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28.07.2016
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Thomas Frings

Thomas Frings in der profanierten Dreifaltigkeitskirche in Münster. Sie gehörte zuvor zur Heilig-Kreuz-Pfarrei, die der Priester nun als Pfarrer verlässt.

Interview mit dem scheidenden Seelsorger

Pfarrer Frings: "Ich muss konsequenter leben"

Bistum. Als Thomas Frings, Pfarrer und Moderator des Priesterrats im Bistum Münster, Mitte Februar 2016 der Heilig-Kreuz-Gemeinde in Münster seine Beurlaubung als Priester bekannt gab, rief seine Stellungnahme ein Echo weit über das Bistum hinaus hervor. An Ostern verabschiedet er sich und zieht sich in ein Kloster zurück. Was bewegt ihn heute? Darüber haben wir mit Thomas Frings gesprochen. kirchensite.de bringt Auszüge aus dem Interview, das komplett in der Osterausgabe von Kirche+Leben (Nr. 13 zum 27.03.2016) zu lesen ist.

Kirche+Leben: Eine Reaktion, die uns bei Kirche+Leben nach Ihrer Stellungnahme oft erreichte: Anstatt als Priester biblisch gesprochen dem einzelnen, verlorenen Schaf hinterherzulaufen, schmeißt er die Brocken hin, weil ihm zu wenige in seine Gottesdienste kommen …

Pfarrer Thomas Frings: Die Schwierigkeit ist, das verlorene Schaf heute zu definieren. Das war früher leichter: Wer nicht sakramentalisiert war, war das verlorene Schaf, und wer zu den Sak­ramenten gegangen ist, war das gerettete. Das ist heute nicht mehr so. Heute sakramentalisieren wir, die Leute versprechen uns alles Mögliche – und bei jeder Umfrage kommt heraus: Sie glauben's immer weniger. Der Widerspruch wird größer, und er wird immer unverhohlener geäußert.

Zu Ihrem anderen Punkt: Es regt mich auf, wenn ich dieses Ideal "volle Kirchen" höre! Christus hat nicht gesagt: "Geht hinaus und holt alle zur Frühmesse!" Er hat gesagt: "Geht hinaus in alle Welt und macht alle Menschen zu meinen Jüngern!" – Auch wenn für mich klar ist: Ich persönlich denke Kirche von der Eucharistie her, und ich lebe daraus. Aber ich muss doch die Augen aufmachen und sehen, dass 90 Prozent der Katholiken ganz gut ohne sie auskommen – ohne dass ich ihnen deshalb ihr Kirchesein absprechen könnte!

Davon ab: Wir haben in Heilig Kreuz einen Zuwachs der Gottesdienstbesucher um bis zu 30 Prozent gehabt. Also: Hier geht kein enttäuschter Pfarrer! – Warum geht er trotzdem? Weil wir letztlich nicht nur Gemeinde sein sollen, sondern Kirche!

Kirche+Leben: Sie haben in Ihrer Stellungnahme gesagt, Sie sähen keine Chance für Veränderungen in der Kirche, in den Gemeinden, weil es zu wenig Entschiedenheit zur Verabschiedung von Überkommenem und vom Bedienen von Traditionen gibt …

Frings: Ich habe den Glauben an Pläne verloren, aber nicht ans Evangelium. Also habe ich mir gesagt: Dann musst du das Evangelium konsequenter leben.

Kirche+Leben: Bezahlt das Bistum Sie eigentlich weiter?

Frings: Nein, ich bin dann wohnungs- und arbeitslos. Und das ist auch richtig so. Ich will diese Freiheit haben, ganz raus zu gehen, und will wirklich schauen, was mir einfällt, wie es auch anders gehen könnte als Priester – übrigens auch, wenn ich nicht im Kloster bleibe.

Kirche+Leben: Aber Sie brauchen doch irgendwie Geld!

Frings: Dann werde ich wohl arbeiten müssen.

Kirche+Leben: An diesem Osterfest verabschieden Sie sich von Ihrer Gemeinde. Das wird vermutlich durch die sehr dichten Liturgien noch einmal eine ganz intensive Erfahrung. Wie gehen Sie darauf zu?

Frings: Das wird sicherlich anstrengend. Ich werde die Kar- und Ostertage auf gepackten Koffern und Kisten feiern. Das kann aber auch etwas sehr Geistliches werden, nämlich zu wissen: So ist das mit uns in der Welt, wir sitzen auf gepackten Koffern. Was nehmen wir mit? Ich frage mich schon lange bei Diskussionen über Strukturen oder Aufgaben in der Gemeinde: Was ist das eigentlich, worunter wir in Kirche so stöhnen?

"Nehmt mein Joch auf euch, denn meine Last ist leicht!", sagt Jesus. Ich glaube, das Evangelium drückt uns nicht! Um Kirche und Jünger Jesu Christi sein zu können, brauchen wir nur die Heilige Schrift, Brot, Wein und Wasser. Damit können wir alles machen! Das sind unsere Basics.Vielleicht müssen wir uns von viel mehr trennen, unter dem wir stöhnen, an dem wir hängen. Natürlich: Ich bin auch Kunstgeschichtler, ich hänge auch an unseren Kirchengebäuden, ich lebe darin, mein Herz wird leichter in ihnen. Aber wenn wir unser Herz mal so sehr ans Evangelium gehängt hätten, wie wir es an die Steine gehängt haben, bräuchten wir uns um die Steine keine Gedanken mehr zu machen. Wir könnten in die Zukunft hinein tanzen!

Hintergrund

Ende Februar hat Thomas Frings, Moderator des Priesterrats im Bistum Münster und Pfarrer der Heilig-Kreuz-Pfarrei in Münster, seiner Gemeinde mitgeteilt, dass er sich von Bischof Felix Genn als Priester hat beurlauben lassen. In einer Erklärung sagte Frings, er erkenne keinen Konsens in der Frage, wie sich die Kirche angesichts ihres gesellschaftlichen Bedeutungsverlusts und des Bedeutungsverlusts des in der Kirche gelebten Glaubens für die Zukunft aufstellen will. Trotz zurückgehender Zahlen bei Gottesdienstbesuchern und Priesterweihen werde "die Zukunft von Kirche in den Gemeinden immer noch nach dem Modell der Vergangenheit" gestaltet. Frings, der 1987 zum Priester geweiht wurde und seit 2009 Pfarrer der Heilig-Kreuz-Gemeinde war, gesteht ein, selber "nicht die Lösung parat" zu haben. Gleichwohl erlebe er sich als Pfarrer "vermehrt in einer Funktion des Bedienens von Traditionen und als Verfügungsmasse einer Kirche, die auf allen Ebenen mehr an ihrer Vergangenheit arbeitet als an ihrer Zukunft". Zugleich beklagt er: "Wir wecken keine Sehnsucht." Ihm selber sei "die Perspektive abhanden gekommen". Frings betonte, er mache niemandem einen Vorwurf. (mn)

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