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Seite: Aktuelles  >  Dokumentiert: Predigt des Bischofs zum Abschluss des Jahres des geweihten Lebens
17.12.2018
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Dokumentiert:

Predigt von Bischof Genn zum Abschluss des Jahres des geweihten Lebens

Bistum. Am Dienstag (02.02.2016) feierte Bischof Felix Genn einen Gottesdienst im münsterschen Paulusdom zum Fest der Darstellung des Herrn und zum Abschluss des Jahres des geweihten Lebens. - kirchensite.de dokumentiert die schriftliche Fassung seiner Predigt.

Liebe Schwestern und Brüder im Glauben, mit dieser festlichen Eucharistie heute Abend hier in unserem Münsteraner Dom verbinden wir uns mit der Weltkirche. Papst Franziskus wird an diesem Tag das "Jahr des geweihten Lebens" abschließen, das über 12 Monate hin das Anliegen wachhalten wollte, das die Ordens-Christinnen und Christen zeichenhaft bezeugen. Wir als Kirche in der Bundesrepublik Deutschland wollen mit diesem Gottesdienst heute Abend uns mit diesem Anliegen des Heiligen Vaters verbinden. Deshalb ist in besonderer Weise die Einladung an die Ordens-Christen unseres Bistums ergangen, mit der großen Gottesdienstgemeinde die Eucharistie zu feiern.

Papst Franziskus hat mit diesem "Jahr des geweihten Lebens" oder dem "Jahr der Orden", wie man es allenthalben auch genannt hat, das Anliegen verbunden, die Kirche als Ganze möge sich des Geschenkes bewusst werden, das das Ordensleben darstellt. Für die Ordens-Christen selbst sollte dieses Jahr die Möglichkeit geben, ihre eigene Sendung und Berufung zu vertiefen. Das Gottesvolk – die Kirche – soll sich des Geschenkes bewusst werden, das die Ordens-Christen sind.

Liebe Schwestern und Brüder, ich kann mir vorstellen, dass Sie unmittelbar diesen Dank verstehen können. Wir brauchen nur daran zu denken, wie reich unser Bistum Münster gesegnet ist mit unzähligen Ordensfrauen und Ordensmännern, die in vielen sozialen Einrichtungen, in Krankenhäusern, Altenheimen, Kindergärten, Schulen, gearbeitet haben und - auch wenn die Zahl sehr nachgelassen hat - immer wieder dort auch noch präsent sein können, soweit es ihre Kräfte zulassen.

Aber auch die Schwestern und Brüder kontemplativer Gemeinschaften sind ein Segen für die Kirche. Niemand von uns kann sich vorstellen, wie viel Gebetsanliegen allein hier an der Pforte des Klarissenklosters abgegeben werden. Wenn wir das multiplizieren auf all die anderen Gemeinschaften hin, dann sind gerade die betenden Klöster in einem großen Netzwerk eingegliedert, die Anliegen der Menschen vor Gott zu bringen. Das ist doch ein Geschenk! Wenn wir es mitunter bedauern, dass keine Schwestern mehr da sind, kann helfen, sich neu bewusst zu werden, was der Kirche fehlen würde, wenn es dieses Geschenk nicht gäbe: Sich des Geschenkes dieses Lebens bewusst zu werden, eines Lebens im Dienst an den Menschen.

Damit, liebe Schwestern und Brüder, können wir auch verstehen, was das eigentlich heißt, dieses merkwürdige Wort "geweihtes Leben". Es klingt abgehoben, fromm, und jeder, der Schwestern und Brüder und Patres näher kennt, weiß: Auch sie sind keine Engel. Sie sind nicht von vornherein heilig. Die Mitglieder der Gemeinschaften wissen es erst recht. Aber sich weihen, heißt sich hingeben. Ist das nicht Hingabe, was Sie tun, im Dienst an den Menschen? Wie viele Tore der Barmherzigkeit haben unsere Klöster und die einzelnen Mitglieder im Leben und in Lebensgeschichten von Menschen geöffnet, ja, waren es geradezu, weil Sie sich dem Dienst an den Menschen verbunden haben. Geweihtes Leben ist da ganz konkret im Dienst der Nächstenliebe geworden in Gebet und Arbeit, und weil es im Kontext des Glaubens an Gott steht, sogar in der Hingabe der Schwachheit des Kreuzes und der Leiden. Das heißt "geweihtes Leben": Sich den anderen schenken.

Wir spüren: Viele Menschen - über die Ordensgemeinschaften hinaus-, eigentlich alle Christen, sind auf diese Spur gewiesen. Was heißt glauben anderes, als sich Gott anheim geben! Was heißt hoffen anderes, als auf Ihn setzen und vom Ihm alles erwarten und nicht um das eigene "Ich" kreisen! Das schlichte Tun der Nächstenliebe in den vielfältigen Engagements gibt ebenfalls davon Zeugnis. Genau darauf weisen uns die Ordensgemeinschaften hin: Bist Du in dieser Spur des Glaubens? Ich könnte auch sagen: Lebst Du im Einsatz Gottes? Denn das ist doch Gottes Tun, sich weihen im Dienst an den Menschen. Als Jesus in den Tempel gebracht wird, um Gott geweiht zu werden, da unterzieht Er sich einer Grundgeste Seines Volkes. Das dokumentiert: Wir gehören Gott, und wir sind damit Zeugnis dafür, dass es Gott gibt, und dass Er für uns da ist und sich uns schenkt, hingibt und weiht.

Liebe Schwestern und Brüder, bei den Ordens-Christinnen und Christen kommt noch eine andere Dimension mit ins Spiel. Sie weihen sich einer Berufung. Das macht sie nicht deshalb moralisch besser. Sie sind nicht qualitativ die höheren Christinnen und Christen – beileibe nicht. Aber sie haben gespürt: Ich muss dem Herrn folgen. In mir lebt eine Wirklichkeit, der ich nachgehen muss, die mich spüren lässt: Mein Leben soll Ihm ganz gehören. Gott ist eine so große Wirklichkeit, dass man Ihm sein ganzes Leben schenken kann. Wenn das nicht jeder Christ in dieser inneren Stärke und Intensität erfährt, ist das kein Grund, sich für einen schlechteren Menschen zu halten. Aber es gibt diese Erfahrung, von Gott ganz eingenommen zu werden. Es gibt diese Erfahrung in den Herzen von jungen Menschen auch heute. Da sind wir allerdings alle herausgefordert. Wenn wir nämlich taub und unsensibel werden für diese Wirklichkeit, kann es sein, dass wir jungen Menschen nicht helfen können auf dem Weg ihrer eigenen Berufung, ja, dass dieser Ruf sogar versiegt. Das ist zum Beispiel auch dann der Fall, wenn wir die unterschiedlichen Gaben und Berufungen innerhalb unseres Christseins gleich machen, ohne einzelne Nuancen hervortreten zu lassen, werden Berufungen zum Priester- und Ordensleben nicht gefördert werden. Es gibt, liebe Schwestern und Brüder, diesen Ruf, Christus ganz nahe zu sein, und Er macht es möglich, in Seine Lebensgestalt einzutreten. Genau darum ging es Papst Franziskus, als er das Jahr des geweihten Lebens ausrief.

Es ist also möglich, sich Ihm, dem Herrn, ganz zur Verfügung zu stellen - im Gehorsam an Seinen Willen, den Er uns zeigt durch die Diensten einer Gemeinschaft, in der Er die Einzelnen beruft, ja auch im Gehorsam an den Oberen, indem Menschen sich Ihm in dieser Lebensgestalt zur Verfügung stellen, können sie Ihm auch in Armut alles geben, was uns an materiellen Gütern zur Verfügung steht - bis hin zur eigenen leiblichen Kraft und Sexualität. Die Nähe zum Herrn macht das möglich!

Dafür sind Sie, liebe Schwestern und Brüder aus den Gemeinschaften, Zeugen - in aller Demut und Schlichtheit, ja, in Bescheidenheit. Nicht, um zu zeigen, dass Sie die Galionsfiguren des Christentums sind oder die Paradepferde, wie man es eigentlich machen soll, sondern in Einfachheit und Demut. Wir können das ablesen an der Szene, die das Festgeheimnis heute darstellt. Schauen Sie: Wie kommt der Herr zu Seinem Tempel? Die große Verheißung aus dem Buch Maleachi erfüllt sich in diesem Augenblick, als Jesus als Kind in den Tempel kommt. Wer die Worte des Propheten für sich nimmt, wird nicht unbedingt an eine solche einfache Szene denken, sondern sich eher etwas Großes vorstellen. Der Herr kommt unscheinbar, schlicht, kaum bemerkt. Nur einige gibt es, die sehr sensibel dafür sind, weil sie für den Ruf des Geistes ein großes, offenes Ohr behalten haben, bis in ihre alten Tage, schlicht und bescheiden und – in Treue -, in Treue, diesen Dienst zu gehen. Deshalb möchte ich Ihnen, liebe Schwestern und Brüder, mit einem kleinen Wort des Priesterdichters Andreas Knapp eine Ermutigung geben und einen Hinweis, über das "Jahr des geweihten Lebens" hinaus Ihrer Sendung zu folgen:

Gelübde

nein
ich hab mich nicht versprochen
denn mein Versprechen gilt
in ihm bin ich es selber
mein Wort und ich sind eins

Treue ist wie eine Wurzel
die hinabreicht bis
ins Grundwasser der ersten Liebe
und in dieser Tiefe
Halt und Nahrung findet
wo ich verwurzelt bin
da stehe ich

und das Gelübde
ist kein Konservierungsmittel
vielmehr ein belebendes Ferment
das die stets wandelnde Geschichte
von innen zu verwandeln sucht
durch Sinn und Richtung
damit das Leben nicht
wie ein zerschellter Krug
in Bruchstücke zerfällt
sondern ein Ganzes wird
und ich ganz werd in ihm (1)

Anmerkungen:

(1) A. Knapp, Brennender als Feuer, 7. Auflage 2014 – Echter Verlag, S. 20.

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Text: Bischof Felix Genn
02.02.2016

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