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Seite: Aktuelles  >  Predigt Bischof Genn zum Tag der Ordensjubiläen
23.05.2012
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Dokumentiert:

Predigt von Bischof Genn zum Tag der Ordensjubiläen

Bistum. Bischof Felix Genn feierte am Mittwoch (06.05.2009) den Tag der Ordensjubilare im münsterschen St.-Paulus-Dom. Im Gottesdienst mit den Ordensleuten predigte er. kirchensite.de dokumentiert die Vorlage seiner Predigt.

Liebe Mitbrüder im geistlichen Dienst, liebe Schwestern und Brüder im Glauben, liebe Schwestern und Brüder, die Sie in diesem Jahr auf 25, 40, 50, 60, 65 oder 75 Jahre im Ordensleben zurückblicken dürfen! In der Lesung haben wir eben einen Abschnitt gehört, von dem es so viele in der Apostelgeschichte gibt, in denen uns der Verfasser dieses Buches Anteil gibt an der Ausbreitung des Evangeliums. Dabei ist Ihnen vielleicht beim Hören der einzelnen Perikopen im Ablauf der Lesungen dieser Tage und Wochen schon einmal aufgestoßen, dass der Evangelist Lukas nicht einfach sagt, dass das Wort Gottes sich ausbreitet, sondern dass es wächst: Das Wort Gottes wuchs (vgl. Apg. 12, 24). Wie kann das Wort Gottes wachsen? Es ist doch ein Wort.

Liebe Schwestern und Brüder, vielleicht fügen Sie an diesem Morgen sogar noch die Frage an: "Was hat das jetzt unmittelbar mit unseren Jubiläen zu tun?" In der Tat, zunächst einmal gilt es, Ihnen zu danken, zu danken für die Treue in diesem Leben. Wenn ich mir nur annähernd vorzustellen versuche, was hinter den vielen Jahren von Ihnen liegt, nicht nur für jeden und jede Einzelne, sondern das auch noch einmal summiert in der großen Gemeinschaft derer, die in unserem Bistum auf ein solches rundes Datum blicken können: Was stehen  Menschen hinter Ihnen, denen Sie begegnet sind, denen Sie Ihren Dienst geschenkt haben, denen Sie Ihr Leben widmeten! Nicht nur Menschen, die unmittelbar eine leibliche oder körperliche Hilfe von Ihnen empfingen, sondern vielleicht manches Wort, oft nebenbei gesagt,  manche Augenblicks-Begegnung, die gar nicht eingeplant war, manches stille Gebet, inneres Ringen um Menschen und ihren Lebensweg, manches Opfern und Leiden. Da ist doch das Wort Gottes gewachsen! Es hat Menschen durch Ihren Dienst erreicht. Das sind bei Ihnen auch "Abschnitte" der Glaubensgeschichte! Da wuchs das Wort Gottes. Es wuchs in den Herzen von Menschen. Es wuchs gerade oft bei denen, bei denen die Vermutung gar nicht nahe lag, dass es wachsen könne.

Der hl. Gregor der Große hat einmal gesagt, dass das Wort Gottes mit jedem, der es aufnimmt, ein Stück Zuwachs erhält, dass jeder noch einmal einen ganz eigenen Gesichtspunkt einbringt und aus dem großen Schatz des Wortes Gottes eine Perle entdeckt, die ich oder du gar nicht gesehen haben. Das Wort Gottes wuchs: Dass Sie dazu beigetragen haben, dafür kann die Kirche von Münster, ja die Kirche überhaupt, nur von Herzen danken. Wir tun es in dieser Feier der Danksagung: Sie haben die Lebensabschnitte dem Wachstum des Wortes Gottes geschenkt.

Liebe Schwestern und Brüder, aber Sie dürfen dann auch sagen: "Es ist auch in mir gewachsen." Oder nicht? Was haben Sie auf dem Weg Ihres Lebens mit dem Wort Gottes alles erfahren dürfen! Es war eh neu, frisch und lebendig, wenn man sich Ihm genähert hat; und es wird nicht aufhören. Deshalb ergibt sich aus dem Dank die innigste Bitte, dass dieses Wachstum weitergeht, Sie immer mehr den vollen Reichtum entdecken dürfen, den vollen Reichtum, der in diesem Wort Gottes enthalten ist.

Liebe Schwestern und Brüder, es ist möglich, dass Sie in diesem Augenblick auch an manches Unvollkommene denken, Bruchstückhafte, etwas, das von Ihnen auch zu bedauern ist, wo Sie Reue empfinden. An diesem Morgen dürfen Sie aber auch daran denken, dass damit kein Endpunkt erreicht war und ist. In ihrer Betrachtung zur Hirtenrede im Johannesevangelium sagt Adrienne von Speyr angesichts des Wortes Jesu, dass die Schafe den Hirten kennen und seiner Stimme folgen: "wenn die Schafe trotz ihrer mangelhaften Liebe zum Herrn sich in ihrer Erkenntnis des Hirten nicht beirren lassen, dann geschieht das Kraft des ungeheuren Zuschusses an Liebe, den sie vom Herr erhalten" (Johannes-Kommentar II 331). Das können Sie doch auch sagen. Nicht das Unvollkommene, Mangelhafte, Bruchstückhafte gilt es an diesem Morgen anzuschauen, sondern, dass Sie sich nie haben beirren lassen, den Herrn tiefer zu erkennen, und dass Sie das dem ungeheuren Zuschuss seiner Liebe verdanken, die er Ihnen immer wieder zuteil werden lässt. So wächst die Geschichte Gottes in seinem Volk, aus der wir eben einen Abschnitt gehört haben. Sie fügen viele Abschnitte dazu, weil Sie sich nicht beirren lassen, den Herrn tiefer zu erkennen.

Liebe Schwestern und Brüder, deswegen gibt es in diesem Prozess keine Verrentung. Sie mögen in Ihrem Arbeitsleben verrentet worden sein, aber darin gibt es das nicht; und Sie können das auch nicht für sich vollziehen. Sie können niemals einen Schlussstrich ziehen da, wo der Herr das noch nicht will, weil Er den Punkt noch nicht gesetzt hat, sondern Sie bleiben immer im Aufbruch, um aus diesem Wirbel der Liebe nicht herauszukommen, wenn Sie sich einmal in ihn hineingestellt und hineingegeben haben. Deshalb ist das Wort Gottes weiterhin für Sie die Lebensquelle, z. B. in einem Text, wie wir ihn eben aus dem Johannesevangelium gehört haben: Wer meinen Worten glaubt, der hat den innersten Kontakt mit dem Ursprung von allem, den wir Vater nennen dürfen. Wer sich mit Jesus in seiner Beziehung und Gemeinschaft mit Ihm weiterhin aufhält, wer Umgang mit Seinem Wort hat, der spürt, dass dieser Auftrag ewiges Leben beinhaltet. Der kann gar nicht einen Schlussstrich ziehen, der kann sich nicht verrenten lassen, sondern der bleibt in einem lebendigen Austausch, und er spürt ganz tief von Innen her, dass jede Taubheit dem Wort Gottes gegenüber ihn selber richtet, dass aber jede Öffnung Rettung bedeutet, Weitung, dass das Wort Gottes immer wieder neu zu denken gibt, einen aufrichtet und weitertreibt. Sein Auftrag ist ewiges Leben. Wer könnte von uns sagen, dass dieses Leben eine Grenze hat?!

Liebe Schwestern und Brüder, deshalb ist Ihr Leben und Ihr Zeugnis für die Kirche von unermesslicher Bedeutung. Denn es ist ein Leben aus der Liebe zum Herrn, aus der Bereitschaft, Ihn grenzenlos zu lieben. Das besagt Leben der Räte, dass die Liebe immer noch etwas hat, was sie hinzufügen kann, wo vielleicht die Welt sagt: Hier funktioniert nichts mehr. Wenn wir auf die Menschen blicken, die uns anvertraut sind oder sogar den Blick weiten auf die ganze Menschheit, dann spürt man: Man müsste sie ganz lieben. Und das kann man nur, weil man in diesem Wirbel seines Geistes aufgehoben und mitgerissen wird. Deshalb hört das nie auf, auch da, wo Ihre körperlichen Kräfte immer mehr schwinden und Sie tatsächlich an Grenzen kommen. Auch da gilt der Auftrag ewigen Lebens, weil er sich an diese Grenzen in keiner Weise binden lässt. Deshalb bitte ich Sie von ganzem Herzen: Schenken Sie gerade der Kirche unserer Tage und unseres Bistums diese Liebe, damit Menschen, gerade junge Menschen, entdecken, welcher Wert und welcher Nährwert in unserem Glauben steckt. Oft ist das vielleicht in unseren Tagen Wurzelarbeit. Deshalb liebe ich das Bild vom Weizenkorn so, dass ich es bei meiner Einführung ausgelegt haben. Kürzlich schenkte mir jemand einen lyrischen Text über das Wurzelwerk. Dort beschrieb die Dichterin, wie dunkel es eigentlich um die Wurzel herum sein muss, und wie sehr sie, wenn man ihr Leben, soweit sich das von der Wurzel sagen lässt, betrachtet, genau an der Schnittstelle von Vernichtung und Leben steckt: "Das stumme Band sein zwischen der bitteren Vernichtung und Leben" (Vizma Belsevica; Quelle mir unbekannt). Aber das macht unsere Fruchtbarkeit aus - auch für die Kirche von Morgen. Wehe, wenn wir nicht in dieses Dunkel der Wurzel uns hineingeben, ohne zu sehen, dass die Blume blüht, und ohne erleben zu können, dass es wieder mehr Berufungen gibt! Aber das ist unser Opfer, das wir der Kirche geben, damit das Wort Gottes im Wachstum bleibt und ihm auch morgen neue Abschnitte seiner Geschichte zugefügt werden. Amen.

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  1. Öffnet externen Link in neuem FensterTag der Ordensjubilare: "Sie leisten Wurzel-Arbeit!" (06.05.2009)

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