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23.11.2017
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Friedel Theismann weiß um die Momente, in denen die Besucher Ohren und Herzen öffnen.

Station einer "Erlebnis-Tour": Friedel Theismann weiß um die Momente, in denen die Besucher Ohren und Herzen öffnen.

Krippenführung in der St.-Antonius-Basilika in Rheine

An der Krippe Begeisterung wecken

Rheine. Der Weg bis zur Krippe ist noch weit. Es wird einige Zeit dauern, bis Friedel Theismann mit den Kindern und ihren Eltern die Krypta der St.-Antonius-Basilika betritt, in der er mit seinem Helfer Kai Schmitz wie jedes Jahr in der Weihnachtszeit die größte Kirchenkrippe Westfalens aufgebaut hat. Theismann wird den Weg durch die Bankreihen, vorbei am imposanten Hochaltar und der kleineren Krippe im Seitenschiff, aber nutzen. "Weil es so viele Dinge gibt, die den Menschen heute in einer Kirche neu erklärt werden müssen", sagt er. Die Krippe ist der Anlass für den Besuch vieler Gruppen in der Zeit nach dem Fest. Für Theismann aber steht dabei  etwas Nachhaltiges im Vordergrund. "Sie sollen etwas für ihren Glauben mitnehmen, das länger wirkt."

Er macht einige Stationen. Die erste ist direkt hinter der Eingangstür, wo er die zwei Gruppen von Kommunionkindern aus Merzen im Bistum Osnabrück und dem emsländischen Twist mit ihren Begleitern versammelt hat. "Was ist richtig, was ist falsch?", fragt er die Kinder. Und dann beschreibt er einige Szenarien, wie man sich in einer Kirche verhalten sollte. Oder eben nicht: "Wir können hier rennen wie in einer Turnhalle!" "Falsch", kommt die Antwort der Kinder. Voraussetzen könne man das Gefühl für eine Kirche heute nicht mehr, verrät Theismann. "Da habe ich schon ganz andere Gruppen erlebt."

Er muss es wissen. Seit mehr als 30 Jahren führt er in der Weihnachtszeit Gruppen zu "seiner" Krippe. Auch nach seiner Pensionierung hat der langjährige Sakristan in St. Antonius jene Aufgaben weiter wahrgenommen, die ihm besonders ans Herz gewachsen war: Er baut in den Gewölben unter der Basilika über viele hundert Quadratmeter eine riesige Landschaftskrippe auf. Viele Szenen der Menschwerdung Gottes können dort aus unterschiedlichen Perspektiven bestaunt werden. Bis zu 40 Meter in die Tiefe gehen manche Bilder.

Kein Märchenwald

Und weil das ganze kein Märchenwald mit schönen Bildern ist, sondern eine große Chance, den Menschen die Heilsgeschichte wieder ein Stück näher zu bringen, will Theismann es auch nicht missen, die Menschen zu "seiner" Krippe zu führen. "Jeden Tag mindestens zwei Gruppen", verrät er. "Von Weihnachten bis zum 25. Januar."

Eine weitere Station macht er auch heute vor dem großen Flügelaltar der Basilika. Er erklärt den Tabernakel und fragt, wer weiß, wie und warum man eine Kniebeuge macht. Auch das Ewige Licht spricht er an, ohne dabei den Draht zu den Kindern zu verlieren. "Eine Kirche ist eine Kirche, wenn das Ewige Licht brennt", erklärt er. "Wo es brennt, darf man also keine Pommes essen."

Die passenden Worte, darum geht es Theismann. "Das, was ich sagen will, könnte ich auch hochtheologisch erklären", sagt der ehemalige Pastoralreferent. "Aber die Kinder wären schnell gelangweilt und überfordert." Auch die Begleiter und Eltern seien oft dankbar, dass er die Gruppen auf so einfache Art anspreche. Er erinnert sich gern an die Worte seiner eigenen Enkelin, die aus dem Kommunion-Unterricht kam und sagte, dass sie das, was sie in den acht Stunden der Vorbereitung auf die Erstkommunion besprochen hätten, von ihrem Opa in 20 Minuten erfahren könne. "Die Sache Jesu braucht als erstes Begeisterte, nicht unbedingt Wissende."

Er weiß, das das Krippengeschehen eine besondere Chance für diese Begeisterung ist. Gerade bei Kindern: "Das Spielerische, das Atmosphärische, das Geheimnisvolle spielt eine große Rolle."

Die Führung macht auch vor dem großen Altar Station.

Jesus im Herzen

Darum heißt seine nächste Station auch "Krippe". Noch nicht die in der Krypta, sondern die im Kirchenschiff. "Will man Jesus wirklich als Freund oder will man nur ein schönes Fest?", fragt er. Und: "Pflege ich die Freundschaft das ganze Jahr oder gehe ich im Sommer lieber ins Freibad anstatt in die Kirche?" Dann zieht er seine Geldbörse aus der Tasche und fingert ein kleines Jesuskind aus dem Kleingeld. Er trage "seinen Freund" immer bei sich, sagt er. "Er gehört aber nicht nur ins Portemonnaie, sondern ins Herzen."

Er muss sensibel sein bei seinen Besuchergruppen. Das weiß er: "Ich höre genau rein, welche Dosis an lockerer Bildsprache sie vertragen und wo ich ernster sein muss." Die Gruppe pensionierter Studienräte brauche andere Worte als die Kindergartenkinder. Ein festes Konzept habe er nicht, verrät Theismann. Wohl aber einen roten Faden: "Und das ist eben die Begeisterung für Jesus und seine Sache." Dass er den Ton immer wieder treffe, zeige die hohe Zahl an "Wiederholungstätern".

Auch die Gemeinden aus Twist und Merzen kommen schon seit vielen Jahren mit ihren Kommunionkindern. Für sie geht es endlich in die Krypta, wo man sich zunächst auf dem Boden unter dem imposanten Säulenbögen niederlässt. Erst jetzt wird die Weihnachtsgeschichte zum Thema. Sie wird von den Kindern erzählt, weil Theismann sie fragt, wen und was sie aus den Erzählungen kennen. Als sie bei den Heiligen Drei Königen angelangt sind, fordert er sie auf, ihre Sternsingerlieder zu singen. Danach holt er sein Akkordeon hervor, und sie singen gemeinsam "Alle Jahre wieder ...". Ein echtes Klangerlebnis in den Katakomben, das auch viele andere Besucher begeistert, die stehen bleiben und mitsingen.

"Das ist es, das bleibt hängen", sagt er. "So wird aus der Krippendarstellung mehr als nur eine hübsche Betrachtung." Aus der einen Stunde in der St.-Antonius-Basilika werde ein Gefühl, das alle mit nach Hause nähmen. Er gibt zu, dass er darin eine ideale Rolle für sich gefunden habe. "Hier treffe ich Menschen, die in einer unsicheren und sinnentleerten Welt etwas von dem erfahren möchten, was Leben im Kern ausmacht." Ablehnen könne er Anfragen deshalb nicht. "Denn wenn sie anrufen, haben sie doch schon ein deutliches Zeichen ihres Interesses gesetzt."

Er nimmt dieses Zeichen gern wahr. Und er gibt sein Bestes, in der einen Stunde das heute gar nicht mehr selbstverständliche Interesse zu nutzen. Er tut es mit viel Witz und viel Spielerischem. Er tut es aber auch mit Gesang und Gebet.

An der großen Krippe angekommen, lässt er die detailverliebten Bilder der Landschaft auf die Kinder wirken, dann beten sie gemeinsam das Vater unser. Die 60 Minuten der Krippenführung sind damit um. Den Wunsch, das sie nachhallen sollen, gibt Theismann aber allen noch mit auf den Weg: "Überlegt einmal, wer das ganze Jahr Platz in eurem Herzen haben kann."

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Text: Michael Bönte | Foto: Michael Bönte in Öffnet internen Link im aktuellen FensterKirche+Leben
05.01.2011

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