Dokumentiert:
Predigt von Bischof Genn zum Jubiläum des Diözesan-Kolpingverbandes
Bistum. Am Sonntag (14.06.2009) hat der Kolping-Diözesanverband sein 150-jähriges Bestehen gefeiert. Begonnen hatte der Tag mit einem Pontifikalamt mit Bischof Felix Genn im münsterschen St.-Paulus-Dom. kirchensite.de dokumentiert die schriftliche Fassung seiner Predigt:
Liebe Mitbrüder im Bischöflichen-, Priesterlichen- und Diakonenamt, liebe Kolpingbrüder und Kolpingschwestern, liebe Schwestern und Brüder im Glauben, liebe Kinder, liebe Mädchen und Jungen! Heute Morgen, liebe Kinder, erlebt Ihr hier einen großen Gottesdienst in unserem Dom. Das habt Ihr nicht alle Tage, und Ihr seht: Aus vielen Gemeinden und Orten unseres Bistums kommen Menschen zusammen. Sie sind diesem Verband, der sich nach seinem Gründer nennt, verbunden. Wenn ich heute Morgen Euch, liebe Jugendlichen und Kinder, ein kurzes Wort zuerst sagen darf, dann möchte ich auf dieses schöne Bild zurückgreifen, von dem uns Jesus eben in den Evangelien erzählt hat: Dass aus einem kleinen Samenkorn Großes wachsen kann. Das könnt Ihr selber schon einmal probieren, wenn Ihr daheim in einen Blumentopf einen kleinen Samen hinein legt: Was daraus wachsen kann! Jesus hat das Zutrauen, dass unser Herz so ein guter Boden sein kann, aus dem Gutes wachsen kann. Ich wünsche Euch, dass Ihr, liebe Kinder und Jugendliche, dem Wort Jesu traut, das er uns zumutet. Sein Wort kann in uns zur Entfaltung kommen und Frucht bringen.
Was soll ich Ihnen, liebe erwachsene Mitchristen, noch mehr sagen? Eigentlich sind Sie nicht nur mit dieser großen Zahl von Teilnehmern, sondern auch mit der 150-jährigen Geschichte die beste Predigt, die man heute Morgen hören kann. Sie predigen durch Ihr Dasein, und Sie veranschaulichen mit Ihrem Leben und dem Leben Ihres Verbandes die Worte des heutigen Evangeliums.
Ich möchte Sie ermutigen, in diesem Sinne weiter zu gehen in der Treue, die zu Ihrem Gruß gehört. Was hat diesen Priester Adolf Kolping innerlich angetrieben, wenn nicht das feste Vertrauen, dass für das Reich Gottes nichts an Gutem zu schade ist? Er hat darauf gesetzt, dass die Treue zum Auftrag, den er in sich entdeckt hat, ihre Frucht bringen wird. Dabei konnte er gar nicht ahnen, dass 150 Jahre später der Münsteraner Dom so gefüllt ist wie heute, dass aus dem kleinen Samenkorn seines Einsatzes eine so weltweite katholische kirchliche Frucht erwächst. Aber darin zeigt er sich als treuer Zeuge Jesu Christi, dass er dem Herrn mit seinem Zutrauen in uns und in die Kraft seines Wortes getraut hat.
Es gibt viele Bilder, mit denen Jesus das Reich Gottes, um das es ihm auf Erden ging, ausmalt. Aber gerade die beiden Bilder des heutigen Evangeliums sind in besonderer Weise deshalb so kraftvoll, weil sie vom Kleinen und nicht vom Machbaren, sondern vom Wachsen sprechen. Welche innere Zuversicht hatte Jesus in sich, dass er sagen konnte: "Das Reich Gottes wächst von selbst." Es kommt nicht auf die Wetterlage der Einzelnen an, es kommt nicht auf das Funktionieren und die Leistung der Einzelnen an. Es kommt die Frucht, weil der Samen so kraftvoll ist. Darauf hat er gesetzt, selbst bis in die Stunde hinein, da er selber in der Erde verschwand, in seinem Tot unterging, klein wurde, wie nur ein Toter sein kann. Aber weil der Vater, der Herr des Reiches, alles in seinen Händen hält, traute er ihm zu, dass man die Zuversicht nicht zu verlieren braucht, sondern dass daraus das wächst, was Gott will.
Im Bild von dem kleinen Senfkorn, das zu den kleinsten Samenkörnern gehört, entfaltet er das noch einmal auf eine andere Weise. Liebe Schwestern und Brüder, mitunter vermitteln Menschen den Eindruck, mit der Kirche gehe es abwärts. Wir müssen Kirchen schließen, zum Teil abreißen, Gemeinden zusammenführen – wir blicken auf die Statistiken und werden dadurch nicht besonders froh. Aber wenn ich daran denke, was allein in den 150 Jahren Kolpingwerk im Bistum Münster aus dem kleinen Samenkorn Einzelner und einzelner Familien gewachsen ist, wenn ich in unserem Dom blicke und Sie sehe, wenn ich mitunter unterschiedliche Aufgaben sehe, die mir als Bischof anvertraut sind und wo gesellschaftliche Gruppen und Kräfte das Wort der Kirche erwarten, dann kann ich das so nicht sagen. Das einzige, was mich in diesem Zusammenhang besorgt, ist: Öffnen wir genug unser Herz und trauen diesem Samenkorn des Wortes Gottes alles zu, die Welt von innen her zu verwandeln?
Was Sie alles im Bistum tun, kann ich nach den wenigen Wochen noch nicht überschauen. Aber der kurze Bericht in "Kirche & Leben" und das Interview mit Herrn Dyckhoff zeigen mir schon genug Punkte, was hier bei Kolping geleistet wird, gerade auch treu dem Grundsatz, Familien zu stärken und Familie zu sein. Wenn Sie, liebe Schwestern und Brüder, in Ihren Gruppen, in Ihren Familien und in Ihrem Verband dem Wort Gottes immer wieder Raum geben durch ein gemeinsames Hinhören, durch die Feier der Eucharistie, auch dadurch, dass Sie dieses Wort zum Mittelpunkt Ihres Gespräches machen, dann bekommen Sie selber Kraft genug, es Ihren Kindern weiterzugeben, so dass auch sie glauben können, in der Spur bleiben, die Ihr Verband gelegt hat. Sie selber werden ermutigt, als Glaubende Ihren Weg zu gehen, die Zuversicht nicht aufzugeben, zu wissen, dass der Herr die Fäden in der Hand hält.
Dieses wunderbare Gleichnis von der selbst wachsenden Saat und das Gleichnis vom wachsenden kleinen Senfkorn klingen gut zusammen mit der Geschichte des Volkes Israel, von dem der Prophet Ezechiel uns einen Ausschnitt in der ersten Lesung geliefert hat: Ein kleines Volk, nicht unterzukriegen bis zur Stunde, weil es Gott folgt. Sollte es uns anders ergehen? Deswegen lassen wir uns ruhig tragen von den Worten des Apostels Paulus: "Als Glaubende gehen wir unseren Weg, nicht als Schauende. Wir setzen unsere ganze Ehre da hinein, dem Herrn zu gefallen" (2 Kor 5,7-9). Das tut Kolping 150 Jahre; denn dem Herrn zu gefallen bedeutet, die Gesellschaft von seinem Geist her umzuwandeln, Tendenzen abzuwehren, die dem Leben schaden und nicht dienen, Bestrebungen, der Familie nicht mehr den Platz zu geben, der ihr als Grundzelle der Gesellschaft gehört, entgegenzutreten. Dann gefallen wir dem Herrn. Man könnte das auch anders ausdrücken: Weil wir tief überzeugt sind, dass sich das Leben, das Opfer Jesu Christi bis hinein in das Dunkel des Grabes, gelohnt hat, deswegen wollen wir für ihn etwas Schönes tun. Und was kann man ihm Schöneres tun als seine Erde, seine Schöpfung aus dem Sinnen und Trachten zu formen, das ihm entspricht? Dafür möchte ich Ihnen danken, dass Sie das tun. Ich möchte Sie bitten, nicht nachzulassen. Sie können sicher sein, das Böse kann sich manchmal gewaltig aufspielen, im Letzten hat es keine Kraft; denn Gott ist stärker. Das zeigen der Tod und die Auferstehung seines Sohnes. Amen.
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