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25.05.2016
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Dokumentiert:

Gedanken von Bischof Genn zur Sozialenzyklika "Caritas in veritate"

Bistum. Am Dienstag (07.07.2009) wurde die erste Sozialenzyklika von Papst Benedikt XVI. im Vatikan vorgestellt. Bischof Felix Genn hat dazu Stellung bezogen. kirchensite.de dokumentiert die Gedanken von Bischof Felix Genn zu dieser Enzyklika.

Am Festtag des heiligen Benedikt hat die Kirche ein Wort aus dem Buch der Sprichwörter ausgewählt, mit dem sehr schön die Absicht dieser Enzyklika, die Papst Benedikt XVI. zu den sozialen Fragen angesichts einer globalisierten Welt herausgegeben hat, gelesen werden kann.

Ein Weisheitslehrer fordert in diesem alttestamentlichen Buch seinen Schüler auf, die Worte anzunehmen und die Gebote zu beherzigen, die er zu ihm spricht. Er soll der Weisheit Gehör schenken und sein Herz der Einsicht zuneigen: "Dann begreifst du, was Recht und Gerechtigkeit ist, Redlichkeit und jedes gute Verhalten" (Spr 2, 9). Aus dem Wort Gottes und aus der Beachtung seiner Gebote wird der Mensch Gerechtigkeit und Recht, jedes gute Verhalten erkennen können.

Die Sozial-Enzyklika knüpft an das vor 42 Jahren von Papst Paul VI. zu Fragen der Entwicklung veröffentlichte Rundschreiben an, das mit dem Titel "Populorum progressio" sich erstmals den sozialen Fragen im weltweiten Horizont gestellt hat. Papst Paul VI. hat damals gesagt: "Die Welt ist krank, weil ihr Gedanken fehlen" (ebd. 85). Ganz in der Linie seiner bisherigen Verkündigung kann Papst Benedikt XVI. dieses Wort fortsetzen und aus der Mitte des Evangeliums die Umkehr des Denkens fordern. Es geht ihm um einen "neuen Schwung des Denkens" (53). Dieses Denken wird aber geprägt von der Wahrheit, die uns das Evangelium verbürgt und die uns die Liebe Gottes als ungeschuldete Gabe vermittelt.

Von diesem Ansatzpunkt her lässt der Papst das Licht der Offenbarung auf die Fragen fallen, unter denen heute die Entwicklung der Völker angesichts vieler Herausforderungen zu sehen ist. Im Licht des Evangeliums und mit der eindeutigen Option, dass ohne Gott in der Welt nichts geht, führt er die vielen Lösungsvorschläge, die weltweiten Herausforderungen der Globalisierung zu bewältigen, in eine Krisis, in die Unterscheidung, was wirklich der Menschheit und dem Menschen dient und was ihr und ihm zum Schaden ist. Ein Humanismus, der Gott ausschließt, wird letzten Endes zur Tragödie und kann den Problemen der Welt und des Menschen keine Perspektive bieten. Wenn aber die Vernunft bereit ist, sich vom Licht des Glaubens erleuchten zu lassen, wird der Denkhorizont weiter und der geistig-geistliche Atem, sich den Herausforderungen zu stellen, größer.

Natürlich liest sich ein solches Dokument nicht leicht. Es entspricht dem Stoff, den es behandelt. Kein Feld derzeitiger Probleme wird ausgespart. Die Sozialverkündigungen Papst Paul VI. und Papst Johannes Paul II. werden im Anschluss an die Aussagen des II. Vatikanischen Konzils in einer dichten und komplexen Weise zusammengeführt und ins Gespräch gebracht mit den vielen Herausforderungen, die Technik, Bioethik, die Finanz- und Wirtschaftskrise, die Fragen des Friedens, der Ökologie, der Würde der menschlichen Arbeit, von Ehe und Familie und der Einheit der Menschheitsfamilie stellen. Damit sind bei weitem nicht alle Themen genannt, über die die Weit- und Tiefensicht des Papstes blickt.

Ein Mitbruder nannte es ein prophetisches Dokument, das eine große Langzeitwirkung entfalten wird. Vielleicht mag ein erster Blick diesem Urteil nicht zustimmen, weil die Lektüre durchaus Mühe verlangt und die Anstrengung des Begriffes gefragt ist. Manch einer wird sich auch daran stoßen, weil der Finger in die Wunden einiger Probleme und Lösungsansätze gelegt wird. Aber es ist nicht legitim, nur den einen oder anderen Punkt, den man vielleicht zufällig gelesen hat, herauszugreifen und von dort her das gesamte Dokument kritisch zu hinterfragen, vielleicht sogar als weltfremd zu verwerfen.

Hier ist die Welt und die Kraft des Geistes, aus denen das Wort Gottes atmet, mit allen Fasern zu spüren. Schon der herausfordernde Titel enthält alles: Es geht um die Wahrheit, die nur in der Liebe konkret wird, aber auch um eine Liebe, die ohne Wahrheit boden-, grund- und fruchtlos bleibt. Der Papst hat eine Vision. Es ist die Vision des Herrn selbst, dass es möglich ist, die Menschheit zu einer Familie werden zu lassen, die gemeinsam Gott als "Vater unser" anruft und darin die Erfüllung der eigenen menschlichen Sehnsucht, mehr als das Vordergründige zu haben, ebenso stillt wie das Verlangen der Menschheit, eins zu werden. Man kann es auch kürzer sagen: Der Papst spricht von einer geistigen und geistlichen Krise der Gegenwart und fordert zur Umkehr auf, zur Umkehr der Gedanken und der Herzen. Es gilt hier auch das Wort des Weisheitslehrers: "Wenn du meine Worte annimmst und meine Gebote beherzigst, dann begreifst du, was Recht und Gerechtigkeit ist, Redlichkeit und jedes gute Verhalten" (Spr 2, 1. 9). Diese Worte aus dem Schatz des Wortes Gottes will uns der Papst aufs Neue aufgrund seiner Sendung, Lehrer der Kirche und der Wahrheit zu sein, nahe legen.

Mehr zum Thema in kirchensite.de:

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Text: Bischof Felix Genn
13.07.2009

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