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16.10.2017
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Der evangelische Theologe Professor Dietrich-Alex Koch, die katholische Dogmatikerin und Professorin Julia Knop, Schwester Raphaela Händler und der Leiter der Hauptabteilung Seelsorge im Bischöflichen Generalvikariat Münster, Pater Manfred Kollig.

Diskutierten über die Bedeutung der christlichen Mission heute (von links): Der evangelische Theologe Professor Dietrich-Alex Koch, die katholische Dogmatikerin und Professorin Julia Knop, Schwester Raphaela Händler und der Leiter der Hauptabteilung Seelsorge im Bischöflichen Generalvikariat Münster, Pater Manfred Kollig.

Gespräch über den Auftrag zur Mission – weltweit und hierzulande

Christentum überzeugt durch solidarisches Handeln

Münster. "Die katholische Kirche wird in hundert Jahren daran gemessen werden, wie sie mit den Millionen von Aidskranken in Afrika umgegangen ist." Diese These warf Schwester Raphaela Händler OSB in die Diskussionsrunde über die Bedeutung der christlichen Mission ein. Das Gespräch fand im Rahmen des Domjubiläums in Münster statt.

Seit mehr als 45 Jahren wirkt die aus dem münsterländischen Nottuln stammende Schwester Raphaela als Missionsschwester in Afrika. Die 74-Jährige engagierte sich für den Bau von Krankenhäusern, Kindergärten und Schulen für Mädchen und setzte sich besonders für den Kampf gegen Aids ein. Die Fachärztin für Gynäkologie errichtete mit Spenden eine Klinik in Tansania, in der Tausende von Kindern geboren wurden. Ab 1994 wirkte Schwester Raphaela zehn Jahre in Namibia und baute dort das nationale Programm zur Bekämpfung von Aids auf. "Mission gibt es nicht, ohne sozial und solidarisch zu sein", sagte die Missionsbenediktinerin. Als sie nach Afrika gesandt wurde, galt noch die Vorstellung von der Mission heidnischer Völker. "Als ich 1962 Missionsschwester wurde, wollte ich den Glauben zu den Menschen bringen. Doch ich habe erfahren: Gott ist bei allen Völkern schon da." Die Vorstellung von Mission habe sich schon vor Jahrzehnten geändert.

Kampf gegen Aids

Eindrucksvoll schilderte Schwester Raphaela vom Glauben der Menschen in Afrika. "Eigentlich glaubt dort jeder an Gott. Gott ist im Leben der Afrikaner allgegenwärtig. Hier in Deutschland glaubt mittlerweile nicht mehr ein Drittel der Menschen an ein Leben nach dem Tod." Das Gespür für Transzendenz sei hierzulande verloren gegangen, das Gespür für das Sakrale verschwunden, meinte die engagierte Ordensschwester. Sie zeigte sich sehr erfreut, dass während der Feierlichkeiten zum Domjubiläum die Ars Moriendi, die Kunst zu Sterben, mit einer Ausstellung im St.-Paulus-Dom thematisiert wurde. "Der Gedanke an den eigenen Tod stellt eine wichtige Verbindung zu Gott her."

Schwester Raphaela zitierte aus dem dem Lehrschreiben Evangelii Gaudium von Papst Franziskus. "Franziskus schärft ein, dass die Botschaft des Evangeliums die Kirche dazu aufruft, gerade auch die sozialen und wirtschaftlichen Verhältnisse besonders in den benachteiligten Regionen der Welt immer wieder deutlich anzuprangern. Er ruft uns dazu auf, an die Ränder der Gesellschaft zu gehen. Das vor allem sei Mission heute."

Mut zur gestuften Nähe

Mit der Frage, wie heute von Mission und Neuevangelisierung gesprochen werden kann, beschäftigte sich die Professorin für Dogmatik in Münster und Freiburg, Julia Knop. "Glaube ist eine Herzensangelegenheit und eine Vertrauenssache. Missionieren im heutigen Verständnis heißt, nicht zu indoktrinieren, sondern Menschen Orientierung zu geben." Die christlichen Gemeinden dürften sich selbst nicht überfordern, sondern sie müssten "Mut zur gestuften Nähe" aufbringen. "Die Kerngemeinde, die regelmäßig zur Eucharistie zusammenkommt, ist wichtig." Die Gemeinde brauche aber auch Angebote für diejenigen, die mit den kirchlichen Formen nicht mehr vertraut seien. Jeder Christ könne heute wie ein Missionar wirken, in dem er Verantwortung für Gott und die Welt übernähme.

Apostel Paulus als Vorbild

Auf das Wirken des Apostels Paulus ging der evangelische Pfarrer und langjährige Direktor des neutestamentlichen Seminars der Evangelisch-Theologischen Fakultät der Universität Münster, Professor Dietrich-Alex Koch, ein. "Paulus gründete Gemeinden. Er hatte Erfolg als Missionar. Er betrieb mit seinen Briefen zu damaliger Zeit moderne Kommunikation. Die Kirchen können auch heute von Paulus viel lernen", sagte Koch. Anhand von Beispielen zeigte er die Ausbreitung des Christentums im ersten Jahrhundert auf. Grundlage für den Erfolg der Mission durch Paulus und seiner Freunde sei es gewesen, Antworten auf die drängenden und alltäglichen Probleme der Gemeinden zu finden.

Der Leiter der Hauptabteilung Seelsorge im Bischöflichen Generalvikariat Münster, Pater Manfred Kollig, verwies darauf, dass die personellen Ressourcen in der Seelsorge gut seien. "Heute ist in Münster eine pastorale Mitarbeiterin und Mitarbeiter oder ein Priester für 1500 Katholiken zuständig. Und doch sprechen wir heute von Münster als von einem Missionsgebiet." Die Seelsorge müsse sich immer daran messen lassen, wie nah sie an den Menschen sei. Das sei eine Frage, mit der sich die hauptamtlichen Seelsorgerinnen und Seelsorger zu beschäftigen hätten.

Mehr zum Thema in kirchensite.de:

  1. Öffnet internen Link im aktuellen FensterÜbersicht: 750 Jahre St.-Paulus-Dom

Text: Johannes Bernard | Foto: Johannes Bernard
27.09.2014

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