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Seite: Aktuelles  >  Dokumentiert: Predigt von Bischof Genn im Dankamt am 8. Mai
23.05.2012
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Dokumentiert:

Predigt von Bischof Genn im Dankamt am 8. Mai 2011

Bistum. Am Sonntag (08.05.2011) feierte Bischof Felix Genn im münsterschen St.-Paulus-Dom einen Gedächtnisgottesdienst anlässlich der Seligsprechung von Papst Johannes Paul II. kirchensite.de dokumentiert die schriftliche Fassung seiner Predigt.

Liebe Schwestern und Brüder im Glauben, vor uns steht das Bild von Papst Johannes Paul II., dem neuen Seligen der Kirche. Aber es steht nicht nur vor uns. Viele von uns - ich darf wohl behaupten - jeder von uns trägt Bilder von ihm im Herzen. Nicht nur eines, sondern mehrere. Wie viel lässt sich von diesem Papst erzählen aus der unmittelbaren Umgebung und Erfahrung! Bischof Reinhard könnte sicherlich sehr viele Geschichten kundtun von Begegnungen, die er mit ihm hatte, oder Domkapitular Hülskamp aus der unmittelbaren Zusammenarbeit während seiner Jahre im Staatssekretariat oder Sie, durch die Begegnungen hier in Münster, in Kevelaer oder an anderen Orten.

Dabei, liebe Schwestern und Brüder, denken wir an Taten, an Gesten, an Worte, an die Kraft seiner Persönlichkeit. Aber nicht um eine Würdigung dieser Person kann es heute Morgen gehen, sondern an dieser Stelle steht die Verkündigung des Wortes Gottes. Damit aber reihen wir uns ein in das Grundanliegen dieses Papstes und setzen es fort: Christus zu verkündigen. Das war sein Grundanliegen: Christus zu verkündigen.

Liebe Schwestern und Brüder, am heutigen Sonntag hören wir die Erzählung von dem Gang der Jünger mit dem Auferstandenen nach Emmaus. Von der Begegnung mit Ihm, als Er das Brot bricht und ihnen aufgeht, was sie unterwegs mit Ihm erfahren konnten. Im Jahr 2004 hat Papst Johannes Paul II. die Kirche aufgerufen, das Jahr 2005 - in dem er dann gestorben ist - zum Eucharistischen Jahr werden zu lassen. Er hat dazu eine Schrift verfasst, die sich im Nachhinein als das letzte Dokument dieses Pontifikates zeigt. Diese Schrift trägt den Titel aus der Emmaus-Erzählung "Mane Nobiscum Domine"(1.) Bleibe bei uns Herr - es ist die inständige Bitte der beiden Jünger, als sie in das Haus kommen, zu dem sie unterwegs waren. Mit dieser Schrift zeigt Papst Johannes Paul II. auf, was ihm ein Grundanliegen seines Dienstes überhaupt gewesen ist. Er knüpft an die Verkündigung des Jubiläumsjahres 2000 an und betont ausdrücklich: "Als ich die Kirche einlud, das Jubiläum der zwei Jahrtausende seit der Menschwerdung Gottes zu feiern, war ich fest überzeugt – und ich bin es jetzt mehr denn zuvor! -, auf lange Sicht für die Menschheit zu arbeiten" (Nr. 6). Indem er die Kirche einlädt, dieses Jubiläum zu begehen, will er also auf lange Sicht der Menschheit einen Dienst erweisen, liebe Schwestern und Brüder – ein großartiger Satz! Papst Johannes Paul II. verknüpft mit dieser Einladung alles, was ihn während seines langjährigen Pontifikates bewegt hat, und was er konzentrieren will in der Verkündigung des Christus, der nicht nur, wie er sagt, im Zentrum der Kirchen -, sondern auch der Menschheitsgeschichte steht. Denn im Geheimnis dieses Christus, dieses menschgewordenen Gottessohnes, klärt sich das Geheimnis des Menschen selbst auf. Da tut sich nicht nur die Offenbarung Gottes kund, sondern auch: Der Mensch wird für den Menschen selbst – für sich selbst! – offenbar, weil in diesem Christus der Erlöser der Menschheit zu uns gekommen ist.

Der Erlöser der Menschheit aber, liebe Schwestern und Brüder, wird uns immer wieder neu begegnen können am Sonntag, am Dies Domini (2), am Tag des Herrn, in der Feier der Eucharistie. Deshalb war es Johannes Paul II. so wichtig, den Blick der Kirche auf diese innerste Mitte zu konzentrieren. Ist es nicht schön zu sehen, dass dieses Vermächtnis des Herrn an Seine Kirche, die Eucharistie, auch zum letzten Vermächtnis des Lebens unseres neuen Seligen geworden ist? In der Emmaus-Geschichte begegnet uns er göttliche Wanderer, er geht mit auf den Straßen unseres Lebens, in der Eucharistie und in Seinem Wort geht Er mit uns. Da, wo wir einsam und traurig sind, wo wir die Dinge des Lebens, die wir erfahren haben, nicht verstehen können, gesellt Er sich unerkannt zu uns und schenkt immer wieder neu, vor allem in der Feier des Gottesdienstes, aber auch in der persönlichen Lektüre der Schrift, das Licht Seines Wortes. Von dorther leuchtet Er die Lebenswege der Menschen an und verknüpft sie mit der ganzen Geschichte Gottes, die Er mit den Menschen, und vor allem mit dem Volk Israel, gegangen ist. Dann entzündet sich im Herzen der Mitgehenden ein Feuer. Sie spüren es erst im Nachhinein, dass ihr Herz gebrannt hat, als Er unterwegs mit ihnen sprach und mitging. Deshalb bitten sie Ihn: Bleibe bei uns Herr. Und der Herr wählt die Eucharistie als die Gelegenheit für Ihn selbst, nicht nur bei uns, sondern in uns zu bleiben, in der Gemeinschaft mit jedem Einzelnen und in Seiner Kirche. Er erfüllt die Bitte dieser beiden, die damals mit Ihm gegangen sind und die Sehnsucht aller brennenden Herzen, die Ihm das Wort zurufen: Bleibe bei uns.

Zugleich nimmt er alle, die Sein Wort aufgenommen haben, von diesem Wort entbrannt sind, die Eucharistie aufnehmen, in eine Schule der Liebe. Denn, wer dieses Wort aufnimmt, wer sich von der Eucharistie in der Tiefe ansprechen lässt - weshalb Johannes Paul II. die eucharistische Anbetung auch so wesentlich und wichtig gewesen ist - der kommt in eine Schule der Liebe. Der weiß, mit den eigenen Lebensaugen zu sehen, wo diese Liebe noch hinkommen muss. Deshalb ist die Eucharistie gewissermaßen das Programm und der Plan der göttlichen Mission (3), denn diese Jünger können gar nicht in dem Haus bleiben, in dem sie Ihm begegnet sind, sondern sie müssen aufbrechen und es weitersagen, damit auch andere davon Kunde erhalten. Deswegen machen sie sich noch in der Nacht auf den Weg nach Jerusalem und berichten, was ihnen passiert ist. Da beginnt die Mission - die Sendung - aus der Eucharistie.

Liebe Schwestern und Brüder, beim Durchblicken dieser Schrift von damals fiel mir eines angesichts unserer aktuellen Situation im Bistum auf. Der Papst sagt damals schon: Er will mit der Ausrufung des Eucharistischen Jahres kein Pastoralprogramm einer Diözese durchkreuzen oder unterbrechen. Er möchte es nur durch diesen Hinweis in der Tiefe des eucharistischen Mysteriums gründen. Wie sehr gilt das für uns! Wo wir uns Gedanken machen über unsere Struktur, den Kopf zerbrechen und manchmal zu wenig das Herz, wo wir uns einander streiten. Das eigentliche Programm ist der Gang nach Emmaus. Dem Herrn im Wort und im Sakrament zu begegnen, das Herz brennen zu lassen und es in der Schule der Liebe weiterzusagen. Vielleicht geht es dem Herrn auch heute mit uns, auch bei all den Diskussionen und Streitereien in der Kirche, so wie mit den Jüngern von Emmaus. "Wie schwer fällt es euch, alles zu glauben, was die Propheten gesagt haben?" (Lk 24, 25). Wie schwer fällt es auch uns? Aber, können wir nicht auch durch das Gedenken an den seligen Papst Johannes Paul II. und durch die Vertiefung in diese wunderbare Emmaus-Erzählung motiviert werden, aufzubrechen, um den Menschen zu sagen, was wir unterwegs erlebt haben, wie Er uns zugehört und begleitet hat, und wie Er mit uns das Brot gebrochen hat, Seinen hingegebenen Leib, für uns zum Heil der Welt? Das wäre das eigentliche Pastoralprogramm, mit dem wir der Intention des neuen Seligen folgend auf lange Sicht für die Menschen in unserer Diözese arbeiten. Amen.

Anmerkungen:

(1) Apostolisches Schreiben Mane Nobiscum Domine von Johannes Paul II. zum Jahr der Eucharistie, unterzeichnet am 7. Oktober 2004.
(2) Johannes Paul II. hat 1998 ein Apostolisches Schreiben veröffentlicht, das ausdrücklich dem Thema des Sonntags gewidmet ist und nach den Anfangsworten Dies Domini benannt ist.
(3) Im Schreiben Mane Nobiscum nennt Papst Johannes Paul II. die Eucharistie Prinzip und Plan der Mission.

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Text: Bischof Felix Genn
08.05.2011

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