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Seite: Aktuelles  >  Dokumentiert: Vortrag von Bischof Genn am Seelsorgertag am 07.11.2011
23.05.2012
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Dokumentiert:

Vortrag von Bischof Genn am Seelsorgertag

Bistum. Am Montag (07.11.2011) hielt Bischof Felix Genn am "Tag der Seelsorgerinnen und Seelsorger" einen Vortrag in der Halle Münsterland. - kirchensite.de dokumentiert die schriftliche Fassung seines Vortrages.

Hinführung

Ganz herzlich begrüße ich Sie an diesem Tag, der uns erneut hier in der Halle Münsterland zusammenführt, nachdem wir uns kurz nach meiner Einführung am 28. April 2009 und am 14. Juni 2010 schon einmal in dieser Gemeinschaft begegnet sind. Die Anlässe zu diesen Treffen waren sehr unterschiedlich, ging es 2009 um eine erste Fühlungnahme mit meinen unmittelbaren Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern in den verschiedenen hauptberuflichen Diensten unseres Bistums, so hat uns der Tag im Juni 2010 helfen wollen, als Kirche von Münster mit den furchtbaren Missbrauchsskandalen umzugehen. Heute nun, fast schon am Ende eines Jahres, in dem wir in vielen Pfarreien und Dekanaten, vor allem des nordrhein-westfälischen Teils unseres Bistums, über die zukünftige Struktur mitunter heftig gestritten haben, will ich diese Debatten aufgreifen und versuchen, eine Standortbestimmung vorzunehmen sowie die Grundlagen und Zukunftsperspektiven im Prozess der Neuorientierung der Pastoral im Bistum Münster darzustellen.

In den zurückliegenden Monaten habe ich oft die Herausforderung gespürt, zu bestimmten Themen ausdrücklich als Bischof Stellung zu nehmen. Ich habe mich in vielen Fragen zurückgehalten, weil es mir ein Anliegen ist, zunächst zu hören, mit vielen im Gespräch zu bleiben, bis ich eine Entscheidung treffen kann, die eine möglichst große Übereinstimmung im Bistum zum Ausdruck bringen will. Mir ist dabei klar geworden, dass ich nicht jeden Einzelnen mitnehmen kann, weil grundsätzliche Meinungsverschiedenheiten, vor allem im Blick auf die jeweilige Ortsgemeinde, bleiben werden. Trotzdem hoffe ich, gerade auch durch die Ausführungen an diesem Vormittag und unser Miteinander, dass wir auf dem weiteren Weg auch diese Schwestern und Brüder gewinnen können, um mit allen in unserer Ortskirche von Münster unsere Sendung als Christinnen und Christen zu erfüllen.

Ich bin froh zu sehen, dass vor Ort viele Fragen besprochen wurden, die wir in den Gesamtgremien der Diözese gar nicht im Einzelnen bedenken können. Sie sehen, dass wir den Plan, den wir nach der Klausurtagung im Januar diesen Jahres veröffentlicht haben, so nicht einhalten konnten, weil noch vieles einzuarbeiten war, das sich durch die Gespräche vor Ort ergeben hat. Auch heute können wir nicht den Strukturplan endgültig in Kraft setzen und Ihnen als den Verantwortlichen übergeben. Wohl aber haben Sie die Möglichkeit, an einem der Stände, die draußen aufgebaut sind, noch anstehende Fragen, die Ihre Pfarreien betreffen, ins Gespräch zu bringen. Nachdem wir die sehr unterschiedlich strukturierte Landschaft der Gemeinden und Pfarreien unseres Bistums näher in den Blick genommen haben, wird noch manche Frage weiter zu bearbeiten sein.

Heute geht es mir darum, die Strukturveränderungen, mit denen wir im Alltag oft bis ins Detail bedrängt werden, in einen historischen und theologischen Horizont einzuordnen, eine ekklesiologische Standortbestimmung vorzunehmen, die den weiteren pastoralen Erwägungen zugrunde liegt, und Anregungen zur Konkretion der Neuorientierung unserer Pastoral zu geben. Grundlegend bleibt dabei für mich, was ich in den beiden Vorträgen sowohl am Tag der Seelsorgerinnen und Seelsorger am 28. April 2009 als auch am Tag der Ehrenamtlichen am 13. März 2010 gesagt habe.

I. Pastorale Entwicklung im Wandel der Zeit – oder: Versuch einer historischen und allgemeinen Standortbestimmung für unsere Pastoral

Liebe Schwestern und Brüder, ich bin mir sehr bewusst, dass wir mit unserer Strukturreform eine große Umgestaltung unseres Bistums vornehmen, die allerdings bereits von meinen Vorgängern im Bischofsamt vorbereitet und eingeleitet wurde.

Schon zu einer Zeit, da von Strukturveränderungen noch keine Rede war, im Jahre 1950, sah bemerkenswerterweise dennoch bereits Bischof Michael Keller den Augenblick für gekommen, "die Katholiken für eine missionarische Offensive mit dem Ziel einer erneuten Verchristlichung der Gesellschaft zu mobilisieren"(1) und dementsprechende Initiativen zu starten. Bereits zu dieser Zeit ging es also nicht ausschließlich um eine Bewahrung bisheriger pastoraler Konzepte, sondern aufgrund der Wahrnehmung einer Wandlung der Zeit um eine Neuorientierung der Pastoral.

Intensiv über Strukturpläne in unserer Diözese gesprochen wurde dann seit 1970. Das wissen Sie besser als ich, der ich erst 2009 in unser Bistum gekommen bin.
   
Es ist für mich interessant zu lesen, was Bischof Heinrich Tenhumberg zur Diskussion vorgelegt hat. Er sprach damals schon von zukünftigen Großpfarreien, in denen es Gemeinden vor Ort ohne den kanonischen Status der Pfarrei geben werde. (2)

Die Überlegungen und Vorschläge zur Struktur der Seelsorge im Bistum Münster, die entsprechenden Arbeitshilfen für das Gespräch über den Strukturplan aus dem Jahre 1970, die Vorlage eines Pastoralplans unter dem Titel "Schwerpunkte der Heilssorge im Bistum Münster" mit den entsprechenden Arbeitshilfen aus dem Jahre 1975 und 1977 zeigen mir, wie Bischof Heinrich um eine zukünftige Struktur unseres Bistums gerungen hat, damit nicht nur auf die gegenwärtige Situation unserer Pastoral angemessen geantwortet werden konnte, sondern auch die Überlegungen von Konzil und Synode in unserem Bistum Gestalt gewinnen.

Aus all diesen Diskussionen ist der von Bischof Reinhard am 14.12.1980 in Kraft gesetzte Pastoralplan hervorgegangen, der den Titel trägt: "Communio – Kirche ist Gemeinschaft". Mit großer Hochachtung stehe ich vor dem, was in unserer Diözese von vielen geleistet wurde, und es ist mir im Sinne einer Kultur der Wertschätzung ein Anliegen, das nicht bloß zu erwähnen und in Erinnerung zu rufen, sondern ausdrücklich zu betonen, dass wir darauf weiter bauen können. Wir fangen auch im Jahre 2011 nicht beim Nullpunkt an. In diesem Raum sitzen Frauen und Männer, die im Sinne dieses Pastoralplans gearbeitet haben. Selbst wenn manches gar nicht so gegriffen hat, wie Sie es sich gewünscht haben, so denke ich doch, dass wir das Rad nicht grundsätzlich neu erfinden müssen, sondern auf dem aufbauen können.

Dessen war sich auch der Diözesanrat bewusst, als er gemeinsam mit mehreren tausend Frauen und Männern in Gremien, Räten, Vereinen und Verbänden unseres Bistums über "Die Sendung der Kirche im Bistum Münster" nachgedacht hat. Trotz vieler Veränderungen, die in die Präambel während der achtmonatigen Arbeitsphase bis zur Verabschiedung am 16. September 2011 eingearbeitet wurden, stand das Thema "Communio" nie zur Disposition. In kreativer Treue gehen wir mit unserer Bistumsgeschichte um, wenn wir in der Präambel sagen: "Dieser Communio, d. h., der Gemeinschaft Gottes mit den Menschen und der Menschen untereinander zu dienen, macht sie (die Kirche) unverwechselbar. In dieser Sendung kann sie von anderen nicht vertreten werden."

Bischof Reinhard hat 1999 (3) mit einem Bischofswort diese Initiativen in einer nochmals veränderten und aufgrund der Zahlen sich verschärfenden Diskussion aufgegriffen und für alle Gemeinden einen Weg vorgeschlagen, der dann nach vielen Diskussionen in das Schreiben unter dem Titel "ZeitZeichen"(4) im Jahre 2006 die pastoralen Prioritäten in unserem Bistum akzentuiert hat.

Was wir jetzt in diesem Jahr äußerlich an Strukturveränderung vornehmen, kann sich inhaltlich von all dem, was meine Vorgänger ins Bistum hinein gegeben haben, ausgestalten lassen. Meine Aufgabe in den letzten zwei Jahren war es nicht, das zu verändern, sondern eine Struktur für unser Bistum zu finden, die den veränderten gesellschaftlichen und pastoralen Herausforderungen für die nächsten Jahre und Jahrzehnte ein Gesicht gibt.

Die gesellschaftlichen und kirchlichen Umstände, aus denen sich diese Überlegungen ergaben, sind uns weitgehend bekannt. Dennoch möchte ich einige dieser gesellschaftlichen Realitäten nur kurz benennen:

  • zunehmende Individualisierung aller Lebensbereiche;
  • Krise aller Institutionen und deshalb auch Krise der Institution Kirche;
  • die Erfahrung, dass auch kleine strukturelle Einheiten keine Garantie für lebendige Gemeinden bzw. Anziehungskraft auf die Menschen zu geben vermochten;
  • die Teilnahme der Kirche an vielen gesellschaftlichen Prozessen und Umbrüchen, in denen sie nicht allein als Sinn-Anbieter tätig ist, sondern sich in der Auseinandersetzung bewähren muss.

Mein Wort, dass eine Sozialgestalt von Kirche nicht zu Ende geht, sondern zu Ende ist, darf noch einmal genannt werden. Ich meine damit die Sozialgestalt, dass der Bürger der Kommune auch zugleich getaufter Christ ist, sei es evangelisch oder katholisch. Das ist völlig anders geworden.

Es zeigt sich, dass diese Gestalt aus vielen Gründen, auch angesichts der wachsenden Zahl der nur noch punktuell mitwirkenden Gemeindemitglieder flächendeckend nicht mehr gilt. Ich erinnere mich, dass wir in der Pastoraltheologie während meines Studiums Anfang der 70er Jahre schon von unterschiedlichen Kreisen in den Gemeinden gesprochen haben, so dass schon damals die Gemeindetheologie in diesem ausdrücklichen Sinne nur für die so genannte Kerngemeinde zutraf. Es bleibt unweigerlich, dass sich das katholische Milieu aufgelöst hat, eine Entwicklung, der Wilhelm Damberg im 5. Band der Geschichte des Bistums Münster mit dem Titel "Moderne und Milieu" (1802 – 1989) sehr detailliert nachgegangen ist. (5)

Da jedem von uns diese Zeit noch sehr plastisch vor Augen steht, sei es, dass Sie als Jüngere in diesem Kontext Ihre kirchliche Sozialisation gefunden und entwickelt haben, sei es, dass Sie als Ältere diese Zeit wesentlich mitgeprägt haben, möchte ich sagen: Welche Anstrengungen wurden in den letzten 40 Jahren unternommen, um Menschen in der Kirche zu halten und neue zu gewinnen! Die vielen neuen hauptberuflichen Dienste haben bei der zurück gehenden Zahl der Priester auf eine andere Weise versucht, Pastoral in einer differenzierten Landschaft zu gestalten. Immer wieder wurde darauf gedrängt, dass aus der versorgten eine sich selbst versorgende Gemeinde werden müsste. Unversorgt mussten die Menschen nicht bleiben. Ja, wir haben sogar versucht, auf jede individuelle Situation einzeln und biographiebezogen zu antworten.

Diese Tendenz scheint sich zu verstärken, so dass von uns angesichts der Individualisierung oft Übermenschliches verlangt wird, und doch gehen die Zahlen zurück. Ich kann mir vorstellen, dass manche von Ihnen schon öfters das Wort des Propheten Jesaja zitiert haben: "Vergeblich habe ich mich bemüht, habe meine Kraft umsonst und nutzlos vertan" (Jes 49, 4). Viele suchen bei uns nicht Glauben, der sie in die Gemeinschaft der Kirche einbindet, sondern punktuelle religiöse Erfahrungen. Viele suchen zwar den Segen, aber nicht unbedingt das, was wir von unserer gesamten christlichen Glaubenstradition her als Heil bezeichnen.
Umgekehrt wissen wir schmerzlich, wie viele in esoterischen Kreisen und anderen Religionen sich mehr aufgehoben wissen als bei uns – und das alles trotz großen Bemühens in Katechese, Liturgie, Religionsunterricht und persönlichem Einsatz!

Nun könnte man zu der Schlussfolgerung kommen: Wenn wir nun in einer Situation stehen, in der die aktive Zugehörigkeit zur Kirche nicht mehr selbstverständlich ist und somit ein höheres Maß an persönlicher Entscheidung voraussetzt, müssen wir dann danach streben, zu  einer "Kirche der Entschiedenen" zu werden, zu einer zwar kleinen, dafür aber ganz "reinen" Herde, in der es keine Lauheiten mehr gibt? Vor einer solchen – vielleicht auch nur unbewussten Einstellung möchte ich warnen. Ich halte sie für eine rigoristische, ja donatistische Versuchung. Kirche ist und bleibt Kirche der Sünder, sie ist nie Kirche der Reinen, großer Vollkommenheit. Sie ist immer auf die Barmherzigkeit Gottes angewiesen und bleibt es. Wir werden es nie schaffen, Kirche so darzustellen, dass sie immer und überall und von vornherein als die anziehende Größe schlechthin dasteht.

Dennoch ist Entschiedenheit notwendig – aber eben in demütigem Selbstbewusstsein, wie es unsere Präambel zur Sendung der Kirche im Bistum Münster ausdrückt. So wird es immer einen Kern, eine Kontinuitätsgemeinde geben, aber ebenso auch Menschen, die nur punktuell, z.B. bei Kasualien, mit Kirche in Berührung kommen, und auf die wir neu zuzugehen lernen müssen.

An dieser Stelle möchte ich das bisher Gesagte zusammenfassen und als ein Zwischen-ergebnis bzw. als wesentliche Konsequenz der angestellten Beobachtungen festhalten:
Die von mir in einigen groben Strichen nochmals skizzierte historische Ausgangslage zeigt uns meines Erachtens ganz deutlich: Es geht um mehr als bloß um Fusionen und Pfarrgemeinden. Angesichts der gesellschaftlichen und kirchlichen Gesamtlage und im Blick auf die Linie, die meine Vorgänger im Bischofsamt schon begonnen haben zu verfolgen, geht es vielmehr um eine tiefer greifende, wirkliche Neuorientierung, wie Kirche in unserer Welt von heute dargestellt werden kann.

II. Ekklesiologische Standortbestimmung, die den weiteren pastoralen Erwägungen zugrunde liegt

Bevor ich nun aber Denkanstöße für die konkrete Ausgestaltung dieser Neuorientierung geben möchte, will ich nach der historischen und allgemeinen Standortbestimmung unseres Kirche-Seins zuvor noch für mich wesentliche theologisch-ekklesiologische Grundlagen umreißen, die mich in meinem Denken bewegen und aus denen sich dann die Anregungen und Vorschläge für die Praxis ergeben.

Oder anders formuliert: Was halte ich – bei aller Unterschiedlichkeit von städtischen und ländlichen Situationen unseres Bistums, die im Einzelnen immer im Auge behalten werden müssen - für uns alle für grundlegend und substantiell, ganz gleich an welchem Ort wir Kirche mitgestalten?

Grundlegend für unsere Sendung als Christen und für unsere gemeindliche Struktur wird bleiben, immer wieder neu die Frage in den Blick zu nehmen: Wozu sind wir als Kirche da? Das bedeutet aber zugleich auch, sich dessen inne zu werden, was uns als Christen geschenkt ist. Damit ergeben sich für mich zwei Schwerpunkte, auf die hin alle Einzelaktivitäten ausgerichtet werden:

  • Das Geschenk der christlichen Berufung zu bedenken und damit Kirche als Sakrament des Heiles zu verstehen und
  • unsere missionarische Sendung zu leben.

1. Kirche als die gemeinsam gelebte Beziehung zu Christus und somit als Grundsakrament des Heiles

Vielleicht machen wir uns, die wir so selbstverständlich Christen geworden sind und bleiben wollen, viel zu wenig bewusst, was das eigentlich heißt, Christ zu sein und Christ genannt zu werden. Es bedeutet doch schlichtweg, dass wir daran glauben, von dem allmächtigen Gott ganz persönlich geliebt zu sein, weil Er sich in der Gestalt Jesu von Nazareth gerade in Kreuz und Auferstehung offenbart hat. Das bedeutet, dass man Jesus folgen, zu Ihm eine persönliche Beziehung entwickeln kann und so Gott selbst als den Ursprung und das Ziel allen Lebens findet. Das ist doch eine starke Herausforderung, eine so persönliche, intime, lebendige Beziehung zu entwickeln und zu leben – und das zu einem, der gekreuzigt wurde, von dem aber die ersten Zeugen sagen, Er sei auferstanden. Eine solche Botschaft anzunehmen, ist eine Provokation. Sie setzt zudem voraus, dass wir überzeugt sind, der Mensch brauche Rettung aus Sünde, Schuld, Tod, aus allen Unheilszusammenhängen.

Ich erinnere hier an ein Wort von Papst Benedikt aus seiner Freiburger Rede: "Der christliche Glaube ist für den Menschen alle Zeit – und nicht erst in der unsrigen – ein Skandal. Dass der ewige Gott sich um uns Menschen kümmern, uns kennen soll, dass der Unfassbare zu einer bestimmten Zeit an einem bestimmten Ort fassbar geworden sein soll, dass der Unsterbliche am Kreuz gelitten haben und gestorben sein soll, dass uns Sterblichen Auferstehung und ewiges Leben verheißen ist – das zu glauben, ist für die Menschen allemal eine Zumutung."

In Anbetracht der bereits erwähnten Tatsache, dass Christ-Sein heute eine Ursprungssituation bezeichnet, ist uns damit die Möglichkeit zu einem authentischen Glaubensleben eröffnet, zu einem Christ-Sein, das konsequent ist und deshalb immer auch nonkonformistisch. Die Zeugnisse des Neuen Testamentes aus der Spätzeit der jungen Kirche geben uns beredte Hinweise. Ich erinnere in diesem Zusammenhang gerne an das Wort des altchristlichen Schriftstellers Diognet: "Was im Leib die Seele ist, das sind in der Menschheit die Christen".(6)

Dessen sich neu bewusst zu werden, damit ist Evangelisierung eröffnet, von der seit Johannes Paul II. so oft die Rede ist. Ich brauche in diesem Zusammenhang nur an sein Schreiben zur Jahrtausendwende zu erinnern, in dem er als Programm für das neue Jahrhundert und Jahrtausend angibt, heilig zu werden, wobei er sich durchaus der Fragestellung bewusst ist, was dieses Wort in der Logik eines Pastoralplanes bedeuten kann. (7) Es geht um die Christwerdung derer, die getauft und gefirmt sind.

Ich kann es auch noch anders formulieren und mit Kardinal Walter Kasper sagen, dass unsere Hauptaufgabe in dieser Zeit darin besteht, eine theozentrische Wende mit christologischer Konzentration zu vollziehen. Unsere Aufgabe ist es, als Christen von Gott zu sprechen, der sich in Jesus Christus geoffenbart hat. Dazu brauchen wir eine persönliche Identifikation mit dieser Gestalt. Diese Identifikation wiederum fordert uns heraus, unseren Glauben tiefer kennen zu lernen, und ihn im Strom der Jahrhunderte und im großen "Wir" der Kirche zu leben, zu bekennen und zu feiern. Es geht also um ganz einfache Dinge: Um die Vertiefung der persönlichen Beziehung zu Christus, die innere Aneignung dessen, was wir im Credo bekennen, die lebendige Feier der Eucharistie in der Gemeinschaft der Kirche und die gelebte Eucharistie, nämlich die tätige, hingabevolle Nächstenliebe im Alltag. Gerade die Feier der Eucharistie hilft uns, als einzelne Gemeinde hineinzufinden in das große Ganze der Kirche. Deshalb hat sie gerade als lebendige Feier sammelnden und sendenden Charakter.(8)

Damit erweist sich Kirche als lebendiges Sakrament des Heiles, so wie es das II. Vatikanische Konzil im ersten Abschnitt der Kirchenkonstitution zum Ausdruck gebracht hat: "Die Kirche ist nämlich in Christus gleichsam das Sakrament, d. h. Zeichen und Werkzeug für die innerste Vereinigung mit Gott wie für die Einheit der ganzen Menschheit."(9)

Das ist unsere Aufgabe als Christen und Christinnen, das ist unsere Berufung, das ist unsere große Gnade. Das ist der Grund für unser demütiges Selbstbewusstsein.

Wem nun aber eine persönliche Beziehung zu dem geschenkt ist, der das Leben, der Weg und die Wahrheit ist, und wer somit in seinem Herzen von Jesus ergriffen ist, der wird mit dem Apostel Petrus sagen: "Wir können nämlich unmöglich von dem schweigen, was wir gesehen und gehört haben" (Apg 4,20).

Oder in einem Bild gesprochen: Wer in Christus die Quelle des Lebens und des Heils gefunden hat, den wird es dazu drängen, seinen Beitrag dazu zu leisten, damit sich diese Quelle möglichst weit verströmen kann.

Somit ergibt sich aus der Kirche als Sakrament des Heiles ein Zweites:

2. Unsere missionarische Aufgabe

Bischof Joachim Wanke hat einmal davon gesprochen, dass es heute eine Kirche braucht, "die bereit ist, in gewandelter Zeit wieder neu Missionskirche zu werden." Dabei betont er allerdings, dass wir nicht "die Kirche auf den Leuchter zu stellen haben, sondern das Evangelium." Noch konkreter: "Menschen mit Gott in Berührung zu bringen, mit dem Evangelium Jesu Christi, mit dieser österlichen Lebenssicht, aus der wir selbst zu leben versuchen." (10) Menschen mit Gott in Berührung zu bringen, d. h. immer auch: Ihnen zu helfen, Gottes Gegenwart, Ihn selbst in ihrem Leben zu entdecken; zu entdecken, wo Er schon wirkt, fügt, heilt, Kraft, Freude oder Trost schenkt.

Mich beeindruckt, wie in den zurückliegenden Jahrzehnten dieser Gedanke immer wieder in den Predigten und Leitlinien meiner Vorgänger vorgegeben wurde. Bischof Michael Keller, dessen Todestag vor 50 Jahren wir heute besonders bedenken, hat sich in intensiver Weise eingesetzt für das Laienapostolat. Gerade das Bemühen darum durchzieht all seine Reden und Ansprachen schon seit Beginn seiner Amtszeit 1947. Bischof Heinrich hat sich bemüht, in der Zeit nach dem Konzil aufzugreifen, was Bischof Joseph Höffner an Initiativen setzen konnte, der wiederum seinerseits an den Anliegen Bischof Michaels anzuknüpfen versucht hatte. Wir brauchen also eigentlich nur aufzugreifen, was unsere Vorfahren uns aus der jüngsten Vergangenheit hinterlassen haben. Wir stehen jetzt in einer Situation, wo wir diese Initiativen mit großem Ernst umsetzen sollen, denn der Christ ist Missionar und Apostel, oder er ist kein Christ. In einer Gesellschaft wie der unseren, gilt es entschieden Christ zu sein, weil es darauf ankommt, auch in einer Umwelt, die nicht mehr vom Christentum getragen ist, Stellvertretung zu leben. Bischof Reinhard hat hier von unserer "Sendungsgemeinschaft in diese Welt hinein" gesprochen: "Indem die Kirche die Liebe Gottes in den Sakramenten vergegenwärtigt und darstellt, bewegt sie auch in missionarischer Ausrichtung, dieser Liebe zu glauben und sie zu wagen." (11)

Unsere missionarische Sendung und Kraft finde ich immer am schönsten ausgedrückt in den Worten der Apostelgeschichte, die ich nochmals zitieren möchte: "Wir können nämlich unmöglich von dem schweigen, was wir gesehen und gehört haben" (Apg 4,20).

Ich möchte an dieser Stelle ein Wort von Papst Benedikt zitieren, das er gegenüber brasilianischen Bischöfen im vergangenen Jahr formuliert hat. Im Hintergrund dieses Wortes steht sicherlich die Erinnerung an die Vollversammlung der lateinamerikanischen Bischöfen in Aparecida. Diese Vollversammlung stand unter dem Leitwort "Jünger und Missionare Jesu Christi – damit unsere Völker in Ihm das Leben haben – "Ich bin der Weg, die Wahrheit und das Leben" (Joh 14,6). Der Papst betont, dass Gott die Rettung aller Menschen will und führt dann aus:

"Das Verlangen, das Evangelium zu verkünden, entsteht in einem Herzen, das sich in Jesus verliebt hat, der glühend wünscht, dass mehr Menschen die Einladung zur Teilnahme am Hochzeitsmahl des Gottessohnes erhalten (vgl. Mt 22, 8-10). Die Mission ist in der Tat das Sich-Ausbreiten der Liebesflamme, die im Herzen des Menschen brennt, der dadurch, dass er sich der Wahrheit des Evangeliums öffnet und sich von ihr verwandeln lässt, sein Leben – wie der hl. Paulus sagte - weiterlebt im Glauben "an den Sohn Gottes, der mich geliebt und sich für mich hingegeben hat" (Gal 2, 20). Die Berufung zur Mission ist folglich nicht etwas, das ausschließlich für eine begrenzte Gruppe von Gliedern der Kirche bestimmt ist, sondern sie ist ein an jeden Getauften gerichtetes Gebot, ein wesentliches Element seiner Berufung. Wie das II. Vatikanische Konzil gesagt hat: "Die christliche Berufung ist ihrer Natur nach auch Berufung zum Apostolat" (AA 2). (12)

Dieses Wort kann ich in Korrespondenz bringen zu dem, was die Präambel zur Sendung der Kirche im Bistum Münster unterstreicht: "Es wird eine wichtige Aufgabe der Seelsorge sein, Christinnen und Christen zu ermutigen, häufiger und selbstverständlicher und mit demütigem Selbstbewusstsein von Gott zu anderen zu sprechen." Die Präambel schließt mit dem Wort aus der Enzyklika "Deus Caritas est": "Der Christ weiß, wann es Zeit ist, von Gott zu reden, und wann es recht ist, von Ihm zu schweigen und nur einfach die Liebe reden zu lassen." (13)

III. Anregungen und Richtungsangaben zur Konkretion der Neuorientierung unserer Pastoral im Allgemeinen und im Besonderen

1. Anregungen und Richtungsangaben zur Konkretion der Neuorientierung unserer Pastoral im Allgemeinen

Ich komme nun zu den Anregungen und Richtungsangaben zur Konkretion unserer pastoralen Sendung. Dazu möchte ich von allgemeinen Hinweisen zu schließlich ganz konkreten Anregungen fortschreiten.

a) Pfarrei als Gemeinschaft von Gemeinden vor Ort – Zu Zusammenspiel und Komplementarität von "Pastoralem Großraum" und "Substrukturen"

Die offensichtlichste Konkretion der Neuorientierung der Kirchengestalt stellen nun die Zusammenführungen von Pfarreien dar.

Dabei haben mich als leitende Prinzipien nicht nur die Zahlen des gesamten hauptamtlichen Personals bestimmt, sondern auch die gewachsenen geschichtlichen Größen unserer Gemeinden und das Mühen um einen möglichst sensiblen Umgang damit, nicht zuletzt aber der Blick auf die Gestalt der Kirche als Gemeinschaft, die eine Kooperation aller Beteiligten fordert und nur so missionarische Kraft entfalten kann.     Ich sehe in den größeren Einheiten nicht so sehr eine Notlösung als vielmehr einen Weg, der helfen kann, leichter die oft unter sich bleibenden kleinen "Gemeindefamilien" auf die Menschen, die außerhalb davon sind, zu öffnen, und im Zusammenwirken vieler verschiedener Charismen neue Wege zur Verkündigung des Evangeliums wagen und beschreiten zu können. Konkret kann eine größere Einheit für die Hauptamtlichen bedeuten, dass sie in Zukunft noch stärker nach ihren Charismen und Begabungen eingesetzt werden können. Es ist mithin gut vorstellbar, dass sich innerhalb der neuen Strukturen ein Netzwerk von Gemeinschaften bilden, das eine Synergie von Aktivitäten ebenso ermöglicht wie z.B. die Bildung von Gebets- und Glaubensgruppen über territoriale Grenzen hinweg.

Die Umstrukturierung unserer Gemeinden ist natürlich auch davon bestimmt, wie viele Priester als leitende Pfarrer, wie viele Priester als mitarbeitende in den Gemeinden, wie viele Pastoralreferenten und –referentinnen in den kommenden Jahren zur Verfügung stehen. Aber das ist nur ein äußerer Anlass. Es geht mehr darum, die gewachsenen Strukturen neu zu ordnen und so miteinander zu verflechten, dass weder das ehrenamtliche Engagement vor Ort noch die Beheimatung verloren geht. Eine größere Struktur kann zweifellos Anonymisierung bedeuten. Aber dann ist sie falsch vermittelt und angesetzt. Es geht darum, in einer großen Struktur so viele Unterstrukturen zu ermöglichen, ohne dass juristisch jede Einheit von der anderen als Pfarrei abgetrennt ist. Vielmehr gibt es ein Netzwerk von Gemeinschaften und Gemeinden innerhalb der größeren Pfarrei, um Aufgaben und Dienste zusammenzuführen, damit auch in den kleineren Einheiten Aktivitäten möglich sind, für die diese allein kaum Ressourcen hätten. Unsere Pfarreien brauchen genau dieses Verwoben-Sein und Geflecht, Gemeinschaft von Gemeinden zu sein.

Die neue Ausgabe von "Unsere Seelsorge" berichtet, wie in diesem Sinne weltweit lokale Kirchenentwicklung geschieht.

Der Bischöfliche Rat hat sich während eines Klausurtags am 30. September 2011 mit der Pfarrei und ihren Substrukturen auseinandergesetzt. Wir sind zu dem Ergebnis gekommen, dass wir es den neuen Pfarreien überlassen, ob sie sich als "Gemeinschaft von Gemeinden vor Ort" gestalten werden. Eine Arbeitsgruppe wird der Frage nachgehen, welche Charakteristik es für eine "Gemeinde vor Ort" gibt. Darüber hinaus gibt es in einer Pfarrei auch Verbände, kirchliche Einrichtungen, Gemeinschaften und Gruppen etc., in denen der Glaube gelebt wird. Als Ergebnis des Klausurtags wurde u. a. festgehalten:

"Der Pfarrei kommt die strukturgebende Funktion für die Vernetzung der Gläubigen zu (Koinonia); sie ist verantwortlich für die Verwirklichung der pastoralen Grundfunktionen (Leitourgia, Martyria, Diakonia).

Wenn eine Pfarrei in Absprache mit dem Bistum als Gemeinschaft von Gemeinden vor Ort konzipiert wird, eröffnet das die Möglichkeit, das Glaubensleben in einer sehr großen oder ländlich gegliederten Pfarrei dezentral zu gestalten. Die Gemeinde vor Ort bietet den Rahmen, gewachsene örtliche Glaubenstraditionen zu pflegen, eigene Akzente des kirchlichen Lebens innerhalb dessen zu setzen, was vor Ort sinnvoll und möglich ist. Sie nimmt das Leben der Menschen und ihre Wirklichkeit wahr und bringt ihre Wahrnehmungen und Erfahrungen in das Ganze der Pfarrei ein."

Das wird auch dazu helfen, in einer lebendigen Kooperation des Pfarrers mit seinen Mitbrüdern im Priester- und Diakonenamt, mit den hauptberuflich tätigen Laien im Dienst der Pastoralreferentin und des Pastoralreferenten und in einem Netzwerk von vielen Charismen eine lebendige Gemeinde entstehen zu lassen, deren Sendung sich vor allem darin erfüllt, viele andere Menschen, die mit dem Christentum kaum oder gar keine Berührung haben, in Berührung (con-tagere) zu bringen und so andere Christen zu gewinnen.

b) Das Miteinander der Dienste und Ämter

Aus diesem Ziel der Communio und ihrer Sendung heraus verorten sich auch die hauptberuflichen Dienste, so dass die Profilierung der einzelnen Dienste nicht zur Abgrenzung voneinander führen muss, sondern zu einem besseren Miteinander beiträgt. Ich kann hier jetzt nicht eine Theologie der einzelnen Dienstämter entfalten, will aber grundsätzlich sagen: Alle Dienste tragen in ihrem jeweiligen Profil dazu bei, diesem Ziel einer missionarischen lebendigen Gemeinde zu dienen, der Sensibilisierung für die Armen den Vorrang einzuräumen und zur Vertiefung des Glaubens beizutragen. Es kommt nicht darauf an, die einzelnen Dienste miteinander zu vermischen, wie dies möglicherweise in einem modernen Management getan werden kann. Vielmehr haben alle dem zu dienen, was Kirche als Sakrament des Heiles für die Welt sein soll, und dies verwirklicht sich in der Verkündigung des Wortes und in der Feier der Sakramente. Dabei nimmt kein Dienst dem anderen etwas, was ihm von seinem Auftrag von der Kirche her zugewiesen ist. Der priesterliche Dienst nimmt dem Pastoralreferenten nichts und umgekehrt. Hier geht es nicht um eine Machtfrage, sondern um die Treue zum Ursprung, damit das Amt seine Aufgabe, in Wort und Sakrament den Ursprung lebendig zu erhalten im Miteinander der übrigen haupt- und ehrenamtlichen Dienste und Charismen ausüben kann. Je identischer jemand mit seinem Dienst ist, um so freier ist er von Gedanken und Gefühlen einer falschen Konkurrenz.

In diesem Miteinander erwarte ich eine hohe Sensibilität für die Charismen, die es in unseren Gemeinden gibt. Am Tag der Ehrenamtlichen habe ich die Wertschätzung gegenüber den vielfältigen Gestalten dieses Dienstes herausgestellt und aufgerufen, auf die Suche nach den Geistbegabungen in unseren Gemeinden zu gehen. Unsere Situation ist nicht deshalb eine Stunde der Laien, weil die Zahl von Hauptamtlichen in allen Berufsgruppen zurückgeht, sondern weil Kirche ohne Laien überhaupt nicht Kirche ist. Sie ist nicht Kirche der Hauptamtlichen, Kirche derer, die Leitungsaufgaben oder spezifische Dienste innerhalb dieser Gemeinschaft wahrnehmen, sondern Kirche ist die Gemeinschaft der Getauften und Gefirmten, die ihre je unterschiedlichen Gaben einbringen. Papst Benedikt hat das in Freiburg sehr deutlich gesagt: "Kirche sind nicht nur die anderen, nicht nur die Hierarchie, der Papst und die Bischöfe; Kirche sind wir alle, wir, die Getauften". Wenn wir heute von Seelsorge mit Gesicht sprechen, deren Erhalt wir uns alle auch in größer werdenden Einheiten wünschen, dann ist es theologisch und ekklesiologisch gesehen heute wie zu allen Zeiten entscheidend, dass wir alle gleichsam unsere Gesichter Christus zur Verfügung stellen, um so der Seelsorge und damit Christus ein Gesicht zu verleihen.

Deshalb ist es für uns als hauptberuflich Tätige unbedingt notwendig, eine Kultur der Wertschätzung zu entwickeln, des Respekts im Umgang miteinander und der Würdigung aller, die ihre Gaben in das Ganze der Kirche hineingeben. Dies gilt auch im Blick auf die unterschiedlichen Verbände in unserem Bistum, die auf der einen Seite ihre Eigenständigkeit – auch im Gebilde der größeren Pfarrei – behalten sollen, andererseits aber darauf warten, angesprochen und in die Strukturen und Überlegungen einbezogen zu werden, das Ihre beizutragen, damit Kirche vor Ort lebendig bleibt.

Die Präambel weist in diesem Kontext auf die besondere Bedeutung des Vertrauens hin: "Nur in einem Klima des Vertrauens und gegenseitiger Wertschätzung kann Seelsorge gelingen. Dabei ist zu bedenken: Vertrauen kann nicht einfach gemacht oder gar angeordnet werden. Vertrauen kann nur durch Vertrauen gestiftet werden. Grundlegend für eine neue Kultur des Vertrauens in unserer Kirche ist der Glaube an die Treue Gottes und die in diesem Glauben mögliche Gelassenheit – auch in schwieriger Zeit." Die Präambel spricht ausdrücklich davon, dass "die Menschen mit ihren unterschiedlichen Begabungen und Fähigkeiten ein Schatz der Kirche sind." Ich bitte Sie alle, dazu beizutragen, dass das nicht Worte sind, sondern gelebte Wirklichkeit wird.

Im Blick auf die ehrenamtlichen Dienste in unseren Gemeinden steht noch die Aufgabe an zu klären, für welche Dienste wir Schwestern und Brüder mit Qualifikationen für diese Beauftragung verantwortlich, sorgfältig und zukunftsorientiert ausbilden, begleiten und beauftragen. In diesen Zusammenhang gehört auch die Frage, was Teilhabe am Leitungsdienst für Laien bedeutet.

Wenn wir über das Miteinander der Dienste und Ämter sprechen, möchte ich auch ein Wort über unser Bemühen um eine gute Kommunikation zwischen der Bistumsleitung und den Pfarreien sagen:

Es ist klar, dass wir in unserem Bistum diese schwierigen Fragen der äußeren und inneren Gestaltung der seelsorglichen Einheiten durch eine ordentliche und vernünftige Kommunikation gestalten müssen. Ich gestehe zu, dass nicht immer optimal gearbeitet wurde. Ich fürchte auch, dass wir nie sagen können, unsere Kommunikationsformen mit Ihnen seien zur vollen Zufriedenheit gestaltet. Aber ich bitte auch darum, auf den Ebenen der Dekanate und Pfarreien in der rechten Weise zu kommunizieren und zu schauen, wer möglicherweise - und sei es durch eine schlichte Verhinderung bei einer Konferenz - aufgrund unterschiedlicher Situationen im Prozess der Kommunikation nicht genügend eingebunden wurde. Den leitenden Pfarrern möchte ich den Hinweis geben, dass wir derzeit überlegen, wie sie in ihren großen Herausforderungen gut begleitet werden können. Hier möchte ich ermutigen, gute Formen der Kooperation und des Austausches in den neuen Strukturen zu suchen, damit zu experimentieren und diese Beispiele gelungener Kooperation auch den Verantwortlichen in der Leitung der Diözese mitzuteilen. Als Frage sehe ich auch, wie wir noch mehr Begleitung für diese Kooperation in den Einheiten anbieten können. Dabei denke ich z. B. an die Frage, wie wir miteinander im Bistum und in den Pfarreien Prioritäten und deshalb Posterioritäten finden.

In der letzten Zeit haben wir öfter über die Rolle des Vicarius Cooperator diskutiert. Zuletzt haben wir im Priesterrat ausführlich darüber aufgrund einer Vorlage, die durch eine Arbeitsgruppe erstellt wurde, gesprochen. Nach dieser Beratung habe ich entschieden, dass in Zukunft dieser Titel nicht mehr verwendet wird, sondern dass wir von einer Mitarbeit in einer Pfarrei sprechen, und dass der betreffende Priester den Titel Pfarrer erhält. Die neue Bezeichnung lautet daher "Priester im Gemeindedienst" mit dem Titel Pfarrer. 

2. Anregungen und Richtungsangaben zur Konkretion der Neuorientierung unserer Pastoral im Besonderen – im Sinne einer Dynamik von Sammlung, Vertiefung und Sendung

a) Liturgie

Ein missionarisches Christ-Sein wird sich immer auch und zuerst aus einem lebendigen Gottesdienst nähren; d.h. einer Liturgie, die uns innerlich nährt, die uns hilft, das Wort Gottes als Zuspruch und Anspruch aufzunehmen, ins Gebet zu finden, und die uns somit in die Gemeinschaft mit Christus und untereinander als Glieder seines Leibes führt.

Die Schönheit der Liturgie, die aufmerksame Sorgfalt in ihrer Gestaltung, die Qualität der Musik in den Gottesdiensten sind im Blick auf die Communio und ihre Sendung keineswegs von nachgeordneter Bedeutung, sondern vielmehr bereits Ausdruck unserer Liebe zu Gott.

Es geschieht nicht selten, dass Menschen gerade durch eine in dieser Weise intensiv gefeierte und durchbetete Liturgie für sie wesentliche Glaubenserfahrungen machen dürfen und bisweilen auch in den kirchlichen Zusammenhang des Glaubens finden oder zurückfinden.

Kern gemeindlichen Lebens bleibt als Höhepunkt und Quell die Feier der Eucharistie, vor allem am Sonntag.

Die Struktur der größeren Pfarrei mit ihren Untergliederungen bietet Möglichkeiten, die Eucharistiefeier am Sonntag als einen Ort der Sammlung vieler aus unterschiedlichen Gruppen und Gemeinden zu verstehen, in Musik und Verkündigung zu gestalten und so zu ermutigen, die Sendung als Christin und Christ wahrzunehmen. Ebenso wird es möglich sein, einzelnen Zielgruppen und den Gemeinden vor Ort die Woche über neben der Eucharistiefeier auch andere Formen des Gottesdienstes anzubieten, an denen viele mitwirken können. Der Pastoralplan wird auch dazu Hilfen anbieten, die diese Grundaussage noch stärker in eine Konkretion führen.

b) Erwachsenenkatechese

Von jemandem, der aus den USA zurückkam, hörte ich einmal das Zitat eines Priesters, der ihm gesagt hatte: "Jesus spielte mit den Kindern und lehrte die Erwachsenen. Wir machen es dagegen oft umgekehrt." Wir stecken seit Jahrzehnten viel Energie in die Kommunion- und Firmkatechese, in Kinderbibeltage und andere wichtige Bereiche. Ich plädiere heute für eine differenzierte Katechese und für ein grundlegendes Überdenken der derzeitigen Form der Sakramentenkatechese. Gerade in Anbetracht der unterschiedlichen religiösen Sozialisation und Bildung, muss es ein primäres Ziel sein, diejenigen zu erreichen, die den Kindern das Rüstzeug für ihren Lebensweg mitgeben, die bisweilen auch bereits selbst in ihrem Glauben verunsichert sind.

Dabei gibt es sicherlich unterschiedliche Adressaten. Ich gliedere hier etwas grobrastig:

  • Ich denke an diejenige Katechese, die sich mit einem missionarischen Impuls an jene Menschen wendet, die eher punktuell mit Kirche in Kontakt kommen. So könnten beispielsweise konkrete Anlässe wie Taufe oder Eheschließung zum Anlass einer Glaubensvermittlung werden. Hier ist sicherlich der Zeugnischarakter gerade von in die Katechese eingebundenen ehrenamtlichen Laien von großer Bedeutung.

  • Ich denke auch an Angebote, die an der Lebenswelt des Arbeitsplatzes oder innerhalb der bereits geschlossenen Ehe anknüpfen und sich an diejenigen wenden, die im Blick auf diese Lebensbereiche ein Interesse daran haben, mehr darüber zu erfahren, welche Bedeutung und Hilfe die Sakramente und der christliche Glaube für diese alltäglichen Lebensbereiche bergen.

  • Um mit solchen Menschen in Kontakt zu kommen, müssen wir uns auch immer wieder die Frage stellen: Wie komme ich, über die festen Anlässe hinaus, überhaupt in Kontakt mit ihnen? Das beträfe dann den Bereich der missionarischen Phantasie, für die es ja in unserem Bistum bereits viele gute Beispiele gibt, wie z.B. die "Kirche am Markt", um nur eines zu nennen, wo sich Gemeindemitglieder mit einem Informationsstand der Kirchengemeinde auf ihren jeweiligen Marktplatz stellen. Und noch vieles mehr.

  • Eine weitere Form der Katechese richtet sich an die Schwestern und Brüder, die zur Kirchengemeinde gehören und kontinuierlich mitleben, mitfeiern und sich engagieren. Auch unter ihnen gibt es viele, die auf eine Vertiefung des Glaubens Wert legen. Hier möchte ich ermutigen, auch auf gemeindlicher Ebene, zum Beispiel im Verbund mit unseren Bildungswerken, Angebote katechetischer Natur zu machen, die eine Hilfe zur Vertiefung und Erneuerung des Glaubens sein können. In besonderer Weise denke ich dabei an Hilfen zur Entfaltung des persönlichen Gebetslebens und an Hilfen zur Erneuerung und Festigung des Glaubenswissens – wobei dabei sicherlich immer auch darauf zu achten sein wird, dass nicht nur gesagt wird, was die Kirche glaubt, sondern auch die Anfragen der Menschen an das Glaubensbekenntnis bedacht und ein Bezug zum Alltag und der Bedeutung des Credos im Alltag hergestellt werden.

  • Ich bin überzeugt, wenn wir hier die vielen kreativen Ideen und Beispiele zusammentragen könnten, wären wir erstaunt, welcher Reichtum unserem Bistum bereits jetzt gerade in dieser Hinsicht geschenkt ist! Dafür möchte ich an dieser Stelle auch einmal ganz ausdrücklich danken. Im Übrigen sehe ich in diesem katechetischen Bemühen unseren Beitrag zum Jahr des Glaubens, das von Papst Benedikt ausgerufen wurde.

c) Glaubensgruppen

Ein Ort, an dem sich die Dynamik von Sammlung, Vertiefung, Horizonterweiterung und Sendung bündelt, sind in besonderer Weise Gruppen von Menschen, die sich in regelmäßigen Abständen treffen, um miteinander in der Heiligen Schrift zu lesen, zu beten und sich darüber auszutauschen, was gerade wichtig ist in ihrem Leben und inwiefern sie Gottes Gegenwart und Wirken darin wahrnehmen; und die dann schließlich aus dieser Bewegung heraus sich als Christen in den Alltag gesandt wissen, wobei sich manche Glaubensgruppen auch ganz konkrete caritative oder katechetische Projekte vornehmen, die sie gemeinsam unterstützen.

Hier möchte ich in besonderer Weise dazu ermutigen, die Mitglieder der Pfarrgemeinderäte zu motivieren, sich nicht nur als Gruppe zu verstehen, die bestimmte Aufgaben in der Gemeinde übernimmt, sondern auch als Glaubensgruppe. Hilfen und Anregungen, eine solche Gruppenentwicklung anzustoßen, zu begleiten und zu festigen, gibt es allenthalben. Ich erwähne hier beispielsweise nur das Projekt und Kursangebot der GCL mit dem Titel "Das Salz in der Gruppe". Ich bin zutiefst davon überzeugt, dass wir sowohl in unseren Teams und Pastoralkonferenzen als auch in unseren Pfarrgemeinderäten mehr und mehr lernen müssen, "was der Geist den Gemeinden sagt" (Apk 2, 7. ul. a.). Es gibt viele Hilfen, eine solche geistliche Entscheidungsfindung in Gemeinschaft als Prozess zu gestalten. Hier kann auch konkret werden, dass das Wort Gottes zur Seele der gesamten Pastoral wird, weil wir diesem Wort eine zentrale Stellung in unseren Beratungen geben, auf es hören, darüber in einen Austausch treten, um so Jüngerin und Jünger Jesu zu werden.

Liebe Schwestern und Brüder, das ist für mich auch die innere Seele, wie unsere Gemeinden wirklich lebendige Orte christlichen Zeugnisses werden können. An dieser Stelle darf ich denen danken, die bereits in solchen Gemeinschaften leben, sich darin engagieren und bereit sind, sie immer wieder neu zu beleben. 

d) Dienst mit den Armen

Die Bemühungen in Liturgie und Glaubensvermittlung werden, wenn sie unser Inneres erreichen, niemals allein in sich ruhen bleiben, sondern immer auch in die Sendung führen. Die missionarische Kraft einer lebendigen Gemeinde zeigt sich daher insbesondere auch daran, wenn sie sich der Frage stellt: Wie können die Armen zu unseren Freunden werden? In der Präambel steht ausdrücklich: "Das Zeugnis der Christinnen und Christen drückt sich besonders in der Nächstenliebe aus, in der Sorge für Arme, Kranke, Alleinstehende und Fremde, aber auch im Dienst an der Gerechtigkeit und im Einsatz für das Leben, die Würde und die Freiheit jedes Menschen, um damit dem Frieden zu dienen." Wenn wir die Armen in den Blick nehmen, sensibel sind für die, die von anderen übersehen werden, werden wir am besten lernen, was unser Ursprung und unsere Sendung ist.

Wie viel Projekte könnte ich nennen, an wie viel Engagement ist in diesem Zusammenhang zu denken, und wie viel Hoffnung gibt das alles, weil bis jetzt schon im Caritasverband und in den örtlichen Gemeinden, in vielen Initiativen und Gruppen nicht Zählbares geschieht. An diesem Tag danke ich dafür ganz besonders; denn das kann ich wirklich nicht vergelten. Aber ich möchte gleichzeitig ermutigen, darin nicht nachzulassen. Ich bin ganz fest davon überzeugt, dass die Kirche da lebendig bleibt, wo sie sich denen zuwendet, von denen sie rein äußerlich nichts zurückbekommen kann. Papst Benedikt hat in Freiburg davon gesprochen, dass "der Sinn der Kirche darin besteht, Werkzeug der Erlösung zu sein, und dass sie deshalb eintaucht in die Hinwendung des Erlösers zu den Menschen." Gerade im Dienst mit den Armen, "leben wir als Einzelne und als Gemeinschaft der Kirche die Einfachheit einer großen Liebe, die auf der Welt das Einfachste und das Schwerste zugleich ist, weil es nicht mehr und nicht weniger verlangt, als sich selbst zu verschenken", um die Schlussworte aus der Rede von Papst Benedikt zu zitieren.

Ich ermutige Sie alle, die Ihnen anvertrauten Gemeinden zu bestärken, immer wieder neu den Blick auf diejenigen zu richten, die Jesus am meisten geliebt hat. 

Schlusswort
Vortrag als Beitrag zu einem laufenden Prozess – Ermutigung

Liebe Schwestern und Brüder, abschließend möchte ich Ihnen sagen, dass ich den heutigen Tag mit Ihnen im Rahmen eines großen Gesprächsprozesses sehe. Nachdem wir die Erarbeitung eines Struktur- und Stellenplans weitgehend ausarbeiten konnten, stehen wir in unserem Bistum mit der Entwicklung eines aktuellen Pastoralplans in den Anfängen. Eine Arbeitsgruppe entwickelt derzeit hierzu eine Vorlage, die dem Diözesanrat im Dezember 2011 vorgestellt wird. Daran wird sich ein Gesprächsprozess anschließen, an dem Sie alle durch Ihre entsprechenden Räte und Gremien beteiligt werden. Vielleicht werden wir im Dezember 2012 im Diözesanrat den Diözesanpastoralplan verabschieden können, mit dem wir ausgehend von der heutigen Situation und angeleitet durch das Wort Gottes die Ziele unserer Pastoral in den kommenden Jahren verbindlich vereinbaren. Als Ihr Bischof habe ich Ihnen heute meine Überlegungen zur Pastoral in unserem Bistum mitgeteilt, um mich auch auf diese Weise in den Prozess einzubringen und im Anschluss Ihre Reaktionen zu hören. Ich bitte Sie ausdrücklich um Ihr offenes und ehrliches Wort.Bei alledem vertraue ich, dass wir gemeinsam der Communio in unserem Bistum dienen wollen. Gemeinsam wollen wir den Menschen verkünden, dass der Gott, an den wir glauben, alle Menschen finden will. Auf vielfältige Weise "der Gemeinschaft Gottes mit den Menschen und der Menschen untereinander zu dienen," ist unsere gemeinsame und wunderbare Sendung. "Diese Sendung macht uns unverwechselbar." (15) In dieser Sendung sind wir alle gefordert und kann uns niemand vertreten.Liebe Schwestern und Brüder, auch für mich ist das, was ich Ihnen heute vorgetragen und auch zugemutet habe, eine immense Herausforderung, eine Herausforderung, die mich auch erzittern lässt. Ich habe mich in den zurückliegenden Jahren, bereits in meiner Essener Zeit, aber auch hier in Münster, gefragt, warum der Herr mich auf meinem Lebensweg in diese Situation geführt hat. Seit vielen Jahren begleitet mich gerade an Wendepunkten ein Wort, das ich einmal von Kardinal de Lubac gelesen habe, und schon des Öfteren zitieren konnte. Ich möchte es Ihnen heute als mein abschließendes Wort geben und damit die Hoffnung verbinden, dass es vielleicht auch Ihr Wort und das Wort für Ihre Gemeinden werden kann: "Es geht nicht darum zu erraten, was die Zukunft bringt, sondern darum zu sehen, was die Gegenwart von uns fordert. Es geht nicht darum, seine Möglichkeiten einzuschätzen, sondern darum, seine Aufgabe zu bedenken." (16)In meinen diesjährigen Exerzitien bin ich auf eine Bemerkung von Reinhold Schneider  aufmerksam gemacht worden. In einer Betrachtung zu der Begegnung der Jünger nach Ostern mit dem ungläubigen Thomas und dem anschließenden Erscheinen des Herrn sagt der Dichter, dass die Jünger dem Thomas nur vermitteln, sie hätten den Herrn gesehen. Zum Glauben kommt er dadurch, dass der Herr es bewirkt. Es war für mich entlastend, und ich möchte es Ihnen weiter schenken. Ich wünschte mir, dass Sie sich nicht hetzen lassen, sondern das Wichtige und nicht nur das Dringliche tun, sich nicht jagen lassen, sondern gestalten, weil Sie überlegen: Was will Jesus heute von mir in dieser Gruppe, in dieser Gemeinschaft, in dieser Pfarrei. Im Hören auf Ihn und Sein Wort und die Schwestern und Brüder werden wir finden, was Er durch uns bewirken will. So können wir tun, was die Gegenwart von uns fordert und unsere Aufgabe gemeinsam bedenken.Herzlich danke ich Ihnen für Ihre Aufmerksamkeit, mehr noch, für das, was Sie längst vor meinem Dienstantritt getan haben und auch jetzt weiterhin tun.

Anmerkungen:

(1) Wilhelm Damberg, Das Zweite Vatikanische Konzil und das Bistum Münster in: Konzil und Bistum – Das II. Vatikanische Konzil und seine Wirkung im Bistum Aachen und bei den Nachbarn. Festgabe für Bischof Heinrich Mussinghoff, herausgegeben von Karl Borsch und Johannes Büntgens, Aachen 2010, S. 37-76; Zitat 39.
(2) Überlegungen und Vorschläge zur Struktur der Seelsorge im Bistum Münster – Strukturplan: Als Diskussionsplan von Bischof Heinrich Tenhumberg 1970 in das Bistum hinein gegeben.
(3) Brief des Bischofs an die Gemeinden vom 14. Juni 1999: Kirchliches Amtsblatt für die Diözese Münster Nr. 12/13 Jahrgang 133 n, 141-143. Die von Bischof Reinhard in fünf Punkten angegebenen wesentlichen und unverzichtbaren Aufgaben der Kirche bleiben weiterhin aktuell maßgebend. Grundsätzlich wird mich – und daran führt kein Weg vorbei – der Gedanke leiten, der von ihm mit dem Stichwort benannt wird: "An mehr Kooperation führt kein Weg vorbei – nicht nur in den Gemeinden, sondern über die Gemeindegrenzen hinaus".
(4) Bischof Reinhard Lettmann: Zeitzeichen – Prioritäten in der Pastoral des Bistums Münster, 1. Advent 2006, hrg. Dialogverlag Münster 2007.
(5) Wilhelm Damberg, Moderne und Milieu, Band 5 der Geschichte des Bistums Münster (Hg. A. Angenendt) Münster 1998. Kürzlich hat Professor Damberg in der Kirchenzeitung "Kirche und Leben" vom 28.08.2011, Seite 9, ein Interview gegeben, in dem er in Kürze einen geschichtlichen Abriss zu Pfarreistrukturen darstellt.
(6) Der Brief an Diognet, 6. Kapitel in Reihe "Christliche Meister", Band 18, Einsiedeln 1982, 21.
(7) vgl. NMI 30.31
(8) vgl. Bischof Reinhard’s Wort in ZeitZeichen.
(9) LG 1
(10) J. Wanke, Auskunftsfähiges Christentum in: G. Augustin – K. Krämer (Hg.), Mission als Herausforderung, Freiburg 2011, 94-106, Zitate 101.102
(11) ZeitZeichen, S. 42
(12) Der Text ist zu finden in OR 40 (2010) Nr. 44, S. 11. Auch für unsere Arbeit halte ich die hier nicht im Text zitierten Worte von großer Bedeutung. Deshalb möchte ich sie hier anführen: "Die Menschen werden sich dank der Barmherzigkeit Gottes auf anderen Wegen retten können, wenn wir ihnen nicht das Evangelium verkünden; aber werde ich mich retten können, wenn ich aus Nachlässigkeit, Angst und Scham oder um falschen Ideen zu folgen, aufgehört habe, es zu verkündigen? Manchmal stoßen wir auf den folgenden Einwand: Das Auferlegen einer Wahrheit, auch wenn es die Wahrheit des Evangeliums ist, das Auferlegen eines Weges, auch wenn er das Heil ist, könne nur als Angriff auf die religiöse Freiheit empfunden werden. Ich möchte hier die dazu passende und aufschlussreiche Antwort weitergeben, die Papst Paul VI. darauf gefunden hat: Sicherlich wäre es ein Irrtum, irgendetwas, was immer es auch sei, dem Gewissen unserer Brüder aufzunötigen. Diesem Gewissen jedoch die Wahrheit des Evangeliums und den Heilsweg in Jesus Christus in voller Klarheit und in absolutem Respekt vor den freien Entscheidungen, die das Gewissen trifft, vorzulegen – ohne Zwang oder unehrenhafte oder ungehörige Überredung -, ist gerade eine Wertschätzung eben dieser Freiheit, der so die Wahl eines Weges angeboten wird, den selbst die Nichtglaubenden für ehrenvoll und erhebend halten."
(13) Deus Caritas est 31.
(14) M. Kehl. Ekklesiologische Überlegungen zur pastoralen Neuordnung in den deutschsprachigen Diözesen, in: G. Augustin (Hg.), Die Kirche Jesu Christi leben, Herder 2010, 179-194, Zitat: 186.
(15) vgl. Diözesanrat, "Die Sendung der Kirche im Bistum Münster", II., 2011.
(16) H. de Lubac: Paradoxe des gelebten Glaubens, Düsseldorf 1950, 52.

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