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Seite: Aktuelles  >  Predigt Bischof Genn Tag der Ehejubiläen September 09
11.02.2012
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Dokumentiert:

Predigt von Bischof Genn am Tag der Ehejubiläen

Bistum. Am Samstag (19.09.2009) fand in Münster der "Tag der Ehejubiläen" statt. Bischof Felix Genn feierte mit den Teilnehmern im münsterschen St.-Paulus-Dom einen Dankgottesdienste, in dem er auch predigte. kirchensite.de dokumentiert die schriftliche Fassung seiner Predigt.

Liebe Schwestern und Brüder im Glauben, ich kann mir vorstellen, liebe Paare, dass Sie im Zugehen auf dieses runde Datum Ihrer gemeinsamen Weg- und Lebensgeschichte manches an Erinnerungen ausgetauscht, innere Bilder wachgerufen und äußere angeschaut haben. Geballte Lebensgeschichte versammelt sich an diesem Morgen hier in unserem Dom: Bedrängnisse, Sorgen und Leid, aber sicherlich auch viel Freude, gute und positive Erfahrungen, die Sie auf Ihrem gemeinsamen Weg machen durften. Wenn wir mit Ihnen heute Morgen diesen Gottesdienst feiern und Ihnen die Möglichkeit anbieten, den Tag über in unterschiedlichen Angeboten diesen gemeinsamen Lebensweg zu betrachten und ins Gespräch zu bringen, dann möchten wir deutlich machen: Diese, Ihre persönliche ganz intime persönliche Beziehung ist eingeordnet in den großen Zusammenhang der Kirche, gehört nicht nur Ihnen und Ihrer Familie, sondern gehört allen. Ja, gehört auch der Gesellschaft.

Es hat seinen Grund, liebe Schwestern und Brüder, wenn wir als Kirche immer wieder in die Öffentlichkeit die Botschaft senden, dass diese Urzelle menschlicher Gemeinschaft und allen sozialen Lebens, die sich in Ehe und in der auf die Ehe gegründeten Familie realisiert, erhalten, bewahrt, gehegt und geschützt werden muss - gegen alle Aufweichungen, denen wir geistig und real begegnen. Es ist ein dorniges Feld, die Botschaft des Evangeliums zu Ihrer Lebensgestalt in eine geistige Umwelt hineinzubringen, die ganz andere Formen menschlichen Zusammenlebens als gleichwertig propagiert. Insofern stellen Sie in guter Münsteraner Tradition in der Geschichte unserer Tage ein kraftvolles Zeugnis für die Wahrheit des Evangeliums dar und sind ein Bekenntnis, dass das Leben in all seinen Zusammenhängen in der Beziehung zu Gott steht. Im Segen, liebe Schwestern und Brüder, den Sie im Anschluss an diesen Gottesdienst als Paar empfangen können, wollen Sie sicherlich Ihre persönliche Beziehung in Dankbarkeit für das Vergangene, in der Bitte für das Heute und das Kommende, unter die Macht Gottes stellen, unter die Macht desjenigen, von dem der Apostel Paulus heute in der Lesung sagt, "dass ihn niemand gesehen hat, dass er allein die Unsterblichkeit besitzt und dass ihm allein Ehre und Macht gebühren" (1 Tim 6, 16). Unter die Macht und den Segen dieses Allmächtigen stellen Sie Ihre ganz persönliche Ehe und Familie.

Was tut die Kirche da, liebe Schwestern und Brüder, wenn sie so demonstrativ das Geheimnis einer ganz persönlichen menschlichen Beziehung und Liebesgeschichte als relevant für das Zusammenleben in Staat und Gesellschaft ansieht? Wenn Sie, liebe Schwestern und Brüder, etwas verwirklichen von dem, was Jesus im heutigen Evangelium in folgende Worte kleidet: "Euch ist es gegeben, die Geheimnisse des Reiches Gottes zu verstehen. Es gibt welche, die es nicht verstehen. Sie sehen und können doch nicht sehen. Sie hören und sie verstehen nicht" (vgl. Lk 8, 10)?

Dieses Wort des Herrn gilt Ihnen. Sie haben eben gehört, liebe Schwestern und Brüder, wie der Evangelist Lukas erzählt, dass eine große Schar von Menschen sich um Jesus drängt. Aus allen Städten und Dörfern kommen sie zusammen. Sie wollen Ihn hören. Er hat den Durchblick. Er weiß nämlich, dass sein Wort unterschiedlich aufgenommen wird. Deshalb stellt er ihnen in einer Gleichnisrede seine eigene Situation vor, in die sie als Hörer einbezogen sind. Das Wort wird ausgestreut, aber es ist wie ein Same, der einerseits auf steinigen Boden fällt, andererseits auf den Weg, zum Teil unter Dornen, die den Samen ersticken, aber auch guten Boden trifft, so dass der Same reiche Frucht bringen kann. Die Jünger, die um Jesus herum sind, fragen ihn, was er damit wohl sagen will und warum er in einer  solchen Bildrede zu den Menschen spricht.

Dann vertraut er ihnen an: Eigentlich habt ihr das nicht nötig. Denn euch ist das Geheimnis des Reiches Gottes anvertraut. Das Geheimnis Gottes und seiner Macht, seine Reiches, ist euch anvertraut, und das ist der kostbare Same, den ich, Jesus, auszusäen habe. Aber er ist in euch eingesenkt. Es ist das Geheimnis, verstehen zu können, dass dieser Gott, den niemand gesehen hat und dem die Unsterblichkeit gehört, mit uns ganz persönlich eine Beziehung eingeht. All unser menschliches Tun und unsere menschlichen Beziehungsgefüge will er in diese Beziehung einordnen. Also auch das tiefe Geheimnis, das Mann und Frau miteinander verbindet, hat damit zu tun, ist nicht irgendeine biologische Tatsache, ist nicht das Ergebnis einer Evolution, die sozusagen per Zufall Sie mit Ihrem Partner oder mit Ihrer Partnerin zusammengebunden hat, sondern gehört in seinen Plan, in das Geheimnis seines Reiches und seiner Weltgestaltung, dass Sie teilnehmen dürfen an dem, was ihn zu innerst bewegt, nämlich Menschen lieben zu können, den Menschen Leben zu geben. Daran schöpferisch zu arbeiten und mitzuwirken und so der Welt nicht das Gesicht eines Chaos, eines Durcheinanders zu geben, sondern einer ordnenden Schönheit, die geprägt ist von Güte und der man anspürt: So ist es wahr und richtig um das Leben der Menschen, daran nehmen Sie teil.

Der Garant dafür, dass es so mit Gott bestellt ist, heißt Jesus. Der Apostel Paulus sagt: Er ist aufgetreten als Zeuge bis hin vor Pontius Pilatus (vgl. 1 Tim 6, 13). Paulus greift also die Situation auf, wo dieses Zeugnis im entscheidenden Punkt auf die Probe gestellt wird und bei Pontius Pilatus durchfällt. Eben nicht auf einen ordnenden Boden trifft, sondern als Wort erstickt wird, zertreten in der Gestalt der Kreuzigung und des Todes, aber sich darin bewährt, weil es die Kraft der Unsterblichkeit besitzt. Der Garant, Jesus von Nazareth, der es wagt, sein Wort in die Welt zu streuen, und damit rechnet, dass es Menschen gibt, die dieses Wort  aufnehmen, ist bereit, für die Wahrheit dieses Geheimnisses des Gottesreiches bis in den Tod zu gehen, sich so mit der Menschheit zu verbinden, dass ich ihn auch noch antreffe in Situationen von Leid, Not und Tod. Er ist bereit, so tief sich mit der Menschheit zu verbinden, dass er mit ihr einen Bund eingeht, der die Fruchtbarkeit durch alle Bedrängnisse hindurch garantiert.

Liebe Schwestern und Brüder, in der Ehe als Sakrament wird genau das dargestellt. Wie viele schwere Stunden haben Sie auch durchgemacht, wo das Zeugnis der Treue zu ersticken drohte, Sie es aber weiter gewagt haben. Wo vielleicht Ihre Beziehung, wie an einem seidenen Faden hing, Sie es aber nicht haben zerreißen lassen, sondern durchgetragen haben. Vielleicht in dem Augenblick gar nicht in dem Bewusstsein, dass Sie damit realisieren, was Er für uns getan hat, es aber in Wirklichkeit doch bezeugt haben:"Tut das zu meinem Gedächtnis. Das ist mein Leib, der für euch hingegeben wird. Das ist mein Blut, das für euch vergossen wird zur Vergebung." 

Liebe Schwestern und Brüder, Kirche lebt, weil es diese tiefe Verbindung des unsterblichen Gottes, der sich hat kreuzigen lassen, mit der Menschheit gibt, real zu empfangen, wenn wir seinen Leib und sein Blut essen und trinken, dargestellt, wenn Mann und Frau das Bekenntnis wagen: Ich nehme dich und verspreche dir Treue in guten und in bösen Tagen. In Gesundheit und Krankheit, bis der Tod uns scheidet.  Das Geheimnis leben Sie. Es ist Euch anvertraut. Beten Sie heute darum, dass nicht Bedrängnisse diesem Wort den Boden entziehen, dass nicht Sorgen dieses Wort ersticken, sondern machen Sie es so, wie der Apostel Paulus seinem Schüler Timotheus für seine Sendung aufträgt: "Erfülle deinen Auftrag rein und ohne Tadel, bis zum Erscheinen Jesu Christi, unseres Herrn" (1 Tim 6, 14). Man könnte es auch anders sagen: Geh’ deiner Sendung nach und verlass dich darauf, dass der, der vor Pilatus das leidenschaftliche Zeugnis abgelegt hat, auch zu dir stehen wird und wahr macht: Ich nehme dich als den und die, die ich liebe, und verspreche Treue in guten und in bösen Tagen, in Gesundheit und Krankheit. Uns kann der Tod nicht scheiden. Amen.

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  1. undefinedTag der Ehejubiläen: Geballte Lebensgeschichten und Gottes Segen (20.09.2009)
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Text: Bischof Felix Genn
19.09.2009

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