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Seite: Aktuelles  >  Predigt von Bischof Genn zur Chrisammesse
23.05.2012
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Dokumentiert:

Predigt von Bischof Genn in der Chrisammesse

Bistum. Bischof Felix Genn hat am Sonntag (06.04.2009) gemeinsam mit zwölf Dechanten aus dem Bistum die "Messe zur Weihe der Heiligen Öle" im St.-Paulus-Dom gefeiert. "kirchensite.de" dokumentiert die Vorlage seiner Predigt.

Liebe Mitbrüder im Bischöflichen-, Priesterlichen- und Diakonenamt, liebe Schwestern und Brüder im Glauben! "Auch du warst mit dem Mann aus Nazareth zusammen. Auch dieser da ist einer aus ihnen."  (Mk 14, 67.69). Diese beiden Sätze klingen in unseren Ohren noch nach, haben wir sie doch gestern in dem großen Bericht gehört, den der Evangelist Markus uns über das Leiden und Sterben Jesu überliefert hat. Es ist die Szene im Hof des Hohenpriesters beim Verhör, das Jesus erdulden muss. Jene Szene, in der eine Frau, die als Magd bezeichnet wird, Petrus direkt anspricht: "Du warst doch mit dem aus Nazareth zusammen". Und dann wiederholt sie das, indem sie sich an die anderen wendet und auf ihn zeigt und sagt: "Das ist auch einer aus ihnen".

Wir wissen, liebe Schwestern und Brüder, welche Reaktion sich dann bei Petrus gezeigt hat. Wie er auf diesen Hinweis der Magd antwortet, er, der noch wenige Stunden vorher ausdrücklich Jesus beteuert hat: "Auch wenn alle an dir Anstoß nehmen, ich nicht" (ebd. 29). Und jetzt sagt er: "Ich kenne diesen Menschen nicht. Ich weiß nicht, wovon du redest" (ebd. 68.71).

 Liebe Schwestern, liebe Brüder, könnten diese Sätze der Magd im Hof des Hohenpriesters damals nicht auch uns gelten? Du, du, du warst doch mit diesem aus Nazareth zusammen. Hier, das sind doch die aus ihnen. Es betrifft uns. Wir sind hier gemeint, als Christinnen und Christen, denn wir gehören doch zu dem aus Nazareth. Sie nennt nicht mal den Namen Jesus. Wir sind doch aus dieser Gruppe. Können wir uns unsere Lebensgeschichte, liebe Schwestern und Brüder, eigentlich ohne IHN vorstellen? Das ist doch eine grundlegende Linie, die sich in unserem Leben vollzieht: Zu diesem Jesus aus Nazareth zu gehören, dieser Gruppe, die mit IHM zusammengeht durch die Jahrhunderte, anzugehören.

Wie antworten wir darauf? In der Osternacht werden wir es tun. Die heiligen vierzig Tage sind eine großartige Chance, die die Kirche uns bietet, um vertiefter hineinzufinden in das, was sich grundlegend in unserem Leben durchzieht, zu Jesus von Nazareth zu gehören eine oder einer aus ihnen zu sein. In der Osternacht werden wir dann dem Bösen absagen und uns ausdrücklich dieser Gemeinschaft noch einmal neu anvertrauen, indem wir unseren Glauben an ihn und an den Vater, den er uns verkündet hat, und an den Heiligen Geist  in der Gemeinschaft seiner Kirche bekennen. Dabei haben wir nichts in der Hand außer dem Licht der Kerze, die wir in den Händen tragen. Wir haben beim Glauben nichts in der Hand außer diesem Licht, das er uns geschenkt hat, und darauf verlassen wir uns. Dem trauen wir.

Am heutigen Tag, liebe Schwestern und Brüder, haben wir uns hier als Gemeinschaft unseres Bistums versammelt, um an der Weihe der heiligen Öle teilzunehmen. Sie sind ein ganz sinnfälliges Zeichen für diese Wirklichkeit, Christus zuzugehören. Persönlich berührt es mich, und ich empfinde es als ein ganz besonderes Geschenk, dass ich meinen Dienst in der Kirche von Münster beginnen darf mit der Feier der Großen Heiligen Woche, dass ich heute Morgen mich mit Ihnen verbinden kann, um diese Zugehörigkeit zu Jesus Christus zu bekennen, mir neu schenken und sie vertiefen zu lassen.

Diese heiligen Öle sind ein Zeichen dafür, dass es Kontaktstellen in unserem Leben gibt, Nahtstellen, an denen wir intensiver diese Beziehung pflegen und erfahren können. Das Öl als solches sagt uns ja etwas über die heilende Kraft unseres Glaubens. In der Taufe, bei der Firmung, gerade in der Situation von Krankheit und äußerster leiblicher Not, werden wir dieser heilenden Kraft anvertraut, eingebunden, dem zuzugehören, diesem Jesus. Durch die Sakramente der Priester- und Bischofsweihe wird ausdrücklich die Sendung geschenkt, diese heilende Kraft weiterzutragen.

Liebe Schwestern, liebe Brüder, heilende Kraft geht von diesem Nazarener aus. Was bedeutet es, IHM anzugehören? Demjenigen, der von sich sagen darf, dass in ihm das Wort des Propheten Jesaja zur Erfüllung kommt, dass der Herr ihn gesandt hat, den Armen die frohe Botschaft zu bringen und die gebrochenen Herzen zu heilen. Und wer hätte nicht die Erfahrung dieser Zerbrechlichkeiten schon machen müssen? Sich stärken zu lassen gerade in all den Fesselungen, die wir erleben in der Not, die uns über manche menschliche Bedrängnis hinaus auch anderweitig berührt und überkommen kann. Heilende Kraft: dass wir das geschenkt bekamen, mit dem zusammen zu sein, von dem der Seher auf Patmos sagt: "Er ist der wahrhaftige Zeuge" (Offb 1, 5). Er ist derjenige, der bezeugt, dass Gott nicht einfach bloß eine Idee ist oder etwas, was man doch allgemein annehmen muss, sondern dass die Wahrheit darin besteht, dass Er mich liebt, dass er das bezeugt hat bis in Leiden und Tod hinein. Dessen werden wir uns in diesen Tagen ganz besonders erinnern, wir nehmen es tief innerlich auf, seine Zeugenschaft. Und wir dürfen erfahren, welche heilende Kraft darin liegt, dass Gott sich uns so zuwendet. "Er liebt uns", sagt der Seher von Patmos, und in diesen drei Worten ist unser Glaube schlicht, tief und bündig zusammengefasst (ebd).  Dass wir als Priester, Diakone und Bischöfe diese heilende Kraft in den Sakramenten weitergeben können, ist dann noch einmal ein ganz eigenes Geschenk, das uns nur demütig machen kann und uns noch mehr herausfordert, zu IHM Ja zu sagen: Ich kenne Dich,  ich will nicht an Dir Anstoß nehmen.

Liebe Schwestern und Brüder, eine andere Dimension dieser heiligen Öle ist genau unsere Gemeinschaft heute Morgen. Dass wir sie hier im Dom weihen und von dort aus verteilen in die Pfarreien unseres Bistums, macht es sehr deutlich, und gerade Ihr, liebe Mädchen und Jungen, dürft  Euch das in besonderer Weise einprägen, dass wir als Kirche von Münster mit dem Bischof und den Priestern und Diakonen und allen Gläubigen zusammengehören. Dass wir nicht vereinzelt Christen sind, wie Ihr das vielleicht manchmal erlebt, wenn Ihr Euch bekennt, Messdienerin oder Messdiener zu sein, um bei Kirche mitzumachen. Dass wir zusammengehören und dass das auch die Grenzen unseres Bistums überschreitet, das erfahre ich ganz besonders. Ich bin nun schon zweimal auf Wanderschaft gegangen: Von Trier nach Essen und von Essen nach Münster, und ich darf jedes Mal erfahren: Kirche ist größer als Kirchturm. Kirche ist größer als das, was zunächst unmittelbar natürlich meine Heimat bildet. Ihre Annahme, Ihre Aufnahme ist für mich ein unbeschreiblich schönes Geschenk. Ich möchte hier noch einmal ausdrücklich dafür danken. So erfahre ich Kirche und vielleicht können Sie, wenn sich Schwierigkeiten mit Zusammenlegungen Ihrer Gemeinden haben, auch daraus eine Kraft schöpfen, dass wir mehr sind als die Dimension und der Radius unserer Ortsgemeinden. Wir gehören alle dazu, wir gehören zu dieser Gruppe. Deshalb verteilen wir die Öle in die Gemeinden, damit dort das geschieht, was aus der Feier der österlichen Geheimnisse uns zugeflossen ist und immer wieder neu sprudelt.

Und noch einen dritten Hinweis dieser leibhaftigen Zeichenhaftigkeit der heiligen Öle möchte ich geben: Die Öle geben auch eine Duftnote. Christen riechen gut. Sie verbreiten die Duftnote der Erlösung. Wer sich dazu bekennt, merkt: Es entsteht eine Atmosphäre, in der man leben kann. Schon das Ende der ersten Lesung deutet das an, denn dort heißt es von denen, die zum Volk des Bundes gehören: "Ihre Nachkommen werden bei allen Nationen bekannt sein und ihre Kinder in allen Völkern. Jeder, der sie sieht, wird erkennen: Das sind die Nachkommen, die der Herr gesegnet hat" (Jes 61, 9).

Liebe Schwestern und Brüder, das ist unsere gemeinsame Sendung als Christen: Gesegnet zu sein und damit die Erkenntnis zu verbreiten bei allen Völkern: Wir gehören zu dem Mann aus Nazareth, wir sind die Nachkommen, die dieser Herr Jesus gesegnet hat. Amen.

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  1. Öffnet internen Link im aktuellen FensterDossier: Bischof Felix Genn
  2. Öffnet externen Link in neuem FensterChrisammesse: Bischof Felix Genn weiht liturgische Öle (06.04.2009)

Text: Bischof Felix Genn
06.04.2009

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