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Seite: Aktuelles  >  Dokumentiert: Predigt von Bischof Genn beim "Oktobertag" der Schönstatt-Familie am 23.10.2011
23.05.2012
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Dokumentiert:

Predigt von Bischof Felix Genn beim "Oktobertag" der Schönstatt-Familie

Bistum. Am Sonntag (23.10.2011) feierte Bischof Felix Genn ein Pontifikalamt beim "Oktobertag" der Schönstatt-Familie im Haus Mariengrund in Münster. - kirchensite.de dokumentiert die schriftliche Fassung seiner Predigt.

Liebe Schwestern und Brüder im Glauben, liebe Schönstatt-Familie!

"Den Gott des Lebens ins Spiel bringen." Mit diesem Leitwort sind Sie eingeladen worden, diesen Oktobertag heute hier zu verbringen. Den Gott des Lebens ins Spiel bringen - das passt. Das passt zu unserer Sendung als Christen, das passt auch zu dem Auftrag, den Sie als Schönstatt-Familie in den unterschiedlichen Werken wahrnehmen. Das passt auch zum heutigen Weltmissionssonntag; denn das ist unser Programm für die Kirche hier vor Ort, für Ihre Gemeinschaften und Familien, für die Kirche weltweit – den Gott des Lebens ins Spiel bringen.

Wenn Menschen heute das Stichwort "Mission" und "Weltmissionssonntag" hören, hören sie sehr kritisch zu, stellen Fragen, werden skeptisch, melden Zweifel an. Wir haben den Eindruck: Mit diesem Wort und mit diesem Auftrag werden Menschen vereinnahmt, möglicherweise in falscher Weise unter Druck gesetzt. Aber ist das nicht das, was uns aufgetragen ist seit der Auferstehung Jesu? Den Gott des Lebens ins Spiel bringen. Was haben Sie anderes getan, liebe Eltern, liebe Großeltern, als Sie Ihre Kinder eingeführt haben in den Glauben der Kirche, als Sie sich durch die Mitgliedschaft im Schönstattwerk helfen ließen, um diesen Auftrag zu erfüllen? Natürlich kann man sagen: Mit welchem Recht sprechen wir mit den Kindern, den Jugendlichen, von Gott? – Ihr, liebe Mädchen und Jungen, liebe Jugendliche, liebe Kinder, wenn Ihr hier zusammen seid, dann scheinen Glaube, Kirche, die Frage nach Gott wie selbstverständlich – aufgehoben in einer großen Gemeinschaft. Aber Ihr wisst zugleich auch, dass Ihr in ganz anderen Zusammenhängen lebt und dort kritisch hinterfragt werdet, ja, bisweilen selbst diese Fragen in Euch tragt: Wie kann man von Gott reden? Mit welchem Recht kann man das überhaupt tun?

Nun, liebe Schwestern und Brüder, um diesem Auftrag der Mission oder dem Programm dieses Tag und Ihres Werkes noch ein wenig tiefer auf die Spur zu kommen, möchte ich einfach blicken auf das, was die Kirche uns an diesem Sonntag schenkt durch die Texte und durch Ihre Gemeinschaft. Das gibt mir auch Grund, Ihnen von ganzem Herzen zu danken für all das, was Sie im Stillen, was Sie in den einzelnen Gemeinden, was Sie in Ihren Familien und Gemeinschaften tun. Weil Sie da in dem Grundauftrag der Kirche, der gerade auch dem Bischof anvertraut ist, mitspielen – den Gott des Lebens ins Spiel zu bringen.

Von Gott zu sprechen ist nicht einfach bloß eine Sache, die man sich denkerisch erarbeiten kann, sondern wir Christen gründen auf dem Glauben Israels und dem Glauben Jesu und all derer, die Ihm gefolgt sind. Das wird uns heute an den Schrifttexten sehr eindrücklich vor Augen gestellt. Israel denkt nicht darüber nach, ob es Gott gibt, sondern es macht mit Gott eine Erfahrung. Dabei spürt es, dass der Gott, dem es folgt, ganz anders ist als die Götter, die es ringsum bei den anderen Völkern erlebt. Es spürt: Dieser Gott geht mit. Dieser Gott nimmt uns aus der Knechtschaft Ägyptens heraus, lässt nicht zu, dass wir Fremde in einem Land bleiben, sondern wir kommen in eine Heimat und in ein Zuhause.

Den Glauben an diesen Gott zu bewahren, ist deshalb allen Israeliten je neu in ihrer jeweiligen Zeit aufgetragen. Und, indem sie diesen Gott des Lebens in jeder Situation ins Spiel bringen, weil sie Ihn als den führenden und leitenden Gott, als den Gott der Vorsehung erfahren haben, deshalb gestaltet sich ihr soziales Miteinander völlig anders. Es geht wirklich ins Leben hinein, so wie wir eben in der ersten Lesung aus dem Buch Exodus gehört haben, dass Israel den Auftrag hat, in der Treue zu diesem Gott des Lebens, den Fremden anders zu begegnen als dies andere Völker tun. Ja, bis ins einzelne Konkrete hinein, anders zu sein. Wie schön, wenn wir dort hören: "Dass man den Mantel, den man dem anderen gibt, wieder am Abend zurückgibt. Worin soll er denn sonst schlafen?" (Ex 22, 25-26), fragt der Schriftsteller dieser Texte. Den Gott, den Israel als führenden, als vorsehenden Gott erfahren hat, spüren die Menschen genau am konkreten Zusammenleben, weil Er ins Spiel des Lebens und in den Ernst des Lebens hineingetragen wird.

Wenden wir einfach einmal unseren Blick in eine andere Situation. Dann sind wir in einer Hafenstadt im Norden Griechenlands, das ja zur Zeit durchaus Rede von sich macht. Da leben Menschen in einem Zusammenhang, der eindeutig davon bestimmt ist, dass alle möglichen Kräfte dieser Erde als Götter – wir nennen es Götzen – verehrt werden. In diese Situation kommt dieser Paulus und spricht vom Auferstandenen. Einige Jahre später schreibt er dieser Gemeinde einen Brief, aus dem wir an den Sonntagen der kommenden Wochen Texte hören werden, wie auch heute ein Abschnitt vorgelesen wurde, der sogar daran anknüpft, wie Paulus damals zu den Thessalonikern gekommen ist und gesprochen hat. Er gibt Kunde davon, dass dieser Glaube gezündet hat; denn er breitet sich aus. Die Menschen in Thessaloniki verbreiten ihn, bringen ihn ins Spiel des Lebens ihrer Umgebung, so dass man überall davon erzählt, wie sie sich, so sagt er wörtlich: "Von den Götzen zu Gott bekehrt haben, um dem lebendigen und wahren Gott zu dienen" (1 Thess 1, 9). Dankbar schaut er darauf, dass sie trotz der Bedrängnis, der Anfragen der Umgebung, vielleicht auch der Anfeindungen, dieses Wort aufgenommen haben.

Liebe Schwestern und Brüder, und dieses Wort, dieser Gott, hat ein Gesicht bekommen. Sie haben es deshalb in Nord-Griechenland aufgenommen, weil dieser Paulus von dem Gott spricht, der nicht nur das Volk führt, leitet, vorsieht, sondern der in Jesus von Nazareth zu unserem Nächsten wird, an dem sie ablesen können, dass Gott den Menschen mit ganzem Herzen, mit ganzer Seele, mit all seinen Gedanken liebt. Das erfahren sie durch die Botschaft von der Auferstehung, dass Gott sich selbst ins Spiel des Lebens einbringt und in Jesus von Nazareth bis zum Kreuz dokumentiert, dass all seine Gedanken, alles, was ihm im Kopf herumgeht, darum kreist, den Menschen zum Nächsten zu werden. Deshalb ist die Folge des Glaubens an diesen Gott, der sich ins Spiel des menschlichen Lebens einbringt, dass Er von uns verlangt, Ihm das zu beantworten, Ihm das zurückzugeben, indem wir Ihn mit ganzem Herzen, mit ganzer Seele, mit all unseren Gedanken lieben, und das vor allen Dingen realisieren, indem wir den Nächsten lieben wie uns selbst.

Liebe Schwestern und Brüder, der Apostel Paulus sagt: "Ich habe euch damals gewonnen" (1 Thess 1,5). Sollte man für diese Botschaft nicht auch heute Menschen gewinnen? Sollte man nicht mit dieser Botschaft umhergehen und sie anderen erzählen ? Pater Kentenich hat in einer ganz bestimmten Situation der Kirche und der Gesellschaft gespürt, dass es darauf ankommt, dass alle Christen davon Kunde geben, dass alle Christen davon durchdrungen werden, dass es nicht nur eine Sache einiger Verantwortlicher in der Kirche ist, sondern, dass alle, Väter und Mütter, Kinder und Jugendliche, aufgerufen sind, sich mit diesem Gott, der uns so nahe kommt, dass man davon sprechen kann: Er geht einen Bund mit uns ein -, dass man sich mit dem verbindet. Dass Pater Kentenich dazu das Vorbild Mariens gewählt hat, ist völlig selbstverständlich, weil in ihr am dichtesten die Gestalt aufleuchtet, wie Kirche ist, wie ein Mensch Antwort gibt auf diese ganze Hingabe Gottes, wie ein Mensch sich mit ganzem Herzen, mit ganzer Seele, mit all seinen Gedanken, mit seinem Leib zur Verfügung stellt, damit Gott in die Welt kommen kann.

Liebe Schwestern und Brüder, diesem Bündnis sind Sie verpflichtet, und Sie leben es konkret in Ihrer Gemeinschaft, in den Schönstatt-Familien vor Ort, in der Verbundenheit mit dem Bischof und der Kirche von Münster. Ich möchte Sie ermutigen, zu diesem Auftrag zu stehen, Kindern und Jugendlichen zu helfen, dass sie Gott finden, dass sie diesen Gott des Lebens erfahren dürfen, auch in ganz anderen Zusammenhängen, weil Er Welt umgestaltet, weil Er den Menschen ganz ernst nimmt, weil Er die tiefsten Sehnsüchte des menschlichen Herzens zu beantworten versteht. Es kommt auf Sie, auf uns alle als Zeugen an. Wenn wir uns da hinein vertiefen, in der Verbundenheit mit Maria und der Kirche, wird das von selbst Frucht bringen, ohne dass wir das unbedingt nach einer ergebnisorientierten Skala erfahren können; es wird in sich Frucht tragen.

Papst Johannes Paul II., dessen Gedenktag wir gestern zum ersten Mal feiern durften, hat einmal gesagt: "Der Glaube wird stark durch Weitergabe." In diesem Sinne möchte ich Sie ermutigen voll Dankbarkeit und innerer Zuversicht: Machen Sie den Glauben stark durch Weitergabe, und ermutigen Sie gerade die jungen Menschen, dass sie zu Gott, dem Gott des Lebens, stehen können!

Amen.

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