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Seite: Aktuelles  >  Dokumentiert: Predigt von Bischof Felix Genn beim Ordenstag am 28.09.2013
17.12.2018
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Dokumentiert:

Predigt von Bischof Felix Genn beim Ordenstag

Bistum. Bischof Felix Genn feierte am Samstag (28.09.2013) ein Pontifikalamt aus Anlass des diesjährigen Ordenstags im St.-Paulus-Dom in Münster. – kirchensite.de dokumentiert die schriftliche Fassung seiner Predigt.

Liebe Schwestern und Brüder im Glauben, ganz besonders Sie, liebe Schwestern und Brüder, aus den verschiedenen Ordensgemeinschaften unseres Bistums! "Wozu es Ordenschristen braucht", das war der anregende Untertitel, zu dem Sie alle eingeladen wurden, diesen Tag hier in Münster zu begehen. Wertvolle, ganz reiche Anregungen haben wir durch Bischof Joachim empfangen, dem ich für seine Worte, denen man die Würze und das Salz des Evangeliums anfühlen konnte, ganz herzlich danke. Natürlich danke ich auch allen, die diesen Tag mitgestalten und vorbereitet haben, Ihnen, Schwester Regina Pacis als Vertreterin des Ordensrates und Ihnen, Herr Pfarrer Reidegeld mit Frau Schulz und allen Mitarbeiterinnen aus dem Ordensreferat.

1. "Wozu es Ordenschristen braucht – Das Salz des Evangeliums, mit dem wir gesalzen werden sollen." Darüber haben Sie heute nachgedacht. Sie haben anhand der Anregungen von Bischof Joachim Austausch gehalten und Ihr Leben miteinander geteilt durch Erfahrungen, die Sie machen, durch Erlebnisse, auch durch Bedrängnisse, die Ihnen zuteil werden. Sie haben Leben geteilt und Sie haben dieses Teilen hineingeführt in das Teilen des Wortes Gottes miteinander. Gerade im Austausch über das, was der Herr uns sagen will, werden wir innerlich gewiss, was unsere Sendung, unsere Berufung und unser Auftrag ist. Das Teilen des Lebens und das Teilen des Wortes findet nun seinen Höhepunkt im Teilen des Brotes. Indem wir das Wort miteinander teilen, wird es fruchtbar, trägt es dazu bei, dass Kirche lebendig bleibt; denn das Teilen ist die innerste Mitte dessen, was wir jetzt feiern. In der Eucharistie teilt der Herr das Brot mit uns, ja, Er teilt Sein Leben mit uns, Er teilt uns Sein Wort und Sein Fleisch und Blut mit. Der heilige Ignatius sagt in der "Betrachtung zur Erlangung der Liebe: Die Liebe besteht in der Mitteilung von beiden Teilen her" (EB 231), und er verwendet dabei das spanische Wort communicación, also in der Kommunikation, im Austausch und im Teilen.

Das ist der innerste Sinn von Kirche, liebe Schwestern und Brüder. Wozu es Ordenschristen braucht – genau dazu, diese Grundgeste Gottes darzustellen. Dazu sind Sie gesandt und berufen, Ihr Leben zu teilen, mit den vielen Menschen, denen Sie begegnen, sich beschenken zu lassen aus dem, was der Herr uns mitteilt, damit Sie Ihm Ihr Leben mitteilen können.

2. Damit kann ich gut, liebe Schwestern und Brüder, eine Brücke schlagen zu dem heutigen Gottesdienst, in dem wir bereits der Feier der Domweihe gedenken. Es geht dabei nicht um den äußeren Bau. Er ist nichts anderes als Sinnbild für Kirche. Darstellung von Kirche im Teilen, aber zugleich, liebe Schwestern und Brüder, auch Darstellung einer einladenden Kirche. Das sind Sie auch! Wenn wir die Texte auf uns wirken lassen, die die Kirche an diesem Fest auswählt, dürfen wir innewerden, wie sehr gerade sie - Kirche – ein Geschenk ist. Der Hebräerbrief drückt das in starken Bildern aus, indem er zurückgreift auf die Geschichte des Volkes Israel - die Versammlung am Sinai. Dabei hat das Volk Donner und Blitz erfahren und durfte gar nicht den Berg betreten. Dem gegenüber sind wir durch Christus Gerufene, die Versammlung derer, die im Himmel aufgezeichnet sind, und die hintreten können zu Seinem Leben, zu der Hingabe Seines Blutes, zur Eucharistie. Darin verwirklicht sich, was der Prophet Jesaja in einer Vision für das Gottesvolk geschaut hat: Er blickt auf den Tempel und sieht darin das Zeichen, zu dem alle Menschen unterwegs sind und dieser Tempel ein Haus des Gebetes für alle Völker wird. Das ist die tiefste Sehnsucht Gottes: Mit allen Völkern zusammen zu sein, alle zu sich hintreten zu lassen, in Seine Nähe zu rufen.

In der wunderbaren Begebenheit mit dem kleinen Zachäus, dessen Name darauf hinweist, dass Gott an uns Menschen denkt, dass Er sich unserer erinnert, auch der Kleinen und der Sünder, verwirklicht sich diese Sehnsucht Gottes nach uns.

Wenn Sie mit Menschen zu tun haben, liebe Schwestern und Brüder, wenn Sie Ihr Leben teilend hingeben, dann sprechen Sie durch Ihr Dasein diese Einladung aus: Der Sehnsucht Gottes eine Antwort zu geben. Teilende und einladende Kirche zu sein, dazu sind Ordenschristen da.

3. Ich darf noch einen dritten Hinweis anfügen. Das Bild für die Kirche ist vielfältig. Das Zweite Vatikanische Konzil hat in seinem Dokument über die Kirche eine Reihe von Bildern dargestellt. Eines ist ganz und gar personal: Die Kirche als Braut. Darin kommt ein besonderer Aspekt zum Ausdruck, wozu auch Ordenschristen da sind: In dieser Welt den Ausblick auf das Reich Gottes darzustellen, so wie es Bischof Joachim heute ausgedrückt hat. Dass wir im Ausgriff auf das Reich Gottes sind, in einer ganz frohen Erwartung und einer begründeten Hoffnung. Gerade das Bild der Braut bringt zum Ausdruck, dass wir uns nicht begnügen mit dem, was jetzt ist, sondern warten können auf die Ankunft des Herrn, der sich selbst als Bräutigam sieht. Wartende, harrende Menschen zu sein und nicht mit dem sich zufrieden zu geben, was doch nicht reicht!

Vor einigen Wochen bekam ich in einer Danksagung zu meinem Beileidsschreiben aus Anlass des Todes einer Essener Karmelitin, einen wunderbaren Text geschenkt. Die Schwestern im Karmel von Essen fanden nach dem Tod auf dem Zimmer dieser einfachen, schlichten Ordensfrau folgende Worte:

Oh Gott, wir warten aufeinander:
Du wartest, bis ich komme
und ich warte, bis du mich nimmst.
Nie werde ich bis zum Ende
bestaunt haben,
dass du auf mich wartetest.
Wann wirst du mich in dich aufnehmen?
Ich kann nur ankommen,
wenn du mich nimmst.
Oder hast du mich schon genommen?

Wozu sind Ordenschristen da? Den Ausgriff und das Warten auf Gott in dieser Welt darzustellen, und so Seiner Sehnsucht nach uns zu entsprechen. Amen.

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  1. undefinedOrdenstag mit Bischof em. Joachim Wanke (28.09.2013)
  2. Öffnet internen Link im aktuellen FensterDossier: Bischof Felix Genn

Text: Bischof Felix Genn
28.09.2013

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