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21.08.2017
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Schon Zweijährige sind heute den Umgang mit Tablet-Computern gewohnt.

Schon Zweijährige sind heute den Umgang mit Tablet-Computern gewohnt.

Neue Medien in Tageseinrichtungen für Kinder

Tablet in Kleinkinderhand

Bistum. Das Tablet begrüßt die Besucher schon im Eingangsbereich der Grevener Kindertagesstätte St. Mariä Himmelfahrt. Großeltern und Eltern sind begeistert. Hautnah bekommen sie einen Überblick über den Kindergarten-Alltag der vergangenen Tage. Für die quirligen Mädchen und Jungen ist das Tablet nicht nur im Kindergarten immer ein Anziehungspunkt. In seinem Bestseller "Digitale Demenz" hat Hirnforscher Manfred Spitzer gar behauptet, früher Umgang mit digitaler Technik mache Kinder dumm. Aber stimmt das?

"Es kann sicher bei falscher Anwendung negative Beeinträchtigungen der kindlichen Wahrnehmung geben", sagt Caritas-Expertin Marita Haude im Gespräch mit Kirche+Leben. Die Leiterin des Referates für Kinder-, Jugend und Familienhilfe beim Diözesancaritasverband betont aber: "In unseren Kindergärten sollten Mädchen und Jungen Medienkompetenz erlernen können."

"Eine andere Qualität"

Haude reagiert mit ihrer Einschätzung auf die Forderung von NRW-Familienministerin Christina Kampmann (SPD), möglichst flächendeckend Tablet-Computer in Kindergärten einzusetzen. "Was spricht dagegen, ein Tablet mit in den Wald zu nehmen, um damit Vogelstimmen aufzunehmen und später in der Kita darüber zu sprechen?", so die Ministerin.

"Mir wäre es wichtiger, dass Kinder in den Wald gehen, um dort mit allen Sinnen ihre Umwelt wahrzunehmen", relativiert Haude diese Einschätzung der Politikerin. Man solle digitale Technik im Kindergarten nicht verteufeln, zugleich aber deren pädagogischen Wert nicht zu hoch schätzen: "Einem Kind ein Bilderbuch vorzulesen, hat für mich immer noch eine andere Qualität."

Schule nicht in Kindergarten vorverlegen

Auch warnt die Caritas-Expertin vor zu viel Bildungsanspruch, der oft mit der neuen Technik einhergehe. Man wolle die Schule nicht in den Kindergarten vorverlegen, Lernprogramme seien nicht für den Erwerb sozialer Strategien gedacht. Gerade darum aber gehe es in den Tageseinrichtungen für Kinder: Jene, die daheim keinen Spielpartner mehr hätten, lernten durch das Miteinander, besser zu  sprechen oder sich anders auszudrücken. "Ein Gespräch fördert Sprache besser als ein noch so gutes Lernprogramm", so Haude. Überhaupt stehe bei vielen Programmen das Lernen zu sehr im Vordergrund – kleine Kinder müssten aber auch Zeit zum Spielen haben.

Die Caritas will in den nächsten Monaten den rund 730 Tageseinrichtungen verstärkt Fortbildungen zum Thema anbieten, damit die rund 50.000 Kinder behutsam und sinnvoll an die neuen Medien herangeführt würden.

Medien gehören dazu

"Grundsätzlich gut" findet dagegen Susanne Roboom vom Verein "Blickwechsel e.V. – Verein für Medien und Kulturpädagogik" die Initiative der NRW-Ministerin zur möglichst flächendeckenden Ausstattung von Kindergärten mit Tablets. "Schließlich gehören diese Medien zur Lebenswelt der Kinder", betont die Pädagogin. Die Auseinandersetzung mit Tablets und Computern sei genauso wichtig wie eine geregelte Verkehrserziehung: "Man sagt den Kindern ja auch nicht, sie dürften nicht mehr auf die Straße, nur weil der Verkehr zunimmt."

Roboom mahnt eine zügige professionelle Unterstützung von  Erzieherinnen und Eltern zum Thema neue Medien an. Die Expertin empfiehlt die Initiative Eltern und Medien in Nordrhein Westfalen (www.elternundmedien.de) "Nur wer den Umgang mit Tablets beherrscht, erkennt, wo beispielsweise der Einsatz eines Tablets pädagogisch besser wäre als eine bisherige Methode", sagt die Pädgagogin, die vor allem von den vielfältigen kreativen Möglichkeiten der Tablet-Computer begeistert ist.

Wer sich mit dem Gerät in die Umwelt aufmache, um bestimmte Interessensgebiete der Kinder zu erkunden, schule deren Wahrnehmung und Kreativität. "Der durchdachte Einsatz von Medien kann spielerisches Lernen fördern und greift die Medien-Faszination der Kinder auf."  Zudem verweist Roboom auf manchen Zweiteffekt der Tablet-Nutzung: Eltern, die daheim nie ein Bilderbuch zur Hand nähmen, benutzten nach Studien-Ergebnissen häufig eine Bilderbuch-App, um diese mit den Kindern am Tablet zu betrachten. Vorlesen, egal in welcher Form, mache Erwachsene und Kinder eher schlauer als dumm.

Mehr zum Thema in kirchensite.de:

  1. Öffnet internen Link im aktuellen FensterBistumshandbuch: Tageseinrichtungen für Kinder
  2. Öffnet internen Link im aktuellen FensterDossier: Familie

Text: Norbert Ortmanns | Foto: Norbert Ortmanns in Öffnet internen Link im aktuellen FensterKirche+Leben
24.05.2016

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