Dokumentiert:
Predigt von Bischof Genn in der Osternacht 2011
Bistum. Bischof Felix Genn feierte in der Osternacht (24.04.2011) die Eucharistie im münsterschen St.-Paulus-Dom. kirchensite.de dokumentiert die schriftliche Fassung seiner Predigt.
Liebe Schwestern und Brüder im Glauben! Herzlichen Glückwunsch! So möchte ich Ihnen allen - uns allen - an diesem Abend, in dieser Nacht sagen. Herzlichen Glückwunsch, weil wir Getaufte sind, weil wir uns Christen nennen können, den Namen dessen tragen, der am Kreuz gestorben und von den Toten auferweckt wurde.
Vielleicht kommt uns ein solcher Glückwunsch, liebe Schwestern und Brüder, etwas merkwürdig vor, weil wir die Taufe als etwas Selbstverständliches in unserem Leben ansehen. Wer kann sich von den hier Anwesenden an seine eigene Taufe erinnern? Es werden nicht viele sein. Und doch dürfen wir gerade in unseren Tagen erfahren, wie Menschen sich auf den Weg zur Taufe begeben. Am 1. Fastensonntag habe ich Frauen und Männer aus Gemeinden unseres Bistums hier im Dom begrüßt und zugelassen zum Empfang der Grundsakramente der Kirche, die sie in dieser Osternacht oder in dieser österlichen Zeit in ihren Heimatgemeinden empfangen werden.
Immer noch ist uns der Wert der Taufe in seinen Dimensionen gar nicht so bewusst. Ich möchte gerne das Wort, das Jesus zu der samaritischen Frau am Jakobsbrunnen sagt, auch auf uns angewandt wissen: "Wenn du die Gabe Gottes kenntest, und wenn du wüsstest, wer es ist, der hier mit dir redet, dann hättest du ihn gebeten, und er hätte dir lebendiges Wasser gegeben" (vgl. Joh 4,10).
Liebe Schwestern und Brüder, wenn du die Gabe Gottes kenntest! Das lebendige Wasser, das Gott uns durch den Tod und die Auferstehung seines Sohnes geschenkt hat! Dass uns das in dieser Osternacht wieder neu ins Bewusstsein, ins Herz dringt, dafür bietet die Liturgie ihren ganzen Reichtum auf, den sie aus der Schöpfung und aus der Heilsgeschichte anzubieten hat. Wir dürfen erfahren, was das für ein Geschenk ist, glauben zu können. Glauben zu können, dass dieser Jesus uns die Gabe Gottes geschenkt hat, dass er es ist, der uns lebendiges Wasser, das hinüberströmt ins ewige Leben, mitteilt.
In dieser Nacht dürfen wir erfahren, welche Gnade des Glaubens uns gegeben ist, Jesus als Freund zu wissen - den Auferstandenen! -, zu wissen, dass er uns einlädt in die Gemeinschaft mit sich. Welche Gnade, dass wir von Ihm her das ganze Handeln Gottes von Anfang an noch einmal neu durchbuchstabieren und lesen können: Wie Gott gehandelt hat und wie er sich danach sehnt, mit den Menschen zusammen zu sein, wie er seine ganze Stärke aufbietet, um den Menschen und die Welt zu schaffen, um Israel, sein Gottesvolk, mit dem wir in diesem Jahr das Pesach-Fest gemeinsam feiern können, durch die Geschichte zu führen, wie er um dieses Volk ringt und es immer wieder zu den Quellen der Weisheit zurückführen will, neu beleben und reinigen möchte, liebe Schwestern und Brüder, und wie wir dann erfahren dürfen, dass der Gott, der uns, wie der heilige Augustinus sagt, durch seine Stärke geschaffen hat, durch seine Schwäche erlöst hat.
Dass dieser Gekreuzigte die Quelle des Heils ist und dass wir durch die Taufe unmittelbar mit ihm zu tun bekommen, so wie Paulus es in seiner tiefen Rede im Römerbrief zum Ausdruck bringt! Dass wir mit Christus in der Taufe aus seinen Tod getauft worden sind, dass damit alles, was uns hindert Christen zu sein, was uns hindert, unserem Urdrang, doch gut zu sein, im Wege steht, dass das getötet ist! Dass wir gar nicht mehr uns rühmen müssen, frei zu sein, das Böse tun zu können, sondern dass uns die Freiheit geschenkt ist: Wir brauchen nicht mehr zu sündigen. Wir können nicht sündigen, wenn wir Ihm denn Raum geben! Das ist unsere wahre Freiheit: Nicht das Böse sozusagen ins System unseres Lebens einzubauen, sondern dem Wachstum seines Lebens zur Entfaltung zu verhelfen.
Liebe Schwestern und Brüder, in dieser Osternacht bietet die Kirche alles auf. Sie zeigt uns: Das ist das wahre Licht, das ist das Wasser des Lebens, dieser Gekreuzigte. Von Ihm ist ein Feuer ausgegangen, das auch uns entbrannt hat und weiterhin entbrennen kann. Er ist das Wort, das stumm geworden ist im Grab und gerade dadurch seine Kraft erwiesen hat. Niemals wird es deshalb vergehen, mögen auch Himmel und Erden vergehen. Das ist der Quell der Weisheit. Wir lassen uns von diesem Wort an jedem wöchentlichen Osterfest, jedem Sonntag, neu nähren und speisen. Das ist der Weg unseres Christseins.
Lassen wir uns durch diese Osternacht ermutigen, darin wachsen zu wollen, neu mit Ihm anzufangen und weiterzugehen. Den Frauen sagt er, man könne Ihn in Galiläa sehen, Ihm dort begegnen. Das ist ein Bild, liebe Schwestern und Brüder. Dort hatte es angefangen, mitten im Alltag, am See Genezareth. Mitten in den Alltag sendet er sie zurück: "Dort werdet ihr mich sehen" (Mt 28,8.10). In unserem Galiläa, in Ihrem Galiläa, da, wo ihr Alltag ist, da kann das Leben der Gnade zum Wachsen kommen.
Herzlichen Glückwunsch, dass uns das geschenkt ist, und in diesem Sinne wünsche ich Ihnen im Namen von Bischof Reinhard und all meinen Mitbrüdern im Domkapitel eine gnadenreiche Feier des Osterfestes! Felix halleluja!
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Text: Bischof Felix Genn
24.04.2011
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