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Seite: Aktuelles  >  Ansprache von Franz-Josef Overbeck bei seiner Ernennung zum Bischof von Essen
02.09.2010
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Dokumentiert

Ansprache von Franz-Josef Overbeck anlässlich seiner Ernennung zum Bischof von Essen

Essen / Bistum. "Meine neue Diözese ist mir nahe." Das erklärte der neue Bischof von Essen, Franz-Josef Overbeck, bei der Bekanntgabe seiner Ernennung am Mittwoch (28.10.2009). Bischof für die Kirche und kirchliche Stimme in Wirtschaft und Gesellschaft wolle er sein. – kirchensite.de dokumentiert die schriftliche Vorlage der Ansprache.

Verehrter, lieber Bischof Felix, verehrter, lieber Bischof Reinhard, liebe Mitbrüder, liebe Familie, meine Damen und Herren! Der neue Ruhrbischof steht vor Ihnen. Das Amt des Bischofs von Essen ist mit diesem Namen in unserer Kirche und in Deutschland bekannt. Hinter diesem schönen Titel verbirgt sich ein doppeltes Programm. Zum einen ist mir der Dienst des Bischofs an der Kirche im Ruhrgebiet und in Teilen des Sauerlands aufgetragen. Dahinter stehen große Herausforderungen, von denen ich weiß. Zum anderen ist der Ruhrbischof Bischof für alle Menschen seines Bistums. Somit hat er eine wichtige politische und für die Gesellschaft bedeutsame Position. Er ist Stimme der Kirche; er ist bischöfliche Stimme der katholischen Soziallehre in einem für Deutschland und Europa eminent wichtigen Wirtschafts- und Lebensraum, der sich in größten Umwälzungsprozessen befindet und diese auch in den letzten Jahrzehnten bereits bestanden hat.

Ich schließe als Ruhrbischof an den bischöflichen Dienst meines Vorgängers, des jetzigen Bischofs von Münster, Dr. Felix Genn, an. Ich danke ihm für die Spuren des Glaubens, die er als Bischof gelegt hat und in denen ich nun weitergehen kann. Dabei bin ich all dessen sehr eingedenk, was er und das Bistum Essen in den vergangenen Jahren wegen der Zukunftsfähigkeit unserer Kirche, der Lebendigkeit des Glaubens und der Nähe zu allen Menschen getan hat. Vielen Dank dafür, Bischof Felix. Dir weiterhin viel Segen im Bistum Münster.

Meine neue Diözese ist mir nahe. Ich stamme aus Marl. Meine Heimat grenzt an das Bistum Essen und gehört größtenteils zum Ruhrgebiet selbst. Gleichzeitig bin ich Westfale, wie alle wissen. Meine Herkunft und Biografie beschreibt unter dieser Rücksicht die Schnittmenge zwischen meiner neuen Diözese Essen und meinem Heimatbistum Münster. Deutlich wird dies auch in der Figur des Hl. Liudgers, des ersten Bischofs von Münster. Als Bischof von Essen bin ich nun der Hüter seiner Grablege in der Basilika des Heiligen Ludgerus in Essen-Werden. Er war ein Mann missionarischer Kraft, ein Mann, der Glaube und Kirche als Lebensform in kulturellen Umbruchzeiten geprägt und mit Leben erfüllt hat. In der postmodernen Säkularität, besser noch Profanität unserer Welt, kommt mir als Ruhrbischof unter den heutigen finanziellen, wirtschaftlichen, gesellschaftlichen, religiösen, christlichen und kirchlichen Bedingungen eine entsprechende Aufgabe zu, nämlich in unserer Zeit zusammen mit allen im Bistum Essen einen solchen missionarischen Weg zu gehen, der zeigt, wie die Menschen, der Glaube und die Kirche zusammen gehören. Hierin Identität zu stiften, wie es der Hl. Liudger auf seine Art tat, will ich mich als Bischof von Essen, als Ruhrbischof mühen. Ich freue mich darauf und tue dies sehr gerne.

Bereits meine Ernennung zum Weihbischof erfuhr ich nicht in Münster, sondern im Sommer 2007 während des Sommerurlaubs auf Korfu, in Griechenland. Auch diesmal erfuhr ich nicht in Münster, sondern in Rom von meiner Wahl zum Bischof von Essen durch das Hohe Domkapitel der Essener Kathedralkirche. Ich war aus Anlass eines Zusammentreffens mit Mitbrüdern dort, mit denen ich vor 20 Jahren in Rom die Priesterweihe durch den damaligen Kardinal Ratzinger empfangen hatte. Über dem Altar unserer römischen Weihekirche Sant’Ignazio steht ein Wort, das Christus dem Hl. Ignatius vor Rom zuspricht: "Ego vobis Romae propitius ero!" – d. h. "Ich werde euch in Rom gnädig sein". Gott war mir in diesem Jahr in diesem Sinne auf besondere Weise an dieser wichtigen und heiligen Stätte der Christenheit nahe. Ich danke unserem Heiligen Vater Papst Benedikt XVI. dafür, mich heute zum Bischof von Essen ernannt zu haben. So verbindet mich eine weitere wichtige Lebensetappe mit ihm. Das Vertrauen, das dadurch zum Ausdruck kommt, werde ich nutzen und meine Kräfte für das Wohl der Kirche und aller Menschen einsetzen. Zugleich verbinde ich damit meinen Dank an das Hohe Domkapitel zu Essen für meine Wahl zum Essener Diözesanbischof und freue mich auf ein gedeihliches Miteinander.

Meine Einführung in das Amt des Bischofs von Essen wird am Sonntag, dem vierten Advent, 20. Dezember 2009, 15:00 Uhr im Hohen Dom zu Essen stattfinden. So geht meine Zeit als Weihbischof im Bistum Münster nun schnell dem Ende entgegen. Zeit zur Verabschiedung werden wir finden, schon heute erbitte ich meiner Heimat allen Segen und in allem Gottes Geleit.

Meine heutige Ernennung fällt auf das Fest der Apostel Simon und Judas. Als Ruhrbischof bin ich in der Nachfolge der Apostel nach Essen gesandt. Aus dem Lebenszeugnis und Dienst der Jünger, die zu Aposteln wurden, atmet ein frischer und lebendiger Geist. Es ist der Geist des unverstellten Anfangs, der Faszination und der Frische des Glaubens und der jungen Kirche. Ich bin altersmäßig immer noch der jüngste Bischof der Deutschen Bischofskonferenz und bitte Gott für die Kirche von Essen und uns alle um eine solche Frische, die wir niemals uns verdanken, sondern dem Heiligen Geist.

Mit diesem Wunsch und dieser Bitte schließe ich und tue es, wie es sich für den Ruhrbischof von nun an gehört mit einem kräftigen und von Herzen kommenden: "Glück auf!" Ich danke Ihnen für Ihre Aufmerksamkeit.

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