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Seite: Aktuelles  >  Predigt Bischof Genn beim Ordenstag September 2009
11.12.2018
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Dokumentiert:

Predigt von Bischof Genn beim Ordenstag

Bistum. Am Samstag (26.09.2009) hat in Münster der Ordenstag stattgefunden. Zum Abschluss feierte Bischof Felix Genn mit den Ordensleuten im münsterschen St.-Paulus-Dom ein Pontifikalamt, in dem er auch predigte. kirchensite.de dokumentiert die schriftliche Fassung seiner Predigt.

Liebe Schwestern und Brüder im Herrn! Es ist das erste Mal in meinem Dienst als Bischof von Münster, dass ich diesen Ordenstag mit Ihnen begehen kann. Was liegt näher, als dass ich zu Beginn meiner Predigt ein ganz ausdrückliches und aufrichtiges Wort des Dankes sage? Ein Wort des Dankes für Ihren Dienst, den Sie in Treue so viele Jahre und Jahrzehnte in unserer Ortskirche von Münster tun. Welcher Reichtum an Gaben ist hier versammelt: Dass Sie dem Herrn auf diesem Weg gefolgt sind, dass Sie Ihr Leben in den Dienst der Kirche stellen in den unterschiedlichen Aufgaben, in denen Sie wirken, bis hinein in den stillen Dienst des Betens, Opferns und Leidens. Ich kann nur von Herzen dankbar sein, dass Sie diesen Dienst tun. Jeder von Ihnen ist ein Juwel, ein Edelstein, jeder und jede von Ihnen ist vom Herrn ausersehen, an seinem Platz für ihn und für die Menschen da zu sein. Wir ermessen kaum die Kostbarkeit, die uns als Kirche damit geschenkt ist. Es würde der Kirche wahrhaftig viel fehlen, wenn es nicht diese Sendungen gäbe, die Sie darstellen und verkörpern.

Man hat mir erzählt, dass dieser Ordenstag in unmittelbarem Zusammenhang mit der Feier der Kirchweihe unseres Domes entstanden und durchgeführt worden ist. Dieser Dom repräsentiert unsere Kirche von Münster; aber die Steine, die die Kirche von Münster ausmachen und ausfüllen, das sind die lebendigen Steine der Getauften, vor allem auch Sie, liebe Schwestern und Brüder, in der Kostbarkeit Ihrer Sendung und Ihres Dienstes.

So kann ich diesen Dank in dieses schöne Bild fassen und in diese Form geben: Den Dank, dass Sie sich haben als lebendige und kostbare Juwelen vom Herrn anschauen lassen und so mitwirken an dem, was wir in der Kirche von Münster für die Welt und für die Menschen in unserer Gesellschaft sagen und bekunden wollen: Dass Menschen sich im Innersten gerufen wissen Ihm zu folgen bis hinein in seine Lebensgestalt und –form, in dem Gehorsam, den er gegenüber dem Vater lebt, so dass wir durch diesen Gehorsam erlöst worden sind in der Kraft dieses Geistes, der Ihn bestimmt und von dem Er sich hat führen lassen. In diesem Gehorsam stellen Sie sich dem Herrn allein zur Verfügung, wollen arm werden, um nur aus seinem Reichtum zu leben bis hinein in die Gestalt der Armut, die sich in der Jungfräulichkeit in ganz besonderer Weise verdichtet und ihre eigene Fruchtbarkeit für die Kirche bringt.

Was ist das für die Kirche ein Schatz! Dass Sie das in Gemeinschaft tun, ist ein Ansporn: So kann Kirche sein. Vielleicht denken Sie in diesem Augenblick, liebe Schwestern und Brüder, an die Einsamkeit, die es gerade in der Gemeinschaft gibt, an die Mühsal der Liebe, in einer Gemeinschaft zu leben. Selbstverständlich, aber Sie sind ja nicht ins Kloster gegangen, um dort das Paradies zu finden, sondern um Teil zu nehmen an all den Zerrissenheiten unserer Welt und sie hineinzunehmen in diese Lebensgestalt des Herrn, der gerade in der Einsamkeit, in der vollen Kommunikationslosigkeit, der Ursprung und die Quelle jeder Gemeinschaft geworden ist und so Kirche gegründet hat und fruchtbar macht.

Liebe Schwestern und Brüder, am heutigen Tag gedenkt die Kirche der heiligen Ärzte und Märtyrer Cosmas und Damian. Dass ich daran denke, hängt auch damit zusammen: Sie sind die Stadtpatrone von Essen! Ihr Blutzeugnis wird vor allem auch durch ihr Lebenszeugnis vorbereitet und versinnbildlicht. Es war das Zeugnis eines unendgeldlichen Dienstes. Die "Agyroi" wurden sie genannt, weil sie unendgeldlich, ohne Lohn zu nehmen, ihren ärztlichen Dienst versehen haben. Wie viel Unendgeldliches ist durch Ihren Dienst geschenkt worden, liebe Schwestern und Brüder? Nicht auf den Lohn zu schauen, sondern selbst da, wo es Ihnen zuviel vorkam und wo Sie die Überforderung spüren, noch einmal neu die Liebe zu ihm nicht aufzugeben, um etwas von seiner unendgeldlichen Liebe abzubilden - das ist wahrhaft heilend.

Liebe Schwestern und Brüder, dieses ärztliche Zeugnis der beiden Märtyrer Cosmas und Damian wird auch in der Sendung jedes Christen, wenn er sie denn voll ergreift, für die Welt fruchtbar. Gerade heute braucht die Welt in einer Verwirrung des Geistes und der Herzen diesen heilenden Keim. Wie ein ganz kleines Samenkorn, das aber eine solche Kraft und Fruchtbarkeit in sich enthält, dass es aller Verwirrung letzten Endes Stand halten kann.

Im 12. Kapitel der geheimen Offenbarung heißt es, dass dem Drachen, der die Frau angreift, nur eine kurze Frist gegeben ist. Der heilende Keim unendgeldlicher Liebe hat längere Dauer, ewige. Deshalb ist es wichtig, dass wir dem Herrn unser Ohr und unser Herz leihen und Tag aus, Tag ein uns durch sein Wort reinigen lassen, damit wir dieser Sendung treu bleiben, damit wir diesen heilenden Keim in unserer Welt in aller Gebrochenheit und aller eigenen Verwundung darstellen können. Der Herr sagt ja, dass wir schon rein sind durch das Wort, das er zu uns gesprochen hat und er weiß, dass der Vater jede Rebe an ihm und in ihm immer wieder neu reinigt, damit sie mehr Frucht bringen kann (vgl. Joh 15,3.2). Aus dem großen Schatz des Wortes Gottes schenkt uns der göttliche Juwelier heute diese kostbaren Perlen der beiden Schrifttexte, die wir soeben gehört haben, um uns mit seinem Wort zu reinigen und unsere Sendung von jeglicher Patina der Sünde und der Gewohnheit neu zum Leuchten zu bringen.

Die wunderbare Erzählung des ersten Buches der Könige von der Einsamkeit des Propheten Elija – lässt sie uns nicht an manche Einsamkeit in unserer Sendung angesichts unserer kirchen- und weltgeschichtlichen Stunde denken, in der wir Christen umgeben sind von vielen anderen Göttern und Gottheiten? Natürlich haben wir im Laufe der Geschichte manches Widergöttliche glorreich besiegt, aber wir spüren auch die massiven Gegenwinde, die gerade auch Ihrer Sendung, manchmal sogar aus der Mitte der Kirche, entgegen gebracht werden. Da könnte man sich schon fühlen wie Elija, der sagt: "Was habe ich alles für dich getan, das ist jetzt aber genug" (vgl. 1 Kön 19,4). Man könnte resignieren und doch tippt Er uns immer wieder, Tag für Tag, an mit der schlichten Gabe des eucharistischen Brotes und dem schlichten Zeichen des Wortes, das sich so leicht verflüchtigen kann, weil Er weiß: Der Weg unserer Sendung kann da nicht zu Ende sein, wo wir meinen, wir dürfen am Boden liegen bleiben. Da stärkt Er uns und fordert uns auf, uns nicht in irgendeiner Höhle der Trauer, Bitterkeit oder Resignation zu verschließen, sondern uns hinaus zu begeben aus den Nischen, in denen wir uns bisweilen eingerichtet haben, und uns hinzustellen vor Ihn und nicht bestimmen zu wollen, ob Er im Sturm, im Erdbeben oder im Säuseln kommt, sondern nur offen zu sein. Dann kann Er uns begegnen, und Er schickt uns weiter – von allen Bergen herab, aus allen Höhlen hinaus.

Es mag dann uns die Gnade hin und wieder der Tabor-Stunde geschenkt sein, liebe Schwestern und Brüder. Aber wir wissen auch aus Erfahrung, wie vergänglich selbst diese kostbaren Momente sind. Das Entscheidende ist, dass wir dem Wort des Petrus immer wieder neu Gestalt geben: "Es ist gut, bei dir zu sein" (Mt 17,4). Selbst wenn uns eine Wolke umgibt, durch die wir nicht hindurch blicken können, es bleibt eine lichte Wolke, weil darin das Wort liegt: "Das ist mein geliebter Sohn, auf ihn sollt ihr hören" (ebd. 5). Das ist Nahrung genug, um vom Berg hinab zu steigen, Jesus zu haben. Ihn allein, der wahrhaftig die Fülle von Gesetz und Propheten und der ewige Sohn des Vaters ist, auf dem Weg in den Alltag mitzunehmen, sich von Ihm mitnehmen zu lassen!

Vielleicht ist das die einzige Öffnung und Vision, die wir uns gegenseitig als lebendiges Zeugnis, sowohl in der Gemeinschaft wie auch als Einzelne, geben können. Aber das ist das Entscheidende: Weil es der heilende Keim bleibt, denn das ist der Auferstandene, selbst wenn wir es kaum glauben können und alles andere um uns herum nicht nach Auferstehung ausschaut, sondern nach Untergang und weniger: Er ist der geliebte Sohn des Vaters. Wir werden uns diese Kostbarkeit und diesen Schatz, den Sie in Ihrem Herzen tragen und der Sie entzündet hat, in allen Einsamkeiten immer wieder neu mit ihm zu beginnen, den Weg fortzusetzen, den werden wir uns doch wohl nicht nehmen lassen. Oder sagen wir es besser: "Lass nicht zu, dass ich jemals von dir getrennt werde." Amen .

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  1. undefinedBenediktiner Elmar Salmann spricht beim Ordenstag (26.09.2009)
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Text: Bischof Felix Genn
29.09.2009

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