit einer ganzen Portion Kritik hier her. Sie kennen die vier oder einen von ihnen. Vielleicht erinnern Sie sich noch, als er es Ihnen sagte, dass er sich auf den Weg zum Priestertum begibt. Möglicherweise hat mancher geantwortet: "Mach doch was Vernünftiges. Wie kannst Du das tun?" Und vielleicht sind Sie auch bis zu dieser Stunde skeptisch geblieben: Wieso soll man sich da engagieren?

Liebe Schwestern und Brüder, möglicherweise finden sich unter Ihnen Menschen, die dieser Feier und ihrer Botschaft sehr kritisch gegenüber stehen, viele Fragen haben an dieses Unternehmen Kirche, das damals, am Pfingsttag, seinen Lauf genommen hat. Manche werden vielleicht eine gute religiöse Bildung mitbringen, aber auch manche Wunden, die Ihnen diese Erziehung gebracht hat. Sie werden manches noch in Ihrem Herzen tragen, was Ihnen nicht passt, und ein solcher Rahmen wie die Kirche schaut zu sehr nach Vorgaben aus, die Sie als Beschränkung empfinden. Sie kommen also aus ganz unterschiedlichen Richtungen, nicht als Elamiter, Bewohner von Pontus und Asien, sondern als Menschen, denen anderes inne wohnt. Ich wünsche Ihnen, dass Sie durch die Feier dieser Liturgie, durch das Zeugnis der vier, erfahren können, dass Kirche versucht, Ihre Sprache zu sprechen, das aufzugreifen, was Sie artikulieren. Und ich wünsche uns, die wir hier als Kirche sind, dass wir lernen, die Sprache der Menschen zu hören, das, was sie innerlich bewegt, zu unterfangen und in den Raum des Evangeliums zu stellen.

An diesem Tag denken viele Priester der Diözese Münster an ihren eigenen Weihetag hier im Dom, am Pfingstfest. Ich freue mich, dass ich heute mit Ihnen, liebe Mitbrüder, diese Priesterweihe feiern kann, und dass ich mit Ihnen und für Sie beten darf, es möge uns möglich werden, dass Menschen heute nicht nur vor der Tür bleiben – und es stehen viele davor -, sondern dass sie sagen können: Wir alle hören sie in unserer Sprache so von Gott reden, dass wir merken: Da steht unsere Lebenssache auf dem Spiel. Dass damals die Apostel aus dem Saal hinaus gingen, hing damit zusammen: Es gab in ihnen die Erfahrung, von Herzen zu brennen für diesen auferstandenen Jesus von Nazareth, dass es sie durchweht hat, diese Gruppe durchzogen hat, und sie raus mussten.

Wir als Kirche sind manchmal im Abendmahlssaal versammelt, mit ängstlichen Vorbehalten und verschlossenen Türen. Vielleicht fürchten wir die eine oder andere Frage. Wir haben eben gehört, wie diese kleine Schar zusammen hockt aus Furcht, dass es auch ihnen an den Kragen gehen könnte. Sie sind nach dem Ereignis von Golgatha zusammen und machen nun die Erfahrung, dass Er das Verschlossene durchbricht, weil er die Tür des Todes schon durchstoßen hat. Er kommt zu ihnen und sagt: "Der Friede sei mit Euch" (Joh 20,19.21). Es war die Gruppe derer, die ihn in dem entscheidenden Augenblick, der Stunde der Kreuzigung, verlassen hatten: Einer hat ihn verleugnet, einer verraten, manche waren geflohen. Jetzt kommt Er. Das erste, was ihm über die Lippen geht, ist "Frieden". Er sagt nicht: Wir haben noch einiges aufzuarbeiten, wir müssen erst einmal hier eine Sitzung halten; denn Störungen haben Vorrang. Nein. "Der Friede sei mit Euch." Da liegt die ganze Vergebung drin, weil Er weiß, dass Er auch ihr Versagen in dieser Stunde am Kreuz in diesem Kreuz unterfangen und geheilt hat. Deshalb kann Er ihnen seine Wunden zeigen, die Wunder, die die Auseinandersetzung mit dem Bösen ihm geschlagen haben. Die Wunden, die das Lieben bis zum Ende mit sich bringt. Tiefe Freude! Und dann bringt Er es auf den Punkt: Er stellt diese Schar in die Sendung, die Er selber empfangen hat. Damit gibt Er der Kirche ihre innere Gründung. Kirche ist Mission, Sendung. So, wie Er vom Vater gesandt wurde, so sendet Er sie.

In den zurück liegenden Wochen der Osterzeit, liebe Schwestern und Brüder, habe ich ein soeben erschienenes Buch gelesen, das hier in der Studentengemeinde Münster entstanden ist. Frauen und Männer aus dem Kreis der Studierenden haben die Geschichte der jungen Kirche auf das Heute hin gelesen. Das Buch lautet "Anfang ist jetzt". Mit diesem Wort greifen sie eine alte Formel der Liturgie auf, die sagt "Heute ist das, was uns von damals erzählt wird." Anfang ist jetzt für Sie, liebe Brüder. Heute geschieht diese Szene des Abendmahlssaales: "Wie mich der Vater gesandt hat, so sende ich Euch" (Joh 20, 21). Das gilt Ihnen in dieser Stunde zuerst. Es ist die Sendung, dass Menschen einander verstehen, weil sie aus der Vergebung, die Er bringt, und aus dem Frieden leben und Freude empfangen können. Selbst wenn diese Sendung an manchen Stellen Wunden schlägt, weil sie bei der Liebe bleiben wollen.

Ja, liebe Schwestern und Brüder, wie sehr brauchen wir in unserer globalisierten, aber auch zerrissenen Welt Vergebung! Diesen Frieden, dass doch Verzeihung möglich ist, und dass ich das kann. Diese Brüder werden gesandt, um das Wort der Vergebung auszurichten, um das Evangelium zu verkünden. Ich wünsche Ihnen, liebe Brüder, dass es für Sie selber so Nahrung ist, damit Menschen spüren: Davon kann auch ich zehren, er versteht mein Wort und meine Sprache, und er kann mir etwas geben, was meinem Sinnen, Trachten und Sehnen Antwort gibt, wenigstens versucht, Antwort zu geben.

Deshalb sind Sie Lehrer, um aus dem, was Sie erfahren haben, weiterzugeben. In der Stunde der Handauflegung und des Gebetes haucht Er Sie an, gibt Ihnen den Geist, den Er am Kreuz ausgehaucht, dem Vater übergeben hat, damit Sie fähig werden, in Seiner Sendung Lehrer zu sein, in Seiner Sendung Seine Hingabe in der Eucharistie zu feiern, im Sakrament der Buße Seine Vergebung dem Einzelnen auf den Kopf zuzusagen, im Sakrament der Krankensalbung, in der Stunde von Krankheit und Not bis zur Stunde des Todes das heilende Tor Seines Lebens zu öffnen, damit auch da keine Verschlossenheit zu sein braucht. Und Sie sind Hirten, die in Seiner Kraft den Menschen helfen, dass sie zueinander finden. Wie der Apostel Paulus das in der Lesung an die Gemeinde von Korinth sagt, dass alle Dienste, die in der Gemeinde sind, zusammengefügt werden, und man nicht miteinander streiten muss um die je eigene Begabung. Das haben wir nicht nötig, weil wir uns gegenseitig nichts wegnehmen, uns aber bereichern können.

Liebe Brüder, Sie haben als Wort über diese Weihefeier für Ihre Anzeige gewählt: "Die Liebe Gottes ist ausgegossen in unsere Herzen durch den Geist, der uns gegeben ist" (Röm 5, 5). Darin besteht Ihr Dienst: Den Menschen zu zeigen, dass die Liebe Gottes auch in deren Herzen ausgegossen ist, dnd dass wir miteinander einen Reichtum haben, den wir teilen können und weiterzugeben beauftragt sind. Vielleicht brennen wir zu wenig. Paulus, an dessen Geburtstag wir uns erinnern, Ludgerus, dessen Todestag wir feiern, hätten das nicht gekonnt, wenn sie im Burn-out gewesen wären. Nein, sie brannten. Was wir brauchen, sind brennende Christen, die sich erfüllen lassen von der wunderbaren Kraft dieser Botschaft, dass der Tod besiegt ist. Da sollten wir auf die Fragen der Menschen keine Antworten zu geben vermögen? Und seien es nur Annäherungen.

Liebe Schwestern und Brüder, ich möchte Sie bitten, dass Sie die Brüder im Priesteramt und auch im Diakonenamt mittragen durch das Feuer, das in Ihnen glüht. Viele Priester und auch ich, wir spüren: Keiner von uns weiß, wie es weitergeht. Ich habe keine Lösungen parat. Deshalb ist es notwendig, dass wir uns nicht gegenseitig Druck machen, sondern uns entlasten, aber uns gleichzeitig der Fülle bewusst werden, die uns vom Herrn geschenkt ist, weil Er uns mit seinem Geist angehaucht hat. Helfen Sie mit, in Ihrem Herzen zu entdecken: "Die Liebe Gottes ist ausgegossen in Ihr Herz, durch den Geist, der in Ihnen wohnt." Dann stärken wir uns gegenseitig. Amen.

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  1. Öffnet externen Link in neuem FensterBischof Genn weihte vier Diakone zu Priestern (31.05.2009)

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