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Seite: Aktuelles  >  Dokumentiert: Predigt des Bischofs beim "Tag der Ordensjubiläen" 2015
11.12.2018
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Dokumentiert:

Predigt des Bischofs beim "Tag der Ordensjubiläen" 2015

Bistum. Am Dienstag (19.05.2015) feierte Bischof Felix Genn mit den Ordensjubilaren ein Pontifikalamt im St.-Paulus-Dom in Münster. – kirchensite.de dokumentiert die schriftliche Fassung seiner Predigt.

Liebe Schwestern und Brüder aus den Ordensgemeinschaften unseres Bistums, liebe Schwestern und Brüder im Glauben, die Sie unser Gebet heute Morgen durch Ihre Teilnahme mittragen! "Dreitausendfünfhundertfünfundsiebzig Jahre gelebter Liebe!" So lautete kürzlich in "Kirche und Leben" die Überschrift eines Berichtes über die Ordensjubilare der Mauritzer Franziskanerinnen. Dreitausendfünfhundertfünfundsiebzig Jahre wurden durch die unterschiedlichen Jubiläen von siebzig über sechzig und so weiter gezählt. Ich weiß nicht, ob sich jemand die Mühe macht, heute Morgen die Zahl zu übertreffen durch Ihre Anwesenheit und die Anwesenheit all derer, die als Jubilare diesen Gottesdienst Zuhause in ihrem Heimatkloster mitfeiern. Das ist auch ganz gleich. Diese Zahl symbolisiert nur in großer Dichte, was wir in diesem Gottesdienst dankbar gedenken und feiern dürfen: "Jahre gelebter Liebe!" Dazu gehört die Rückschau, die Sie sicherlich in den zurückliegenden Wochen schon gehalten haben, oder noch halten werden, wenn das Jubiläum vor Ihnen liegt. Rückschau auf das, was gewesen ist, und ob das stimmt, dass es "Jahre gelebter Liebe" waren.

Zugleich der Ausblick auf das, was vor Ihnen liegt, wozu ja ganz besonders der Segen gedacht ist, damit Sie diese Jahre weiterhin als "Jahre gelebter Liebe" gehen können.

Rückblick, das ist auch ein Thema, das die beiden Lesungen des heutigen Dienstags der 7. Osterwoche unmittelbar vor dem Pfingstfest bestimmt. Einmal der Text aus der Apostelgeschichte: Paulus hält Rückblick auf das, was er der Gemeinde von Ephesus, die er nach seiner Meinung nie mehr sehen wird, gegeben hat. "Ich habe mich nicht der Pflicht entzogen, euch den ganzen Willen Gottes zu verkündigen" (Apg 20,27) - so sagt er summarisch und zusammenfassend. Und Jesus? Der Text aus dem 17. Kapitel des Johannesevangeliums, unmittelbar vor der Erzählung der Passion und des Sterbens, ist ebenfalls Rückblick: "Vater, ich habe ihnen deinen Namen kundgetan" (Joh 17,26; vgl. ebd. 6), so sagt Jesus. Er schaut zurück und verdichtet in kurzen Sätzen den Inhalt seiner Sendung und seines Auftrags, bevor er ihn ausfließen lässt in das Sterben am Kreuz.

Liebe Schwestern und Brüder, gilt das nicht in irgendeiner Weise auch für Sie? Ganz unabhängig davon, was noch kommt: Dabei wird Sie, so vermute ich, tiefer Dank erfüllen können - bei all dem Leid, auf das Sie dann sicherlich auch blicken. Deshalb möchte ich Ihnen drei Hinweise geben aus diesen wunderbaren Texten, die wir heute Morgen hören dürfen.

Zwei Hinweise zum Dank: Wofür dürfen Sie danken? Jesus spricht davon, dass er seinen Jüngern das Leben verkündet hat. Er drückt aus, worin dieses Leben besteht: "Das ist das ewige Leben: Dich, den einzigen wahren Gott, zu erkennen, und den du gesandt hast, Jesus Christus" (ebd. 3). Liebe Schwestern und Brüder, haben Sie nicht allen Grund, "Danke" zu sagen, dass Sie das erkannt haben - und damit das Leben, das Leben, wie es wirklich bis in die letzten Tiefen hinein ist, erkennen durften? Ist das nicht ein kostbares Geschenk, den wahren Gott zu erkennen und den, den er gesandt hat, Jesus Christus, durch den wir die Erkenntnis Gottes überhaupt finden können? Ihr Leben wäre doch ganz anders verlaufen, wenn nicht das der innerste Kern wäre. Darin besteht das Leben, Jesus Christus zu erkennen, und zwar nicht nur einfach als eine Wirklichkeit des Verstandes, eine Wirklichkeit, die wir mit den Mitteln des Intellektes irgendwo erreichen, sondern in der Tiefe des Herzens spüren zu dürfen: "Es stimmt, es ist wahr. Er ist der Gesandte, durch den wir überhaupt erkennen dürfen, wie es um Gott ist, und wer Gott ist." Und welcher Horizont öffnet sich dabei, diesen Jesus von Nazareth erkannt zu haben und immer wieder neu zu erkennen in allen Dimensionen, die sich durch sein Wort auftun. Er öffnet einen Horizont, der unserem Leben einen Ewigkeitswert gibt, eine Hoffnung schenkt, denn diesen wahren Gott zu erkennen, heißt für immer in Seiner Nähe sein zu können, bei allem Verfall unseres menschlichen Lebens, bei aller Kürze unserer Lebensdauer. Und welche Richtung liegt darin, Ihn zu erkennen? Unterscheiden zu können zwischen dem, was dem Leben dient und was ihm schadet, was förderlich ist und was nicht gut tut, unterscheiden zu können, was Gut und Böse ist, einen Weg zu gehen, in dem es auch die Vergebung gibt, wenn ich von diesem Weg abgeirrt bin. Das ist ein Leben! - zu wissen, dass tatsächlich in der Hingabe sich das tiefste im Leben vollzieht, was möglich ist.

Ich sage es gerne, auch wiederholt an dieser Stelle, mit den Worten der Schlussversammlung der letzten Lateinamerikanischen Bischofskonferenz. An diesem Text hat sicherlich der damalige Kardinal von Buenos Aires, unser jetziger Heiliger Vater, mitgearbeitet: "Jesus  kennenzulernen ist das beste Geschenk, das einem Menschen zuteilwerden kann" (Aparecida 29). Das ist der erste Hinweis zum Dank, liebe Schwestern und Brüder.

Der zweite Hinweis geht noch eine Stufe tiefer, denn dieses Kennen bedeutet Ihm zu gehören: "Alles, was mein ist, ist dein, und was dein ist, ist mein. Du hast sie mir gegeben" (vgl. ebd. 10.9), sagt Jesus zum Vater. Lassen Sie sich das einmal einen Augenblick durchs Herz gehen, dass der Vater Sie dem Sohn gegeben hat, dass Sie ein Geschenk des Vaters an den Sohn sind, und dass Sie Ihm deshalb gehören. Nicht in einem Besitz, bei dem einem der Hals zugedreht wird, sondern der Atem erst recht in die Weite gehen kann. Jesus zu gehören, so dass Sie es wagen konnten, die Gelübde abzulegen, die Profess zu sprechen, in Seine Lebensgestalt einzutreten. Oft genug verbinden Menschen - und vielleicht wir selber auch - mit dem Begriff "Kirche" "Strukturen", "Institution", "Moralgesetze", "Gebote" und "Verbote", aber das Erste des Christseins ist doch die Nähe zum Herrn, Ihm zu gehören und deshalb zu zeigen: Man kann in Gehorsam, Armut und Jungfräulichkeit leben. Das geht, das geht auch in einer Gesellschaft, die auf die Autonomie des eigenen Ichs so großen Wert legt, die sich bestimmen lässt vom Haben, bis hinein in die Körperlich- und Leiblichkeit in der Gestalt Jesu zu sein und Ihm zu gehören. Deshalb bittet Jesus ja sogar intensiv vor seinem Sterben für alle, die Ihm gehören. Schon damals wurde für uns gebetet, und dieses Gebet setzt sich fort, hört niemals auf, denn Er ist unser Mittler und Fürsprecher beim Vater. Es ist Gebet, so darf man sagen, und darin sind wir aufgerufen und zugleich mitgenommen. Das können Sie immer noch, selbst wenn Sie keine Aktivität mehr von Ihrem körperlichen Zustand aktiv entwickeln können. Aber hineingehen in das fürbittende Gebet, das der Herr für die Welt und für den Einzelnen spricht, können wir immer noch. Wenn ein Mensch durch Ihr Gebet jeden Tag vorgestellt wird vor dem Vater, was kann das für diesen Menschen bedeuten! Dann ist doch schon Heil da, Veränderung möglich. Wir müssen das nicht immer berechnen und als Ergebnis festhalten können. Ihm zu gehören bedeutet in Seiner Sendung der Fürbitte mitmachen zu können. Kann man nicht dafür auch wirklich danken, danken, Ihn zu erkennen, danken, Ihm zu gehören!

Das ist der dritte Hinweis, liebe Schwestern und Brüder: Das schenkt doch Vertrauen! Der Apostel Paulus spürt, als er mit den Ältesten von Ephesus in Milet redet, dass er auf eine schwere Situation zugeht. Er drückt das aus: "Nun ziehe ich, gebunden durch den Geist, nach Jerusalem, und ich weiß nicht, was dort mit mir geschehen wird. Nur das bezeugt mir der Heilige Geist von Stadt zu Stadt, dass Fesseln und Drangsale auf mich warten" (Apg 20,22-23). Bleiben wir nur bei dem Wort "gebunden im Geist": Das wünsche ich Ihnen. Es müssen nicht unbedingt Fesseln und Drangsale, Leid und Schmerz sein, aber eines können wir davon mitnehmen: Gebunden im Geist zu gehen, sich führen zu lassen. Dann werden das "Jahre gelebter Liebe".

Liebe Schwestern und Brüder, gerade in den Tagen vor Pfingsten bitten wir ja intensiv um die Gabe des Geistes. Sie kann heute Morgen darin bestehen, dass wir uns vom Geist binden und führen lassen, dass nicht unsere eigene Idee den Alltag prägt und bestimmt, sondern dass immer noch die Sensibilität da ist, aus der Zugehörigkeit zum Herrn zu spüren, wo der Geist uns hinführt, wo der Geist auch die Kirche hinführt in einer ganz verwirrenden Situation, wo es fast schon schwierig ist, die unterschiedlichen Stimmen und Geister zu unterscheiden.

Ich wünsche Ihnen von ganzem Herzen, dass Sie "gebunden durch den Geist" noch viele, viele "Jahre gelebter Liebe" erfahren dürfen. Amen.

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Text: Bischof Felix Genn
19.05.2015

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