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Seite: Aktuelles  >  Dokumentiert: Predigt des Bischofs beim Tag der Ordensjubiläen 2016
10.12.2018
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Dokumentiert:

Predigt des Bischofs beim "Tag der Ordensjubiläen" 2016

Bistum. Am Mittwoch (04.05.2016) feierte Bischof Felix Genn mit den Ordensjubilaren ein Pontifikalamt im St.-Paulus-Dom in Münster. – kirchensite.de dokumentiert die schriftliche Fassung seiner Predigt.

Liebe Schwestern und Brüder im Glauben, vor allem Sie, liebe Ordensfrauen und Ordensmänner, die Sie heute Morgen mit uns auf ein reiches Leben in der Nachfolge Jesu zurückblicken dürfen! Nochmals gratuliere ich Ihnen zu diesen Jubiläen von ganzem Herzen, wie ich es ja auch schon in meinem Brief an Sie zum Ausdruck gebracht habe! Ein solches Jubiläum gibt Anlass, über Ihre Sendung in der Kirche nachzudenken. Ich möchte es tun im Bezug auf die Texte, die die Kirche an diesem Mittwoch der 6. Osterwoche unmittelbar vor dem Hochfest Christi Himmelfahrt aus dem reichen Schatz der Heiligen Schrift ausgewählt hat.

Da ist als Erstes die Begegnung des Apostels Paulus mit den Menschen in Athen auf dem Aeropag: Die Rede des Paulus, die dazu beitragen soll, den Heiden in dieser Stadt zu erschließen, was es mit dem von ihnen als unbekannten Gott verehrten ist. Er richtet ganz einfühlsam, ausgehend von der Situation, in der diese Menschen glauben und aufgewachsen sind, den Richtpunkt auf den Auferstandenen. Das ist zugleich der Knackpunkt. Denn hier bricht die Rede ab, weil man ihm nicht mehr zuhören will: "Als sie von der Auferstehung der Toten hörten", heißt es dort, "spotteten die einen" (Apg 17,32), weil sie sich das überhaupt nicht vorstellen können, und es für eine verrückte Idee halten. Auf das Nahe besehen, haben sie ja auch recht: Unmittelbar an die Auferstehung zu glauben - da springt man doch nicht drauf! Wie soll das denn gehen? Die anderen wollen sich das gar nicht antun und sagen: "Darüber möchten wir dich ein andermal hören" (Apg 17,33).

Es bleiben einige wenige übrig, die dem Zeugnis des Paulus folgen. Ist das nicht unsere gegenwärtige Situation, liebe Schwestern und Brüder? Ist das nicht unser Athen heute? Wie soll man das glauben? Man geht darüber hinweg, "darüber wollen wir dich ein andermal hören." Einige bleiben, wenige, namentlich bekannt. Die bauen von unten her Gemeinde auf, auf dem Fundament des Glaubens an die Auferstehung.

Sie, liebe Schwestern und Brüder, könnten ein solches Leben gar nicht geführt haben, wenn nicht der Auferstandene das Fundament Ihres Lebens wäre. In Armut, Jungfräulichkeit und Gehorsam ein Leben lang zu sein und daraus ein ganz spezielles Leben zu formen, da könnte man auch sagen: Das ist zum Spotten, das geht doch gar nicht! Oder: Darüber wollen wir dich ein andermal hören! - Verstehen tun wir es nicht! Sie spüren ja auch, liebe Schwestern und Brüder, dass in der Kirche die Sensibilität für diese Lebensform nicht gerade im Wachstum begriffen ist, dass es schwerfällt, das verständlich zu machen. Warum sollte man auf die Güter des eigenen Willens, auf die Güter dieser Welt, auf die Güter des eigenen Leibes und der eigenen Fruchtbarkeit verzichten, um eines anderen willen? Und sich einem eigentlich unbekannten Gott hingeben, der zwar in Jesus von Nazareth Gestalt angenommen hat, wie die Christen glauben, aber der doch schon lange tot ist, weit weg, den man kaum fassen kann, der immer auch der Unerkannte bleibt, der verborgene Gott! Aber Sie geben Zeugnis, Sie sind mitgegangen, ein Leben lang, und haben es gewagt, weil Jesus für Sie der Lebendige, der Auferstandene, ist - kein unbekannter Gott, sondern in diesem Jesus ist Gott uns nahe gekommen. Das ist unvorstellbar, das passt nicht in die Gedankenwelt irgendeiner, auch keiner griechischen Philosophie. Aber Sie können sagen: "Ich kann es bezeugen, Er lebt, und deswegen habe ich diese Form meines Lebens gewählt und in Treue versucht durchzutragen." Dass der Auferstandene eine Macht und Kraft ausüben kann, die das ermöglicht, was ein Leben in den Evangelischen Räten ausmacht, das ist ein gewaltiges Zeugnis, und ich bitte Sie sehr herzlich, vielleicht auch im Sinn der Bitttage vor Christi Himmelfahrt, ganz besonders darum zu beten, dass die innere Sensibilität für diese Lebensform wieder neu zunimmt, wächst und anziehend wird für junge Menschen, die es wagen, ein solches Leben zu führen und damit Zeugnis zu geben, dass es mehr gibt als all das, was die Erde an wunderbaren Gütern bereithält.

Liebe Schwestern und Brüder, ich möchte damit das Wort aus dem Evangelium des heutigen Tages verknüpfen, das den Abschiedsreden Jesu entnommen ist. Jesus spricht davon, dass er weggeht, ihnen noch vieles zu sagen hätte, es aber dem Geist überlässt, der nach seiner Auferstehung in der Kirche lebendig wird und weiterlebt. Das ist der Grund kirchlicher Tradition: Im Augenblick des Abschieds von Seinem irdischen Leben können die Apostel gar nicht alles fassen, was der christliche Glaube an Dimensionen bereithält. Deswegen ist es auch nicht treffend, wenn Menschen behaupten, Ihre Lebensform sei so im Neuen Testament noch gar nicht vorgekommen. In der Tat - aber sie ist grundgelegt, und im Laufe der Geschichte hat der Geist die Kirche eingefügt in die Wahrheit, die Ihr Leben ausmacht, hat gezeigt, dass aus der Kraft der Auferstehung so etwas erwachsen kann: Schon in der Frühzeit der Kirche und dann erst im Laufe der Jahrhunderte und in vielfältigen Formen des geistlichen Lebens, bis zu unserer Zeit. Auch da wächst ja Neues, selbst wenn ältere Kongregationen nicht mehr so viel Nachwuchs haben: Es gibt andere Gemeinschaften, wo es eine ganz neue Form des Ordenslebens gibt, wie die Kleinen Schwestern vom Lamm, wie die Dienerinnen und Diener des Evangeliums, Verbum Dei oder all die vielen Geistlichen Gemeinschaften, die aus den großen Bewegungen erwachsen. Der Baum der Formen, Nachfolge zu leben, ist immer noch reich an Früchten.

Liebe Schwestern und Brüder: "Der Geist wird euch in die volle Wahrheit einführen" (Joh 16,13). Das hat er gezeigt im Laufe der Geschichte - auch durch Ihr Leben - und Er wird Sie als Einzelne in die volle Wahrheit einführen. Denn als Sie Ihre Gelübde ablegten, als Sie den Schritt in den Orden taten, wussten Sie ja gar nicht, was das alles mit sich bringt, was Sie alles erwartet. Aber wenn Sie sich vom Geist führen lassen, werden Sie bis zum Ende Ihres Lebens, da können Sie noch so alt werden, immer wieder Neues entdecken, was der Herr für Sie bereithält. Er hat Seine Stunde, uns ganz bestimmte Wahrheiten zu öffnen und zu offenbaren. Das macht das Spannende Ihres Lebens aus, dass Er bis zum Ende uns hineinführt durch die Kraft Seines Geistes in die Wahrheit, die Er der Welt offenbaren wollte.

Da füge ich gerne auch den Schluss des heutigen Evangelienabschnittes an. Jesus sagt nämlich, der Geist bringt gar nichts Fremdes, sondern er nimmt von dem, was mein ist und wird es euch verkünden: "Er nimmt von dem, was mein ist" (Joh 16,14) - und was ist Sein? - In totaler Verfügbarkeit für den Willen des Vaters gehorsam zu sein, ganz für die Sendung zu leben und in dieser Sendung dem Vater alles zur Verfügung zu stellen, die Güter dieser Welt auch an den zweiten Platz zu rücken, seinen Leib nicht einer Frau zu schenken, sondern der ganzen Kirche, Seiner Braut, und so eucharistisch fruchtbar zu werden.

Das, was Sein ist, leben Sie, der Geist hat von dem genommen, was Jesu ist. Das hat Er in Ihrer Lebensgestalt ausgeformt, entfaltet, und dem sind Sie treu geblieben. Und ich bitte Sie, dass Sie dieser Treue bis zum Ende treu bleiben, der Treue, die Sie versprochen haben, und der Treue, die Er zu Ihnen hat. - Was gilt heute noch ein Versprechen? - Aber Sie machen deutlich, gerade ein Versprechen Gott gegenüber gilt: "Er nimmt von dem, was mein ist und wird es Euch verkünden" (ebd.). Das ist alles in der Kraft der Auferstehung enthalten, die nämlich auf die Grenzen des Todes keine Rücksicht mehr zu nehmen braucht.

So möchte ich Ihnen ein Wort von Papst Benedikt XVI. schenken, das in diesen Zusammenhang passt und das sozusagen den Bogen von der ersten Liebe Ihrer Berufung bis zu dieser Stunde Ihres Jubiläums, bis hin zum Ende schlagen kann: "Wer Christus einlässt, dem geht nichts verloren von dem, was das Leben frei, schön und groß macht. Erst in dieser Freundschaft öffnen sich die Türen des Lebens. Habt keine Angst vor Christus. Er nimmt nichts und Er gibt alles. Wer sich Ihm gibt, der erhält alles hundertfach zurück." Amen.

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Text: Bischof Felix Genn
04.05.2016

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