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Seite: Aktuelles  >  Grußwort Rüttgers 090329
23.05.2012
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Ministerpräsident Jürgen Rüttgers
Ministerpräsident Jürgen Rüttgers wünscht Bischof Genn ein festes und frohes Herz.

Dokumentiert:

Grußwort von Ministerpräsident Jürgen Rüttgers zur Einführung von Bischof Felix Genn

Bistum. Am Sonntag (29.03.2009) ist Felix Genn feierlich in sein Amt als Bischof von Münster eingeführt worden. Während des Pontifikalamtes im münsterschen St.-Paulus-Dom hielt der Ministerpräsident von Nordrhein-Westfalen, Jürgen Rüttgers, ein Grußwort. kirchensite.de dokumentiert die Vorlage seines Grußwortes.

Ich freue mich mit Ihnen, lieber Bischof Genn! Und mit Ihnen allen hier. Ich freue mich für das Münsterland. Und es ist mir wichtig, das hier und heute zu zeigen!

Lieber Bischof Genn, was kann ich Ihnen wünschen für Ihr neues Amt? Natürlich Gesundheit. Und ein festes, ein frohes Herz. Über allem Gottes Segen. Das ist das Wichtigste. Aber ich möchte Ihnen noch zwei Gedanken mitgeben. Der erste hat etwas mit diesem Ort hier zu tun. Im vergangenen Jahr war ich hier in Münster, um Bischof Lettmann zu verabschieden. Ein Freund hat ihn damals beschrieben als "hochgebildet und tief geerdet" (Anm.: Fritz Pleitgen)

Ich bin überzeugt: Beides braucht es für einen guten Hirten. In Westfalen vielleicht mehr noch als andernorts. Ich habe deshalb ihre Frage nicht vergessen, die Sie mir vor 14 Tagen bei Ihrer Vereidigung in der Staatskanzlei gestellt haben, lieber Bischof Genn. Wir haben über dieWirtschaftskrise gesprochen, über das, was die Politik dagegen tun kann. Und Sie haben gefragt: "Was bedeutet das für die Menschen?" Eigentlich ist das die wichtigste Frage. Denn wir reden viel über Rettungsschirme. Über Konjunkturprogramme. Über Milliarden, ja Billionen. Nicht nur in der Politik. Auch in der Kirche. Nur: Vom Menschen,
von seinen Ängsten, seinen Sorgen und seinen Hoffnungen – davon reden wir vielleicht zu wenig.

Und deshalb hat mich Ihre Frage so beeindruckt. Weil sie die Verhältnisse wieder zurecht rückt. Weil sie deutlich macht: Dass Programme und Ordnungen kein Ziel sind und auch kein Zweck. Es sind Mittel. Mittel zum Zweck. Sie haben dienenden Charakter. Und genau so habe ich Sie immer erlebt, lieber Bischof Genn, als jemanden, der dienen will. Und der sich deshalb auch nicht scheut, Politik daran zu erinnern, nicht Selbstzweck zu werden. Mein Wunsch ist deshalb: Bleiben Sie sich da treu.

Ein zweiter, ganz anderer Aspekt: auch der hat mit diesem Ort hier zu tun. Münster ist ein stolzes Bistum. Münster ist eine Stadt mit einer besonderen Geschichte. Einer verpflichtenden Geschichte. Hier in Münster wurde der europäische Bruderkrieg zwischen Protestanten und Katholiken beendet. Hier ergriff der Löwe von Münster das Wort gegen die Nazi-Barbarei. Und hier wurden wichtige Weichen für die Wiedervereinigung unseres Vaterlandes gestellt. (Anm.: Treffen von Schewardnadse und Genscher am 18. Juni 1990 zur Vorbereitung der Zwei-plus-Vier-Gespräche.)

Münster steht in besonderer Weise für Offenheit. Für Verständigung und Versöhnung. Für Frieden. Für Freiheit. Vielleicht müssen wir uns das heute besonders in Erinnerung rufen. In einer Zeit, in der vieles auf dem Spiel steht, in der vieles nicht mehr selbstverständlich erscheint. Im Staat nicht, in der Wirtschaft nicht und nicht in der Kirche. Sie haben gezeigt, lieber Bischof Genn, wie viel Ihnen genau daran liegt. Behutsame Veränderung zum Besseren! Sie haben gezeigt, dass Sie nicht heilige Kühe hüten, sondern Hirte der Herde sein wollen. Hirte der einen Herde. Wir brauchen Menschen, die binden. Die zusammenführen!

Vielleicht müssen wir uns gerade deshalb und heute mehr als in den vergangenen Jahren in Erinnerung rufen: Dass wir Amboss sind, wie es der selige Kardinal von Galen einmal formulierte, und nicht Hammer. ("Wir sind Amboß, nicht der Hammer!", Predigt vom 20. Juli 1941) Dass wir fest bleiben in dem, was Bestand hat. Dass wir uns der Zeit nicht angleichen. Sondern dass wir uns gebunden wissen. Und aufgehoben in dem, was immer war und was immer sein wird. "Etwas Festes muss der Mensch haben, daran er zu Anker liege", schreibt Matthias Claudius, "etwas, das nicht von ihm abhange, sondern davon er abhängt." Ich glaube, die Menschen wissen das wieder zu schätzen. Es gibt ein großes Bedürfnis nach Sicherheit! Nach festem Boden unter den Füßen.

Und ich bin froh, dass Münster in Bischof Genn einen Hirten bekommt, der diesen Boden vermitteln kann: mit seiner ruhigen, zuhörenden Art. Der Perspektiven zu geben vermag. Der dabei nicht auf außergewöhnliche Menschen wartet. Sondern der auf die gewöhnlichen zugeht. Und sie zum Außergewöhnlichen befähigt, wie Urs von Balthasar das einmal sinngemäß ausgedrückt hat. Lieber Bischof Genn, ich darf Ihnen für Dienst und Weg in Ihrem neuen Amt meine Verbundenheit und – wo immer möglich – auch meine Unterstützung zusichern. Gottes Segen mit Ihnen und dem Menschen im Münsterland.

Text: NRW-Ministerpräsident Jürgen Rüttgers
29.03.2009

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