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19.09.2018
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Dichte Geschichten prägten den ersten "Geistlichen Abend" im St.-Paulus-Dom.

Dichte Geschichten prägten den ersten "Geistlichen Abend" im St.-Paulus-Dom.

Ulla Hahn las im St.-Paulus-Dom aus ihren Werken

Suchende begleiten

Münster. "Durch seine Wunden …" ist die Reihe der Geistlichen Abende während der Fastenzeit in Münsters St-Paulus-Dom überschrieben. Im "Jahr der Barmherzigkeit" sollen sie erforschen, wie aus Verletzungen Verheißungen entstehen können und wie Menschen ihr Herz öffnen, um zu helfen, wo jede Hilfe zu spät zu kommen scheint.

Den Auftakt machte am Mittwoch (17.02.2016) eine Lesung von Ulla Hahn. Die bekannte Autorin hatte sich für Schlüsselpassagen aus zweien ihrer Werke entschieden: "Das verborgen Wort" und "Aufbruch". Beide Bücher erzählen die Geschichte von Hildegard Palm, einem Mädchen, einer jungen Frau aus dem Rheinland, die aus kleinen Verhältnissen stammt, einer engen katholischen Welt, die fesselt, aber doch zunächst auch Halt gibt. Sie erlebt Schreckliches, mit dem sie nicht fertig wird, eine Vergewaltigung, über die sich nicht sprechen kann. Aber sie findet Menschen, die sie begleiten – und so findet sie ihren Weg, verwundet, aber nicht zerstört.

Hildegard Palm ist das Alter Ego von Ulla Hahn. Die Bücher sind keine Autobiographien, sondern Romane. Aber die Geschichte Hildegards bewegt, weil sie so realistisch ist.

Der schwarze Fritz in der Krippe

"Suchende begleiten" – dieses "Werk der Barmherzigkeit" war das Motto des Abends. Ulla Hahn hat sich ganz darauf eingelassen und ihre eigenen Bücher in dieser Perspektive noch einmal gelesen: "Wo führt der Weg hin, wer begleitet das suchende kleine Mädchen, die suchende Heranwachsende, die erwachsene Frau?" Sie hatte es nicht leicht, aber sie hat auch Glück gehabt. "Säkulare Schutzengel" habe sie gefunden, erklärte Ulla Hahn im voll besetzten Dom. Zuerst den Großvater, der ihr Steine vom Rheinufer als "Buchsteine" entziffert habe: Zeilen, die Gott selbst mit seinen Engeln und anderen Helfern auf diese Steine geschrieben habe – ein Glückskind sei, wer sie finden und lesen könne.

Und dann der Pastor, Pfarrer Kreuzkamp. Das kleine Mädchen rettet er, als sie das angebliche Sakrileg begangen hat, ein schwarzes Püppchen, den "schwarzen Fritz", ein "Heidenkind", in die Jesuskrippe der provisorischen Kirche zu legen, damit es weiß werde, wie jedes Christenkind: "Glaubst du wirklich, der liebe Gott hätte die Schwarzen schwarz gemacht, wenn er sie lieber weiß gehabt hätte?"

Das Ungesagte

Aber dann später, nach der Vergewaltigung, über die zu sprechen sie nicht in der Lage ist, kann der Pastor der jungen Frau nicht mehr den Weg bahnen. Er kann sie nur noch begleiten, auf einem langen Weg den Rhein entlang. Viel wird gesprochen – aber das Entscheidende wird nicht gesagt. Der Pfarrer hat die Geschichte mit dem "schwarzen Fritz" nicht vergessen. Er weiß, dass sie etwas auf dem Herzen hat und nicht heraus kann mit der Sprache. Und sie weiß, dass er es weiß. So begleitet er sie, die nicht mehr zur Kirche geht, ohne dass er sie aufgibt.

Beim Gang am Rheinufer fällt der Blick immer wieder auf einen Schäfer mit seiner Herde. Ein Schaf, das in den Strom zu fallen droht, wird zurück in die Herde geholt Deutlicher ist der Fingerzeig nicht.

An den Schluss des dichten Abends, den Domorganist Thomas Schmitz mit Orgelimprovisationen gliederte, stellte Ulla Hahn ein ganz persönliches Gedicht: "Mein Gott". Es erzählt von ihrem Zimmer, ihren Besuchern, die erstaunt nach dem Bild des Gekreuzigten fragen, und von ihren Zwiegesprächen mit ihm, der sie einlädt, ihre Freunde doch einmal mitzubringen zu ihm. Am Ende steht sein Versprechen: "Und mit fünf Broten und zwei Fischen / kriege ich alle satt."

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Text: Professor Dr. Thomas Söding | Foto: Michael Bönte
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