Anzeige:
Werbung

kirchensite.de | Online mit dem Bistum Münster: Nachrichten aus der Kirche, katholischer Glaube, Spiritualität, Heiligenlexikon, Veranstaltungen, Seelsorge, Fürbitte, Bibelarbeiten, Dossiers.

. . . . .
Seite: Aktuelles  >  Dokumentiert: Predigt von Bischof Genn beim Tag der Ordensjubiläen am 12.05.2011
10.12.2018
Artikel drucken
Logo kirchensite.

Dokumentiert:

Predigt von Bischof Genn am "Tag der Ordensjubiläen"

Bistum. Am Donnerstag (12.05.2011) fand in Münster der "Tag der Ordensjubiläen" statt. Bischof Felix Genn feierte mit den Ordensjubilaren ein Pontifikalamt im Paulusdom. kirchensite.de dokumentiert die schriftliche Fassung seiner Predigt.

Liebe Schwestern und Brüder im Glauben, liebe Jubilarinnen und Jubilare! "Das war eine Attraktion." Diesen Ausruf haben Sie sicherlich selber schon einmal gesprochen oder zumindest gehört. Vieles verbirgt sich hinter einem solchen Satz. Ein Ereignis bei einem Jahrmarkt oder auf der Kirmes oder irgendein Sonderangebot in einem großen Kaufhaus, eine bestimmte Persönlichkeit im Rahmen einer Veranstaltung und was auch immer. Menschen leben gerade im Zeitalter der Werbung von Attraktionen. Dinge müssen attraktiv sein, anziehend. So kann man dieses Wort schlicht übersetzen. Kirche ist im Augenblick in vielen Kreisen nicht attraktiv. Da brauchen wir uns nichts vorzumachen. Anziehend - was die Botschaft des Evangeliums ausmacht - können wir das feststellen bei Ihnen, als Sie den Schritt getan haben vor 25, 40, 50, 60, 65, ja 70 Jahren? Da war in Glaube und Kirche eine Kraft der Attraktion, da war etwas Anziehendes, das Sie bewogen hat, diesen Schritt zu tun. Ja, ich darf behaupten, bei all dem, was in Ihrem Leben auch an Schwierigem, Bedrängendem, Belastenden vorhanden gewesen ist, diese Spannkraft hat gehalten. Die Anziehungskraft ist bis zur Stunde da.

Liebe Schwestern, liebe Brüder, ich habe gestern Abend ein Gespräch mit jungen Menschen gehabt im Rahmen der Arbeit der Stelle für Berufungspastoral. Es war eine freie, offene Ausschreibung: Wer kommen wollte zum Gespräch mit mir, war herzlich willkommen. Wir sind ausgegangen von einem Text einer Ordensfrau, Schwester Veronika, mit dem Titel "Jesus Christus. Grund genug", und dann eine Reihe von Beispielen für diesen Grundsatz. Es war für mich interessant festzustellen: Christus behält seine Attraktivität. Er bleibt anziehend - auch heute - für junge Menschen. Sie haben eine andere Sprache, andere Formen sich auszudrücken und zu kommunizieren, aber Christus bleibt Grund genug, sich mit Ihm zu beschäftigen und auseinanderzusetzen.

Liebe Schwestern, liebe Brüder, ich komme zu diesem Stichwort, weil es der Herr mir heute Morgen vorgibt. Er sagt nämlich in dem Text, den wir heute als Abschnitt aus der großen eucharistischen Rede vernehmen: "Niemand kann zu mir kommen, wenn ihn der Vater nicht zieht" (Joh 6, 44). Wir haben das übersetzt: Wenn ihn der Vater nicht zu mir führt. Aber da steht: "wenn der Vater ihn nicht zieht". Jesus weiß um dieses Moment der Attraktivität, des Attraktiven. Er weiß, dass das nicht bloß eine Sache des Kopfes und rationaler Überlegung ist, sondern wesentlich Herzensangelegenheit. Ich darf diesen Satz noch einmal mit Ihnen im großen Zusammenhang dieser Rede lesen. Jesus hatte für die Menschen seiner Zeit wahrhaft etwas Anziehendes. Man muss sich das vorstellen, was die Leute erzählt haben, als sie die wunderbare Brotvermehrung erlebt haben. Da haben sie auch mit Sicherheit in ihrer Sprache gesagt: Das war eine Attraktion, das hättest du mal miterleben müssen. Deshalb sind sie Ihm nachgelaufen, haben Ihn gesucht. Er hat diese Suche aufgenommen. Aber Er hat sie auch gewendet, indem Er sie mit Seiner Person konfrontierte. Er griff auf, dass diese Menschen in der wunderbaren Brotvermehrung die Möglichkeit sahen von einem wunderbaren Leben, wo man eigentlich für das tägliche Brot nicht mehr zu sorgen braucht; denn man hat ja jemanden, der einem das liefert. Das will Er nicht, irgendein Wundertäter sein, der einem Zauberer zu vergleichen ist. Das möchte Er nicht sein, darin liegt nicht Seine Attraktion. Deshalb führt Er sie nach und nach in das Geheimnis Seiner Person ein. Er spricht davon, dass die Zeit des Manna-Regens vorbei ist, den sie natürlich alle aus der Geschichte ihres Volkes kennen. Er spricht davon, dass Gott selbst ihnen vom Himmel her ein Brot geben wird, das den tiefsten Hunger und die tiefste Sehnsucht des Menschen zu sättigen vermag. Dabei weist Er hin, dass Er dieses Brot gibt. Ja, dass Er es ist, dieses Brot des Lebens. Das irritiert, und sie murmeln untereinander: Der kommt da aus einem Dorf Nazareth, war Zimmermann, wie kann der behaupten, Er sei das Brot, das der Vater vom Himmel her gibt! Dann aber greift Er die tiefste Sehnsucht auf, die der Mensch in sich trägt: Es ist die Sehnsucht unendlich geliebt zu sein, Gott kennen zu können. Wer den sucht, wer diesen Gott sucht, der wird von Gott selbst zu Ihm geführt, den zieht der Vater sozusagen mit sich und bringt ihn zu Jesus. "Niemand kann zu mir kommen, wenn nicht der Vater, der mich gesandt hat, der mich als das Brot vom Himmel geschickt hat, zu mir führt, zieht hin zu mir" (vgl. Joh 6, 44). Jesus sagt gar nicht: Ich bin die Attraktion. Dafür ist Er viel zu demütig, sondern Er überlässt die Initiative dem Vater.

Liebe Schwestern, liebe Brüder, heute Morgen steht vor uns in Ihnen eine vielfältige Buntheit, wie der Vater das gemacht hat; denn Sie können berichten, wie Er Sie geführt und gezogen hat und Sie Jesus entdecken ließ. Welche Kostbarkeit es war, Ihn gefunden zu haben, wie nahrhaft dieser Jesus ist, wie sehr Er Ihnen, manchmal völlig alltäglich, gezeigt hat: Das stimmt, was Er sagt: "Wer glaubt, dem öffnet sich ewiges Leben" (ebd. 47).

Sprechen Sie davon, liebe Schwestern, liebe Brüder. Sie werden immer wieder Menschen begegnen, die diese Erfahrung und dieses Zeugnis brauchen. Es braucht nicht so außergewöhnlich zuzugehen, wie in der Erzählung aus der Apostelgeschichte, die wir heute hören, aber es ist im Grunde genommen dieselbe Bewegung. Da sitzt jemand auf seinem Wagen aus Äthiopien. Um Gott zu suchen macht er sich auf den langen Weg, den Nil abwärts nach Jerusalem und liest in den Schriften und trifft auf einen Glaubensboten der Auferstehung, der dieses Suchen aufgreift und ihn fragt: "Verstehst du eigentlich, was du da liest?" (Apg 8, 30). Vielleicht sind es bei Ihnen völlig andere Erfahrungen, wo Sie andere treffen, auf welchen Fahrten und Wegen auch immer, wo Sie fragen: Verstehst du eigentlich, was du suchst? Und dann geben Sie Antwort in diese Suche hinein. Sie reichen das Brot des Wortes, durch Ihr Leben hindurch, werden selber zum Brot und zur Nahrung für viele. Das können Sie auch im hohen Alter noch. Dieses Brot wird nicht schimmelig, es behält seine Kraft, wenn Sie immer wieder neu dieses Brot aufnehmen.

Jesus Christus. Grund genug - nicht wahr? Jesus Christus – Grund genug, so hieß ein Satz in  diesem Text von Schwester Veronika: Jesus Christus. Grund genug, der Sehnsucht zu folgen, weil du sagst: "Komm". Und Dich hören sie immer wieder neu. Deshalb feiern Sie tagaus, tagein Eucharistie. Dabei dürfen Sie erfahren: Er sagt in jeder Eucharistie: Ich bin das Brot des Lebens. So gibt Er sich hin, so wird Er zum Opfer, denn wer sich als Brot bezeichnet, der sagt: Ich muss aufgegessen werden. Ich gebe mich hin, um verzehrt zu werden. Deshalb wartet Er darauf, dass ich Ihm wenigstens einen kleinen Antwortversuch bringe. Sie kennen das und Sie werden bei aller Stimmung des Jubiläums immer wieder wissen, wie gebrochen und klein unser Zeugnis bleibt. Aber vertrauen Sie darauf, dass die Sehnsucht wach bleibt, weil Er ruft: Komm!

Bei Adrienne von Speyr habe ich einen wunderbaren Text gefunden, den ich Ihnen nicht vorenthalten wollte zu diesem Wort: Ich bin das Brot des Lebens. Sie sagt: Der Herr selber weiß, dass wir nicht einmal "Ja" sagen und dabei bleiben können. Deshalb schenkt Er sich unzählige Male täglich neu, um unseren Glauben und unsere Hoffnung immer neu erstehen zu lassen. Sein Opfer ist jedes Mal ein Ganzes und Ungeteiltes, so wie Sein Verlangen nach uns und unserer Gegenwart vor Ihm etwas Ganzes und Ungeteiltes ist (vg. A. v. Speyr, Johannes-Streitreden, Einsiedeln 1949, 72). Stückhaft und geteilt bleibt nur unsere Antwort. Aber indem Er stets neu fragt, bietet Er uns die Gnade, unsere Teilantwort zu wiederholen. So oft zu wiederholen, bis Er schließlich durch Seine Gnade und in Seiner Gnade etwas heraushören kann, was einem wirklichen Ja-Wort gleicht. Amen.

Mehr zum Thema in kirchensite.de:

  1. undefined"Tag der Ordensjubiläen" mit Bischof Felix: Feier mit 120 Ordensleuten (13.05.2011)
  2. Öffnet internen Link im aktuellen FensterÜbersicht: Orden
  3. Öffnet internen Link im aktuellen FensterDossier: Bischof Felix Genn

Text: Bischof Felix Genn
12.05.2011

Das Evangelium hören

Service für Sie

Facebook

RSS-Feed Topnews

Öffnet internen Link im aktuellen FensterNewsticker für Ihr Web


Anzeigen-Sonderthema


Heiligenlexikon in "kirchensite.de"

im Heiligenkalender können Sie nach Monaten blättern. Oder wählen Sie hier nach Buchstaben aus:

 

Kontakt

  kirchensite-Redaktion:
  redaktionkirchensite.de

  Technik:
  technikdialogverlag.de

Dialogversand