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Seite: Aktuelles  >  Dokumentiert: Predigt von Bischof Genn beim Diözesantag der KFD am 2.7.2011
23.05.2012
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Dokumentiert:

Predigt von Bischof Genn beim Diözesantag der Katholischen Frauengemeinschaft Deutschlands

Bistum. Am Samstag (02.07.2011) fand in Münster der Diözesantag der Katholischen Frauengemeinschaft Deutschlands (KFD) statt. Bischof Felix Genn feierte mit den Frauen ein Pontifikalamt. kirchensite.de dokumentiert die schriftliche Fassung seiner Predigt.

Liebe Schwestern, liebe Brüder, zwei Frauen begegnen sich, eine ältere und eine jüngere. Sie begegnen sich in der Frucht ihres jeweiligen Leibes. Der Maler Hans Baldung Grien hat diese Begegnung in eine Landschaft hineingestellt, zu finden auf dem Altar des Freiburger Münsters. Nicht in einem Haus ereignet sich die Begegnung dieser beiden Frauen, sondern im Haus der weiten Schöpfung. Sie tragen Menschenfrucht in sich, und die Leiber berühren sich, die Hände reichen sich zum Gruß, die Blicke senken sich, ob des Geheimnisses, das jede Einzelne in sich trägt - fast mit einer gewissen Scheu -, und die Sonne geht auf: Es ist Morgen – Schöpfung – neues Leben.

So hat der Maler um das Jahr 1516 versucht, diese Erzählung, die wir heute am Festtag der Begegnung der beiden Frauen hören, ins Bild zu setzen und so uns mit diesem Bild in unserer christlichen Berufung zu bilden, zu formen und hineinzuführen in das Geheimnis des Glaubens. Was diese beiden Frauen sich in diesem Augenblick der Begegnung mitteilen, das dürfen wir im Text des Evangelisten Lukas als Botschaft der Freude, als Evangelium, hören: Die Erfahrung, die in der Begegnung von Maria und Elisabeth deutlich wird: In mir hat Gott gehandelt. Die Begegnung bringt die beiden dazu sich auszutauschen über das Tiefste, was sie erfüllt, über das Geheimnis des Lebens, an dem sie in einer ganz tiefen inneren Weise teilhaben dürfen. Sie erzählen sich, was Gott an ihnen getan hat, und sind davon bis in die Frucht ihres Leibes bewegt. Sie schätzen sich glücklich und preisen sich selig, weil sie geglaubt haben. Das Kind im Leib der Elisabeth hüpft vor Freude, und das Herz Mariens strömt über in Jubel über die Großtaten Gottes.

Liebe Schwestern, liebe Brüder, in diesem Augenblick verdichtet sich für den gläubigen Christen das, was in der Verheißung des Volkes Israel zu finden ist: Es wird möglich sein,  dass Gott wirklich in unserer Mitte ist. In der Stimme des Propheten Zefanja heißt es einmal, dass Gott sich über uns freuen und über uns jubeln wird. Deshalb verkündet der Prophet: "Der König Israels, der Herr, ist in deiner Mitte; du hast kein Unheil mehr zu fürchten. … Der Herr, dein Gott, ist in deiner Mitte, ein Held, der Rettung bringt. Er freut sich und jubelt über dich, er erneuert seine Liebe zu dir, er jubelt über dich und frohlockt" (Zef 3, 15b.17.).

In dieser Stunde, liebe Schwestern und Brüder, haben wir all das versammelt, was Sie in sich tragen, was Sie zu diesem Tag mitgebracht, und worüber Sie Austausch, Gespräch, Kommunikation gepflegt haben. Was ist hier, liebe Schwestern und Brüder, an geistlicher Kraft in dieser Stunde versammelt! In Ihnen, liebe Frauen aus den vielen Gruppen in unseren Gemeinden der Katholischen Frauengemeinschaft Deutschlands und über diesen Verband hinaus: Was bringen Sie hier an Leben, an Geheimnis, an Erfahrung mit! Was tragen Sie alles im Herzen und teilen es miteinander!

Wenn ich heute mit Ihnen zusammen sein darf in der Feier der Danksagung, dann kann ich nur mit Scheu und Respekt, auch mit einer gewissen Verlegenheit sagen: Wie gut, dass Sie da sind, und ich möchte Ihnen von Herzen danken. Aber meine Worte sind viel zu schwach dafür. Deswegen gebe ich es dem Herrn, damit Er, der alles gibt, was in Ihnen lebt und wirkt, aufnimmt.

Liebe Schwestern aus den Verbänden, Gruppen, aus den Gemeinschaften, was bringen Sie alles mit, damit das Geheimnis des Glaubens konkret vor Ort Wirklichkeit und Gestalt wird: Da ist das Engagement ganz praktisch in vielen Bereichen unserer Pfarrgemeinden. Das sind aber auch Engagements weit darüber hinaus in die Gesellschaft und in die Kirche hinein. Das sind aber auch Verletzungen, Verwundungen, Enttäuschungen. Wie oft mag viele von Ihnen bewegt haben, was der Apostel Paulus uns heute in der Lesung aus dem Römerbrief vor Augen stellt, wenn Sie sich eingesetzt haben, in einer Liebe ohne Heuchelei, im Abscheu vor dem Bösen, im Festhalten am Guten, im Zugetan-Sein in geschwisterlicher Liebe, im Eifer, der nicht nachlässt, im Brennen vor Begeisterung für den Geist Gottes, in fröhlicher Geduld, Geduld in der Bedrängnis, beharrlich im Gebet, in der Gastfreundschaft, im Segen statt im Fluchen, in der Freude mit den Fröhlichen und im Weinen mit den Weinenden (vgl. Röm 12, 9-15). Jeden Satz dieser Lesung, liebe Schwestern, könnten Sie füllen mit dem, was Sie in Ihrer Gemeinde und in Ihren Verband eingebracht haben – trotz allem, was Sie auch an Frustrationen erleben mussten. Jeder Satz ist gefüllt mit Ihrer Erfahrung. Mögen Sie manchmal auch den Eindruck von Fruchtlosigkeit haben, so dürfen Sie doch wissen: Es kann nicht sein, dass etwas, das aus Liebe geschieht, verloren geht. Es geht nicht verloren, was aus Liebe geschieht!

Wir haben eben in den Zeugnissen erfahren dürfen, wie weit reichend dieser Einsatz aus der Kraft des Glaubens ist. Er geht hinein in die Bewahrung der Schöpfung, in die Ehrfurcht vor dem Leben, in der Annahme auch eines behinderten Kindes. Dieser Einsatz ist nicht einfach nur eine Funktion, die Sie auch neben anderen Aktivitäten ausfüllen, sondern er kommt daher, weil Sie am tiefsten um den Zyklus des Lebens, um das Geheimnis der Fruchtbarkeit, um die Kraft der Schöpfung wissen, jede von Ihnen, gerade weil Sie Frau sind. Sie wissen tiefer darum, als wir Männer das überhaupt erspüren können. Ich möchte Sie ermutigen, dass Sie dieses Bild, das das Evangelium von heute zeichnet, als das Urbild der Kirche sehen: Zwei Frauen begegnen sich, teilen miteinander, was Gott Großes an ihnen getan hat, zeigen, dass sie offen sind für das, was Gott in ihnen wirken kann.

Dieses Bild, liebe Schwestern, liebe Brüder, wird für mich mehr und mehr zu dem Bild, aus dem auch die Kirche von Morgen, gerade angesichts der Strukturveränderungen, allein leben kann: Wenn Menschen sich begegnen und erzählen, was Gott in ihrem Leben möglich macht. Der Austausch miteinander, das Teilen von Erfahrungen, das Brechend des Brotes des Wortes Gottes, als das wir helfen, an die Tiefe des Geheimnisses des Lebens zu rühren. So können alle erfahren: Gott freut sich über uns. Er ist in unserer Mitte – und das ist nicht nur Verheißung, sondern Gegenwart. Die Dichterin Maria Eschbach hat einmal gesagt: "Wort und Antwort bilden Leben, Zwiegespräch im Urgelände. Sei der Schrein für Gott in dir".1 Wort und Antwort begegnen einander in einem solchen geistlichen Austausch, liebe Schwestern, liebe Brüder. Bei all Ihrem Engagement als Verband der kfd bleibt es wesentlich, dass Sie aus dieser Urzelle, aus dieser Urgestalt von Kirche, die im wesentlichen Frau ist, leben, weil Sie das Geheimnis des Lebens empfangen. Sie sind für uns in unseren Gemeinden nicht deswegen wertvoll, weil Sie dies oder jenes tun, weil Sie dafür gebraucht werden - mag es auch oft genug den Anschein haben, Sie sind deswegen wertvoll, weil es Sie gibt, weil Sie da sind, und weil keiner von uns ohne eine Frau wäre, und weil Kirche in der tiefsten Weise empfangen hat, was der Vater durch Jesus Christus in Seinem Sohn der ganzen Welt schenken will, und was wir der Welt austragen sollen.

Ich möchte Sie ermutigen, dass Sie auf dieses innerste Geheimnis schauen, nicht auf Funktionen und Aufgaben, sondern auf dieses Sein. Wenn Sie diesen inneren Kern bewahren, miteinander teilen, austauschen, verstärken, nähren, hegen, pflegen, dann wächst Neues, Fruchtbares für die Kirche von Morgen. Noch einmal möchte ich die Dichterin Maria Eschbach zitieren:

"Du erstickst den Kern der Sendung,
wenn du ihren Lauf berechnest.
Bleibe offen für das Ziel,
für die Frucht, die wachsen soll,
für die leitende Dynamik
göttlich eingelassener Formung.
Sie ist stärker, als du weißt.
Sie führt weiter, als du denkst
über deinen Tod hinaus".2

Danke für Ihr Zeugnis, Bitte um Ihr Zeugnis zur Stärkung des Glaubens in gegenseitiger Liebe, damit wir alle sagen können: "Groß macht meine Seele den Herrn" (Lk 1, 46). Amen.

Anmerkungen:

(1) Maria Eschbach, Das hohe Licht – Gedicht, Paderborn 1999, 64.
(2) Ebd. 18

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  3. Öffnet internen Link im aktuellen FensterDossier: Bischof Felix Genn

Text: Bischof Felix Genn
02.07.2011

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Am Mittwoch zwischen 20.30 und 21.30 Uhr im Chat: Diakon Holger Meyer.

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