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10.12.2018
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Kardinal O´Malley (l.) und Bischof Genn

Kardinal O´Malley (l.) und Bischof Genn beim Einzug in den Festgottesdienst.

Genn feiert Pontifikalamt zum münsterschen Kapuziner-Jubiläum

"Bleiben Sie in Münster!"

Münster. Für ihre 400-jährige Arbeit in Münster hat Bischof Felix Genn den Kapuzinern gedankt und sie gebeten, in der Domstadt zu bleiben und den Menschen weiter nahe zu sein. "Wer kann ermessen, was Sie dieser Stadt an menschlicher und geistlicher Begleitung, Einsatz und Kraft geschenkt haben?", hob der Bischof bei einem Festgottesdienst in der Kapuziner-Klosterkirche am Sonntag (23.08.2015) hervor.

"Es sind unzählige Lebensgeschichten, denen Sie begegnet sind – im Beichtstuhl, im Sprechzimmer, in der Hochschule, im seelsorglichen Dienst und in der unscheinbaren Begegnung", schilderte Genn. Dabei sei es für die Kapuziner bergauf und bergab gegangen, sie seien weggeschickt worden und wieder zurückgekommen. Das Leitmotiv der Kapuziner aber sei immer ihre Nähe zu den Menschen gewesen. "Das zeichnet Sie bis heute aus", würdigte Bischof Genn das Engagement des Ordens und erhielt dafür spontan viel Beifall.

Kardinal O´Malley zu Gast

Der Bischof zelebrierte den Festgottesdienst unter anderem gemeinsam mit Kardinal Sean Patrick O’Malley, Erzbischof von Boston (USA) und Kapuzinerpriester sowie Mitglied der von Papst Franziskus eingesetzten vatikanischen Reformkommission "K9" und Leiter der neuen vatikanischen Kinderschutz-Kommission. Mit den Bischöfen standen zudem der Provinzial der Deutschen Kapuzinerprovinz, Marinus Parzinger, und der Guardian des Kapuzinerklosters Münster, Markus Thüer, am Altar.

In seiner Predigt bescheinigte Genn den Kapuzinern, sie hätten sich mit Haut und Haaren in den Dienst nehmen lassen und sich aus einer tiefen Berufung heraus dafür engagiert, Menschen zu Jesus hinzuführen. Jesuitenpater Alfred Delp, der den Kapuzinern bereits vor 70 Jahren wegen ihrer "soliden Echtheit" und ihrer "Unmittelbarkeit in Gotteswort und Menschensprache" eine große Zukunft vorhergesagt habe, habe letztlich Recht behalten.

So wie vor 400 Jahren Fürstbischof Ferdinand von Bayern die Aufgaben des  Ordens beschrieben hatte, als er ihn nach Münster holte, gab auch Genn den Kapuzinern einige Anregungen mit auf den Weg. "Bleiben Sie in Münster", sagte der Bischof. "Und bleiben Sie in der Nähe der Menschen, auch in der Situation, in der wir uns heute befinden, mit ihren vielen ungeklärten Fragen."

"Harte Worte" Jesu

Nicht zuletzt gab Genn dem Orden mit auf den Weg, anzuecken. Dass Jesus Worte des ewigen Lebens habe, sei für viele damals wie heute unerträglich, ja geradezu hart. "Wir müssen die Menschen in diese Entscheidung hineinführen – empathisch, einladend, geduldig zuhörend, abwartend und vor allem nicht zwingend", forderte der Bischof. Dazu gehöre auch, die Kirche, wie sie sei, zu lieben.

Darüber hinaus legte Genn den Kapuzinern nahe, franziskanisch arm zu sein und ein Gegenbild gegen eine reiche, wohlhabende Gesellschaft zu setzen, in der es immer mehr Ansprüche gebe. Armut zu leben und für die Armen da zu sein, das bedeute heutzutage aber nicht nur, Sensibilität für die Flüchtlinge aufzubringen, sondern auch nach den versteckten Armen der Gesellschaft zu fragen, die sich ihrer Armut schämten. Der Bischof rief den Orden dazu auf, betteln zu gehen, "aber nicht mit dem Klingelbeutel". Stattdessen gehe es darum, zum Gefäß zu werden, das Gottes Liebe aufnehmen könne.

Direkt im Anschluss an den Gottesdienst erinnerte sich Hauptzelebrant Kardinal O´Malley an die große Bedeutung, die die deutschen Kapuziner für die Ordensprovinzen in Nord- und Lateinamerika gehabt hätten. Er selbst habe durch die Begegnung mit einem bayerischen Kapuzinerpater, der ganze Generationen im Orden geistlich geprägt habe, seine Berufung erfahren. "Als mein Vater nach der ersten Begegnung mit ihm sagte: ,Das ist der glücklichste Mann der Welt´, wusste ich intuitiv, dass er Recht hatte", berichtete der Erzbischof, der selbst Kapuziner ist.

Zum Festgottesdient in die überfüllte Kapuziner-Klosterkirche waren viele gekommen, die sich der Gemeinschaft verbunden wissen. Messdienerinnen und Messdiener aus Aulendorf, wo die Kapuziner häufig Sonntagsgottesdienste feiern, ministrierten. An die festliche Messe schloss sich ein großes Jubiläums- und Nachbarschaftsfest im Kapuziner-Klostergarten an.

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Text: pd | Foto: Michael Bönte
24.08.2015

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